Absam, Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes (Wiesenhofkapelle)

Die Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes beim Wiesenhof, auch Wiesenhofkapelle oder Braitwieskirchlein genannt, liegt in Absam an der Straße nach Gnadenwald, auf dem Areal des ehemaligen Wiesenhofes. Sie ist aber keine große überregionale Wallfahrtskirche wie die Absamer Marienbasilika, sondern eher ein kleiner, stiller Marienort mit lokaler Andachtstradition.

Die Kapelle geht auf den ehemaligen Ansitz Braitwieshof, die sogenannte Wickburg, zurück. Die lothringischen Freiherren und späteren Grafen Wicka von Wickburg erbauten dort ihren Ansitz; neben diesem Schloss entstand die Kapelle als Begräbnisstätte der Familie. Nach Angaben der Gemeinde Absam wurde sie ab 1723 durch Graf Ferdinand Karl von Wicka errichtet und 1732 geweiht. Der Braitwieshof selbst brannte 1805 ab, doch die Kapelle blieb erhalten und erinnert bis heute an diese adelige Stiftung.

Die Widmung an die Schmerzhafte Muttergottes gibt dem kleinen Bau seine religiöse Grundstimmung. Im Mittelpunkt steht nicht eine triumphierende Marienverehrung, sondern Maria als leidende Mutter unter dem Kreuz. Gerade diese Form der Marienfrömmigkeit war in Tirol stark verwurzelt: Menschen wandten sich an die Schmerzhafte Muttergottes in Krankheit, Verlust, Familiennot, Sterben und Trauer. Für eine Familiengrablege ist dieses Patrozinium besonders passend, weil es Totengedenken, Bitte um Trost und Hoffnung auf Erlösung miteinander verbindet.

Baugeschichtlich handelt es sich um einen barocken Saalbau mit westlicher Apsis und einem Turm an der Ostseite. Die Außenwände sind durch gemalte Fensterumrahmungen und Quaderungen gegliedert; im Inneren besitzt die Kapelle ein tonnengewölbtes Langhaus mit Stichkappen. Besonders bemerkenswert sind die gemalte Pilastergliederung, die Fensterrahmungen und die reiche Laub- und Bandlwerkdekoration, die dem kleinen Raum eine überraschend festliche Wirkung geben.

Kunstgeschichtlich ist die Wiesenhofkapelle vor allem wegen ihrer Fresken bedeutend. Das zentrale Deckenbild mit der Himmelfahrt und Krönung Mariens wurde 1740 von Josef Ignaz Mildorfer geschaffen. Bei einer Restaurierung wurde 1978 an der Stirnwand außerdem eine zeitgleich gemalte Altararchitektur freigelegt. Die Gemeinde Absam hebt den prachtvollen Altar und das Fresko ausdrücklich als Schmuck des Kirchleins hervor.

Volkskundlich liegt die Bedeutung der Wiesenhofkapelle weniger in großen Prozessionen oder Mirakelbüchern als in ihrer Funktion als privater und zugleich öffentlich sichtbarer Andachtsort. Sie war Schlosskirche, Grablege, Marienkapelle und Gebetsraum am Weg nach Gnadenwald. Das Stifterehepaar ruht nach Angaben der Gemeinde Absam in einer Gruft unter dem Steinboden; damit ist der Bau zugleich ein Erinnerungsort für die Familie Wicka und ein Ort der frommen Fürbitte für die Verstorbenen.

Lage: bei Walderstraße 26, 6067 Absam.
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Web: Pfarre Gnadenwald
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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