Die heiligen Siebenschläfer
Die heiligen Siebenschläfer.
Von Pfarrer Josef Tremmel, Scheffau. (1934).
Es kommt nicht selten vor, dass man Langschläfer oder Leute, die den Tag zur Nacht machen, lang in den Tag hinein schlafen, als "Siebenschläfer" bezeichnet. Dann gibt es auch in der Gattung der Nager einen Siebenschläfer oder Bilch (Myoxus Glis), der wegen der siebenmonatlichen Dauer seines Winterschlafes diesen Namen erhalten hat.
Siebenschläfer - ein Nagetier
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Nun gar heilige Siebenschläfer oder besser: die heiligen Sieben Schläfer! Gibt es denn solche auch? So wird mancher fragen, der auf dem Gebiet der Heiligendarstellungen nicht besonders bewandert ist, zumal ihre Darstellung gerade in Tirol zu den größten Seltenheiten gehört.
Die Legende dieser merkwürdigen Heiligen erscheint seit dem 6. Jahrhundert in allen orientalischen Sprachen. Gregor von Tours ließ sie von einem Syrer übersetzen; sie erfreute sich dann auch im Abendlande, besonders vom 11. Jahrhundert an, großer Beliebtheit.
Die Legende erzählt: Sieben christliche Jünglinge, Diener des römischen Kaisers und Christenverfolgers Decius (249—251) hätten sich in eine Höhle Celion bei Ephesus geflüchtet, die man dann zumauerte, um sie durch Hunger zu töten. Dies geschah um 230. Unter Kaiser Theodosius II., der um 450 regierte, erwachten sie, als ein Bauer die Höhle öffnete, weil er daraus einen Schafstall machen wollte. Einer von den Sieben ging dann in die Stadt, um Brot zu kaufen. In der früher heidnischen Stadt sah er überall das Kreuz. Bei Bezahlung der Brote mit einer Goldmünze aus der Zeit des Christenverfolgers Decius, die ihre Gültigkeit verloren hatte, ward er als Betrüger verhaftet und verhört. Da stellte sich der wunderbare Vorgang heraus und Kaiser, Bischof und viel Volk eilten zur Höhle und fanden dort auch die anderen sechs Jünglinge. Sie segneten den Kaiser und seine Begleiter und entschliefen dann von neuem, aber diesmal für immer. Kaiser Theodosius ließ dann über der Höhle eine Kirche mit Pilgerhaus erbauen.
In neuester Zeit haben österreichische Forscher die Grabkammer und die Kirche sowie einen anschließenden altchristlichen Friedhof wieder freigelegt, so dass der Legende irgendeine geschichtliche Grundlage gewiss nicht abgesprochen werden kann.
Die Namen der sieben schlafenden Märtyrer lauten in der lateinischen Kirche: Johannes, Constantinus, Maximianus, Malchus, Martinianus, Dionysius und Serapion. Malchus wird als derjenige genannt, der Brot einkaufen ging. Finden wir sie dargestellt, so liegen sie gewöhnlich in einer Höhle schlafend, weshalb Nichtkenner die Darstellung dann gerne als die schlafenden Jünger am Ölberg bezeichnen, obwohl schon die Siebenzahl uns eines anderen belehrt.
Siebenschläfer-Gruppe in der Mariahilfkirche Zinggen, Brixen
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Halten wir Ausschau nach einer solchen Darstellung, so finden wir sie in nächster Nähe Innsbrucks, in der Kapelle des Schlosses Mentlberg, in ihrer typischen Form (in einer Höhle schlafend) dargestellt, indessen Malchus sich vom Schlaf erhebt. Eine große Zahl von Votivbildern aus den Jahren 1698 - 1814 bezeugt, dass diese Heiligen sich einst großer Beliebtheit und Verehrung erfreuten. Jenseits des Brenners fand ich sie im Kriege im Zinggenkirchlein zu Brixen a. E. Ich konnte bei gelegentlichen Besuchen wahrnehmen, dass die Soldaten sie als die schlafenden Apostel im Ölgarten ansahen. Auch hier liegen sie in schlafender Stellung in einer Grotte.
Eine dritte Darstellung, ein Relief in Rundform, begegnet uns in der Angerkapelle bei Mittersill im benachbarten Pinzgau. Nur die Brustbilder und Köpfe sind sichtbar; die darunter stehende Inschrift „Hei. 7 Schlaffer bittet für uns“ schließt jede andere Deutung aus.
Als Student traf ich ein großes Ölbild in der einstmaligen Augustinerkirche St. Mauric in Freiburg in der Schweiz an der Wand im Presbyterium hängend. Weitere Darstellungen dieser merkwürdigen Heiligen sind nach uns zugegangenen Berichten: ein Altarbild von der alten Kirche zu Mittelolang im Pustertal, jetzt im Widum; ein Altarbild in der neuen Kirche zu Niederolang; ein Bild in einem kapellenartigen Bildstöckl zu St. Jakob im Defereggental, eines zu Oberlienz. Weiteres Material finden wir in den Ikonographien von I. E. Wessely, H. Detzel und K. Künstle.
Die Siebenschläfer wurden als Patrone der Schiffer verehrt, weil es am Schlusse des Korans heißt, sie seien in ein Schiff gestiegen; ebenso wurden sie von Fieberkranken verehrt. Ihr Fest ist am 27. Juli; an andern Orten am 27. Juni, am 24. August, am 22. oder 23. Oktober. Zuweilen führen sie Kennzeichen der ihrer Flucht in die Höhle vorausgegangenen Martern bei sich: Maximinian eine vielknotige Keule, Iohannes und Constantin eine solche ohne Knoten; Malchus und Martinian tragen hakenförmige Beile, Serapion führt eine brennende Fackel; Dionysius einen großen Nagel. Sie erscheinen in den alten Bildern sehr jung, denn die griechischen Kalendarien nennen sie Knaben. Die Zahl sieben erscheint noch öfters in Gruppen von Heiligen. So bei den sieben makkabäischen Brüdern des Alten Testamentes, bei den Söhnen der hl. Felizitas, bei den Söhnen des hl. Märtyrerpaares Getulius und Symphorosa und bei den hl. Stiftern des Servitenordens. Bildliche Darstellungen dieser aller lassen sich jedoch gut von denen unserer hl. Siebenschläfer unterscheiden.
Quelle: Pfarrer Josef Tremmel, Die heiligen Siebenschläfer, in: Tiroler Heimatblätter, 12. Jahrgang, Heft 1, Jänner 1934, S. 1 – 3.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |