Loretto, Basilika und Wallfahrtskirche zur Unbefleckten Empfängnis

Schnellüberblick
Wallfahrt:Bedeutende barocke Loreto-Wallfahrt mit Gnadenkapelle, Schwarzer Madonna und langer überregionaler Pilgertradition.
Status:Lebendiger Marienwallfahrtsort mit festen Wallfahrtsterminen und Gruppenwallfahrten.
Kultzentrum:Gnadenkapelle als Nachbildung der Casa Santa von Loreto mit der verehrten Schwarzen Madonna.
Ort:Loretto am Leithagebirge.
Bezirk:Eisenstadt-Umgebung.
Bundesland:Burgenland.
Lage und Besuch
Lage: Hauptplatz 22, 2443 Loretto.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Loretto und Basilika Maria Loretto
Öffnungszeiten: zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Basilika Maria Loretto:

Basilika Maria Loretto im Burgenland

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild Basilika Maria Loretto und "Schwarze Madonna" im Altarraum der Wallfahrtskirche Maria Loretto im Burgenland.

Basilika Maria Loretto im Burgenland Basilika Maria Loretto im Burgenland

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Am Fuß des Leithagebirges liegt mit der Basilika Maria Loretto einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte des Burgenlandes. Mittelpunkt des Heiligtums ist nicht allein die große barocke Wallfahrtskirche, sondern vor allem die im Bereich des Klosters gelegene Gnadenkapelle, eine Nachbildung des Heiligen Hauses von Loreto in Italien, mit der verehrten Schwarzen Madonna. Die Geschichte des Ortes reicht in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück und steht in engem Zusammenhang mit der Ausbreitung des Loreto-Kultes, der barocken Marienfrömmigkeit und der katholischen Erneuerung im westungarischen Raum. 1997 wurde die Wallfahrtskirche zur Basilica minor erhoben.

Ursprung der Wallfahrt

Die Entstehung der Wallfahrt geht auf Freiherr Hans Rudolf von Stotzingen zurück. Während einer Pilgerreise nach Loreto in Italien ließ er eine Nachbildung der dort verehrten Schwarzen Madonna anfertigen. Der Überlieferung zufolge wurde diese Figur mit dem italienischen Gnadenbild in Berührung gebracht und damit in besonderer Weise mit dem Ursprungsheiligtum verbunden.

Zunächst bewahrte Stotzingen die Madonna in seinem Schloss Seibersdorf auf. 1644 ließ er für sie eine eigene Kapelle errichten, die sich am Vorbild einer Lorettokapelle in der Wiener Augustinerkirche orientierte. Schon bald zog das neue Heiligtum zahlreiche Gläubige an. Zur Betreuung der Wallfahrer übergab Stotzingen die Kapelle den Serviten, dem Orden der Diener Mariens, und ließ 1645 ein kleines Hospitium für die Ordensgemeinschaft errichten.

Damit entwickelte sich aus einer zunächst herrschaftlichen Andachtsstiftung innerhalb kurzer Zeit eine öffentliche Wallfahrt. Die Nachbildung eines berühmten Gnadenbildes war in der frühneuzeitlichen Frömmigkeit nicht als bloße künstlerische Kopie zu verstehen. Durch die Verbindung mit dem verehrten Urbild konnte auch die Nachbildung als Trägerin besonderer Gnadenwirkung gelten. Auf diese Weise entstanden in Mitteleuropa zahlreiche Tochterheiligtümer großer Wallfahrtsorte.

Das Gelübde des Grafen Franz III. Nádasdy

1648 gelangte Loretto an Graf Franz III. Nádasdy. Als dieser schwer erkrankte, gelobte er 1650, im Falle seiner Genesung zu Ehren der Gottesmutter eine größere Kirche und ein Kloster errichten zu lassen. Nach der Überlieferung trat wenige Tage später die erhoffte Besserung ein.

Nádasdy erfüllte sein Gelübde. Am 2. Juli 1651, dem damaligen Fest Mariä Heimsuchung, wurde der Grundstein für die heutige Kirche gelegt. 1659 wurde die ursprüngliche Gnadenkapelle abgetragen und an einen geschützteren Platz innerhalb der Klosteranlage versetzt. Im selben Jahr erfolgte die Weihe der Kirche.

In dieser Entstehungsgeschichte verbindet sich ein klassisches Motiv barocker Wallfahrtskultur mit adeliger Stiftung: Krankheit, Gelübde, Heilung und die Erfüllung des Gelübdes durch den Bau eines Heiligtums. Eine persönliche religiöse Erfahrung wurde damit zur Grundlage eines öffentlich wirksamen Wallfahrtszentrums.

Die Gnadenkapelle und das Heilige Haus

Das eigentliche Herz des Wallfahrtsortes ist die Gnadenkapelle, die als Nachbildung der Casa Santa von Loreto gestaltet wurde. Dieses Heilige Haus galt nach mittelalterlicher Überlieferung als das Wohnhaus Mariens in Nazareth und soll auf wunderbare Weise nach Italien übertragen worden sein. Der Loreto-Kult verbreitete sich seit der Frühen Neuzeit weit über Italien hinaus, wobei zahlreiche Nachbildungen des Heiligen Hauses entstanden.

Die Lorettoer Gnadenkapelle ist ein kleiner, tonnengewölbter Ziegelbau. Ihr Innenraum ist durch eine hölzerne, lettnerartige Trennwand gegliedert. Der rückwärtige Bereich wird im Volksmund als "Schwarze Kuchl" bezeichnet. Dort befindet sich in einer Nische die Schwarze Madonna, eingebettet in eine reiche barocke Rahmung.

Die volkstümliche Bezeichnung "Schwarze Kuchl" ist aus volkskundlicher Sicht besonders bemerkenswert. Ein aus der bäuerlichen Wohn- und Alltagskultur stammender Begriff wurde auf den innersten Bereich eines hochsakralen Raumes übertragen. Solche Benennungen zeigen, wie Wallfahrtsorte von den Gläubigen sprachlich angeeignet und in vertraute Vorstellungswelten eingebunden wurden.

Die Schwarze Madonna

Das Gnadenbild folgt dem Typus der Schwarzen Madonna von Loreto. Maria erscheint frontal mit dem Jesuskind; Mutter und Kind sind gekrönt. Die dunkle Erscheinung der Figur gehört zum traditionellen Loreto-Typus und war ein wesentliches Merkmal ihrer Wiedererkennbarkeit.

Die Geschichte des Lorettoer Gnadenbildes ist allerdings nicht ohne Brüche. Die erste, 1644 vermittelte Madonna galt nach der Zerstörung des Heiligtums im Jahr 1683 lange als verloren. Nach der Wiedererrichtung wurde eine weitere, dunkel gefasste Loreto-Madonna geschaffen, die in der Gnadenkapelle verehrt wird.

Für die historische Darstellung ist daher zwischen der fortbestehenden Kulttradition und der materiellen Geschichte der einzelnen Bildwerke zu unterscheiden. Die Wallfahrt blieb bestehen, auch wenn das konkret verehrte Bildwerk im Lauf der Geschichte gewechselt haben dürfte.

Zerstörung und Wiederaufbau

Einen tiefen Einschnitt brachte das Jahr 1683. Während des Zweiten Türkenkrieges wurden Kirche, Kloster und Gnadenkapelle weitgehend zerstört. Bewegliche Kunstwerke konnten teilweise zuvor in Sicherheit gebracht werden, der Verbleib der ursprünglichen Loreto-Madonna blieb jedoch ungeklärt.

Nach der Niederlage des osmanischen Heeres begann der Wiederaufbau. Eine entscheidende Rolle spielte nun Fürst Paul I. Esterházy, der auch an zahlreichen anderen Orten als bedeutender Förderer der katholischen Marienfrömmigkeit hervortrat. Im Verlauf der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielt die Anlage weitgehend ihre heutige Gestalt. Die monumentale Zweiturmfassade und die reiche barocke Ausstattung spiegeln die erneute Blüte der Wallfahrt wider.

Die Wallfahrtskirche

Die Basilika ist ein einschiffiger barocker Gewölbebau mit mehreren Seitenkapellen. Der heutige Hochaltar wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Sein Altarbild zeigt entsprechend dem Patrozinium die Maria Immaculata, die Unbefleckte Empfängnis. Flankiert wird der Altar von den heiligen ungarischen Königen Stephan und Ladislaus.

Die Seitenkapellen bewahren unterschiedliche Formen barocker Heiligen- und Volksfrömmigkeit. Zu ihnen gehören Darstellungen der Pestpatrone Rochus, Sebastian und Rosalia, die Verehrung des hl. Peregrinus, eine Pietà der Schmerzhaften Muttergottes sowie eine Kopie des Prager Jesuleins. Das Heiligtum vereint damit verschiedene Kulttraditionen und Fürbitten, wie sie für größere barocke Wallfahrtsorte charakteristisch sind.

Auch die historische Orgel und die reiche Ausstattung des Kirchenraumes sind Ausdruck der großen Bedeutung, die Loretto über Jahrhunderte hinweg als religiöses Zentrum besaß.

