| Wallfahrt: | Historisch bedeutende Marien- und Kalvarienbergwallfahrt am Eisenstädter Oberberg; die frühere große Prozessionswallfahrt besteht in verkleinerter Form weiter. |
| Status: | Weiterhin bestehender Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Gnadenkapelle mit der nach dem Vorbild der Schwarzen Madonna von Maria Einsiedeln geschaffenen Marienstatue. |
| Ort: | Eisenstadt-Oberberg. |
| Bezirk: | Eisenstadt (Statutarstadt). |
| Bundesland: | Burgenland. |
| • | Lage: Bergkirche, Haydnplatz 1, 7000 Eisenstadt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Propstei- und Stadtpfarre Eisenstadt-Oberberg |
| • | Öffnungszeiten: zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten, im Winter eingeschränkte Zeiten. Detaillierte Führungen durch die Kirche, die Krypta und das Mausoleum können direkt über das Pfarrsekretariat der Haydnkirche vorab gebucht werden. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Am Oberberg von Eisenstadt erhebt sich mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung, dem unmittelbar angeschlossenen Kalvarienberg und der Gnadenkapelle eine der bedeutendsten barocken Sakralanlagen des Burgenlandes. Heute ist die Kirche vor allem unter den Bezeichnungen "Bergkirche", "Kalvarienbergkirche" und, aufgrund ihrer engen Verbindung mit Joseph Haydn, "Haydnkirche" bekannt. Hinter dieser weithin geläufigen Bezeichnung tritt allerdings leicht in den Hintergrund, dass die gesamte Anlage ursprünglich eng mit einer bedeutenden Marienwallfahrt verbunden war. Das eigentliche kultische Zentrum der Wallfahrt befindet sich dabei nicht am Hochaltar der Kirche, sondern in der Gnadenkapelle des Kalvarienberges, in der eine nach dem Vorbild der Schwarzen Madonna von Maria Einsiedeln geschaffene Marienstatue verehrt wird.
Die Entstehung des Eisenstädter Kalvarienberges geht auf Fürst Paul I. Esterházy zurück, der zu den bedeutendsten Förderern katholischer Frömmigkeit und barocker Wallfahrtskultur im westungarischen Raum gehörte. Nach dem Vorbild des Kalvarienberges von Maria Lanzendorf ließ er nahe seiner Residenz in Eisenstadt eine großangelegte Passionslandschaft errichten. Mit der Ausführung wurde der Franziskaner-Laienbruder Felix Niering betraut, der bereits am Kalvarienberg von Maria Lanzendorf tätig gewesen war.
Der Bau begann 1701. Bereits 1707 konnten zehn Kapellen und achtzehn Altäre geweiht werden. Der künstlich angelegte Kalvarienberg besteht aus einer vielgestaltigen Folge von Treppen, Gängen, Grotten, Kapellen und Figurengruppen, durch welche die Leidensgeschichte Christi räumlich erfahrbar gemacht wird. Die Anlage geht damit weit über die Form eines gewöhnlichen Kreuzweges hinaus. In zahlreichen Szenen und mit lebensgroßen Figuren wird der Pilger gleichsam in das dargestellte Heilsgeschehen hineingeführt.
Der erhaltene Bestand umfasst rund zwanzig Stationen sowie weitere Einzeldarstellungen mit etwa 180 lebensgroßen Holzfiguren und zahlreichen Steinfiguren. Damit gehört der Eisenstädter Kalvarienberg zu den umfangreichsten und eindrucksvollsten barocken Passionslandschaften Österreichs.
Volkskundlich ist diese Form der Frömmigkeit besonders bemerkenswert. Die Passion wird nicht lediglich anhand einzelner Bilder betrachtet, sondern durch körperliche Bewegung nachvollzogen: Der Besucher steigt Treppen hinauf, geht durch enge Gänge und Grotten, tritt unmittelbar vor lebensgroße Figurengruppen und durchschreitet damit einen sakral gestalteten Erlebnisraum. Barocke Passionsfrömmigkeit, religiöses Theater und Wallfahrtsbewegung verbinden sich hier in besonders anschaulicher Weise.
Die Entstehung der eigentlichen Marienwallfahrt ist mit einer Marienstatue verbunden, die ursprünglich nicht für Eisenstadt geschaffen worden war. Fürst Paul Esterházy ließ 1690 für das Badhaus im nahegelegenen Großhöflein durch den Eisenstädter Bildhauer Michael Felser eine Statue der Gottesmutter nach dem Vorbild des berühmten Gnadenbildes von Maria Einsiedeln anfertigen. Die Darstellung sollte die Besucher des Badeortes zur Andacht anregen.
Als Großhöflein 1707 während der Kuruzenunruhen schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde und ein Brand ausbrach, blieb die Marienstatue der Überlieferung zufolge unversehrt. Das Motiv eines auf wunderbare Weise vor Feuer oder Zerstörung bewahrten Kultbildes begegnet in zahlreichen Wallfahrtslegenden und verstärkte auch hier den Ruf einer besonderen Heiligkeit und Wirksamkeit des Bildwerkes.
