Heiligenbrunn, Wallfahrtskapelle hl. Ulrich und Ulrichsquelle

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historischer Quellenwallfahrtsort; das Heilwasser wurde besonders bei Augenleiden aufgesucht und verwendet.
Status:Die organisierte Wallfahrt ist weitgehend zurückgegangen, persönliche Verehrung von Quelle und Heilwasser besteht fort.
Kultzentrum:Ulrichsquelle; das Zentrum der Verehrung ist die Quelle selbst und nicht ein Gnadenbild.
Ort:Heiligenbrunn.
Bezirk:Güssing.
Bundesland:Burgenland.
Lage und Besuch
Lage: Heiligenbrunn, 7522 Heiligenbrunn.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Heiligenbrunn
Öffnungszeiten: Quelle und Kapellenbereich sind frei zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Am Rand des südburgenländischen Ortes Heiligenbrunn liegt mit der Ulrichsquelle und der darüber beziehungsweise unmittelbar daneben errichteten Ulrichskapelle ein sehr alter religiöser Kultplatz, dessen Geschichte bis in das Hochmittelalter zurückreicht. Der Name des Ortes selbst verweist auf diesen Ursprung: Heiligenbrunn bedeutet ebenso wie der ungarische Ortsname Szentkút "heiliger Brunnen".

Das eigentliche Zentrum der Verehrung ist nicht ein Gnadenbild, sondern die Quelle. Ihrem Wasser wurde über Jahrhunderte besondere Heilkraft zugeschrieben, vor allem bei Augenleiden. Noch im 18. Jahrhundert ist ausdrücklich überliefert, dass Kranke die Quelle aufsuchten und sich mit ihrem Wasser wuschen. Damit ist Heiligenbrunn als historischer Quellenwallfahrtsort eindeutig belegt.

Die früher bedeutendere Wallfahrt ist im Laufe des 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen, doch Quelle und Kapelle werden bis heute aufgesucht und das Wasser weiterhin abgefüllt und mitgenommen. Heiligenbrunn gehört damit zu jenen alten Bründlwallfahrten, deren organisierte Wallfahrt weitgehend verschwunden ist, während die persönliche Verehrung des Heilwassers fortlebt.

Ein heiliger Brunnen bereits im Mittelalter

Die älteste Nachricht über den Kultplatz stammt aus dem Jahr 1198. In einer Urkunde werden eine als heilig bezeichnete Quelle, eine bei ihr befindliche Kapelle und ein Weingarten genannt, die in den Besitz beziehungsweise Nutzungsbereich der Zisterzienser von Szentgotthárd gelangten.

Damit ist Heiligenbrunn als sakral ausgezeichneter Quellort bereits im Hochmittelalter bezeugt. Die Quelle war offenbar so charakteristisch für den Ort, dass sie schließlich dessen Namen bestimmte.

Aus dieser frühen Erwähnung darf allerdings noch keine organisierte Wallfahrt im späteren Sinn abgeleitet werden. Die Quelle und eine Kapelle sind 1198 belegt, nicht jedoch Pilgerzüge oder ein ausgeprägtes Wallfahrtswesen.

Ebenso wenig lässt sich sicher feststellen, ob die mittelalterliche Kapelle bereits dem hl. Ulrich geweiht war. Das spätere Ulrichspatrozinium darf daher nicht ohne weiteres bis ins 12. Jahrhundert zurückprojiziert werden.

Die Ulrichsquelle

Im Zentrum der Wallfahrtsüberlieferung steht die Quelle selbst. Ihr Wasser galt als heilkräftig und wurde besonders bei Augenleiden verwendet.

Der entscheidende historische Nachweis stammt aus einer kanonischen Visitation des Jahres 1757. Darin wird berichtet, dass zahlreiche kranke Menschen die Quelle aufsuchten und sich mit ihrem Wasser wuschen, weil sie davon Heilung erwarteten.

Damit ist nicht lediglich eine örtliche Sage über ein wundertätiges Wasser überliefert, sondern eine konkrete religiöse Praxis dokumentiert. Menschen kamen gezielt zum Quellheiligtum, verwendeten das Wasser auf bestimmte Weise und verbanden damit die Hoffnung auf gesundheitliche Hilfe.

Der Quellenkult von Heiligenbrunn gehört damit eindeutig in den Bereich historischer Heil- und Wallfahrtsfrömmigkeit.

Wasser als religiöses Heilmittel

Für die Volkskunde sind Heilquellen deshalb besonders aufschlussreich, weil hier religiöse Vorstellung und konkrete körperliche Handlung unmittelbar miteinander verbunden sind.

Der Pilger betrachtet nicht nur ein Bild oder spricht ein Gebet. Er wäscht Augen oder Gesicht, berührt den erkrankten Körper mit dem Wasser, trinkt davon oder füllt es in ein Gefäß und nimmt es nach Hause mit.

