Dürnbach, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

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Wallfahrt:Lebendige kroatische Marienwallfahrt der Burgenlandkroaten; die Wallfahrt ist wesentlich älter als die seit 1988 bestehende gemeinsame Kroatenwallfahrt.
Status:Lebendige Wallfahrt.
Kultzentrum:"Majka Božja Vincječka", die Dürnbacher Muttergottes, als Marienbilddarstellung in Silberrelief am linken Seitenaltar.
Ort:Dürnbach/Vincjet, Gemeinde Schachendorf.
Bezirk:Oberwart.
Bundesland:Burgenland.
Lage und Besuch
Lage: Dürnbach 194, 7472 Schachendorf.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Burgenland
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Dürnbach
Öffnungszeiten: Keine Angaben veröffentlicht. Für einen gezielten Besuch außerhalb von Gottesdiensten und Wallfahrten empfiehlt sich eine vorherige Kontaktaufnahme mit der Pfarre.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Am nördlichen Rand von Dürnbach, kroatisch Vincjet, steht die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, eines der bedeutenden religiösen Zentren der Burgenlandkroaten im südlichen Burgenland. Die heutige Kirche entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts, doch reichen Pfarre und Wallfahrt wesentlich weiter zurück. Im Mittelpunkt der Verehrung steht die "Majka Božja Vincječka", die Dürnbacher Muttergottes. Bis in die Gegenwart ist Dürnbach Ziel einer lebendigen kroatischen Wallfahrt, in der Marienverehrung, Sprache, Musik und das kulturelle Selbstverständnis der burgenlandkroatischen Bevölkerung eng miteinander verbunden sind.

Eine geographische Besonderheit besteht darin, dass die unmittelbar am nördlichen Ortsrand gelegene Kirche bereits auf dem Gemeindegebiet von Markt Neuhodis steht. Kirchlich und historisch ist sie dennoch untrennbar mit Dürnbach verbunden.

Pfarre und ältere Geschichte

Die Pfarre Dürnbach ist wesentlich älter als die heutige Wallfahrtskirche und bestand bereits im Mittelalter. Im Jahr 1698 wurde der Pfarrsitz von Hodis nach Dürnbach verlegt.

Eine ältere Kirche war den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieser Bau abgetragen und zwischen 1781 und 1783 durch die heutige große Pfarr- und Wallfahrtskirche ersetzt. Das neue Gotteshaus erhielt das Patrozinium Mariä Himmelfahrt.

Schon die Dimensionen der Kirche zeigen, dass hier nicht lediglich eine kleine Dorfkirche für die örtliche Bevölkerung geplant wurde. Der Bau sollte auch den Wallfahrern Raum bieten und dokumentiert die bereits damals bestehende überörtliche religiöse Bedeutung Dürnbachs.

Die Dürnbacher Muttergottes

Das eigentliche Wallfahrtsziel ist nicht das große Hochaltarbild, sondern ein kleineres Marienbild, das als "Majka Božja Vincječka", als Dürnbacher Muttergottes, verehrt wird.

Dabei handelt es sich um eine Marienfigur beziehungsweise Marienbilddarstellung in Silberrelief, die mit dem linken Seitenaltar verbunden ist. Herkunft und genaues Alter des Kultbildes sind nicht vollständig geklärt. Gerade diese Unsicherheit macht deutlich, dass zwischen der materiellen Geschichte des Bildes und der wesentlich besser fassbaren Geschichte seiner Verehrung unterschieden werden muss.

Für die Gläubigen war nicht in erster Linie kunsthistorische Herkunft oder Zuschreibung entscheidend, sondern die besondere religiöse Beziehung zu "ihrer" Muttergottes von Dürnbach. Der kroatische Name "Majka Božja Vincječka" verbindet Maria unmittelbar mit dem Ort und macht aus einer allgemeinen Marienverehrung einen lokalen Gnadenkult.

Solche Ortsbezeichnungen von Gnadenbildern sind für die Wallfahrtskultur charakteristisch. Die Gottesmutter wird nicht nur als universale Gestalt des katholischen Glaubens angerufen, sondern zugleich als Muttergottes eines ganz bestimmten Ortes, zu dem die Wallfahrer eine persönliche und gemeinschaftliche Beziehung entwickeln.

Das Hochaltarbild von Stephan Dorffmeister

Der klassizistische Hochaltar entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Sein großes Altarbild zeigt entsprechend dem Patrozinium die Aufnahme Mariens in den Himmel und wurde 1794 von Stephan Dorffmeister geschaffen.

Dorffmeister gehörte zu den bedeutendsten Kirchenmalern des westungarischen Raumes im späten 18. Jahrhundert. Das Dürnbacher Gemälde zählt zu seinen späten Arbeiten und gehört zu den kunsthistorisch wichtigsten Ausstattungsstücken der Kirche. Eine Entwurfsskizze zum Hochaltarbild befindet sich in Sopron/Ödenburg.

Das monumentale Gemälde prägt zwar den Kirchenraum, ist jedoch vom eigentlichen Wallfahrtsbild zu unterscheiden. Für die religiöse Wallfahrtstradition besitzt die "Majka Božja Vincječka" eine andere und unmittelbarere Bedeutung.

Der Hochaltar wird von Figuren des hl. Florian und des hl. Antonius begleitet. Um 1900 erhielt der Kirchenraum eine weitere malerische Ausgestaltung in Beuroner Manier.

Der Ablass von 1838

Ein bedeutender Beleg für die historische Wallfahrt ist ein päpstliches Ablassprivileg. Papst Gregor XVI. gewährte im Jahr 1838 für den Besuch der Dürnbacher Wallfahrtskirche zum Fest Mariä Himmelfahrt einen vollkommenen Ablass.

Diese Nachricht ist für die Einordnung des Wallfahrtsortes besonders wichtig. Sie zeigt eindeutig, dass Dürnbach bereits im frühen 19. Jahrhundert ein anerkannter Wallfahrtsort war und Mariä Himmelfahrt einen besonderen Wallfahrtstermin bildete.

Ein Ablassprivileg konnte die Attraktivität eines Heiligtums beträchtlich erhöhen. Der Wallfahrer verband den Besuch des Gnadenortes nicht allein mit Bitte und Dank an Maria, sondern auch mit einer kirchlich geregelten Möglichkeit der Buß- und Heilsvorsorge.

Die Dürnbacher Wallfahrt ist somit wesentlich älter als die seit 1988 bestehende gemeinsame Wallfahrt der Burgenlandkroaten.

Dürnbach – Vincjet

Die besondere Bedeutung des Wallfahrtsortes lässt sich nur vor dem Hintergrund der burgenlandkroatischen Geschichte verstehen. Ab dem 16. Jahrhundert wurden in zahlreichen durch Kriege und Krisen entvölkerten Gebieten Westungarns kroatische Siedler angesiedelt. Auch Dürnbach entwickelte sich zu einer überwiegend kroatischsprachigen Gemeinde.

Der kroatische Ortsname Vincjet ist bis heute lebendig und wird auch im kirchlichen Zusammenhang selbstverständlich verwendet. Damit ist die Wallfahrtskirche nicht lediglich ein Sakralbau in einem Ort mit kroatischer Vergangenheit, sondern Teil einer bis in die Gegenwart bestehenden burgenlandkroatischen Kulturlandschaft.

Sprache, religiöse Lieder, Prozessionen und Wallfahrtsbräuche wurden über Generationen weitergegeben und trugen dazu bei, die kulturelle Eigenständigkeit der Bevölkerung zu bewahren.

Die gemeinsame Kroatenwallfahrt

Seit 1988 findet in Dürnbach eine gemeinsame Wallfahrt der Burgenlandkroaten zur "Majka Božja Vincječka" statt.

Dieses Jahr bezeichnet jedoch nicht den Beginn der Dürnbacher Wallfahrt überhaupt. Vielmehr wurde damals die heutige Form einer gemeinsamen, überörtlichen Kroatenwallfahrt begründet beziehungsweise neu organisiert. Der historische Wallfahrtsort selbst ist wesentlich älter.

