| Wallfahrt: | Marienwallfahrt zum Gnadenbild Notre-Dame de Buglose, verbunden mit Wallfahrtsquelle, Heilungstradition und Prozessionen. |
| Status: | Bedeutendster historischer Marienwallfahrtsort der Landes und bis heute lebendiges Heiligtum. |
| Kultzentrum: | Gnadenbild in der Basilique Notre-Dame de Buglose; ergänzend Chapelle des Miracles und Wallfahrtsquelle. |
| Ort: | Buglose / Saint-Vincent-de-Paul. |
| Bezirk/Region: | Département Landes / Nouvelle-Aquitaine. |
| Bundesland: | Nouvelle-Aquitaine. |
| • | Adresse: Basilique Notre-Dame de Buglose, 40990 Saint-Vincent-de-Paul, Frankreich. |
| • | Lage: im Weiler Buglose in der Gemeinde Saint-Vincent-de-Paul, nördlich von Dax. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Frankreich |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Diocèse d'Aire et Dax |
| • | Öffnungszeiten: Basilika und Heiligtumsbereich sind grundsätzlich regelmäßig für Pilger zugänglich. Für Gottesdienste, Carillon, Führungen und besondere Wallfahrtsveranstaltungen gelten teilweise eigene Zeiten. Vor einer gezielten Reise empfiehlt sich die Kontrolle der aktuellen Angaben des Bistums beziehungsweise der lokalen Tourismusinformation. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Basilique Notre-Dame de Buglose ist der bedeutendste historische Marienwallfahrtsort des Département Landes und gehört zu den traditionsreichsten Heiligtümern Südwestfrankreichs. Im Mittelpunkt steht ein Mariengnadenbild, dessen Wiederauffindung im Jahr 1620 den Ausgangspunkt der neuzeitlichen Wallfahrt bildet. Mit der Basilika, der Chapelle des Miracles und einer traditionsreichen Wallfahrtsquelle besitzt Buglose mehrere eng miteinander verbundene Kultorte. Hinzu kommen eine ausgeprägte Heilungstradition und ein außergewöhnlich großes Carillon, die dem Heiligtum ein eigenes volkskundliches Profil verleihen.
Die Geschichte von Notre-Dame de Buglose reicht vermutlich weiter zurück als die sichere Quellenlage. Kirchliche Darstellungen sprechen von einer älteren Marienverehrung, deren Ursprünge teilweise bis ins Mittelalter zurückgeführt werden.
Historisch deutlich greifbarer wird die Entwicklung jedoch erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Für die Zeit davor bestehen unterschiedliche Auffassungen über Herkunft und ursprünglichen Standort des verehrten Marienbildes.
Eine Überlieferung bringt die Statue mit der Kirche Saint-Caprais in Pontonx und mit Bischof Arnaud de Boyrie in Verbindung. Danach könnte sie während der Religionskriege des 16. Jahrhunderts zum Schutz vor Zerstörung verborgen worden sein.
Andere Historiker haben diese Herkunft in Frage gestellt. Die kirchliche Dokumentation lässt die Debatte ausdrücklich offen.
Für eine quellenkritische Darstellung sollte deshalb nicht behauptet werden, die Statue stamme sicher aus Pontonx. Gesichert ist vielmehr die Wiederauffindung beziehungsweise die Entstehung der Wallfahrt im frühen 17. Jahrhundert.
Nach der volkstümlichen Überlieferung wurde die Statue im Jahr 1620 in einem sumpfigen Gelände wiederentdeckt.
Ein Viehhüter soll bemerkt haben, dass eines seiner Tiere immer wieder eine bestimmte Stelle aufsuchte und dort an einem aus dem Morast ragenden Gegenstand leckte. Bei näherer Untersuchung sei schließlich die Marienstatue im Schlamm gefunden worden.
Diese Erzählung gehört zur Fundlegende des Heiligtums und kann nicht als historischer Augenzeugenbericht übernommen werden.