Gerade dieses Mitnehmen ist ein wesentliches Element traditioneller Bründlfrömmigkeit. Ein Teil des Wallfahrtsortes wird dadurch aus seinem räumlichen Zusammenhang herausgelöst und in Haus und Familie übertragen.

Das Wasser kann anschließend für einen Kranken verwendet, einem Angehörigen mitgebracht oder über längere Zeit aufbewahrt werden. Die Quelle bleibt dadurch auch nach der Heimkehr des Wallfahrers im alltäglichen Lebensbereich gegenwärtig.

Die traditionell zugeschriebene Heilwirkung ist als Ausdruck religiöser und volksmedizinischer Vorstellungen zu verstehen und nicht als medizinisch nachgewiesene Wirkung des Quellwassers.

Der hl. Ulrich und das Wasser

Die Quelle steht heute unter dem Patronat des hl. Ulrich von Augsburg. Der Heilige war im süddeutschen und österreichischen Raum nicht nur Kirchenpatron, sondern wurde auch in vielfältigen Notlagen angerufen.

Ulrichsbrunnen und Ulrichsquellen begegnen an mehreren Orten des Alpen- und Donauraumes. Der Kult des Heiligen konnte sich dabei mit älteren Quellen- und Heilwasservorstellungen verbinden.

Für Heiligenbrunn ist das Ulrichspatrozinium spätestens in der frühen Neuzeit deutlich greifbar. Der 4. Juli, der Gedenktag des hl. Ulrich, besaß im örtlichen kirchlichen Kalender besondere Bedeutung und wurde auch mit einem Kirtag verbunden.

Die Verbindung zwischen Heiligem und Quelle verlieh dem Heilwasser eine klar christliche kultische Einordnung. Das Wasser wurde nicht als selbständig magisch wirksame Naturkraft verstanden, sondern als Teil eines durch Heiligenverehrung, Gebet und Kapelle geprägten religiösen Ortes.

Die Wallfahrt im 18. Jahrhundert

Der Bericht von 1757 lässt erkennen, dass Heiligenbrunn damals einen erheblichen Ruf als Heilquelle besaß. Kranke Menschen kamen gezielt hierher und suchten Hilfe im Wasser.

Die Wallfahrt war damit keine bloße lokale Andachtsform. Der Besuch der Quelle überschritt den gewöhnlichen Pfarrgebrauch, weil Menschen gerade wegen der zugeschriebenen Heilkraft des Wassers nach Heiligenbrunn kamen.

In dieser Zeit dürfte das Wallfahrtsgeschehen nicht allein auf die kleine Brunnenkapelle beschränkt gewesen sein. Auch die nahe Pfarrkirche St. Clemens war in das religiöse Leben des Ortes eingebunden.

Kapelle, Quelle, Pfarrkirche und Kirtag bildeten damit gemeinsam eine kleine sakrale Landschaft, in der unterschiedliche religiöse Handlungen miteinander verbunden waren.

Die heutige Ulrichskapelle

Die heutige Ulrichskapelle wurde 1925/26 anstelle einer älteren hölzernen Brunnenkapelle errichtet.

Der bestehende Bau ist damit vergleichsweise jung, doch setzt er eine wesentlich ältere Tradition fort. Gerade bei Quellenwallfahrten ist diese Unterscheidung wichtig: Das Alter des Kultortes darf nicht mit dem Alter des heutigen Gebäudes gleichgesetzt werden.

Die Verehrung der Quelle reicht viele Jahrhunderte weiter zurück als die bestehende Kapelle.

So bildet die heutige Ulrichskapelle lediglich die jüngste architektonische Fassung eines Kultplatzes, der bereits im Mittelalter als heiliger Brunnen bezeichnet wurde.

Ladislaus Batthyány-Strattmann und die Ulrichsquelle

Ein besonders bemerkenswertes Detail verbindet Heiligenbrunn mit der nahe gelegenen Wallfahrt von Güssing.

Der Augenarzt Ladislaus Batthyány-Strattmann, der später als "Arzt der Armen" bekannt und 2003 seliggesprochen wurde, soll das Wasser der Heiligenbrunner Ulrichsquelle bei Augenleiden verwendet haben.

Diese Überlieferung ist volkskundlich besonders interessant. Gerade Batthyány-Strattmann war medizinisch ausgebildeter Augenarzt, bewegte sich jedoch zugleich selbstverständlich innerhalb einer religiös geprägten Lebenswelt, in der ein traditionsreiches Heilwasser seinen festen Platz besaß.

Hier begegnen sich damit wissenschaftliche Medizin, religiöse Frömmigkeit und Volksmedizin.

Die Verbindung erhält noch eine zusätzliche Bedeutung dadurch, dass Ladislaus Batthyány-Strattmann heute selbst besonders bei Augenleiden als Fürsprecher angerufen wird. In der Güssinger Basilika entwickelte sich um seinen Reliquienschrein eine jüngere Wallfahrt.

