Güssing, Basilika Mariä Heimsuchung und Wallfahrtsort zum seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historisch franziskanische Ablass- und Bußwallfahrt zum Portiunkulafest; heute zusätzlich Pilgerkult um den seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort mit gewandeltem Wallfahrtswesen.
Kultzentrum:Reliquienschrein des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann; historisch stand die Portiunkula-Ablasswallfahrt im Mittelpunkt.
Ort:Güssing.
Bezirk:Güssing.
Bundesland:Burgenland.
Lage und Besuch
Lage: Hauptplatz, 7540 Güssing.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland
Ansicht in Street View
Web: Stadtpfarre Güssing
Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
Die Batthyány-Familiengruft ist nicht frei zugänglich und kann nach vorheriger Anmeldung bei der Pfarre beziehungsweise im Rahmen entsprechender Besichtigungen besucht werden.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Am Fuß des Güssinger Burgberges liegt die ehemalige Franziskanerkirche und heutige Basilika Mariä Heimsuchung, die gemeinsam mit dem Franziskanerkloster und der weitläufigen Familiengruft der Batthyány zu den bedeutendsten Sakralanlagen des südlichen Burgenlandes gehört. Ihre Stellung als Wallfahrtsort ist ungewöhnlich, weil sich hier verschiedene Formen der Pilgerschaft überlagern. Historisch war Güssing vor allem Ziel einer franziskanisch geprägten Ablasswallfahrt zum Portiunkulafest am 2. August; in jüngerer Zeit entwickelte sich dagegen eine neue Wallfahrt zum seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann, dem als "Arzt der Armen" verehrten Augenarzt aus der Familie Batthyány.

Obwohl die Kirche das marianische Patrozinium Mariä Heimsuchung trägt und mehrere bedeutende Marienbilder besitzt, lässt sich keine klassische Gnadenbildwallfahrt nachweisen, wie sie etwa für Frauenkirchen, Maria Weinberg oder Maria Bild charakteristisch ist. Die besondere Bedeutung Güssings liegt vielmehr gerade im Wandel seines Wallfahrtswesens: Eine frühneuzeitliche Ablass- und Bußwallfahrt verlor allmählich an Bedeutung, während sich um das Grab und später den Reliquienschrein eines im 20. Jahrhundert verstorbenen Arztes ein neuer Pilgerkult entwickelte.

Franziskaner und katholische Erneuerung

Die Entstehung der heutigen Klosteranlage steht in engem Zusammenhang mit Adam I. Batthyány. Nach seiner Rückkehr zum katholischen Glauben berief er 1638 Franziskaner nach Güssing, um von hier aus die katholische Seelsorge in seinen weitläufigen Besitzungen zu stärken. Güssing war zuvor über längere Zeit ein bedeutender Mittelpunkt protestantischer Kultur gewesen; die Niederlassung der Franziskaner gehört daher unmittelbar in den Zusammenhang der Gegenreformation beziehungsweise der katholischen Rekonfessionalisierung des westungarischen Raumes.

Kloster und Kirche entstanden an der Stelle eines älteren Augustinereremitenklosters. Die neue Klosterkirche wurde am 7. April 1652 geweiht. Von Güssing aus übernahmen die Franziskaner seelsorgliche Aufgaben in zahlreichen umliegenden Orten und prägten über Jahrhunderte das religiöse Leben des südlichen Burgenlandes.

Das Kloster war damit nicht bloß eine Niederlassung eines Bettelordens, sondern ein bedeutendes geistliches Zentrum innerhalb der Batthyányschen Herrschaften.

Der Hochaltar

Der monumentale Hochaltar gehört zur ursprünglichen Ausstattung der Kirche und wurde 1649 geschaffen. Als ausführende Künstler werden der Bildhauer und Holzschnitzer Matthias Kern sowie der Grazer Maler Wolfgang Resch genannt; eine Beteiligung beziehungsweise ein Entwurf des kaiserlichen Hofbaumeisters Philiberto Lucchese wird in der Literatur erwogen.