Volkskundlich gehört die Buglose-Erzählung zu einer großen europäischen Gruppe von Wallfahrtslegenden, in denen Tiere ein verborgenes Kultbild auffinden.
Das Tier erkennt gewissermaßen vor dem Menschen die besondere Bedeutung eines Ortes. Dadurch erhält die Fundstelle eine religiöse Legitimation.
Nach der Wiederauffindung sollte das Marienbild an einen anderen Ort gebracht werden. Die Überlieferung verbindet diesen Plan mit dem damaligen Bischof Jean-Jacques du Sault.
Die Statue wurde auf einen Wagen geladen und sollte fortgebracht werden.
Nach der Standortlegende weigerten sich die Zugtiere an einer bestimmten Stelle weiterzugehen.
Dieses Verhalten wurde als Zeichen verstanden, dass die Gottesmutter an genau diesem Ort verehrt werden wolle.
Auch dieses Motiv begegnet an zahlreichen europäischen Wallfahrtsorten: Ein Gnadenbild lässt sich nicht beliebig versetzen, sondern "bestimmt" durch wunderbares Geschehen seinen eigenen Kultort.
Am 16. Mai 1622 wurde die neu errichtete Kapelle feierlich gesegnet.
Dazu zog eine große Prozession zu Fuß von der Kathedrale von Dax nach Buglose. Die kirchliche Überlieferung bezeichnet diese Feier als erste offizielle Wallfahrt zu Notre-Dame de Buglose.
Damit verlässt die Geschichte den Bereich der Fundlegende und wird archivalisch deutlich greifbarer.
Schon unmittelbar nach der Wiederauffindung kamen zahlreiche Pilger nach Buglose.
Die erste Kapelle erwies sich bald als zu klein, sodass bereits im 17. Jahrhundert ein größerer Kirchenbau notwendig wurde.
Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung zeigt, wie stark sich der Ruf des Gnadenbildes verbreitete.
Bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert wurden Heilungen berichtet, die mit Notre-Dame de Buglose in Verbindung gebracht wurden.
Solche Berichte trugen wesentlich zur Popularität des Wallfahrtsortes bei.
Im Unterschied zu Lourdes existierte jedoch kein modernes medizinisches Prüfverfahren. Für die historische Darstellung sollte deshalb von überlieferten Heilungsberichten und nicht von medizinisch bestätigten Wunderheilungen gesprochen werden.
In unmittelbarer Nähe des Heiligtums befindet sich eine traditionelle Andachts- beziehungsweise Wallfahrtsquelle.
Sie steht in enger Verbindung mit der Fund- und Heilungsgeschichte des Ortes.
Die Quelle besitzt innerhalb der regionalen Quellkultur der Landes eine interessante Besonderheit.
Während das Wasser vieler lokaler Heilquellen traditionell äußerlich angewendet wurde, wird das Wasser von Buglose getrunken.
Auch ist die Quelle nicht ausschließlich auf ein einzelnes Leiden spezialisiert. Ihr wurde allgemein eine heilende beziehungsweise wohltuende Wirkung zugeschrieben.
Damit verbindet Buglose zwei klassische Formen katholischer Wallfahrtskultur: die Verehrung eines Gnadenbildes und die Nutzung einer als besonders angesehenen Quelle.
Das Wasser erweitert den Kult über den Kirchenraum hinaus und bindet Natur, Körper und religiöse Hoffnung aneinander.
Aufgrund von Quelle, Heilungstradition und Krankenwallfahrt wurde Buglose später gelegentlich als "petit Lourdes", als kleines Lourdes, bezeichnet.
Dieser Vergleich darf jedoch nicht zu einer historischen Umkehr führen. Die neuzeitliche Wallfahrt von Buglose ist seit 1620 beziehungsweise 1622 belegt und damit wesentlich älter als die Erscheinungen von Lourdes im Jahr 1858.
Der Beiname beschreibt also eine spätere Ähnlichkeit der Wallfahrtsformen und keine Abhängigkeit von Lourdes.
Kranke und Menschen mit Behinderungen gehörten traditionell zum Pilgerbild von Buglose.
Die Verbindung von Mariengnadenbild, Quelle und Heilungshoffnung machte das Heiligtum besonders für Menschen attraktiv, die körperliche Hilfe oder Trost suchten.
Im 18. Jahrhundert übernahmen Lazaristen beziehungsweise Vinzentiner für lange Zeit wesentliche Aufgaben in der Betreuung des Heiligtums.
Sie sorgten für Gottesdienst, Beichte und Pilgerseelsorge und trugen damit zur institutionellen Stabilität der Wallfahrt bei.
Buglose liegt heute in der Gemeinde Saint-Vincent-de-Paul, also in jener Landschaft, die eng mit dem hl. Vinzenz von Paul verbunden ist.
Diese geografische Nähe verstärkte die Bedeutung der Vinzentiner in der religiösen Geschichte der Region.
Die Revolution brachte einen schweren Einschnitt.
Kirchlicher Besitz wurde eingezogen, das Missionshaus verkauft und die religiöse Infrastruktur des Heiligtums stark beeinträchtigt.
Die Wallfahrt verschwand jedoch nicht dauerhaft.
Im 19. Jahrhundert setzte eine starke religiöse Erneuerung ein.
1844 kamen wieder Diözesanmissionare nach Buglose. Mit der Rückkehr organisierter Pilgerseelsorge nahm auch die Wallfahrt deutlich zu.
Der zunehmende Pilgerstrom machte einen größeren Kirchenbau erforderlich.
Die heutige Kirche wurde im 19. Jahrhundert errichtet und war 1864 im Wesentlichen vollendet.
Sie entstand ausdrücklich als Wallfahrtskirche und trägt damit die Entwicklung des Kultes architektonisch weiter.
Am 8. September 1866 wurde Notre-Dame de Buglose feierlich gekrönt.
Solche kanonischen oder feierlichen Krönungen gehörten im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Formen kirchlicher Anerkennung bedeutender Marienheiligtümer.
Die Krönung machte sichtbar, dass Buglose innerhalb der regionalen und überregionalen Marienverehrung einen besonderen Rang erreicht hatte.
Hundert Jahre nach der Krönung erhob Papst Paul VI. die Kirche 1966 zur Basilica minor.
Seitdem trägt sie den offiziellen Rang einer Basilika und wird als Basilique Notre-Dame de Buglose bezeichnet.
Im Mittelpunkt der Basilika steht die verehrte Marienstatue mit dem Jesuskind.
Die Statue bildet das eigentliche Kultzentrum und verbindet die heutige Liturgie mit der Fundüberlieferung des 17. Jahrhunderts.
Die Statue ist kein kleines privates Andachtsbild, sondern eine schwere steinerne Skulptur.
Gerade deshalb erhält die Erzählung vom Auffinden, Transport und Stillstand der Zugtiere eine besonders anschauliche materielle Dimension.
An der traditionellen Fundstelle beziehungsweise in unmittelbarer Verbindung mit ihr entstand die Chapelle des Miracles.
Sie erinnert räumlich an den Beginn der Wallfahrt und bildet neben Basilika und Quelle einen eigenen Erinnerungsort.
Buglose besitzt damit drei eng miteinander verbundene religiöse Zentren:
die Basilika mit dem Gnadenbild, die Chapelle des Miracles als Erinnerungsort der Auffindung und die Wallfahrtsquelle.
Der Pilger bewegt sich also durch eine kleine religiöse Landschaft und nicht nur zu einem einzelnen Altar.
Eine außergewöhnliche Besonderheit der Basilika ist ihr großes Carillon.
Es umfasst heute 60 Glocken und gehört damit zu den bedeutenden Glockenspielen Frankreichs.
Das Carillon wurde 1895 zunächst mit 23 Glocken eingerichtet und später erweitert.
1926 erreichte es den heute bekannten Umfang von 60 Glocken.
Zum Glockenspiel gehört eine besondere mechanische Spielvorrichtung, die sogenannte "Machine à carillonner".
