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Der "Wasserherrgott am Prosserhof" wird fälschlich in mancher Literatur (zb: Inge Dollinger 1982) unter Wallfahrtsorte gereiht; es handelt sich hier eher um die Kategorie "Historische Gnadenbilder, Prozessionskreuze und lokale Kultstätten". Der "Wasserherrgott" befindet sich in Radfeld, beim früheren Prosserhof – heute wohl im Bereich des Michaelerhofes. Der heutige Besitzerbetrieb bezeichnet ihn als seit Generationen im Familienbesitz befindliches "kulturelles Kleinod". Die Überlieferung führt in das Jahr 1566 zurück. Nach tagelangen Regenfällen trat der Inn über die Ufer und überschwemmte Radfeld. Während eines schweren Gewitters am 15. Juli soll ein lebensgroßes Kruzifix in den Fluten dahergeschwommen sein. Der Prosserbauer, der zuvor bereits zahlreiche Menschen auf den erhöhten Lindenbühel gerettet hatte, sprang mit den Worten:
in das Wasser und barg das Kreuz. Anschließend hängte er die Christusfigur in die Äste der Dorflinde. Die Menschen begannen zu beten, das Gewitter verzog sich und das Wasser ging zurück. Der Prosserbauer trug das Kreuz am folgenden Morgen zu seinem Hof, erkrankte jedoch an einem heftigen Fieber und starb wenige Tage später. Diese Erzählung wurde 1926 vom Lehrer Michael Lambürger in den Tiroler Heimatblättern veröffentlicht und später in der Radfelder Ortsliteratur wiedergegeben. Der Wasserherrgott erhielt danach zweifellos eine besondere örtliche Verehrung. Über viele Jahre wurde das Kreuz bei allen Prozessionen vorangetragen – als Erinnerung an den Prosserbauern, der zunächst seine Mitmenschen und schließlich das Christusbild aus dem Hochwasser gerettet hatte. Heute ist dieser Brauch erloschen; das Kruzifix hängt weiterhin im Hausgang des Prosserhofes. Volkskundlich ist der Wasserherrgott außerordentlich interessant. Es handelt sich um ein typisches "Bild aus dem Wasser": Ein sakrales Objekt erscheint während einer Naturkatastrophe, wird aus dem gefährlichen Element geborgen und erhält dadurch eine besondere Heiligkeit. Das Kreuz wurde zugleich zum Erinnerungszeichen für ein menschliches Opfer. Der Prosserbauer rettet den "Herrgott", stirbt aber selbst an den Folgen – damit wird seine Tat beinahe als Nachfolge Christi gedeutet. Hinzu kommt die Vorstellung, dass mit der Bergung des Kreuzes das Unwetter endet. Das Christusbild erscheint dadurch als Schutzzeichen gegen Hochwasser und Gewitter. Seine spätere Verwendung bei Prozessionen bestätigt seine kultische Bedeutung: Es war kein gewöhnliches Hofkreuz, sondern ein besonders verehrtes Prozessionskreuz mit eigener Ursprungserzählung. Trotzdem fehlt ein entscheidendes Merkmal einer Wallfahrt: Die Menschen scheinen nicht zum Prosserhof gepilgert zu sein. Das Kreuz wurde vielmehr vom Hof weggenommen und den örtlichen Prozessionen vorangetragen. Der Prosserhof war also Aufbewahrungsort des verehrten Kruzifixes, aber nach den derzeit greifbaren Quellen kein selbständiges Pilgerziel. |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |