| Wallfahrt: | Historische Marien- und Passionswallfahrt mit gotischer Madonna, Heiliger Stiege und enger Verbindung zur Rosalienkapelle. |
| Status: | Kein erloschener Wallfahrtsort; die Kirche wird weiterhin als Wallfahrtskirche geführt und von Pilgergruppen besucht. |
| Kultzentrum: | Gotische Madonna mit dem Jesuskind aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts; dazu die Heilige Stiege als eigener Andachtsort. |
| Ort: | Forchtenstein. |
| Bezirk: | Mattersburg. |
| Bundesland: | Burgenland. |
| • | Lage: Hauptstraße 59, 7212 Forchtenstein. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Forchtenstein |
| • | Öffnungszeiten: täglich 08:30 – 18:00 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Forchtenstein, Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt:

Bildquelle: © Irmgard Neubauer
• Forchtenstein, Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt:

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• Forchtenstein, Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt:
Der Hochaltar mit dem Gnadenbild der Mutter Gottes mit dem Kind auf dem Arm: Sie ist eine kunstvolle gotische Statue aus der Zeit um 1450 ("Schöne Madonna"), in der Barockzeit wurde sie mit Kronen ausgeschmückt. Da sie alle Kriegswirren und Brände unversehrt überstanden hat, wurde das Gnadenbild Ziel vieler Wallfahrer.

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• Forchtenstein, Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt:
Hinweisschild Hl. Stiege:
"Gebet an der Hl. Stiege:
Bitte nur am Teppich kniend
und auf den Steinstufen
stehend hinaufbeten."

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• Forchtenstein, Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt:
Hl. Antonius von Padua

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• Forchtenstein, Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt:
Der hl. Peregrinus mit Kruzifix, darüber die hl. Kümmernis mit Spielmann

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• Forchtenstein, Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt:
Detailaufnahme der hl. Kümmernis mit Spielmann