Das gesamte ikonographische Programm ist marianisch aufgebaut. Das Hauptbild zeigt entsprechend dem Patrozinium die Begegnung Mariens mit Elisabeth, die Heimsuchung Mariens. Darüber folgen die Aufnahme Mariens in den Himmel und die Dreifaltigkeit; den Abschluss des Altares bildet eine vergoldete Maria vom Siege.

Über dem Hauptbild befindet sich das Wappen der Batthyány. Dadurch wird die enge Verbindung von adeliger Stiftung, dynastischer Repräsentation, katholischer Erneuerung und Marienverehrung unmittelbar sichtbar.

Der Hochaltar ist jedoch nicht als Träger eines klassischen Gnadenbildes anzusehen. Für eine eigenständige Wallfahrt zu seinem Marienbild fehlen entsprechende Belege.

Lorettokapelle und Schwarze Madonna

Rechts vom Chor befindet sich die Lorettokapelle mit einer Schwarzen Madonna. Die kleine, mit einem Glockenmantel bekleidete Marienfigur steht in einer vergitterten Nische des Altares. Die Ausstattung geht auf eine Stiftung der Gräfin Isabella Batthyány im frühen 18. Jahrhundert zurück.

Damit ist auch in Güssing jene Loreto-Frömmigkeit vertreten, die sich seit der frühen Neuzeit über weite Teile Europas verbreitete. Nachbildungen der Schwarzen Madonna und der Santa Casa von Loreto waren Ausdruck einer international vernetzten katholischen Wallfahrtskultur.

Für Güssing ist jedoch keine selbständige größere Wallfahrt zu dieser Schwarzen Madonna sicher nachweisbar. Die Lorettokapelle ist deshalb vor allem als Zeugnis barocker Marienfrömmigkeit und der engen Einbindung Güssings in überregionale katholische Kulttraditionen zu verstehen.

Der Maria-Trost-Altar

Ein weiteres bemerkenswertes Zeugnis dieser Wallfahrtskultur ist der Maria-Trost-Altar. Sein Bild verbindet die Mariazeller Muttergottes mit einer Darstellung der Wallfahrtskirche Mariatrost bei Graz.

Damit begegnen innerhalb der Güssinger Kirche gleichsam mehrere bekannte Wallfahrtsorte in bildlicher Form. Mariazell und Mariatrost wurden in den lokalen Kirchenraum übertragen und konnten auch jenen Gläubigen gegenwärtig werden, die diese großen Heiligtümer nicht persönlich besuchten.

Solche Bildübertragungen zeigen, wie stark sich Wallfahrtsorte gegenseitig beeinflussten. Gnadenbilder wurden kopiert, Andachtsformen übernommen und bedeutende Heiligtümer durch Bilder in andere Kirchen gleichsam hineingeholt.

Auch daraus lässt sich jedoch keine eigenständige Güssinger Gnadenbildwallfahrt ableiten. Vielmehr dokumentiert der Altar die besondere Bedeutung der Wallfahrtsfrömmigkeit innerhalb des franziskanischen Kirchenraumes.

Die Portiunkula-Wallfahrt

Die eigentliche historische Wallfahrt nach Güssing war eng mit dem Franziskanerorden und dem Portiunkulafest verbunden.

Die Portiunkula ist eine kleine Kapelle bei Assisi, die mit dem hl. Franziskus und den Anfängen seines Ordens verbunden ist. Mit ihrem Fest am 2. August war ein besonderer Ablass verknüpft. Auch in Franziskanerkirchen außerhalb Assisis konnte dieser unter bestimmten kirchlichen Voraussetzungen gewonnen werden.

Am 2. August kamen deshalb über lange Zeit zahlreiche Menschen nach Güssing. Der Besuch der Kirche war mit Beichte, Messfeier, Kommunion und dem Gewinn des Portiunkulaablasses verbunden.

Diese Wallfahrt unterscheidet sich wesentlich von einer klassischen Gnadenbildwallfahrt. Ziel war nicht in erster Linie eine wundertätige Statue oder ein Heilbründl, sondern eine konkrete religiöse Handlung und die damit verbundene Hoffnung auf Ablass und Vergebung.