Josephinismus und Wiederbelebung

Wie zahlreiche Wallfahrtsorte der Habsburgermonarchie wurde auch Loretto durch die Reformen Kaiser Josephs II. schwer getroffen. 1787 wurde das Servitenkloster aufgehoben. Damit erlitt auch der organisierte Wallfahrtsbetrieb einen tiefen Einschnitt. Das Kloster stand zeitweise leer und wurde vorübergehend anderweitig genutzt.

Im 19. Jahrhundert gewann die Wallfahrt jedoch erneut an Bedeutung. Im 20. Jahrhundert kehrten zunächst die Serviten zeitweise zurück; seit 1964 wird das Heiligtum von den Oblaten der Jungfrau Maria betreut. Die Erhebung zur Basilica minor im Jahr 1997 unterstrich die anhaltende kirchliche Bedeutung des Wallfahrtsortes.

Die Wallfahrt bis zur Gegenwart

Maria Loretto ist bis heute ein lebendiger Marienwallfahrtsort. Neben einzelnen Pfarr- und Gruppenwallfahrten haben sich feste Wallfahrtstermine erhalten. Von besonderer Bedeutung sind dabei auch die Wallfahrten der burgenländischen Kroaten.

Gerade diese kroatischen Wallfahrtstraditionen sind volkskundlich aufschlussreich. Sie erinnern daran, dass das heutige Burgenland über Jahrhunderte Teil des Königreichs Ungarn war und seine religiöse Kulturlandschaft von deutsch-, kroatisch- und ungarischsprachigen Bevölkerungsgruppen geprägt wurde. Loretto gehörte zu jener überregionalen Wallfahrtslandschaft, deren historische Verbindungen sich nicht an den heutigen Staats- und Landesgrenzen orientierten.

Der Madonnenfund von 2016

Bei Restaurierungsarbeiten wurde 2016 in der Gnadenkapelle eine historische steinerne Madonnenfigur entdeckt, die unter beziehungsweise im Bereich des Altares verborgen gewesen war. Die Figur war enthauptet worden; das Haupt lag beim Körper, während das Jesuskind fehlte.

Dieser Fund ist kulturgeschichtlich bemerkenswert, darf jedoch nicht mit der Schwarzen Loreto-Madonna verwechselt werden. Nach heutiger Einordnung handelt es sich um ein eigenständiges historisches Bildwerk, das möglicherweise ursprünglich außerhalb der Kirche aufgestellt war und im Zusammenhang mit den Zerstörungen des 17. Jahrhunderts verborgen worden sein könnte.

Der Fund zeigt, wie dicht sich in Loretto unterschiedliche Schichten religiöser Bildverehrung, Zerstörung, Bewahrung und späterer Wiederentdeckung überlagern.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Loretto ist ein besonders anschauliches Beispiel frühneuzeitlicher Wallfahrtskultur. Die Entstehung verbindet die Nachbildung eines international bekannten Gnadenbildes mit der Vorstellung einer durch Berührung übertragenen Heiligkeit, einem persönlichen Heilungsgelübde, adeliger Stiftung, der Ansiedlung eines Marienordens und der Entwicklung einer dauerhaft wirksamen Wallfahrt.

Von zentraler Bedeutung ist die Nachbildung des Heiligen Hauses von Loreto. Der Wallfahrer musste nicht nach Italien reisen, um an der Heiligkeit des berühmten Ursprungsortes teilzuhaben. Durch die Nachbildung von Haus und Gnadenbild wurde die sakrale Bedeutung des italienischen Heiligtums gleichsam in die Region übertragen.

Diese Übertragung war nicht nur religiöser, sondern auch räumlicher und sprachlicher Natur: Der Name "Loretto" ging schließlich auf den gesamten Ort über. Damit zeigt sich besonders deutlich, wie internationale Wallfahrtskulte in der Frühen Neuzeit regionalisiert und in lokale Kulturlandschaften eingebettet wurden.

Hinzu kommt die ungewöhnliche Dichte verschiedener Frömmigkeitsschichten. Schwarze Madonna und Heiliges Haus, Pestheilige und Pietà, Peregrinuskult, Prager Jesulein, herrschaftliche Votivstiftung und ethnisch geprägte Gruppenwallfahrten bestehen nebeneinander. Loretto ist daher nicht nur eine bedeutende barocke Kirche, sondern ein außerordentlich reiches Zeugnis religiöser Alltags-, Bild- und Wallfahrtskultur im historischen Westungarn und im heutigen Burgenland.

Literatur zur Wallfahrt:

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland.

- Bedeutende Wallfahrten, Kirchen und Kapellen. Band II: Niederösterreich und Burgenland. Journal-Verlag.

- Diözese Eisenstadt: Darstellungen zur Wallfahrt und Geschichte von Maria Loretto.

- Basilika Maria Loretto: Geschichte, Gnadenkapelle und Ausstattung der Wallfahrtskirche.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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