Matrei am Brenner, Maria Waldrast

Die Wallfahrtskirche Maria Waldrast liegt oberhalb von Matrei am Brenner, am Fuß der Serles, zwischen Wipptal und Stubaital. Mit rund 1.638 bis 1.641 Metern Seehöhe gehört Maria Waldrast zu den höchstgelegenen Wallfahrtsklöstern Europas. Schon die Lage macht den Ort eindrucksvoll: Die Klosteranlage steht nicht mitten in einer Siedlung, sondern auf einer stillen Hochfläche unterhalb der Serles, erreichbar über alte Pilgerwege von Matrei/Mützens, Mieders, Schönberg, Fulpmes und Trins. Der Name "Waldrast" passt gut zu diesem Charakter: ein Ort der Rast im Wald und Gebirge, für Pilger, Hirten, Wanderer und Ruhesuchende.

Der Ursprung der Wallfahrt wird in einer der schönsten Tiroler Marienlegenden erzählt. Im Jahr 1407 sollen zwei Hirtenknaben aus Mützens in einem Lärchenstamm ein eingewachsenes Bild der Muttergottes entdeckt haben. Das Bild wurde aus dem Stamm herausgesägt und zunächst nach Matrei gebracht. Eine zweite Legende berichtet von Christian Lusch aus Matrei, dem die Gottesmutter im Traum erschienen sei und der den Auftrag erhalten habe, an der Waldrast eine Kapelle zu errichten. Historisch fassbar ist, dass Lusch 1409 die bischöfliche Erlaubnis zum Kapellenbau erhielt und 1414 auch die Erlaubnis, dafür Almosen zu sammeln; 1429 wurde die Kapelle vollendet.

Im Jahr 1429 wurde das Muttergottesbild in feierlicher Prozession wieder auf den Berg gebracht. Damit begann die eigentliche Wallfahrt nach Maria Waldrast. 1465 weihte ein Weihbischof von Salzburg die Altäre der Wallfahrtskirche, 1469 sind weitere Altarweihen belegt. Schon im 15. Jahrhundert wurden in Maria Waldrast Mirakelberichte aufgezeichnet; sie zeigen, dass der Ort früh als Gnadenstätte verstanden wurde, an der Menschen Hilfe in Krankheit, Gefahr und persönlicher Not suchten. Das Gnadenbild selbst ist eine geschnitzte sitzende Madonna mit dem Jesuskind, das einen Apfel hält; es wird um 1420 datiert und steht heute auf dem Tabernakel des Hochaltars.

Besonders wichtig wurde Maria Waldrast durch die Betreuung der Serviten, der "Diener Mariens". 1621 legte Erzherzog Leopold V. den Grundstein für das Servitenkloster; 1624 bezogen die ersten Serviten den Ort, und 1644 wurden die Klosterarbeiten unter Erzherzogin Claudia von Medici abgeschlossen. Damit wurde aus der älteren Kapellenwallfahrt ein festes geistliches Zentrum mit Ordensseelsorge, Pilgerbetreuung und klösterlichem Leben. Die Wallfahrtskirche wurde im 17. Jahrhundert erweitert und 1728 bis 1735 barock umgestaltet.

Im 18. Jahrhundert erlebte Maria Waldrast seine größte Blüte. Zeitweise sollen jährlich rund 40.000 Pilgerinnen und Pilger auf die Waldrast gekommen sein. Das zeigt, dass der Ort weit über Matrei und das Wipptal hinaus Bedeutung hatte. Die Wallfahrt war dabei nicht nur ein einzelner Kirchenbesuch, sondern ein ganzes religiöses Erlebnis: der Anstieg über alte Wege, das Gebet vor dem Gnadenbild, Beichte und Messe, das Trinken oder Mitnehmen des Quellwassers, Rast im Kloster und die Rückkehr in den Alltag.

Wie viele Wallfahrten wurde auch Maria Waldrast durch die Reformen Kaiser Josephs II. schwer getroffen. 1785 wurden Kloster und Wallfahrt aufgehoben; die Serviten mussten den Ort verlassen, das Inventar wurde versteigert und das Gnadenbild nach Mieders gebracht. Die Gebäude verfielen. Erst 1844 konnte der Servitenorden die Ruinen zurückkaufen, und 1848 wurde das Gnadenbild in einer feierlichen Prozession von Mieders nach Maria Waldrast zurückgebracht. Der Wiederaufbau zog sich lange hin und war erst 1912 abgeschlossen.

