Kirchdorf in Tirol, Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle)
historische lokale Gnaden- und Wallfahrtsstätte

Die Jöchlsteinkapelle, meist Teufelskapelle genannt, ist eine alte, besonders verehrte Gnaden- und Andachtsstätte.

Es handelt sich um keine förmlich organisierte oder kirchlich ausdrücklich anerkannte Wallfahrt!

Wegen der früheren Altöttinger Gnadenfigur und mehrerer Votivbilder spricht vieles für einen kleinen örtlichen Wallfahrtskult; die Kapelle liegt an der alten Verbindung zwischen Gasteig und Griesenau, auf einem auffälligen, frei stehenden Felsblock in einem bewaldeten Gelände.

Die Kapelle besteht aus einer hölzernen Ständerkonstruktion mit senkrechter Bretterverschalung. Sie besitzt eine eingezogene, gerade geschlossene Altarnische und ein geschwungenes, mit Schindeln gedecktes Zeltdach. Eine an den Felsen angelegte Natursteintreppe führt zum kleinen Betraum hinauf. Am Fuß des Felsblocks befindet sich zusätzlich ein gemauerter Nischenbildstock mit einem Kruzifix. Die ungewöhnliche Anordnung – unten das Kreuz, darüber die hölzerne Kapelle – macht den Ort zu einem der eigentümlichsten Kleindenkmäler des Tiroler Unterlandes.

Als Jahr der Errichtung wird häufig 1735 genannt. Die heutige örtliche Beschreibung legt sich vorsichtiger nur auf eine Entstehung in der Barockzeit fest. Sicher ist, dass bereits Votivbilder aus den Jahren 1729 und 1743 vorhanden waren. Falls das Votivbild von 1729 ursprünglich für die Kapelle bestimmt war, müsste zumindest eine ältere Andachtsstätte schon vor 1735 bestanden haben. Denkbar ist daher, dass 1735 ein Neubau oder eine bauliche Erneuerung erfolgte.

Für die Frage nach dem Wallfahrtscharakter ist die ursprüngliche Ausstattung entscheidend. Im Altar stand früher eine Figur der Altöttinger Gnadenmadonna. Sie wurde als Schwarze Madonna beschrieben, besaß hier aber ungewöhnlicherweise ein weißes Gesicht. Damit war die Kapelle eine kleine örtliche Nachbildung beziehungsweise Kultübertragung des großen bayerischen Wallfahrtsortes Altötting. Solche Kopien wurden nicht nur als Schmuck aufgestellt; häufig übertrug man einen Teil der Heiligkeit und Wirkkraft des ursprünglichen Gnadenbildes auf den neuen Ort.

Aus der Literatur sind mindestens vier Votivbilder bekannt:

  • ein Bild mit Christus am Ölberg,
  • zwei der Altöttinger Gnadenmutter gewidmete Tafeln von 1729 und 1743,
  • ein weiteres Votivbild mit einer Mariahilf-Darstellung aus dem Jahr 1865.

Diese Votivtafeln sind ein starker Hinweis auf konkrete Bitten und auf vermeintlich erfahrene Hilfe. Sie belegen, dass Menschen die Kapelle als wirksamen Gnadenort aufsuchten und nach einer Erhörung eine bildliche Dankesgabe hinterließen. Leider ist nahezu der gesamte Bestand später gestohlen worden. Bereits bei der Restaurierung von 1957 waren die beiden Altöttinger Votivtafeln und die Gnadenfigur nicht mehr vorhanden; später verschwanden auch die übrigen Bilder.

An die Stelle der Altöttinger Madonna trat ein Herz-Jesu-Bild, das sich noch heute in der blau gefassten Altarnische hinter einem barocken Wabengitter befindet. Diese Veränderung verschob den Andachtsschwerpunkt deutlich: Aus einer kleinen marianischen Gnadenstätte wurde im sichtbaren Bestand eher eine Herz-Jesu-Kapelle. Der ältere Kult ist heute deshalb vor allem noch aus schriftlichen Beschreibungen rekonstruierbar.

Unter dem Zeltdach befand sich außerdem ein barocker Bilderzyklus in Öl auf Holz. Im Mittelpunkt stand der heilige Michael als Seelenwäger. Dazu kamen die Verkündigung an Maria, die Geburt Christi, die Flucht nach Ägypten und der Heilige Wandel, also Maria und Josef mit dem heranwachsenden Jesus. Bei der Restaurierung von 1957 malte Berta Thaler, die Tochter des Restaurators Peter Thaler aus St. Johann, die nicht mehr erhaltenen Szenen nach Motiven Giottos neu. Auch diese Bilder wurden gestohlen und später durch Kopien des Kitzbüheler Restaurators Hermann Mayr ersetzt.

Die hölzerne Verschalung der Kapelle wurde 1983 bei einer weiteren Restaurierung weitgehend erneuert. Der Bildstock am Fuß des Felsens war bereits 1977 durch die Besitzerfamilie restauriert worden; dabei musste auch das gestohlene Kruzifix durch eine Neuanfertigung ersetzt werden. Die Geschichte der Kapelle ist damit leider stark von Kunstdiebstählen und dem wiederholten Ersatz verlorener Ausstattung geprägt.