Das System wurde von Kanonikus Maisonnave entwickelt und ermöglicht das Spiel des großen Glockensatzes über eine besondere mechanische Steuerung.
Die Technik wurde 1900 auf der Pariser Weltausstellung präsentiert.
Glocken gehören traditionell zur akustischen Landschaft eines Wallfahrtsortes.
In Buglose wird diese Funktion durch das große Carillon außergewöhnlich verstärkt. Der Wallfahrtsort ist nicht nur sichtbar, sondern weithin hörbar.
Wie an anderen Heiligtümern wurden auch in Buglose Dankgaben und Votivobjekte gestiftet.
Sie stehen mit Heilungen, überstandenen Gefahren und persönlichen Gebetserhörungen in Verbindung.
Solche Gegenstände wären für eine volkskundliche Bilddokumentation besonders wertvoll.
Prozessionen gehören seit der ersten offiziellen Wallfahrt von 1622 zum Kern der Buglose-Tradition.
Das gemeinsame Gehen verbindet die Pilger mit der ursprünglichen Prozession von Dax zum Heiligtum.
Vierhundert Jahre nach der Wiederauffindung der Marienstatue wurde das Jubiläum des Heiligtums besonders begangen.
Damit wurde die Fundüberlieferung erneut ins Zentrum der lokalen religiösen Erinnerung gerückt.
Das Heiligtum ist nicht auf traditionelle Fußwallfahrten beschränkt.
Auch neue Pilgerformen entstehen, darunter beispielsweise Motorradwallfahrten und thematische Gruppenfahrten.
Diese Entwicklung zeigt, wie ein historischer Wallfahrtsort neue soziale Milieus aufnehmen kann, ohne seine ältere Kulttradition aufzugeben.
Auch internationale Verbindungen werden weiter gepflegt.
Die Wallfahrtstradition von Buglose wird heute nicht nur innerhalb der Landes erinnert, sondern durch Pilgerreisen und die Mitnahme von Bildnissen auch überregional weitergetragen.
Buglose ist volkskundlich besonders reich, weil hier nahezu lehrbuchartig mehrere klassische Elemente europäischer Wallfahrtskultur zusammentreffen.
Ein verborgenes Gnadenbild wird von einem Tier entdeckt. Zugtiere bestimmen nach der Legende den Kultort. Eine Kapelle entsteht, eine Prozession begründet die offizielle Wallfahrt, Heilungsberichte verbreiten den Ruf, eine Quelle wird religiös genutzt und Votivgaben dokumentieren persönliche Dankbarkeit.
Hinzu kommt mit dem großen Carillon eine außergewöhnliche akustische Dimension des Heiligtums.
Die Basilique Notre-Dame de Buglose ist bis heute ein lebendiger Marienwallfahrtsort.
Pilger besuchen das Gnadenbild, die Chapelle des Miracles und die Wallfahrtsquelle, nehmen an Gottesdiensten und Prozessionen teil und knüpfen damit an eine Tradition an, die seit dem frühen 17. Jahrhundert kontinuierlich erneuert wurde.
Für die Geschichte der französischen Wallfahrt ist Buglose besonders deshalb bedeutsam, weil sich hier Legende, sichere archivalische Überlieferung, Quelle, Heilungstradition und technische Kultur eines großen Glockenspiels ungewöhnlich eng miteinander verbinden.
- Diocèse d'Aire et Dax: Dokumentationen zu Notre-Dame de Buglose, Gnadenbild, Wallfahrtsgeschichte, Quelle und Jubiläum.
- Dokumentationen des Diözesanheiligtums Buglose zur Wiederauffindung von 1620 und zur ersten offiziellen Wallfahrt von 1622.
- Dax Tourisme: Dokumentationen zur Basilique Notre-Dame de Buglose und zum Carillon.
- Für die Angaben zur heutigen Wallfahrt, zu Jubiläen, Carillon und Zugänglichkeit wurde ergänzend die aktuelle kirchliche und touristische Dokumentation herangezogen.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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