Kolsassberg, Lourdeskapelle

Die Lourdeskapelle am Kolsassberg liegt im Wald westlich von Merans, oberhalb des Inntales, im Gemeindegebiet von Kolsassberg. Sie ist keine große überregionale Wallfahrtskirche, sondern eine kleine, stille Marienkapelle, wie sie für die Tiroler Volksfrömmigkeit des 19. Jahrhunderts sehr charakteristisch ist. Kolsassberg selbst ist eine Streusiedlung am Eingang des Kolsasstales; alte Wege führten von hier über das Geiseljoch ins Tuxertal, also durch eine Landschaft, in der Weg, Rast, Gebet und kleine Kapellen seit jeher eng zusammengehörten.

Die Kapelle steht in der Tradition der Lourdesfrömmigkeit, die sich nach den Marienerscheinungen von Lourdes im Jahr 1858 rasch in ganz Europa verbreitete. In Lourdes berichtete Bernadette Soubirous zwischen Februar und Juli 1858 von Erscheinungen der Gottesmutter; am 25. März 1858 habe sich die "Dame" als Unbefleckte Empfängnis bezeichnet. Gerade diese Verbindung von Maria, Grotte, Wasser, Krankheit, Heilungshoffnung und persönlicher Bitte wurde in vielen Tiroler Lourdeskapellen nachgebildet.

Für Kolsassberg wird die Kapelle in der Denkmalliteratur als Wallfahrtskapelle Maria Lourdes im Wald westlich von Merans genannt; erwähnt werden außerdem ein Epitaph für den Bauherrn beziehungsweise Förderer Kooperator Norbert Kraler aus dem Jahr 1885 und östlich der Kapelle ein Marmorbrunnen. Eine Kolsassberger Chronik nennt zudem den 16. Juli 1885 als Einweihungstag der Kapelle. Die Kapelle gehört in die Lourdesfrömmigkeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist mit Norbert Kraler verbunden.

Volkskundlich wichtig ist nicht nur der Bau selbst, sondern auch der Brunnen. Lourdeskapellen sind selten bloß "kleine Kirchen"; sie versuchen meist, die Atmosphäre von Lourdes nach Tirol zu übertragen: Maria als Helferin in Krankheit und Not, eine Grotte oder grottoartige Gestaltung, Wasser als Zeichen von Reinigung und Hoffnung, Kerzen, stille Gebete und persönliche Danksagungen. Gerade der Marmorbrunnen bei der Kapelle macht diese Wasser- und Heilungsvorstellung am Kolsassberg besonders greifbar.

Die Gemeinde Kolsassberg beschreibt ihre Kapellen ausdrücklich als liebevoll gepflegte Orte, die im Jahreslauf geschmückt werden und der Bevölkerung als Rahmen für Maiandachten dienen. Genannt wird die Lourdeskapelle dabei bei den Kapellen am Kolsassberg, zusammen mit der Leachkapelle, der Knappnkapelle und der Fankhauskapelle. Solche Andachten zeigen, dass die Bedeutung der Kapelle weniger in großen Pilgerzügen liegt, sondern in der örtlichen Marienverehrung: Man geht hin, betet, dankt, bittet um Hilfe oder hält im Mai gemeinsam Andacht.

Lage: Hochmark, 6154 Schmirn.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Kolsass
Geöffnet: Privatbesitz (Schafflerhof in Merans)
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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