Der volkstümliche Name Teufelskapelle wird durch mehrere Sagen erklärt. Bereits Beda Weber veröffentlichte 1837 eine Erzählung, nach der an diesem Ort ein böses "Teufelein" sein Unwesen trieb. Es habe vorbeiziehende Kirchgänger verspottet und geneckt. Erst nachdem der Teufel gebannt worden war, habe man auf dem Felsen die Kapelle errichtet.

Eine zweite Erzählung berichtet von einem Mädchen, das unersättlich gern tanzte. Schließlich geriet es an einen fremden Tänzer, der sich als Teufel erwies. Seine tierischen Füße wurden sichtbar, als man das Paar zur Kapelle führte. Dieses Motiv ist auch aus dem benachbarten Kössen bekannt. Es gehört zum großen europäischen Erzählkreis des Tanzes mit dem Teufel, in dem übermäßige Tanzlust, Missachtung religiöser Gebote und dämonische Verführung miteinander verbunden werden.

Eine weitere Sage verbindet die Kapelle mit einer Genesung und einem Gelübde. Eine Bäuerin wollte aus Dank für die überstandene Krankheit eine Marienkapelle errichten. Der Teufel versuchte den Bau zu verhindern und schleuderte einen Bergspitz aus dem Kaisergebirge auf den vorgesehenen Platz. Durch das Gebet der Frau fiel der Felsen jedoch nicht mit zerstörerischer Gewalt herab, sondern senkte sich langsam in die Erde. Auf diesem vom Teufel geworfenen Stein wurde anschließend die Kapelle erbaut.

Diese letzte Sage ist für den möglichen Wallfahrtscharakter besonders wichtig. Sie verbindet drei klassische Motive einer Wallfahrtsgründung:

  • Heilung von einer Krankheit,
  • Erfüllung eines Gelübdes,
  • wunderbare Bestimmung des Bauplatzes.

Die Sage kann zwar nicht als historische Bauurkunde gelten; sie zeigt aber, wie die Bevölkerung den Ort verstand: als durch göttliche Hilfe geschützten und durch eine wunderbare Begebenheit ausgezeichneten Platz.

„Opferstein“ oder natürlicher Felsblock?

Der Felsen wird gelegentlich als Opferstein bezeichnet. Dafür existiert bisher kein archäologischer Befund. Die heutige regionale Beschreibung formuliert deshalb vorsichtiger und spricht von einem zumindest altertümlich anmutenden Kultplatz, dessen ungewöhnliche Erscheinung in der Barockzeit christlich und sagenhaft erklärt wurde.

Die Bezeichnung "Opferstein" sollte daher nicht als gesicherte Tatsache übernommen werden.

Die Kapelle steht auf einem auffälligen Felsblock, der in jüngeren Darstellungen gelegentlich als Opferstein gedeutet wurde; archäologische Nachweise für einen vorchristlichen Kultplatz sind bislang nicht bekannt.

Ein Vergleich mit der ebenfalls auf einem Felsen errichteten Wallfahrtskapelle Maria Stampfanger bei Söll liegt tatsächlich nahe. In beiden Fällen erhält ein ungewöhnlicher Naturkörper durch die Errichtung eines Marienheiligtums eine neue christliche Deutung. Das beweist aber noch keine unmittelbare Kontinuität von einem vorchristlichen Kult zur barocken Kapelle.

Ist die Jöchlsteinkapelle ein Wallfahrtsort?

Für eine offizielle Wallfahrtskapelle im engeren Sinn fehlen derzeit eindeutige Belege:

  • keine kirchliche Quelle nennt sie ausdrücklich Wallfahrtskapelle,
  • keine regelmäßigen Wallfahrtstage sind greifbar,
  • organisierte Pilgerzüge aus anderen Pfarren sind nicht belegt,
  • ein eigener Kapellenkult oder ein Mirakelbuch ist bisher nicht nachgewiesen.

Andererseits sprechen mehrere Befunde deutlich für eine lokale wallfahrtsmäßige Verehrung:

  • die Altöttinger Gnadenfigur,
  • die Votivbilder von 1729, 1743 und 1865,
  • die Gründungssage mit Krankheit, Heilung und Gelübde,
  • die außergewöhnlich reiche barocke Ausstattung,
  • die über Generationen fortgesetzte Pflege des abgelegenen Ortes.

Votivbilder entstehen normalerweise nicht ohne konkrete Bitt- und Dankpraxis. Sie zeigen, dass Einzelne oder Familien die Kapelle gezielt aufsuchten und ihr eine besondere Gnadenwirkung zuschrieben. Das genügt für die Einordnung als kleine lokale Gnadenstätte, beweist aber noch keine institutionalisierte Wallfahrt mit festem Einzugsgebiet und geregelten Pilgerterminen.

Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle):

Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle)

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle):

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Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle):

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Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle):

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Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle):

Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle)

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Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle):

Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle)

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Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle) im Jahr 1971:

Grisenau, Jöchlsteinkapelle (Teufelskapelle)

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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