So verbindet sich der alte Augenbrunnen von Heiligenbrunn auf ungewöhnliche Weise mit einem modernen Seligenkult der unmittelbaren Region.

Wallfahrt und Staatsgrenze

Wie zahlreiche Wallfahrtsorte des südlichen Burgenlandes lag auch Heiligenbrunn ursprünglich in einem westungarischen Kulturraum, dessen religiöse Beziehungen nicht an der heutigen österreichisch-ungarischen Staatsgrenze endeten.

Erst die politischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts und insbesondere die zeitweise strenge Abriegelung der Grenze unterbrachen traditionelle Verkehrs- und Wallfahrtsbeziehungen.

Für kleinere regionale Heiligtümer konnten solche Grenzziehungen besonders einschneidend wirken, weil ihr Einzugsgebiet häufig aus benachbarten Dörfern bestand, die plötzlich verschiedenen Staaten angehörten.

Der Rückgang der großen Heiligenbrunner Quellenwallfahrt ist daher nicht ausschließlich als religiöser Wandel zu verstehen, sondern steht auch im Zusammenhang mit den tiefgreifenden politischen Veränderungen des ehemaligen Westungarn.

Vom Wallfahrtsort zur persönlich aufgesuchten Heilquelle

Die frühere organisierte Wallfahrt besitzt heute nicht mehr jene Bedeutung, die sie im 18. und 19. Jahrhundert gehabt haben dürfte.

Dennoch ist die Ulrichsquelle keineswegs vergessen. Besucher suchen sie weiterhin auf, trinken das Wasser oder nehmen es in Flaschen mit nach Hause. Auch die Bezeichnung als Heilquelle und Wallfahrtskapelle ist im örtlichen Bewusstsein erhalten geblieben.

Damit zeigt Heiligenbrunn einen für viele kleinere Wallfahrtsorte charakteristischen Wandel.

Die großen gemeinschaftlichen Wallfahrten können zurückgehen oder verschwinden, während die individuelle Praxis fortbesteht. Einzelne Menschen kommen weiterhin aus persönlicher Überzeugung, wegen einer Krankheit, aus familiärer Tradition oder aus dem Wunsch, Wasser von einem als besonders empfundenen Ort mitzunehmen.

Der Kult wird kleiner und privater, verschwindet aber nicht vollständig.

Volkskundliche Bedeutung

Heiligenbrunn gehört zu den besonders anschaulichen Beispielen einer alten Quellenwallfahrt im Burgenland.

Bereits der Ortsname bewahrt die Erinnerung an den "heiligen Brunnen". Eine Quelle und eine Kapelle sind schon 1198 belegt, doch erst spätere Quellen ermöglichen eine sichere Aussage über das eigentliche Wallfahrtswesen.

Besonders wertvoll ist der Visitationsbericht von 1757, weil er nicht lediglich vom guten Ruf der Quelle berichtet, sondern die Handlung der Pilger beschreibt: Kranke Menschen kamen nach Heiligenbrunn und wuschen sich mit dem Wasser.

Damit wird die religiöse Praxis unmittelbar sichtbar.

Der menschliche Körper bildet gleichsam die Schnittstelle zwischen Wallfahrtsort und Glauben. Das Wasser wird berührt, auf die erkrankte Stelle gebracht oder mit nach Hause genommen. Religiöse Hoffnung wird dadurch zu einer konkreten körperlichen Handlung.

Der hl. Ulrich gibt dieser Quellenverehrung eine kirchliche Form, während die Kapelle den natürlichen Quellaustritt in einen sakralen Raum einbindet.

Besonders bemerkenswert ist schließlich die Verbindung mit Ladislaus Batthyány-Strattmann. Der Augenarzt verwendete nach örtlicher Überlieferung selbst Wasser aus Heiligenbrunn; nach seinem Tod wurde er zum seligen Fürsprecher, der wiederum besonders bei Augenkrankheiten angerufen wird.

Heiligenbrunn verbindet damit mittelalterlichen Quellenkult, frühneuzeitliche Heilungswallfahrt, traditionelle Volksmedizin und moderne Heiligenverehrung auf ungewöhnlich anschauliche Weise.

Literatur zur Wallfahrt:

- Josef Rittsteuer: "Zur Kirchengeschichte von Heiligenbrunn". In: Heiligenbrunn. Chronik zur 800-Jahr-Feier. Heiligenbrunn 1998.

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955, Heiligenbrunn S. 229.

Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland. Wien 1976, Heiligenbrunn.

- SAGEN.at: Heiligenbrunn – Ulrichsbründl. Dokumentation der Heilquelle im Rahmen der SAGEN.at-Sammlung "Heilige Quellen und Heilbründl im Burgenland".

- Gemeinde Heiligenbrunn: Dokumentation zur Ulrichskapelle, zur Ortsgeschichte und zur Ulrichsquelle.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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