Die Wallfahrt bringt Gläubige aus verschiedenen burgenlandkroatischen Gemeinden zusammen. Manche Pilgergruppen kommen zu Fuß nach Dürnbach. Zum Wallfahrtstag gehören Rosenkranzgebet, Beichtgelegenheit, Gottesdienst und Prozession. Kroatische Kirchenlieder und die Mitwirkung von Tamburizzagruppen verleihen dem Fest zugleich einen deutlich burgenlandkroatischen Charakter.

Gerade darin liegt die besondere volkskundliche Bedeutung der Wallfahrt. Religion und Volksgruppenkultur stehen nicht nebeneinander, sondern greifen unmittelbar ineinander. Die kroatische Sprache wird im Gebet verwendet, traditionelle Musik begleitet das religiöse Fest, und Menschen aus verschiedenen kroatischen Siedlungen erleben sich für einen Tag als größere gemeinsame Gemeinschaft.

Die Wallfahrt dient damit nicht nur der individuellen Marienverehrung, sondern zugleich der kulturellen Selbstvergewisserung einer sprachlichen Minderheit.

Die Wandermuttergottes von Mariazell

Eine weitere bemerkenswerte Tradition der Burgenlandkroaten verbindet Dürnbach mit Mariazell. Seit den 1970er-Jahren wird eine Kopie der Mariazeller Gnadenstatue als sogenannte Wandermuttergottes von einer kroatischen Pfarre zur nächsten weitergegeben.

Auch Dürnbach war bereits mehrfach Gastgeber dieser Marienstatue.

Diese Form der Verehrung ist volkskundlich besonders interessant, weil hier das übliche Prinzip der Wallfahrt gleichsam umgekehrt wird. Nicht nur die Gläubigen bewegen sich zu einem Gnadenbild, sondern das Bild selbst wandert von Gemeinde zu Gemeinde.

Für einen bestimmten Zeitraum wird die Madonna in einer Pfarre aufgenommen, dort verehrt und anschließend an die nächste Gemeinde weitergegeben. Dadurch entsteht ein sichtbares religiöses Band zwischen räumlich voneinander getrennten kroatischen Siedlungen.

Die Wandermuttergottes verbindet zugleich die regionalen Gemeinden mit Mariazell, dem bedeutendsten überregionalen Marienwallfahrtsort Österreichs und einem seit Jahrhunderten wichtigen Ziel kroatischer Pilger.

Wallfahrt, Sprache und kulturelle Identität

Dürnbach zeigt besonders anschaulich, dass Wallfahrten nicht ausschließlich religiöse Bewegungen zu einem heiligen Ort sind. Sie können zugleich Träger von Sprache, Musik, Erinnerung und gemeinschaftlicher Identität sein.

Für die burgenlandkroatische Bevölkerung ist diese Funktion besonders wichtig. Ihre Siedlungsgebiete liegen heute auf mehrere Staaten verteilt und bilden kein geschlossenes Territorium. Gemeinsame Wallfahrten schaffen daher Begegnungsräume, in denen sprachliche und kulturelle Verbindungen über Orts- und Staatsgrenzen hinweg sichtbar werden.

Das gemeinsame Beten in kroatischer Sprache, die Marienlieder, das Auftreten von Tamburizzagruppen und die Prozession zur "Majka Božja Vincječka" sind nicht bloß folkloristische Begleiterscheinungen eines kirchlichen Festes. Sie gehören zum religiösen Geschehen selbst.

Damit bewahrt die Wallfahrt zugleich ein Stück jener historischen westungarischen Kulturlandschaft, in der deutsche, kroatische und ungarische Bevölkerungsgruppen über Jahrhunderte nebeneinander und miteinander lebten.

Friedhof und Kreuzweg

Die Wallfahrtskirche ist vom Friedhof umgeben. In die Friedhofsmauer sind Kreuzwegstationen beziehungsweise Kreuzwegkapellen eingefügt, sodass auch die Passionsfrömmigkeit in die unmittelbare Umgebung der Kirche eingebunden ist.