Gerade dadurch ist Güssing für die Geschichte des Wallfahrtswesens besonders interessant. Wallfahrt konnte nicht nur aus der Bitte um Heilung oder Hilfe entstehen, sondern ebenso aus Bußfrömmigkeit und der Sorge um das eigene Seelenheil.

Vom Wallfahrtstag zum Portiunkulakirtag

Der Portiunkulatag überdauerte den Rückgang der ursprünglichen Wallfahrt in veränderter Form. Bis heute wird in Güssing am 2. August der Portiunkulakirtag begangen.

Damit lässt sich ein für viele Wallfahrtsorte charakteristischer Wandel beobachten. Aus einem religiösen Wallfahrtstermin entwickelte sich zunehmend ein gesellschaftlicher Fest- und Markttag. Marktstände, Begegnung und Unterhaltung traten stärker hervor, während die ursprünglich zentrale Bedeutung von Beichte und Ablass an Gewicht verlor.

Volkskundlich lässt sich dieser Prozess als Verschiebung von der Wallfahrt zum Kirtag beschreiben. Der Termin bleibt im lokalen Kalender fest verankert, doch seine religiöse Begründung tritt im Bewusstsein vieler Besucher zurück.

Bemerkenswert ist zugleich die weiterhin gepflegte Mehrsprachigkeit. Zum Portiunkulafest wird auch in kroatischer Sprache Gottesdienst gefeiert. Damit bleibt die Basilika Teil jener historisch mehrsprachigen Kulturlandschaft, die das südliche Burgenland und Westungarn über Jahrhunderte prägte.

Die Batthyány-Gruft

Unter Kirche und Kloster befindet sich die große Familiengruft der Batthyány. Über Generationen wurden hier Angehörige einer der bedeutendsten ungarischen Magnatenfamilien bestattet.

Die Gruft gehört damit zur dynastischen Erinnerungskultur der Familie. Kirche und Kloster waren nicht nur Orte franziskanischer Frömmigkeit, sondern zugleich Orte aristokratischer Memoria.

Gerade diese Familiengruft wurde im 20. Jahrhundert zum Ausgangspunkt einer völlig neuen Wallfahrt.

Hier wurde nach seinem Tod auch Ladislaus Batthyány-Strattmann bestattet.

Ladislaus Batthyány-Strattmann – der "Arzt der Armen"

Ladislaus Batthyány-Strattmann wurde 1870 geboren und gehörte der weitverzweigten Familie Batthyány an. Als Arzt, insbesondere als Augenarzt, widmete er sich intensiv der Behandlung kranker Menschen. Zahlreiche mittellose Patienten behandelte er unentgeltlich oder unterstützte sie zusätzlich finanziell.

Seine medizinische Tätigkeit verstand er in enger Verbindung mit seinem christlichen Glauben. Bereits zu Lebzeiten entstand deshalb der Ruf außergewöhnlicher Frömmigkeit und Nächstenliebe.

Nach seinem Tod am 22. Jänner 1931 wurde er in der Familiengruft der Batthyány in Güssing beigesetzt.

Schon bald kamen Menschen an sein Grab, um für ihn und schließlich zunehmend auch um seine Fürsprache zu beten. Besonders aus Ungarn entwickelten sich Pilgerbewegungen nach Güssing.

Damit begann sich innerhalb einer bestehenden historischen Wallfahrtskirche ein völlig neuer Wallfahrtskult herauszubilden.

Ein neuer Fürsprecher bei Augenleiden

Besonders bemerkenswert ist die Anrufung Ladislaus Batthyány-Strattmanns bei Augenkrankheiten.

Seine religiöse Zuständigkeit entstand unmittelbar aus seinem irdischen Beruf. Weil er als Augenarzt zahlreiche Menschen behandelt hatte, wandten sich Gläubige auch nach seinem Tod bei Augenleiden an ihn.

Dieser Vorgang entspricht einem sehr alten Prinzip der Heiligenverehrung. Die besondere Zuständigkeit eines Heiligen oder Seligen wird häufig aus seinem Leben, Beruf, Martyrium oder einem mit ihm verbundenen Wunder abgeleitet.