Eine entscheidende Wende brachte das Jahr 1711. Damals soll eine kranke Frau vor der Statue gebetet und anschließend eine als wunderbar verstandene Heilung erfahren haben. Weitere Berichte über Gebetserhörungen und Heilungen folgten. Daraufhin ließ Fürst Paul Esterházy die Statue von Großhöflein nach Eisenstadt-Oberberg übertragen. Eine ursprünglich für die Ölbergszene vorgesehene Kapelle am Kalvarienberg wurde zur Gnadenkapelle umgestaltet und 1711 geweiht.
Seit dieser Übertragung bildete die Madonna das eigentliche Zentrum der Eisenstädter Wallfahrt. Für die historische Einordnung des Wallfahrtsortes ist daher wesentlich, dass sich die Verehrung nicht in erster Linie auf das Patrozinium Mariä Heimsuchung oder auf das Hochaltarbild der später errichteten Kirche richtete, sondern auf die als wundertätig verehrte Einsiedeln-Madonna in der Gnadenkapelle.
Die Nachbildung eines berühmten Gnadenbildes war in der frühneuzeitlichen Wallfahrtskultur keineswegs als bloße künstlerische Kopie zu verstehen. Von solchen Nachbildungen erwartete man vielfach eine Teilhabe an der besonderen Gnadenwirkung und sakralen Autorität des verehrten Vorbildes. Durch die Eisenstädter Madonna entstand somit zugleich eine geistige Verbindung zum weit entfernten Marienheiligtum Maria Einsiedeln in der Schweiz.
Nach der Übertragung des Gnadenbildes entwickelte sich Eisenstadt-Oberberg rasch zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum des westungarischen Raumes. In der Blütezeit kamen zahlreiche Prozessionen aus den umliegenden Gemeinden, wobei der Einzugsbereich weit über die unmittelbare Umgebung von Eisenstadt hinausreichte. Überliefert sind rund 120 Prozessionen aus mehr als 130 Ortschaften. Auch Kaiserin Maria Theresia besuchte 1742 den Wallfahrtsort.
Bis zum Ersten Weltkrieg kamen zwischen Ostern und dem Herbst regelmäßig Wallfahrer aus zahlreichen Gemeinden des heutigen nördlichen und mittleren Burgenlandes nach Eisenstadt. Die Geschichte der Wallfahrt lässt sich dabei nur verstehen, wenn die heutigen Staats- und Landesgrenzen außer Betracht bleiben. Eisenstadt lag im Königreich Ungarn, und sein Wallfahrtseinzugsgebiet umfasste deutsch-, kroatisch- und ungarischsprachige Bevölkerungsteile. Besonders die bis in die Gegenwart erkennbare Bedeutung des Wallfahrtsortes für burgenlandkroatische Gruppen verweist auf diese ältere, sprachlich und kulturell eng verflochtene Wallfahrtslandschaft.
Die Wallfahrt besteht weiterhin, besitzt jedoch nicht mehr die frühere überregionale Bedeutung. Einzelne Pfarren, Pilgergruppen und insbesondere auch burgenlandkroatische Gläubige besuchen nach wie vor die Gnadenkapelle und den Kalvarienberg. Der Ort kann daher nicht als erloschene Wallfahrt bezeichnet werden, wenngleich sich seine Funktion gegenüber der großen Wallfahrtszeit des 18. und 19. Jahrhunderts deutlich verändert hat.
Der starke Zustrom von Wallfahrern machte schon früh den Bau einer größeren Kirche erforderlich. Auch dieses Projekt geht auf Fürst Paul I. Esterházy zurück. Nach seinem Tod wurde 1715 der Grundstein gelegt, die ursprünglich wesentlich größer geplante Kirche konnte jedoch nur teilweise verwirklicht werden. Der heute bestehende Zentralbau entspricht im Wesentlichen jenem Bereich, der ursprünglich lediglich als Presbyterium einer monumentalen Wallfahrtskirche vorgesehen gewesen war.
Bereits 1722 war der Bau unter Dach, seit 1743 konnten Gottesdienste gefeiert werden. Einen wichtigen Abschluss erhielt die Kirche 1772 durch die Ausmalung des Innenraumes. Nach der Erhebung zur Pfarrkirche im Jahr 1794 wurde die Ausstattung weitergeführt; die feierliche Weihe zu Ehren Mariä Heimsuchung erfolgte schließlich 1803.
Der Innenraum wird von der mächtigen Kuppel beherrscht. Das 1772 geschaffene Kuppelfresko von Christian und Wolfgang Köpp zeigt die Himmelfahrt Christi. Das Hochaltarbild stellt entsprechend dem Patrozinium die Begegnung Mariens mit Elisabeth dar. Das heutige Bild ist eine 1889 angefertigte Kopie eines 1797 entstandenen Werkes von Stephan Dorffmeister. Die Seitenaltäre tragen Darstellungen der Geburt Mariens sowie der Apotheose des Erzengels Michael.
