Die Waldaufkapelle befindet sich im nördlichen Seitenschiff der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Hall in Tirol. Die Haller Pfarrkirche selbst gehört zu den wichtigsten Kirchen der alten Salzstadt; sie wurde vor 1281 errichtet und dem heiligen Nikolaus geweiht, dem Patron der Bergleute und Schiffer. Im 15. Jahrhundert wurde das Gotteshaus stark erweitert, weil Hall durch Salzhandel, Münzstätte und landesfürstliche Nähe stark an Bedeutung gewonnen hatte. In diesem städtischen, wirtschaftlich blühenden Umfeld entstand um 1500 die Waldaufkapelle als einer der bemerkenswertesten Andachtsräume Tirols. Gestiftet wurde die Kapelle von Ritter Florian Waldauf von Waldenstein, einem aus Anras in Osttirol stammenden Mann, der vom Bauernsohn zum Rat, Diplomaten und engen Vertrauten Maximilians I. aufstieg. Der Anlass der Stiftung war ein Gelübde: Waldauf war 1489 gemeinsam mit Maximilian in den Niederlanden in Seenot geraten und gelobte im Fall seiner Rettung eine große fromme Stiftung. Dieses Gelübde setzte er später in Hall in Tirol um. Zum Standort wählte er die Nikolauskirche, wo er eine Kapelle innerhalb der Kirche und eine weitere Kapelle außerhalb errichten ließ. Der Kern dieser Stiftung war eine außergewöhnlich umfangreiche Reliquiensammlung. Waldauf sammelte auf seinen diplomatischen Reisen durch ganz Europa Reliquien; ein besonderer Schwerpunkt lag in Köln, wo er 1495 mit päpstlicher und kaiserlicher Unterstützung über 2000 Reliquien erhielt. Die Sammlung wurde 1501 in einer feierlichen Prozession nach Hall übertragen. Das Stadtmuseum Hall beschreibt diese Übertragung ausdrücklich als spektakuläre Prozession; die Waldaufkapelle blieb bis heute der sichtbarste Teil dieser Stiftung. Aus dieser Sammlung entstand der sogenannte Haller Heiltumsschatz. Einmal im Jahr wurden die Reliquien im Rahmen einer großen Heiltumsschau am Oberen Stadtplatz den Gläubigen gezeigt. Diese Schaustellung war nicht nur eine innerkirchliche Feier, sondern ein öffentliches Ereignis der ganzen Stadt: Sie fiel mit dem Haller Frühjahrsmarkt zusammen und verband Religion, Stadtwirtschaft, Ablasswesen, Schaulust und Volksfrömmigkeit. Nach zeitgenössischen Berichten kamen jährlich viele tausend Menschen, um die Reliquien zu sehen und Ablässe zu erwerben. Volkskundlich ist das besonders wichtig, weil die Waldaufkapelle zeigt, wie spätmittelalterliche Frömmigkeit funktionierte: Heilige wurden nicht nur verehrt, sondern durch Reliquien gleichsam leibhaftig gegenwärtig gemacht. Knochen, Schädel, Stoffreste oder andere Heiltümer galten als sichtbare Verbindung zu den Heiligen und als Zeichen ihrer Fürbitte. Für die Menschen war der Haller Heiltumsschatz daher ein Ort der Hoffnung auf Schutz, Heil, Vergebung und Hilfe in konkreten Nöten. Die Kapelle war damit nicht einfach ein Nebenraum der Pfarrkirche, sondern das Zentrum einer städtischen Reliquienverehrung von überregionalem Rang. Im Mittelpunkt der Kapelle steht die Marienstatue aus dem Umkreis Michael Pachers, die bis heute als besonders wertvolles Kunstwerk gilt. Auch das passt gut zur Stiftung: Die Reliquienverehrung wurde nicht isoliert verstanden, sondern war eingebettet in Marienfrömmigkeit, Messstiftungen, Predigt, Gesang und liturgische Feier. Waldauf regelte seine Stiftung sehr genau; sogar der Haller Schulmeister und die Lateinschüler hatten Aufgaben bei der musikalischen Gestaltung der Feste und Feiern. Heute sind von der einst riesigen Sammlung nur noch bescheidene Reste in Wandvitrinen erhalten. Trotzdem vermittelt die Waldaufkapelle noch immer einen Eindruck davon, welche Bedeutung Hall um 1500 als religiöses, wirtschaftliches und politisches Zentrum besaß.
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| | Lage: Pfarrplatz 1, 6060 Hall in Tirol |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Pfarre Hall in Tirol - St. Nikolaus |
| | Geöffnet: täglich 9:00 - 18:30 |
| | Waldaufkapelle Hall in Tirol, Detail: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Andachtsbild Waldaufkapelle Hall in Tirol: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |