Frauenkirchen, Wallfahrtsbasilika zu Mariä Geburt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Bedeutender Marienwallfahrtsort mit mittelalterlicher Kultschicht und großer barocker Wallfahrtstradition.
Status:Lebendige Wallfahrt mit Pilgern aus dem Burgenland und den benachbarten Ländern.
Kultzentrum:Die Gnadenstatue "Maria auf der Heide" am Hochaltar sowie das ältere Bild der Maria lactans an einem Seitenaltar.
Ort:Frauenkirchen im Seewinkel.
Bezirk:Neusiedl am See.
Bundesland:Burgenland.
Lage und Besuch
Lage: Kirchenplatz 1, 7132 Frauenkirchen.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Frauenkirchen und Franziskanerkloster Frauenkirchen
Öffnungszeiten: täglich geöffnet zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wallfahrtskirche Frauenkirchen, Wallfahrtsbasilika zu Mariä Geburt:

Wallfahrtskirche Frauenkirchen, Wallfahrtsbasilika zu Mariä Geburt

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Wallfahrtskirche Frauenkirchen, Wallfahrtsbasilika zu Mariä Geburt:
Aufnahme um 1970

Wallfahrtskirche Frauenkirchen, Wallfahrtsbasilika zu Mariä Geburt um 1970

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Hauptschiff der Wallfahrtsbasilika Frauenkirchen:

Frauenkirchen Wallfahrtsbasilika

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Gnadenbild Schutzmantelmadonna Frauenkirchen:

Gnadenbild Schutzmantelmadonna Frauenkirchen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Frauenkirchen im burgenländischen Seewinkel gehört zu den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten des Burgenlandes und des historischen westungarischen Raumes. Die monumentale barocke Basilika mit dem angeschlossenen Franziskanerkloster beherrscht weithin sichtbar das flache Umland. Ihre heutige Gestalt entstand vor allem unter Fürst Paul I. Esterházy, doch reicht die Geschichte der Marienverehrung wesentlich weiter zurück. Eine Besonderheit des Wallfahrtsortes liegt darin, dass sich hier die Verehrung zweier unterschiedlicher Marienbilder überlagert: eines alten Bildes der stillenden Gottesmutter, der Maria lactans, und der später nach Frauenkirchen übertragenen Gnadenstatue "Maria auf der Heide", die heute den Hochaltar beherrscht.

Die Anfänge der Wallfahrt

Frauenkirchen wird 1324 erstmals urkundlich erwähnt. Nach der Überlieferung bestand damals bereits eine kleine Marienkapelle, in der ein auf Holz gemaltes Bild der stillenden Gottesmutter verehrt wurde. Eine später überlieferte, heute nicht mehr erhaltene Urkunde von 1335 soll Frauenkirchen bereits als vielbesuchten Wallfahrtsort bezeichnet haben. Unabhängig von der schwierigen Überlieferung dieser frühen Nachricht weist die Verehrung der Maria lactans jedenfalls auf eine mittelalterliche Marientradition hin, die der späteren barocken Wallfahrt vorausging.

Einen entscheidenden Platz in der Wallfahrtsüberlieferung nimmt das Jahr 1529 ein. Beim ersten osmanischen Vorstoß gegen Wien wurde auch Frauenkirchen verwüstet und die damalige Marienkapelle zerstört. Nach dem Abzug der Truppen soll das auf einer Holztafel gemalte Marienbild beim Aufräumen der Brandstätte unversehrt im Schutt gefunden worden sein.

Das Motiv eines Kultbildes, das Feuer und Zerstörung auf wunderbare Weise übersteht, begegnet in zahlreichen europäischen Wallfahrtslegenden. Gerade bei einem auf Holz gemalten Bild musste dessen unversehrte Erhaltung in einer niedergebrannten Kapelle als besonders erstaunlich erscheinen. Das Bild selbst wurde damit zum sichtbaren Zeugnis eines als übernatürlich verstandenen Schutzes und erhielt zusätzliche kultische Bedeutung.

Das alte Bild der Maria lactans ist bis heute erhalten und befindet sich an einem Seitenaltar der Basilika. Seine genaue kunsthistorische Datierung ist nicht abschließend geklärt.

Wiederaufbau unter den Esterházy

Nach einer langen Phase politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit begann unter den Esterházy eine neue Blütezeit des Wallfahrtsortes. Fürst Paul I. Esterházy, einer der bedeutendsten Förderer katholischer Wallfahrts- und Marienfrömmigkeit im westungarischen Raum, ließ in Frauenkirchen eine neue Kirche errichten und siedelte Franziskaner an.