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Unterhalb der weithin sichtbaren Burg Forchtenstein steht im Ortszentrum die Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt, die gemeinsam mit der angebauten Heiligen Stiege und der auf der Höhe des Rosaliengebirges gelegenen Rosalienkapelle eine bemerkenswerte historische Wallfahrtslandschaft bildet. Während heute vor allem die mächtige Burg das Erscheinungsbild Forchtensteins bestimmt, war die Kirche über Jahrhunderte Ziel zahlreicher Pilger. Seit etwa 1660 ist sie in Verbindung mit der Rosalienkapelle als vielbesuchte Wallfahrtsstätte überliefert.
Bereits 1304 ist urkundlich vom Bau einer Kirche in Forchtenstein die Rede. 1347 wurde eine Kirche als Filialkirche von Mattersburg geweiht. Das Langhaus erhielt im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts eine neue Einwölbung; größere Erweiterungen und barocke Veränderungen erfolgten 1655 und 1702.
Für die weitere Entwicklung des Wallfahrtsortes war Fürst Paul I. Esterházy von entscheidender Bedeutung. 1695 übergab er Kirche und das angebaute Kloster den Serviten, die im Zuge der katholischen Erneuerung in die Herrschaft geholt worden waren und die Seelsorge in Forchtenstein bis 1981 betreuten. Der Servitenorden, dessen Spiritualität in besonderer Weise der Verehrung der Schmerzen Mariens gewidmet ist, prägte über fast drei Jahrhunderte das religiöse Profil des Ortes.
Die Kirche bewahrt trotz späterer Veränderungen noch ältere Bauteile. An der westlichen Giebelfassade befindet sich das profilierte gotische Portal, während das Südportal die Jahreszahl 1655 trägt. Der vierjochige Innenraum wird von einem Kreuzrippengewölbe überspannt; barocke Erweiterungen, Seitenkapellen und das nördliche Seitenschiff bestimmen das heutige Erscheinungsbild.
Im Zentrum des hochbarocken Hochaltars von 1745 steht unter einem Baldachin eine gotische Madonna mit dem Jesuskind aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die heute barock gefasste Figur ist das historisch wichtigste Kultbild der Kirche. Mit ihr verbindet sich eine Überlieferung, die für die Entstehung und Entwicklung der Forchtensteiner Wallfahrt von besonderer Bedeutung war.
Nach örtlicher Tradition wurde die Kirche im Laufe ihrer Geschichte wiederholt von Bränden und anderen Zerstörungen heimgesucht, während die Marienstatue stets unversehrt geblieben sein soll. Diese wunderbare Bewahrung begründete den besonderen Ruf des Bildwerkes und förderte seine Verehrung. Die Diözese Eisenstadt bezeichnet die Figur heute als "ehemalige Gnadenstatue".
Das Motiv eines Kultbildes, das Feuer, Krieg oder andere Katastrophen unbeschädigt übersteht, begegnet in zahlreichen Wallfahrtsüberlieferungen. Die Unversehrtheit des Bildes wurde dabei nicht lediglich als glücklicher Zufall verstanden, sondern als sichtbares Zeichen göttlichen Schutzes und besonderer Gnadenwirksamkeit. Das Bild selbst wurde dadurch zum Träger einer Erzählung, die seine Verehrungswürdigkeit bestätigte und den Ruf des Wallfahrtsortes weitertrug.
Mit der Übergabe von Kirche und Kloster an die Serviten im Jahr 1695 erhielt die Forchtensteiner Marienverehrung eine zusätzliche Prägung. Im Zentrum der Ordensspiritualität steht das Gedächtnis an die sieben Schmerzen Mariens und damit die Vorstellung der Gottesmutter als mit Christus leidende Mutter.
Diese Frömmigkeit spiegelt sich bis heute in der Ausstattung der Kirche. Auf dem linken Seitenaltar befindet sich eine Pietà, begleitet von Johannes und Maria Magdalena; im Seitenschiff steht eine Darstellung der trauernden Maria. Die Verbindung von Marienverehrung und Passionsfrömmigkeit wurde durch die unmittelbar an die Kirche angebaute Heilige Stiege noch wesentlich verstärkt.
Zu den außergewöhnlichsten Bestandteilen der Forchtensteiner Wallfahrtsanlage gehört die an der Nordseite der Kirche errichtete Heilige Stiege. Sie ist nach dem Vorbild der Scala Santa in Rom gestaltet, jener Treppe, die nach christlicher Überlieferung zum Prätorium des Pontius Pilatus in Jerusalem gehörte und von Jesus am Tag seiner Verurteilung beschritten worden sein soll. Der Überlieferung zufolge ließ die hl. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, die Stufen im 4. Jahrhundert nach Rom bringen.
Die Errichtung einer solchen Nachbildung war bereits Teil der von Fürst Paul I. Esterházy betriebenen Erweiterung des Forchtensteiner Wallfahrtsortes. Nach seinem Tod im Jahr 1713 wurde das Vorhaben unter Fürst Michael Esterházy vollendet. 1719 erfolgte die Weihe der Heiligen Stiege; am 11. November desselben Jahres übergab Bischof Ladislaus Erdődy von Neutra der Klosterkirche eine Kreuzreliquie.
Der über zwanzig Meter lange Bau umfasst drei parallel geführte Treppen unter einem Tonnengewölbe. Die mittlere, aus Stein bestehende Treppe bildet die eigentliche Heilige Stiege. Sie besitzt 28 Stufen entsprechend dem römischen Vorbild. Auf den Stufen befinden sich Reliquienfenster mit Kreuzen. Wer die Stiege in traditioneller Form begeht, steigt die mittleren Stufen betend auf den Knien empor; die seitlichen Treppen ermöglichen den gewöhnlichen Auf- und Abstieg. Am oberen Ende erscheint vor dem Pilger der lebensgroße Gekreuzigte mit der Schmerzhaften Mutter unter dem Kreuz.
Volkskundlich ist die Heilige Stiege ein besonders eindrucksvolles Beispiel körperlich vollzogener Passionsfrömmigkeit. Das Leiden Christi wird nicht allein betrachtet oder im Gebet erinnert, sondern durch Knien, mühsames stufenweises Vorrücken und die zunehmende Annäherung an Kreuz und Schmerzensmutter körperlich nachvollzogen. Die Architektur wird damit selbst zum Bestandteil religiösen Handelns. Zugleich wurde durch die Nachbildung der römischen Scala Santa ein weit entferntes Heiligtum nach Forchtenstein übertragen und für jene Gläubigen erreichbar gemacht, denen eine Pilgerreise nach Rom nicht möglich war.
