Tann, Landkreis Rottal-Inn, Niederbayern, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul

Tann war seit dem 8. Jhdt. besiedelt, "Reimbertus de Tann" (1060 – 88) erstmals urkundlich nachweisbar. Eine Urkunde von 1485 nennt bereits das „wirdig gotzhaus vnd heiling Sannd Petter zu tann“. Um 1200 kam der Tanner Grafenbesitz an die Grafen von Leonberg, vererbt an die Grafen von Hals und Ortenburg und 1386 für 700 Pfund Silber von den Herzögen von Bayern erworben. Der Edelsitz war wohl auf dem Berg über dem Marktplatz, doch war er bereits anfangs 15. Jahrhundert zerfallen.

Der vielbesuchte Handelsort, dem im 13./14. Jhdt das Marktrecht und 1439 das Wappen verliehen wurde, lieferte Tuche und Webstoffe bis nach Amsterdam, Brabant und Venedig. Schlimm war der Brand von 1785.

Die heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde im klassizistischen Stil 1789 – 1801 von Martin Desch aus Pfarkirchen erbaut, sie besitzt noch die einheitliche klassizistische Einrichtung aus der Erbauungszeit, einzelne Seitenaltäre weisen Barock- und Rokokoelemente auf. Ausgezeichnet ist die Lösung des neuen Mittelaltares aus Teilen der marmornen Kommunionbank mit den Heiligenreliquien in einer silbernen Urne, geweiht zu Ehren der Deutschordenspatrone Georg und Elisabeth. Vom Tanner Krippenschnitzer Alfons Buchleitner stammt u.a. die Errettung des versinkenden Petrus. (Quelle: Pfarverband Tann)

"Geschichte der Wallfahrt zum "Herrgott von Tann"

Eine Legende weiß vom Schloss in Thann am Moos zu berichten, letzte Besitzer waren zwei verwitwete Edeldamen, die jeden Morgen über den hölzernen Steg zur Messe gingen. Der Teufel hätte diesesn Kirchgang gerne verhindert, doch in der Mitte des Stegs war ein wunderbares Kreuz, das einer der Herren von Leonberg von einer Italienreise mitbrachte und aufstellen ließ. Erst nach dem Tod der Damen (1200), in einer stürmischen Nacht wurde das Kreuz weggerissen und versank im Moos. Das Schloss ging in den Beistz der Grafen von Leonberg über.

Jahrhunderte später, als Sumpf und Moos längst ausgetrocknet waren und der Neuaufbau der Häuser nach dem 30-jährigen Krieg anstand, fand ein Schreinergeselle beim Legen des Fußbodens in einem Haus am Marktplatz das Kreuz wieder. Der Geselle schenkte es 1649 dem Oberschreiber am Pfleggericht Eggenfelden, Matthias Khradt, zur Hochzeit. Dessen Sohn Ignaz, der Marktschreiber in Tann war, erbte das Kreuz 1693 nach dem Tod des Vaters. Er bemerkte, dass dem Herrgott am Kreuz die Haare wachsen. Diese Besonderheit sprach sich schnell herum und die Leute kamen zum Marktschreiberhaus und verehrten das Kreuz.

Auch der geistlichen Obrigkeit wurde ausführlich über den wundertätigen und wunderbaren Herrgott berichtet. Das Archidiakonat Gars (Verwaltungsbezirk im Bistum) wies im Einvernehmen mit den Konsistorium in Salzburg (bis 1812 gehörte die Gegend um Tann zum Erzbistum Salzburg) an, die Verhältnisse in Tann zu prüfen.

Am 2. April 1696 fand dann die Untersuchung statt, bei der viele Bürger aussagten, dass sie Hilfe durch das Kruzifix erlangten. Der Tanner Kooperator Rudolf Mayer attestierte, dass er dem Kreuz die Haare im Beisein von Zeugen abschnitt und diese nach kurzer Zeit wieder nachwuchsen. Am 3.Mai 1696 ordnete der Fürsterzbischof von Salzburg die Überführung des Kreuzbildes in die Marktkirche an.

Im Jahr 1696 war demnach der offizielle Beginn der Wallfahrt in Tann. Das sofortige und dauernde Ansteigen der Wallfahrtsfrequenz zeigt sich am besten in der Vermehrung des Klerus und im Eingang der Opfergaben. (…) Die Wallfahrtsentwicklung wurde Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Neubau der Pfarrkirche gekrönt. Zu dieser Zeit waren elf Priester in Tann tätig. (…) zeitweise lief die Tanner Wallfahrt der nicht weit entfernten und auch heute noch sehr berühmten Wallfahrt in Altötting den Rang ab. Im 20. Jahrhundert ist diese einst so bedeutende Wallfahrt weitgehend erloschen.

Das wundertätige Gnadenbild "Herrgott von Tann" erhielt in der Kirche den Ehrenplatz über dem Tabernakel auf dem Hochaltar, wo es sich auch heute noch befindet. Die Entstehungszeit des Kreuzes wird um die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert, es kann sich also nicht um das in der Legende im Tanner Moos versunkene Kruzifix handeln. Dass aber Ignaz Khradt ein Kreuz besaß, das er von seinem Vater erbte und die ab da sich zugetragenen Ereignisse sind geschichtliche Tatsache.

Kopfhaar und Bart der 28 cm hohen Christusfigur sind echte Naturhaare. Als immer mehr Pilger das wundertätige kreuz aufsuchten, schmückte man es mit silbernem Zierrat. Eine silberne Madonna und huldigende Engel umgeben das Kreuz. Der goldene Strahlenhintergrund umrandet das hölzerne Kruzifix. 1825 und 1852 waren Diebe am Werk und raubten den Edelmetallschmuck, der das Kreuz umgab. Beim zweiten Raub wurde das Holz des Kreuzes zerstört, die Christusfigur blieb jedoch unbeschädigt.

Aus Dankbarkeit und als Zeichen großer Verbundenheit wurden dem wundertätigen Kruzifix seit Beginn der Wallfahrt Weihegaben gebracht. Hunderte von Votivbilder und Votiggaben schmücken die Kirche.“

Quelle: Auszug aus dem Kirchenführer Pfarrei St.Petrus und Paulus, Tann/Niederbayern

Lage: Bräuhausgasse 21, 84367 Tann.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Bayern
Ansicht in Street View
Web: Pfarrverband Tann, Pfarrei Tann
Geöffnet:
Außenansicht:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Hochaltar:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Hochaltar

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivgaben:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivgaben

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafel "Ex Voto 1797":

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafel:

Inschrift:

"Elisabeth Weißin, Bauerstochter von der Pfar
Pischelsdorf, lag 3. Jahre an der Glieder
krank aber auf die verlobung zum hiesig
Gnadenort, ist sie wieder gesund geworden
Ano 1848 EX VOTO"

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

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Votivtafel:

Inschrift:

"Durch die Göttliche u. Menschliche
Hilfe hatt diese Person ihr geboren ver
loren Kind wieder erhalten. 1846."

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafeln:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafeln

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafel:

Inschrift (soweit lesbar)

"Dise Dafel hat verlobt Georg Bilä ? ?
? ain lange Zeit am Bein krumb
gewesen und nach solchen gelibte besser worde
gott und unser lieben Frauen sei ewige lob
und dank gesagt Amen 1710"

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

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Votivtafel 1838:

Inschrift:

"Durch die Für-
bitte des hl. Aloi=
sius hat eine kranke
Persohn wieder ihre
Gesundheit erhalt.
Verlob=
niß
1838"

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafel:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafel:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafel:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Votivtafel:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

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Votivtafel:

Tann, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, Votivtafel

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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