Kleinfrauenhaid, Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Alter Marienwallfahrtsort mit barocker Blütezeit; die Wallfahrt zum Gnadenbild wurde in jüngerer Zeit wieder belebt.
Status:Nicht erloschen; heute eher stiller Wallfahrtsort für Einzelpilger und Pilgergruppen.
Kultzentrum:Gnadenbild der "Mutter der Guten Hoffnung", eine dunkle Mariendarstellung mit der Jahreszahl 1460.
Ort:Kleinfrauenhaid, Gemeinde Zemendorf-Stöttera.
Bezirk:Mattersburg.
Bundesland:Burgenland.
Lage und Besuch
Lage: Kleinfrauenhaid 8, 7023 Zemendorf-Stöttera.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Kleinfrauenhaid
Öffnungszeiten: bis zum Gitter zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten. Einblick in den Kirchenraum durch ein hinter dem Hauptportal angebrachtes Eisengitter.
Für vollständigen Zugang außerhalb von Gottesdiensten und Wallfahrten empfiehlt sich eine vorherige Kontaktaufnahme mit der Pfarre.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Wallfahrtskirche Kleinfrauenhaid:

Kleinfrauenhaid, Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kleinfrauenhaid - Stiller Wallfahrtsort:


Die Wallfahrt hat in Kleinfrauenhaid Tradition. Einst wurde ausgelassen getanzt und gefeiert – heute eignet sich die Wallfahrtskirche zur Einkehr.

Kleinfrauenhaid, Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Kleinfrauenhaid, heute ein Ortsteil der Gemeinde Zemendorf-Stöttera nördlich von Mattersburg, gehört zu den alten Marienwallfahrtsorten des Burgenlandes. Die weithin sichtbare Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt beherrscht den kleinen Kirchweiler, dessen Geschichte und religiöse Bedeutung über Jahrhunderte eng mit der Verehrung des Gnadenbildes der "Mutter der Guten Hoffnung" verbunden waren. Die einst stark besuchte regionale Wallfahrt verlor zwar im Laufe des 20. Jahrhunderts einen Teil ihrer früheren Bedeutung, wurde jedoch in jüngerer Zeit wieder belebt und wird weiterhin von einzelnen Pilgern und Pilgergruppen aufgesucht. Die Diözese Eisenstadt charakterisiert Kleinfrauenhaid heute als einen eher stillen Wallfahrtsort, der besonders zur persönlichen Einkehr einlädt.

Geschichte der Kirche

Die Pfarre Kleinfrauenhaid ist bereits im 13. Jahrhundert urkundlich belegt. Von 1692 bis 1781 war sie dem Benediktinerstift Lambach inkorporiert. Der bestehende Kirchenbau geht in wesentlichen Teilen auf ältere Bauphasen zurück, wurde jedoch im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach verändert und erweitert. Während der kriegerischen Ereignisse von 1683 erlitt die Kirche schwere Schäden; ab dem Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau und die barocke Neugestaltung.

Mit dieser Wiederaufbauphase verbindet sich zugleich der eigentliche Aufstieg Kleinfrauenhaids zum Wallfahrtsort. Eine entscheidende Rolle spielte dabei Fürst Paul I. Esterházy, dessen intensive Förderung der Marienwallfahrt an zahlreichen Orten seiner Herrschaften nachweisbar ist. 1694 ließ er ein älteres Marienbild von Forchtenstein nach Kleinfrauenhaid übertragen und begründete damit einen neuen kultischen Mittelpunkt.

Das Gnadenbild der "Mutter der Guten Hoffnung"

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht eine dunkle Mariendarstellung, die unter einem Baldachin im Chorraum angebracht ist und als "Mutter der Guten Hoffnung" verehrt wird. Das Bild trägt die Jahreszahl 1460 und folgt einem älteren, byzantinisch beeinflussten Typus der Marienikone. Es ist damit wesentlich älter als die große barocke Blütezeit der Wallfahrt.

1694 ließ Fürst Paul I. Esterházy das Bild von Forchtenstein nach Kleinfrauenhaid übertragen. Aus einem bereits bestehenden Andachtsbild wurde damit das zentrale Gnadenbild eines neu geförderten Wallfahrtsortes. Der ursprünglich vorhandene Akanthusrahmen wurde später durch einen kostbaren silbernen Rahmen ersetzt.

Die Übertragung eines verehrten Bildwerkes von einem Ort an einen anderen besaß in der frühneuzeitlichen Wallfahrtskultur eine Bedeutung, die weit über einen bloßen Standortwechsel hinausging. Das Gnadenbild brachte seine bereits vorhandene religiöse Autorität gleichsam an den neuen Ort mit. Durch Prozessionen, Gebetserhörungen, Stiftungen und die wiederholte gemeinschaftliche Verehrung konnte sich um das Bild eine neue lokale Kulttradition entwickeln.

Auch die Anrufung als "Mutter der Guten Hoffnung" ist bemerkenswert. Sie verweist auf Maria als Fürsprecherin in Situationen der Unsicherheit und Erwartung und konnte damit für ganz unterschiedliche persönliche Anliegen Bedeutung gewinnen.

