Pfarr- und Wallfahrtskirche Seefeld in Tirol

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Oswald steht im Ortszentrum von Seefeld in Tirol und gehört zu den bekanntesten spätgotischen Kirchenbauten Tirols. Schon die Lage ist wichtig: Seefeld lag am alten Weg über den Seefelder Sattel zwischen dem Inntal, Scharnitz und Bayern und war damit nicht nur Dorfkirche, sondern auch ein religiöser Ort an einer vielbegangenen Verkehrs- und Pilgerroute. Eine Kirche in Seefeld wird 1320 genannt; die Pfarre selbst hebt hervor, dass St. Oswald lange Zeit zu den bekanntesten Wallfahrtskirchen Tirols zählte.

Der Ursprung der Wallfahrt ist das Seefelder Hostienwunder von 1384. Nach der Überlieferung verlangte der Ritter Oswald Milser, Pfleger auf Schlossberg, bei der heiligen Messe eine größere Hostie, wie sie dem Priester vorbehalten war. Als er sie empfing, soll sich die Hostie blutrot gefärbt haben; zugleich sank der Steinboden unter ihm ein, und auch der Altarstein gab nach, an dem sich Milser festhalten wollte. Erst als der Priester ihm die Hostie wieder aus dem Mund nahm, habe sich der Boden geschlossen. Der Abdruck seiner Hand am Altarstein beziehungsweise an der Steinplatte wurde als sichtbares Erinnerungszeichen des Wunders gedeutet.

Dieses Ereignis machte Seefeld rasch zu einem stark besuchten Wallfahrtsort. Die sogenannte Blutshostie wurde in einer Reliquienmonstranz aufbewahrt; die Hostie selbst ging 1919 verloren, die Monstranz wird aber weiterhin mit der Wallfahrtstradition verbunden. Die alte Kirche wurde bald zu klein, weshalb im 15. Jahrhundert unter Herzog Friedrich IV. und später unter Herzog Sigmund dem Münzreichen ein größerer spätgotischer Bau entstand; 1474 konnte die Kirche vollendet und geweiht werden.

Auch die Tiroler Landesfürsten förderten die Wallfahrt. Sigmund der Münzreiche machte der Kirche Schenkungen, Kaiser Maximilian I. interessierte sich besonders für den Seefelder Gnadenort und begann 1516 mit einem Klosterbau. 1604 wurden Augustiner-Eremiten nach Seefeld berufen, um die Wallfahrt seelsorglich zu betreuen und neu zu beleben; unter Kaiser Joseph II. wurde das Kloster 1785 aufgehoben.

Kunstgeschichtlich ist St. Oswald sehr reich ausgestattet. Das Tympanonrelief am Hauptportal erzählt die Geschichte des Hostienwunders; im dreischiffigen Inneren finden sich Fresken aus dem 15. Jahrhundert, eine Kanzel mit Flachschnitzereien von 1524, ein gotischer Taufstein, wertvolle Schreinfiguren und das berühmte Tafelbild von Jörg Köderer aus dem Jahr 1502, das ebenfalls das Hostienwunder darstellt.

Volkskundlich ist Seefeld besonders interessant, weil hier eine Eucharistiewallfahrt, eine Ritterlegende, sichtbare Wunderzeichen und landesfürstliche Förderung zusammenkommen. Die Erzählung vom hochmütigen Ritter, der durch das Heilige gedemütigt wird, wurde in Bildern, Kirchenfahnen, Sagen und Andachtsüberlieferungen weitergegeben und prägte das religiöse Gedächtnis des Ortes.

Lage: Maximilianweg 29, 6100 Seefeld.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Seefeld
Geöffnet: 08:00 - 18:00.
Außenaufnahme:

Mutters, Pfarrkirche St. Nikolaus

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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