Der zunächst entstandene Kirchenbau wurde jedoch bereits 1683 während des Zweiten Türkenkrieges wieder zerstört. Das alte Marienbild konnte zuvor in Sicherheit gebracht werden.

Paul Esterházy gab den Wallfahrtsort dennoch nicht auf. Von 1695 bis 1702 ließ er nach Plänen beziehungsweise unter Leitung des aus Italien stammenden Baumeisters Francesco Martinelli die heutige monumentale barocke Kirche errichten. Stuck und Malerei schufen ein geschlossenes barockes Gesamtkunstwerk, das der gewachsenen Bedeutung des Wallfahrtsortes entsprach.

Frauenkirchen steht damit innerhalb einer ganzen Reihe von Wallfahrtsorten, deren Entwicklung Paul Esterházy maßgeblich förderte. Seine Stiftungen in Eisenstadt, Loretto, Forchtenstein, Kleinfrauenhaid und Frauenkirchen zeigen, dass sich innerhalb seiner Herrschaften eine bewusst geförderte katholische Sakrallandschaft entwickelte, in der Marienverehrung, Passionsfrömmigkeit und dynastische Repräsentation eng miteinander verbunden waren.

Die Gnadenstatue "Maria auf der Heide"

Neben dem alten Bild der Maria lactans entwickelte sich eine zweite Marienverehrung, die das heutige Erscheinungsbild der Basilika bestimmt. Fürst Paul Esterházy übertrug eine hölzerne Marienstatue aus seinem Besitz nach Frauenkirchen. Nach der Überlieferung hatte er vor der Statue auf Burg Forchtenstein gebetet und dabei den inneren Auftrag verspürt, das Bild nicht länger in einer privaten Kapelle zu belassen, sondern es vielen Menschen zugänglich zu machen.

Esterházy soll die Statue persönlich nach Frauenkirchen getragen haben. Sie erhielt dort schließlich ihren Ehrenplatz am Hochaltar und wird als "Maria auf der Heide" verehrt.

Die geschnitzte Marienfigur gilt als mittelalterlich; ihre traditionelle Datierung bis in das 13. Jahrhundert ist jedoch mit entsprechender Vorsicht zu behandeln. In barocker Zeit wurde ihr Erscheinungsbild durch kostbare Gewänder, Kronen und Zepter verändert. Dadurch erhielt die ältere Skulptur jene repräsentative Gestalt, die für viele barocke Gnadenbilder charakteristisch ist.

Die Übertragung der Statue ist ein typisches Beispiel für die sogenannte Translation eines Kultbildes. Nicht nur ein Kunstwerk wechselte seinen Standort, sondern auch die ihm zugeschriebene sakrale Bedeutung wurde auf einen neuen Ort übertragen. Die persönliche Beteiligung des Fürsten verlieh dieser Übertragung zusätzlich den Charakter einer frommen Stiftung und einer dynastischen Ursprungserzählung.

Zwei Marienbilder – zwei Kultschichten

Für das Verständnis des Frauenkirchener Wallfahrtsortes ist die Unterscheidung der beiden Marienbilder wesentlich.

Das ältere Bild der Maria lactans gehört zur mittelalterlichen Wallfahrt und ist mit der Überlieferung von seiner wunderbaren Bewahrung bei der Zerstörung des Jahres 1529 verbunden. Die Gnadenstatue "Maria auf der Heide" kam dagegen erst im Zuge der barocken Erneuerung unter Paul Esterházy nach Frauenkirchen und wurde zum beherrschenden Kultbild der neuen großen Wallfahrtskirche.

Die ältere Verehrung verschwand dadurch nicht. Beide Kultbilder blieben erhalten und verkörpern unterschiedliche historische Schichten desselben Wallfahrtsortes. Frauenkirchen bietet damit ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie Wallfahrtskulte im Lauf der Jahrhunderte verändert und erweitert werden konnten, ohne ältere Traditionen vollständig zu verdrängen.

Die Seidenstrümpfe des Fürsten Esterházy

Ein außergewöhnliches Erinnerungsstück an die Übertragung des Gnadenbildes wird im Franziskanerkloster aufbewahrt. Es handelt sich um ein Paar Seidenstrümpfe, die Fürst Paul Esterházy nach der Überlieferung getragen haben soll, als er die Marienstatue nach Frauenkirchen brachte.