Aufstieg der Wallfahrt

Die Wallfahrt nach Kleinfrauenhaid entwickelte sich nach der Übertragung des Gnadenbildes rasch. Einen außergewöhnlichen Eindruck von ihrer frühen Bedeutung vermittelt eine Nachricht vom Pfingstmontag des Jahres 1710. Damals sollen 28 Pfarrer mit ihren Gemeinden in Prozessionen nach Kleinfrauenhaid gekommen sein. Insgesamt wird für diesen Wallfahrtstag von mehreren tausend Teilnehmern berichtet.

Solche Zahlen zeigen, dass Kleinfrauenhaid im frühen 18. Jahrhundert keineswegs nur Ziel einzelner frommer Besucher war, sondern Mittelpunkt organisierter regionaler Gruppenwallfahrten. Ganze Pfarrgemeinden zogen gemeinsam zum Gnadenbild, wobei die Wallfahrt neben ihrem religiösen Charakter auch ein bedeutendes gesellschaftliches Ereignis darstellte.

Gerade darin unterscheidet sich die historische Wallfahrt deutlich von der heute häufig vorherrschenden Vorstellung des stillen individuellen Pilgerns. Der Wallfahrtstag war ein öffentliches Fest, an dem religiöse Andacht, gemeinschaftliche Repräsentation, Begegnung und weltliches Vergnügen ineinandergreifen konnten.

Der "Lange Tanz"

Ein besonders bemerkenswertes volkskundliches Zeugnis der Kleinfrauenhaider Wallfahrt war der sogenannte "Lange Tanz". Nach historischen Nachrichten wurde an den großen Wallfahrtstagen nicht nur gebetet und Gottesdienst gefeiert, sondern auch ausgiebig gegessen, getrunken und getanzt. Für den Wallfahrtstag des Jahres 1710 sind umfangreiche Vorbereitungen zur Bewirtung der zahlreichen Besucher überliefert.

Der "Lange Tanz" folgte offenbar einer bestimmten Ordnung. Die umliegenden Pfarren stellten eigene Tänzerinnen und Tänzer; im Jahr 1764 sollen nicht weniger als 176 Tanzpaare daran teilgenommen haben. Zeitweise gehörten sogar Feuerwerke zu den Festlichkeiten.

Gerade dieser Brauch macht Kleinfrauenhaid zu einem volkskundlich außergewöhnlich interessanten Wallfahrtsort. Wallfahrt und weltliches Fest standen nicht notwendigerweise im Gegensatz zueinander. Nach dem gemeinsamen Weg, dem Gottesdienst und der Verehrung des Gnadenbildes folgten gemeinsames Essen, Begegnung und Tanz. Die religiöse Gemeinschaft setzte sich damit in einer weltlichen Festgemeinschaft fort.

Der geregelte "Lange Tanz", an dem sich verschiedene Pfarren beteiligten, dürfte dabei mehr als bloße Unterhaltung gewesen sein. Schon die organisierte Teilnahme der einzelnen Gemeinden lässt erkennen, dass der Tanz zugleich der Selbstdarstellung und dem Zusammenhalt der Wallfahrtsgemeinschaften diente. Über weitergehende symbolische Bedeutungen lässt sich ohne genauere Kenntnis der historischen Quellen allerdings nur vorsichtig urteilen.

Kirche und Ausstattung

Die heutige Kirche präsentiert sich als mächtiger barocker Sakralbau mit kurzem Langhaus, querschiffartig erweiterten Seitenbereichen und halbrunder Apsis. Der reich gegliederte Westturm mit seinem Zwiebelhelm prägt das Erscheinungsbild des kleinen Ortes.

Das Gnadenbild beherrscht den Chorraum und steht damit auch optisch im Mittelpunkt der Kirche. Der freistehende spätbarocke Tabernakel ist in Form eines kleinen Kuppeltempels gestaltet.

Zur bemerkenswerten Ausstattung gehört das 1784 entstandene Gemälde "Die hl. Anna lehrt Maria lesen" von Stephan Dorffmeister. Weitere Gemälde mit Johannes Nepomuk, dem hl. Franz Xaver und der Heiligen Familie werden ebenfalls Dorffmeister beziehungsweise seinem künstlerischen Umfeld zugeschrieben. Erhalten sind außerdem barocke liturgische Ausstattungsstücke, darunter das steinerne Speisgitter und eine kunstvoll gearbeitete Ewig-Licht-Ampel.

An der Südseite der Kirche wurde bereits 1694 eine dem hl. Franz Xaver geweihte Kapelle angebaut. Damit begegnet innerhalb des Wallfahrtsortes neben der Marienverehrung auch die Verehrung eines der bedeutendsten Missionsheiligen der katholischen Kirche.