Eng mit der Wallfahrt zur Pfarrkirche verbunden ist die Rosalienkapelle auf dem Heuberg, der höchsten Erhebung des Rosaliengebirges. Sie bildet jedoch ein eigenständiges Wallfahrtsziel und besitzt mit der Verehrung der hl. Rosalia eine eigene Kulttradition.
1670 ließ Fürst Paul I. Esterházy anstelle einer bereits bestehenden hölzernen Kapelle einen steinernen Neubau errichten. Über dem kreuzförmigen Grundriss erhebt sich an der Südfassade ein kleiner Turm mit Pyramidenhelm; in den nördlichen Ecken befinden sich Sakristei und Oratorien, im Südwesten liegt das Treppenhaus.
Mittelpunkt des Hochaltars ist eine verglaste Nische mit der liegenden Figur der hl. Rosalia. Sie wird von den Statuen der heiligen Einsiedler Paulus und Antonius flankiert; darüber befinden sich ein ovales Bild der Heiligen Dreifaltigkeit und das Wappen der Stifterfamilie Esterházy.
Besonders deutlich wird der Charakter der Kapelle als Pestheiligtum am rechten Seitenaltar, der im Pestjahr 1679 errichtet wurde. Neben einem Bild der hl. Rosalia erscheinen dort die beiden großen Pestpatrone Sebastian und Rochus. Zwei Jahre später wurde der linke Seitenaltar aufgestellt; sein Altarbild zeigt die hl. Anna mit Maria und dem Jesuskind, begleitet von den Heiligen Franziskus und Antonius von Padua.
Die Lage der Rosalienkapelle auf der weithin sichtbaren Höhe und die Verehrung einer der wichtigsten Pestheiligen der Frühen Neuzeit machten sie zu einem bedeutenden Ziel religiöser Zuflucht. Die Verbindung mit der Pfarrkirche ist bereits seit dem 17. Jahrhundert belegt: Wallfahrer besuchten offenbar häufig beide Heiligtümer, sodass sich zwischen der Marienwallfahrt im Ort und der Rosalienverehrung auf dem Berg eine zusammenhängende Wallfahrtslandschaft entwickelte.
Gerade dieses Zusammenspiel verschiedener Heiligtümer macht Forchtenstein volkskundlich besonders interessant. Die gotische Madonna in der Pfarrkirche verkörpert die Marienwallfahrt und die Überlieferung von der wunderbaren Bewahrung eines Gnadenbildes; die Serviten brachten die Verehrung der Schmerzen Mariens ein; die Heilige Stiege ermöglichte den körperlichen Nachvollzug der Passion Christi; die Rosalienkapelle auf dem Berg war dagegen ein Zufluchtsort in Zeiten von Pest und Krankheit.
Die Wallfahrt erschöpfte sich damit nicht im Besuch eines einzigen Gnadenbildes. Sie konnte mehrere religiöse Handlungen miteinander verbinden: die Verehrung der Gottesmutter, das kniende Besteigen der Heiligen Stiege, die Betrachtung des Leidens Christi und Mariens sowie den Weg hinauf zur hl. Rosalia. Der landschaftlich erfahrbare Weg zwischen Tal und Berg wurde selbst Teil der religiösen Praxis.
Diese religiöse Verdichtung ist zugleich Ausdruck der gezielten Wallfahrtsförderung durch das Haus Esterházy. Fürst Paul I. Esterházy schuf und förderte innerhalb seiner Herrschaften eine ganze Reihe von Marien-, Passions- und Heiligenheiligtümern. Forchtenstein ist eines der anschaulichsten Beispiele dafür, wie adelige Stiftung, gegenreformatorische Frömmigkeit und volkstümliche Wallfahrt ineinandergreifen konnten.
Auch die Seitenaltäre der Pfarrkirche bewahren Zeugnisse einer ausgeprägten Volksfrömmigkeit. Auf dem rechten Seitenaltar befindet sich der hl. Peregrinus, der insbesondere bei Bein- und Fußleiden sowie schweren Krankheiten um Hilfe angerufen wurde.
Darüber ist die hl. Kümmernis mit dem Spielmann dargestellt. Die auch unter den Namen Wilgefortis, Ontkommer oder Liberata verehrte Gestalt gehört zu den eigentümlichsten Volksheiligen des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa. Der Legende zufolge wollte die fromme Königstochter einer ihr aufgezwungenen Heirat entgehen und bat Christus darum, ihr Äußeres zu entstellen. Daraufhin wuchs ihr ein Bart; ihr erzürnter Vater ließ sie kreuzigen. Mit der Kümmernislegende verbunden ist die Erzählung von einem armen Spielmann, dem die gekreuzigte Heilige einen ihrer goldenen Schuhe schenkte. Gerade die Darstellung dieses Motivs in einer Wallfahrtskirche verdient besondere Beachtung.
Forchtenstein ist kein erloschener Wallfahrtsort. Die Pfarrkirche wird weiterhin ausdrücklich als Wallfahrtskirche geführt und von Pilgergruppen besucht. Auch die Heilige Stiege hat ihre Funktion als Andachtsort bewahrt. Die über Jahrhunderte gewachsene Verbindung von Marien-, Passions- und Rosalienverehrung ist damit zumindest in Teilen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
An der Nordseite der Kirche wurde zudem ein Meditationshof zu den Sieben Schmerzen Mariens angelegt, der die alte servitische Tradition des Ortes in zeitgenössischer Form weiterführt. Der Kirchenplatz besitzt ein Glockenspiel mit einer großen Christusglocke und zwölf Apostelglocken; im Boden angelegte Strahlen weisen in die Richtungen bedeutender Marienwallfahrtsorte und stellen Forchtenstein damit symbolisch in einen größeren europäischen Wallfahrtsraum.
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland.
- Bedeutende Wallfahrten, Kirchen und Kapellen. Band II: Niederösterreich und Burgenland. Journal-Verlag.
- Die Heilige Stiege in Forchtenstein. Geschichte und Verehrung. Forchtenstein 1998.
- Diözese Eisenstadt: Forchtenstein – Wallfahrtskirche zu Mariä Himmelfahrt.
- Pfarre Forchtenstein: Geschichte der Heiligen Stiege.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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