Gerade ein solcher Gegenstand ist volkskundlich bemerkenswert. Die Seidenstrümpfe besitzen selbstverständlich keinen Reliquienstatus im kirchenrechtlichen Sinn. Durch ihre Verbindung mit der Gründungserzählung des Wallfahrtsortes erhielten sie jedoch eine erinnerungskulturelle Bedeutung, die der Funktion einer historischen Kontaktreliquie nahekommt. Ein alltägliches Kleidungsstück wird zum materiellen Zeugnis eines religiösen Ereignisses und beglaubigt gleichsam die Erzählung von der persönlichen Beteiligung des fürstlichen Stifters.

Solche Objekte zeigen besonders anschaulich, wie religiöse Erinnerung nicht nur durch Bilder, Schriftquellen und Architektur, sondern auch durch scheinbar nebensächliche Gegenstände bewahrt und weitergegeben werden kann.

"Refugium peccatorum" – Zuflucht der Sünder

Über dem Gnadenbild am Hochaltar steht die aus der Lauretanischen Litanei stammende Anrufung "Refugium peccatorum" – "Zuflucht der Sünder". Sie verweist auf Maria als Fürsprecherin des Menschen und beschreibt zugleich eine wesentliche Funktion des Wallfahrtsortes.

Frauenkirchen war und ist nicht ausschließlich ein Ort, an dem um körperliche Heilung oder Hilfe in bestimmten Notlagen gebetet wird. Die jahrhundertelange Betreuung durch die Franziskaner gab auch Beichte, Buße, Umkehr und seelsorglichem Zuspruch ein besonderes Gewicht. Die Bezeichnung "Zuflucht der Sünder" verbindet daher das Gnadenbild unmittelbar mit der pastoralen Funktion des Wallfahrtsortes.

Die barocke Basilika

Die heutige Wallfahrtskirche gehört zu den bedeutendsten barocken Sakralbauten des Burgenlandes. Das einschiffige Langhaus wird von acht Seitenkapellen begleitet, über denen sich Emporen öffnen. Stuckaturen, Fresken, Altäre und Architektur bilden ein weitgehend geschlossenes Gesamtkunstwerk.

Der monumentale Hochaltar ist als scheinbare Marmorarchitektur gestaltet, tatsächlich jedoch überwiegend aus bemaltem Holz aufgebaut. In seinem Zentrum steht die Gnadenstatue "Maria auf der Heide". Sie wird von den heiligen Königen Stephan und Ladislaus flankiert, den großen ungarischen Herrscherheiligen. Diese Ausstattung erinnert daran, dass Frauenkirchen über Jahrhunderte Teil des Königreichs Ungarn war und seine Wallfahrtsgeschichte innerhalb dieser historischen Kulturlandschaft verstanden werden muss.

Die Seitenkapellen sind unterschiedlichen Heiligen und Andachtsformen gewidmet. Neben Heiligen des Franziskanerordens begegnen unter anderem der hl. Antonius, der hl. Jakobus, der hl. Georg, die hl. Barbara und Maria Magdalena. Eine weitere Kapelle wurde später der Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima gewidmet. Die Ausstattung zeigt damit, wie sich unterschiedliche Kultformen innerhalb eines großen Wallfahrtsheiligtums nebeneinander entfalten konnten.

Der Kalvarienberg

Zur Wallfahrtslandschaft von Frauenkirchen gehört auch der Kalvarienberg. Paul Esterházy ließ nach den Verwüstungen des 17. Jahrhunderts einen künstlich aufgeschütteten Kalvarienberg anlegen. Ein ansteigender Weg führt über mehrere Passionsstationen hinauf zu einer monumentalen Kreuzigungsgruppe.

Wie bei anderen barocken Kalvarienbergen wird das Leiden Christi dadurch räumlich und körperlich erfahrbar. Der Pilger betrachtet die Passion nicht allein in Bildern, sondern vollzieht sie durch das Gehen und Steigen selbst nach. Der Weg vom Marienheiligtum zum Kalvarienberg verbindet Marien- und Passionsfrömmigkeit zu einer zusammenhängenden sakralen Landschaft.

Die Franziskaner und die Wallfahrt

Die Geschichte Frauenkirchens ist seit Jahrhunderten eng mit dem Franziskanerorden verbunden. Die Brüder betreuen Kirche und Wallfahrt, feiern Gottesdienste, empfangen Pilgergruppen und stehen insbesondere für Beichte und seelsorgliche Begleitung zur Verfügung.