Maria-Haid

Für Kleinfrauenhaid begegnet auch die Bezeichnung "Maria-Haid". Sie macht deutlich, wie sehr die Identität des kleinen Ortes durch Kirche, Gnadenbild und Wallfahrt geprägt wurde. Anders als bei größeren Siedlungen, in denen eine Wallfahrtskirche lediglich einen Teil der örtlichen Sakrallandschaft bildet, konzentriert sich Kleinfrauenhaid bis heute auffallend stark um sein Marienheiligtum.

Der ungarische Name Kisboldogasszony verweist ebenfalls auf die marianische Tradition des Ortes und erinnert zugleich daran, dass Kleinfrauenhaid über Jahrhunderte zum Königreich Ungarn gehörte. Die historische Wallfahrtslandschaft des heutigen Burgenlandes kann daher nicht allein aus der Perspektive moderner Landes- und Staatsgrenzen verstanden werden.

Niedergang und Wiederbelebung der Wallfahrt

Wie an vielen kleineren Wallfahrtsorten ging auch in Kleinfrauenhaid die Zahl der großen organisierten Pilgerzüge im Laufe der Zeit zurück. Die Wallfahrt erlosch jedoch nicht. Nach Angaben der Diözese Eisenstadt wurde sie in jüngerer Zeit wieder stärker belebt. Neben einzelnen Besuchern kommen weiterhin Pilgergruppen nach Kleinfrauenhaid; genannt werden dabei auch Wallfahrer aus Niederösterreich, der Steiermark und dem benachbarten Ungarn.

Damit hat sich vor allem der Charakter des Wallfahrtsortes verändert. An die Stelle großer Prozessionen mit anschließendem Festbetrieb trat zunehmend eine stillere Form des Pilgerns. Die Kirche wird heute besonders als Ort der Einkehr und des persönlichen Gebetes wahrgenommen. Die jahrhundertealte Anrufung Mariens als "Mutter der Guten Hoffnung" bildet dabei weiterhin den religiösen Mittelpunkt.

Zugang zur Wallfahrtskirche

Die Pfarre bemüht sich ausdrücklich darum, die Kirche auch außerhalb organisierter Wallfahrten für Pilger zugänglich zu halten. Nach Angaben der Diözese wird das Haupttor grundsätzlich offen gehalten. Aufgrund wiederholter Einbruchsversuche wurde dahinter jedoch ein Eisengitter angebracht, durch das der Innenraum und das Gnadenbild gut eingesehen werden können.

Wer die Kirche vollständig betreten möchte, sollte außerhalb von Gottesdiensten oder angemeldeten Wallfahrten vorher mit der Pfarre Kontakt aufnehmen. Die Pfarre weist darauf hin, dass nach Vereinbarung ein vollständiger Zugang ermöglicht werden kann. Diese Lösung verbindet den Wunsch nach einer offenen Wallfahrtskirche mit dem notwendigen Schutz der historischen Ausstattung. Die zugrunde liegende Beschreibung der Diözese stammt aus dem Jahr 2021; für einen gezielt geplanten Besuch empfiehlt sich daher eine vorherige Kontaktaufnahme mit der Pfarre.

Volkskundliche Bedeutung

Kleinfrauenhaid zeigt in besonders anschaulicher Weise den Wandel einer Wallfahrt über mehrere Jahrhunderte. Ausgangspunkt war ein älteres Marienbild, das durch seine Übertragung an einen neuen Ort zum Zentrum einer regionalen Gnadenbildverehrung wurde. Daraus entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit eine ausgeprägte Prozessionswallfahrt, die ganze Pfarrgemeinden zusammenführte.

Der "Lange Tanz" macht zugleich deutlich, dass historische Wallfahrt nicht auf den sakralen Bereich beschränkt werden darf. Religiöses und weltliches Fest bildeten eine Einheit: Pilgern, Gottesdienst, Marienverehrung, gemeinsames Essen und Tanz gehörten zum selben Festtag. Gerade solche Überlieferungen ermöglichen einen Einblick in die gesellschaftliche Funktion frühneuzeitlicher Wallfahrten, die neben der persönlichen Frömmigkeit auch Begegnung, Gemeinschaft und regionale Identität stifteten.

Der heutige stille Wallfahrtsort unterscheidet sich daher grundlegend von den großen Festtagen des 18. Jahrhunderts. Dennoch blieb mit dem Gnadenbild der "Mutter der Guten Hoffnung" der kultische Mittelpunkt derselbe. Kleinfrauenhaid ist damit zugleich Zeugnis einer historischen Massenwallfahrt und Beispiel dafür, wie ein kleiner Wallfahrtsort seine religiöse Bedeutung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen bewahren kann.

 

 

Literatur zur Wallfahrt:

- Josef Rittsteuer: Die Anfänge der Pfarre Kleinfrauenhaid. In: Burgenländische Heimatblätter, 10. Jahrgang, 1948, S. 80–84.

- Monika Soffner-Loibl: Kleinfrauenhaid. Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt. Peda-Kunstführer Nr. 850, Passau 2011.

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland.

- Diözese Eisenstadt: Wallfahrtskirche Kleinfrauenhaid – Geschichte und Gegenwart der Wallfahrt.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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