Bei Ladislaus Batthyány-Strattmann lässt sich dieser Vorgang jedoch nahezu zeitgeschichtlich beobachten: Aus dem angesehenen Augenarzt wurde ein als heiligmäßig erinnerter Verstorbener, aus seinem Familiengrab ein Gebetsort, aus diesem Gebetsort ein Pilgerziel und schließlich ein kirchlich anerkannter Wallfahrtskult.

Gerade dadurch besitzt Güssing volkskundlich außergewöhnliche Bedeutung. Hier lässt sich nicht nur eine alte Wallfahrt beschreiben, sondern die Entstehung einer neuen nahezu Schritt für Schritt nachvollziehen.

Seligsprechung und Reliquienschrein

Papst Johannes Paul II. sprach Ladislaus Batthyány-Strattmann am 23. März 2003 selig.

Im Zusammenhang mit der zunehmenden Verehrung wurden seine Reliquien aus der Familiengruft in den Kirchenraum übertragen. In einer eigenen Kapelle der Basilika befindet sich heute sein Reliquienschrein.

Damit verlagerte sich der Kult vom schwer zugänglichen Familiengrab in den öffentlich zugänglichen Kirchenraum. Der verehrte Tote wurde nicht mehr lediglich am Ort seiner Bestattung besucht, sondern erhielt innerhalb der Kirche einen eigenen liturgisch und devotional gestalteten Platz.

Sein Gedenktag wird am 22. Jänner begangen.

Bis heute kommen Pilger, besonders aus Ungarn, nach Güssing. Unter ihnen befinden sich auch Menschen, die bei Augenleiden um seine Fürsprache bitten.

Vom Familiengrab zum Wallfahrtsort

Dieser Wandel besitzt eine besondere volkskundliche Aussagekraft.

Eine aristokratische Familiengruft dient gewöhnlich der Erinnerung einer bestimmten Familie und ihres sozialen Umfeldes. Durch die Verehrung Ladislaus Batthyány-Strattmanns wurde dieser private dynastische Erinnerungsraum jedoch zunehmend zu einem öffentlichen religiösen Ort.

Der Tote gehörte nicht mehr nur zur Geschichte der Batthyány. Er wurde als Fürsprecher von Menschen aufgesucht, die keinerlei persönliche Verbindung zur Familie hatten.

Mit der Übertragung seiner Reliquien in die Basilika wurde dieser Übergang endgültig sichtbar: Aus der Familienmemoria entstand ein allgemein zugänglicher Kult.

Wallfahrt aus Ungarn

Die besondere Bedeutung ungarischer Pilger ist für Güssing historisch folgerichtig.

Die Familie Batthyány gehörte zu den bedeutendsten Magnatenfamilien Ungarns, und Ladislaus Batthyány-Strattmann wirkte einen wesentlichen Teil seines Lebens im ungarischen beziehungsweise westungarischen Raum.

Güssing selbst gehörte bis 1921 zu Ungarn. Die heutige Staatsgrenze trennt daher einen historischen Kulturraum, innerhalb dessen die Familie, ihre Besitzungen und ihre religiösen Stiftungen über Jahrhunderte miteinander verbunden waren.

Dass gerade ungarische Pilger heute zum Reliquienschrein nach Güssing kommen, ist daher keine neue internationale Beziehung, sondern teilweise die Wiederaufnahme einer älteren historischen Verbindung.

Erhebung zur Basilica minor

Im Jahr 2013 wurde die ehemalige Franziskanerkirche Mariä Heimsuchung zur Basilica minor erhoben.

Die Verleihung dieses päpstlichen Ehrentitels unterstrich die besondere kirchliche und geistliche Bedeutung des Gotteshauses. Neben seiner Geschichte als Franziskanerkirche und Batthyány-Gedächtnisort spielte dabei auch die wachsende Bedeutung als Pilgerstätte zum seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann eine Rolle.