Damit verbindet sich die Marienwallfahrt mit dem Gedächtnis der Verstorbenen und der Betrachtung des Leidens Christi. Der Wallfahrtsort ist zugleich Pfarrkirche, Friedhofskirche und religiöses Zentrum der örtlichen Gemeinschaft.

Gerade diese Mehrfachfunktion unterscheidet kleinere regionale Wallfahrtsorte häufig von großen, ausschließlich auf Pilger ausgerichteten Heiligtümern. In Dürnbach gehören Pfarrleben, Totengedenken und Wallfahrt seit Jahrhunderten zusammen.

Wallfahrt bis zur Gegenwart

Dürnbach ist keine erloschene Wallfahrt. Die gemeinsame Kroatenwallfahrt wird weiterhin gepflegt und führt Pilger aus verschiedenen burgenlandkroatischen Gemeinden zur Dürnbacher Muttergottes.

Gleichzeitig hat sich die Form der Wallfahrt verändert. Neben den traditionellen kirchlichen Elementen besitzt heute die Begegnung der über mehrere Regionen verstreuten burgenlandkroatischen Bevölkerung eine besondere Bedeutung.

Das Gnadenbild der "Majka Božja Vincječka" bleibt dabei der religiöse Mittelpunkt. Es verbindet die historische Marienverehrung des Ortes mit einer modernen Wallfahrt, die zugleich die kulturelle Kontinuität der burgenlandkroatischen Bevölkerung sichtbar macht.

Volkskundliche Bedeutung

Die besondere Bedeutung Dürnbachs liegt weniger in einer spektakulären Gründungslegende oder einem einzelnen überlieferten Wunder als in der bemerkenswerten Kontinuität seiner Wallfahrt und ihrer engen Verbindung mit der burgenlandkroatischen Bevölkerung.

Die Kirche war spätestens im frühen 19. Jahrhundert ein anerkannter Wallfahrtsort, wie das päpstliche Ablassprivileg von 1838 deutlich zeigt. Die heutige gemeinsame Kroatenwallfahrt knüpft damit an eine wesentlich ältere Marienverehrung an, gibt ihr jedoch zugleich eine neue gesellschaftliche Funktion.

Aus einer regionalen Marienwallfahrt wurde zusätzlich ein Treffpunkt einer Volksgruppe. Gebet, Prozession, kroatische Sprache, Gesang und Tamburizzamusik schaffen eine religiöse Gemeinschaft, die zugleich kulturelle Gemeinschaft ist.

Besonders anschaulich wird dies im Namen des Gnadenbildes selbst: "Majka Božja Vincječka" bedeutet nicht irgendeine Muttergottes, sondern die Muttergottes von Vincjet. Gnadenbild, Ort und Bevölkerung werden dadurch sprachlich unmittelbar miteinander verbunden.

Die Wandermuttergottes von Mariazell erweitert diese Vorstellung noch um eine weitere Dimension. Während die Pilger nach Dürnbach kommen, wandert zugleich ein anderes Marienbild zwischen den kroatischen Gemeinden. Wallfahrt erscheint damit als Bewegung in beide Richtungen: Menschen ziehen zum Heiligtum, und das Heilige wird zu den Menschen getragen.

Dürnbach ist deshalb ein besonders aussagekräftiges Beispiel dafür, wie Wallfahrt religiöse Überlieferung, örtliche Identität und das kulturelle Gedächtnis einer Minderheit miteinander verbinden kann.

Literatur zur Wallfahrt:

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland. Dürnbach, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt.

- Dürnbach im Wandel der Zeit. Ortsgeschichte, 2000.

- László Kostyál, Monika Zsámbéky: Stephanus Dorffmaister pinxit. Arbeiten zu Leben und Werk Stephan Dorffmeisters.

- Diözese Eisenstadt: Pfarre und Wallfahrtskirche Dürnbach/Vincjet.

- Burgenlandkroatische kirchliche Publikationen zur Kroatenwallfahrt nach Dürnbach.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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