Eine zweite, heute außerordentlich bekannte Bedeutungsschicht der Kirche entstand durch ihre Verbindung mit Joseph Haydn. Der Komponist stand jahrzehntelang im Dienst des Hauses Esterházy und war mit dem musikalischen Leben Eisenstadts eng verbunden. 1797 wurde auf der Empore der Bergkirche jene Orgel aufgestellt, die heute als Haydnorgel bezeichnet wird. Mehrere Messkompositionen Haydns wurden in der Kirche aufgeführt.
Nach Haydns Tod 1809 in Wien wurden seine sterblichen Überreste zunächst dort bestattet und 1820 nach Eisenstadt übertragen. An der Nordseite der Bergkirche wurde 1932 das Haydn-Mausoleum errichtet. Erst 1954 konnten die Gebeine des Komponisten wieder mit seinem nach dem Tod entwendeten und jahrzehntelang getrennt aufbewahrten Schädel vereinigt und im Mausoleum endgültig beigesetzt werden.
Die heute sehr verbreitete Bezeichnung "Haydnkirche" erinnert an diese kultur- und musikgeschichtliche Bedeutung. Für die Geschichte des Sakralortes ist jedoch festzuhalten, dass die Haydn-Tradition eine spätere Bedeutungsschicht darstellt, während Kalvarienberg und Gnadenkapelle aus der barocken Wallfahrtsfrömmigkeit hervorgegangen sind.
Eisenstadt-Oberberg vereinigt auf ungewöhnlich engem Raum mehrere charakteristische Elemente barocker Wallfahrtskultur. Dazu gehören die Nachbildung eines berühmten Gnadenbildes, die Erzählung von dessen wunderbarer Bewahrung im Feuer, Berichte über Heilungen und Gebetserhörungen, die feierliche Übertragung des Kultbildes an einen neuen Wallfahrtsort, Prozessionswallfahrten sowie eine monumentale, von der fürstlichen Herrschaft bewusst geförderte Passionslandschaft.
Besonders aufschlussreich ist die Übertragung der Madonna von Großhöflein nach Eisenstadt. Mit der Translation wurde nicht lediglich ein Kunstwerk an einen neuen Aufstellungsort gebracht, sondern zugleich die ihm inzwischen zugeschriebene Heiligkeit und Wunderwirksamkeit räumlich übertragen. Aus einer Andachtsfigur entwickelte sich ein Gnadenbild, aus dessen Verehrung wiederum ein neuer Wallfahrtsort entstand.
Auch die Verbindung von Marienverehrung und Passionsfrömmigkeit ist für Eisenstadt-Oberberg charakteristisch. Der Wallfahrer begegnet der Gnadenmutter und durchschreitet zugleich eine umfassende Darstellung von Leiden, Tod und Auferstehung Christi. Die religiöse Erfahrung ist damit nicht auf das Betrachten eines einzelnen Bildes oder Altars beschränkt, sondern wird durch Bewegung, Raum, Figuren und Architektur inszeniert.
Die Anlage ist zugleich ein herausragendes Beispiel für die gezielte Förderung katholischer Frömmigkeit durch das Haus Esterházy. Fürst Paul I. Esterházy trat nicht nur als Bauherr auf, sondern schuf durch Kalvarienberg, Gnadenkapelle und geplante Wallfahrtskirche einen neuen sakralen Mittelpunkt in unmittelbarer Nähe seiner Residenz. Herrschaftliche Repräsentation und persönliche Frömmigkeit, gegenreformatorische Religionspolitik und volkstümliche Wallfahrtskultur gingen dabei eine enge Verbindung ein.
Eisenstadt-Oberberg ist ein historisch bedeutender und weiterhin bestehender Wallfahrtsort. Das eigentliche Wallfahrtszentrum bildet bis heute die Gnadenkapelle mit der nach dem Vorbild von Maria Einsiedeln geschaffenen Madonna. Die früher sehr umfangreiche Prozessionswallfahrt ist zwar deutlich zurückgegangen, doch wird der Ort weiterhin von Pilgergruppen besucht. Gleichzeitig gehören Bergkirche, Kalvarienberg und Haydn-Mausoleum zu den bedeutendsten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten Eisenstadts.
Die heute weithin bekannte Bezeichnung "Haydnkirche" beschreibt daher nur einen Teil der Bedeutung des Ortes. Aus volkskundlicher Sicht ist Eisenstadt-Oberberg vor allem ein bedeutendes Zeugnis barocker Wallfahrts- und Passionsfrömmigkeit, dessen Zentrum die Gnadenstatue der Muttergottes und die mit ihr verbundene Überlieferung von Bewahrung, Heilung und Wallfahrt bildet.
- Diözese Eisenstadt: Burgenländische Wallfahrt – Eisenstadt-Oberberg, Gnadenkapelle, Kalvarienberg und Bergkirche.
- Bedeutende Wallfahrten, Kirchen und Kapellen. Band II: Niederösterreich und Burgenland. Journal-Verlag.
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland. Wien.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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