Die Basilika ist damit heute Pfarrkirche, ehemalige Klosterkirche, dynastische Gedächtnisstätte und Wallfahrtsort zugleich.

Güssing ist ein lebendiger Wallfahrtsort, allerdings mit einer ungewöhnlichen historischen Entwicklung.

Die alte Portiunkula-Ablasswallfahrt hat ihre frühere Bedeutung weitgehend verloren. Der 2. August blieb als Portiunkulakirtag im örtlichen Festkalender erhalten, während die ursprünglich zentrale Buß- und Ablasspraxis deutlich zurücktrat.

Gleichzeitig entstand mit der Verehrung des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann ein neuer Wallfahrtskult.

Der heutige Wallfahrtscharakter der Basilika beruht daher wesentlich auf seinem Reliquienschrein und der persönlichen Anrufung des "Arztes der Armen", besonders bei Augenleiden.

Volkskundliche Bedeutung

Güssing ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Wandelbarkeit von Wallfahrtsorten.

Die Kirche entstand im 17. Jahrhundert als Zentrum franziskanischer und gegenreformatorischer Frömmigkeit. Ihre historische Wallfahrt war wesentlich durch den Portiunkulaablass geprägt. Menschen kamen nicht zu einem wundertätigen Gnadenbild, sondern um zu beichten, Messe zu feiern und einen Ablass zu gewinnen.

Mit dem Rückgang dieser Form von Bußfrömmigkeit verlor auch die alte Wallfahrt an Bedeutung. Der Festtag selbst überlebte jedoch als Portiunkulakirtag.

Im selben Sakralraum entstand später ein neuer Wallfahrtskult völlig anderer Art. Ausgangspunkt war diesmal keine jahrhundertealte Legende, sondern die Erinnerung an einen historisch gut dokumentierten Arzt des 20. Jahrhunderts.

Die besondere Verehrung Ladislaus Batthyány-Strattmanns zeigt, wie auch in der Moderne Heiligenkulte entstehen können. Biographie, persönliche Erinnerung, Berichte über außergewöhnliche Frömmigkeit, Gebet am Grab, zunehmende Pilgerschaft, kirchliche Anerkennung, Seligsprechung und Reliquienverehrung bilden dabei eine nachvollziehbare Entwicklung.

Besonders anschaulich zeigt sich die traditionelle Logik der Heiligenverehrung in seiner Anrufung bei Augenleiden. Der frühere Augenarzt wird auch nach seinem Tod als Helfer für jene Krankheit angerufen, deren Behandlung zu seinem irdischen Beruf gehörte.

Güssing dokumentiert damit zwei sehr unterschiedliche Formen von Wallfahrt an einem einzigen Ort: die frühneuzeitliche Ablasswallfahrt der Franziskaner und die moderne Reliquienwallfahrt zu einem Seligen.

Gerade diese Überlagerung macht die Basilika zu einem besonders aussagekräftigen Zeugnis dafür, dass Wallfahrt keine unveränderliche historische Erscheinung ist, sondern sich immer wieder neuen religiösen Bedürfnissen und Formen der Verehrung anpassen kann.

Literatur zur Wallfahrt:

- Arnold Magyar OFM: 340 Jahre Franziskaner in Güssing 1638–1978. Güssing 1980.

- Anton Bruck OFM – István Monok – Edina Zvara: Die Historische Bibliothek des Franziskanerklosters in Güssing. Bewahrte Geistigkeit und Kulturerbe von drei Nationen. Budapest–Güssing 2021.

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland. Wien 1976, Güssing, Franziskanerkloster und Klosterkirche Mariä Heimsuchung.

- Stadtpfarre Güssing: Kirchenführer zur Basilika Mariä Heimsuchung, zur Batthyány-Familiengruft und zum seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann.

- Diözese Eisenstadt: Darstellungen zur Basilika Güssing, zur Portiunkula-Wallfahrt und zur Verehrung des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann.

- Zur Person und Verehrung des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann außerdem die kirchlichen Dokumentationen anlässlich seiner Seligsprechung sowie die Veröffentlichungen der Diözese Eisenstadt und der Familie Batthyány.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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