Schmirn, Wallfahrtskapelle zur "Kalten Herberge"

Die Wallfahrtskapelle zur Kalten Herberge, genauer "Mariahilf in der Kalten Herberge", liegt oberhalb des Weilers Wildlahner im Schmirntal, versteckt auf einer Waldlichtung. Sie ist kein großer, repräsentativer Wallfahrtsbau, sondern ein stilles Bergheiligtum, das man zu Fuß erreicht. Gerade diese Lage macht den Ort besonders eindrucksvoll: Wald, Quelle, Schnee, Wind und die Einsamkeit des Hochtales gehören hier wesentlich zur religiösen Wirkung. Das Wipptal bezeichnet das Kirchlein sogar als Wahrzeichen von Schmirn; erreichbar ist es im Sommer wie im Winter über Wanderwege beziehungsweise über den Winterwanderweg und die Rodelbahn.

Der Name "Kalte Herberge" geht auf eine berührende Entstehungslegende zurück. Je nach Fassung begegnet ein Hirte oder Jäger an einem stürmischen Herbsttag, in anderer Überlieferung auch mitten im Schnee, einer Frau mit einem kleinen Kind unter einer Fichte. Mitleidig spricht er sie an: "Da habt ihr aber eine kalte Herberge" — oder im Dialekt "a kalte Hörbige". In diesem Augenblick verschwinden Frau und Kind; später erkennt man in der Erscheinung die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind.

Zur Erinnerung an diese Erscheinung wurde zunächst ein Maria-Hilf-Bild an den Baum gehängt, ausdrücklich eine Kopie des berühmten Cranach-Bildes aus der Innsbrucker St.-Jakobs-Kirche. Schon um 1730 entstand dafür eine hölzerne Kapelle, 1733 folgte ein gemauertes Kirchlein. 1818 wurde die Anlage vergrößert, und 1838 wurde die heutige Wallfahrtskirche errichtet; die ältere Kapelle bildet nach der Überlieferung beziehungsweise Beschreibung die Sakristei.

Im Mittelpunkt der Verehrung stehen das Mariahilfbild und ein Kruzifix, das auf schwarzem Samt aufliegt. Zu diesem Kreuz gibt es eine eigene, ungewöhnliche Überlieferung: Es soll vom Missionar Peter Miller in Amerika verwendet worden sein. Als er 1783 gefangen genommen worden sei und sich flehend an das Kruzifix wandte, sei er nach der Legende mit dem Kreuz an einem anderen Ort erwacht. Damit besitzt die Kalte Herberge neben der Marienlegende auch eine Kreuzüberlieferung mit starkem Schutz- und Rettungsmotiv.

Volkskundlich besonders wichtig ist auch die Quelle bei der Kapelle. Erwähnenswert ist neben der Kapelle eine Quelle mit heilkräftigem Wasser, und auch Hermann Holzmann erwähnt den Brunnen bei der Kalten Herberge als angesehenen Gesundbrunnen. Bei Wallfahrten wurde aus solchen Quellen Wasser getrunken, und sei es nur in wenigen Tropfen. Damit ist die Kalte Herberge nicht nur Marienwallfahrt, sondern auch ein Quellheiligtum, in dem Wasser, Heilserwartung und Gebet zusammenkommen.

Die Umgebung verstärkt diese Bedeutung: Das hochgelegene Schmirntal war lange schwer erreichbar; eine ausgebaute Straße gibt es erst seit 1972, zuvor führte der alte Weg mit sehr starken Steigungen ins Tal. Auch der jahrhundertealte Übergang über das Tuxer Joch nach Hintertux gehört zum weiteren historischen Raum. Vor diesem Hintergrund wirkt die Kalte Herberge wie ein Ort der Zuflucht im Gebirge: ein kleiner Schutz- und Trostplatz in einer Landschaft, die schön, aber auch rau und gefährlich sein kann.

Bis heute ist die Kalte Herberge lebendig geblieben. Jedes Jahr am 26. Juli, dem Annatag, sowie an jedem 13. des Monats von Mai bis Oktober finden Bittgänge unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Damit ist der Ort nicht nur Erinnerung an eine alte Sage, sondern weiterhin in den religiösen Jahreslauf des Tales eingebunden. Die Wallfahrt zeigt eine sehr bodenständige Form von Frömmigkeit: Man geht hinauf, betet, trinkt oder schöpft Wasser, zündet eine Kerze an und vertraut der Gottesmutter persönliche Sorgen an.

Lage: Hochmark, 6154 Schmirn.
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Web: Pfarre Schmirn
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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