Auch im 20. Jahrhundert erlitt der Ort noch einmal eine schwere Unterbrechung. 1941 wurden Kloster und Kirche von den Nationalsozialisten geschlossen; das Gnadenbild kam zuerst nach Matrei und später sogar ins Rheinland. Nach Kriegsende konnten die Serviten 1945 zurückkehren, und im November desselben Jahres wurde das Gnadenbild wieder in Maria Waldrast aufgestellt. Von 1986 bis 1995 wurden Kirche und Kloster gründlich renoviert. 2024 wurde das 400-jährige Bestehen des Servitenklosters gefeiert, was zeigt, dass Maria Waldrast bis heute als geistliches Zentrum lebendig geblieben ist.

Volkskundlich besonders wichtig ist das Waldraster Wasser. Bereits in alten Mirakelbüchern wird das Wasser des Marienbrunnens als besonderes Wasser erwähnt; seit dem 16. Jahrhundert war hier eine Quelle gefasst, der man heilende Wirkung zuschrieb. Bemerkenswert die "Siebenbrünndln" beziehungsweise mehrere Quellen unterhalb von Maria Waldrast. Das Gebiet gilt als Ursprung des Mützener Baches und besitzt eine ausgeprägte Quell- und Wassertradition. Heute wird das Wasser weiterhin am Marienbrunnen geschöpft; es wird getrunken, mitgenommen oder auf kranke Stellen aufgetragen.

Kunstgeschichtlich ist Maria Waldrast ebenfalls bemerkenswert. Vom ursprünglichen spätgotischen Kirchenbau ist der polygonale Chor aus dem 15. Jahrhundert erhalten; das Langhaus wurde nach dem Verfall im 19. Jahrhundert klassizistisch wiederaufgebaut. Die Inneneinrichtung ist überwiegend frühbarock geprägt, mit schwarz-gold gefassten Altären und Bildern von Michael Waldmann dem Jüngeren. An den Langhauswänden befinden sich Passionstafeln aus dem 15. Jahrhundert. Das Gnadenbild auf dem Hochaltar bleibt aber der Mittelpunkt: Nicht die Architektur allein, sondern die kleine Marienfigur aus der Ursprungserzählung trägt die Wallfahrt.

Bis heute ist Maria Waldrast ein Ort zwischen Wallfahrt, Kloster, Naturerlebnis und Einkehr. Viele Menschen kommen zum Gottesdienst, zur stillen Andacht, zum Marienbrunnen, auf dem Quellenweg oder als Wanderer auf dem Weg zur Serles.

Lage: Mützens 27, Mühlbachl, 6143 Matrei am Brenner.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land
Ansicht in Street View
Web: Maria Waldrast
Geöffnet: täglich geöffnet, freier Eintritt.
Außenaufnahme:

Matrei am Brenner, Maria Waldrast

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Außenaufnahme um 2006:
Wallfahrtsort Maria Waldrast am Fuße der Serles oberhalb von Matrei am Brenner, dahinter die Kalkkögel.

Matrei am Brenner, Maria Waldrast

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ursprung des Wallfahrtsortes Maria Waldrast, Tirol. Ansichtskarte (Künstlerkarte) um 1909:

Ursprung des Wallfahrtsortes Maria Waldrast, Tirol. Ansichtskarte um 1909

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Maria Waldrast, Auffindungskapelle:

Die Gründung des Wallfahrtsortes Maria Waldrast, der höchstgelegenen Klosterkirche Europas, westlich von Mühlbachl in 1.638 m Höhe, geht auf ein Marienwunder zurück: Im Jahre 1392 soll ein Marienbild aus einem Lärchenstamm gewachsen sein. Zwei Hirten fanden den Kultgegenstand und brachten ihn am Ostersonnabend 1407 nach Matrei.
Ein armer Holzhauer wurde beauftragt, am Auffindungsort ein Kirchlein zu errichten. Er vernahm in drei Nächten eine Stimme, die ihm den rechten Ort für den Bau wies. Als ihm "eine hohe Frau im weißem Kleide mit einem Kind" auch noch erschien, zweifelte er nicht mehr an der Baustätte.

Maria Waldrast, Auffindungskapelle

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Altarraum:

Maria Waldrast, Altarraum

Bildquelle SAGEN.at

Literatur zur Wallfahrt:
- Maria Waldrast, Wallfahrtskirche und Heilquelle auf SAGEN.at
- Aurelia Benedikt und Peter Emberger, Maria Waldrast: Servitenkloster – Wallfahrt – Kraftort. 400 Jahre. Alles über Geschichte und Kunst des höchstgelegenen Klosters der Alpen, Innsbruck 2024
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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