Frauenkirchen ist bis heute kein bloß historischer Wallfahrtsort. Die Basilika wird weiterhin von zahlreichen Pilgern aus dem Burgenland und den benachbarten Ländern besucht. Die Lage nahe der heutigen österreichisch-ungarischen Grenze entspricht dabei in gewisser Weise der historischen Funktion des Ortes: Die Wallfahrt war nie ausschließlich auf die heutige österreichische Bevölkerung ausgerichtet, sondern gehörte zu einer größeren mitteleuropäischen Wallfahrtslandschaft.

Besonders Pilger aus Ungarn spielen bis heute eine bedeutende Rolle. Damit bestehen religiöse Verbindungen fort, die wesentlich älter sind als die heutige Staatsgrenze.

Mariä Geburt und die Wallfahrtstage

Das Patrozinium der Basilika ist Mariä Geburt am 8. September, im Volksmund auch "kleiner Frauentag" genannt. Das Fest gehört zu den traditionellen Marienfesten des bäuerlichen Jahres und war vielfach mit Lostagsregeln und jahreszeitlichen Beobachtungen verbunden. Bekannt ist etwa die sprichwörtliche Verbindung mit dem Abzug der Schwalben: "Maria Geburt fliegen die Schwalben fort."

Daneben besitzt Mariä Himmelfahrt am 15. August als Wallfahrtstag große Bedeutung. Das Wallfahrtsjahr orientiert sich damit nicht allein am Patrozinium der Kirche, sondern umfasst mehrere bedeutende Marienfeste und zahlreiche Gruppenwallfahrten.

Basilica minor

Die besondere kirchliche Bedeutung Frauenkirchens wurde 1990 durch die Erhebung der Wallfahrtskirche zur Basilica minor gewürdigt. Sie war damit die erste Kirche des Burgenlandes, der dieser päpstliche Ehrentitel verliehen wurde.

Volkskundliche Bedeutung

Frauenkirchen vereinigt in außergewöhnlicher Dichte mehrere zentrale Erscheinungen europäischer Wallfahrtskultur. Eine mittelalterliche Marienverehrung verbindet sich mit der Legende von einem im Feuer unversehrt gebliebenen Kultbild; daneben tritt eine zweite Gnadenstatue, deren feierliche Übertragung durch einen adeligen Stifter selbst Teil der Wallfahrtsüberlieferung wurde.

Die kostbar bekleidete "Maria auf der Heide", die alte Maria lactans, die Franziskaner, der Kalvarienberg, die überlieferten Wallfahrten aus dem westungarischen Raum und die materielle Erinnerung an Paul Esterházy bilden unterschiedliche, miteinander verbundene Schichten der religiösen Kultur des Ortes.

Besonders aufschlussreich ist die Rolle Paul Esterházys. Seine Tätigkeit beschränkte sich nicht auf die Finanzierung eines Kirchenbaues. Durch die Übertragung des Gnadenbildes, den monumentalen Neubau, die Förderung des Franziskanerklosters und die Gestaltung der umgebenden Sakrallandschaft wurde Frauenkirchen zu einem bewusst geschaffenen Zentrum katholischer Frömmigkeit.

Dabei blieb der Ort nicht auf eine adelige Repräsentationskultur beschränkt. Seine eigentliche Bedeutung entstand erst durch die Aneignung durch Generationen von Wallfahrern, die vor den Gnadenbildern beteten, Opfergaben brachten, Beichte ablegten und in Prozessionen hierher kamen. Frauenkirchen ist damit gleichermaßen Ausdruck barocker Herrschaftsfrömmigkeit und volkstümlicher Wallfahrtskultur.

Die beiden Marienbilder machen diesen Wandel besonders deutlich. Das mittelalterliche Bild der stillenden Gottesmutter bewahrt die Erinnerung an die älteste Kultschicht, während "Maria auf der Heide" die große barocke Wallfahrt verkörpert. Dass beide bis heute am selben Ort erhalten sind, macht Frauenkirchen zu einem außergewöhnlichen Zeugnis kontinuierlicher und zugleich wandelbarer Marienverehrung.

Literatur zur Wallfahrt:

- Erika Brunner-Hammerl: Die Wallfahrtskirche und der Kalvarienberg von Frauenkirchen. Diplomarbeit, Universität Wien, 2007.

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland. Frauenkirchen, Pfarr- und Wallfahrtskirche und Franziskanerkloster.

- Sepp Gmasz, Paul Gmasz: Chronik Stadtgemeinde Frauenkirchen. Frauenkirchen 1988.

- Franziskaner Österreich: Frauenkirchen – Geschichte, Basilika und Wallfahrt.

- Diözese Eisenstadt: Frauenkirchen, Wallfahrtsbasilika Mariä Geburt.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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