Regensburg, Stiftskirche zur Alten Kapelle
Unweit des Regensburger Doms St. Peter, am Alten Kornmarkt, befindet sich die Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle, kurz auch "Alte Kapelle" genannt.
So unscheinbar der Name dieser Kirche klingt, es verbirgt sich dahinter nicht weniger als die älteste Kirche Regensburgs: "anvanck aller gotz häuser in Bayrn" - die Bayerische Mutterkirche, von der aus sich das Christentum über ganz Bayern verbreitet haben soll: Bischof Rupert von Salzburg, so die Sage, soll hier, an der Stelle der heutigen Mariavermähl-Kapelle, den Agilolfingerherzog Theodo getauft und so im 7. Jahrhundert den Grundstein für die Christianisierung Bayerns gelegt haben. Nachgewiesen ist das nicht, doch, wie oft bei Legenden, vermochte auch diese im Laufe der Geschichte den Rang eines historischen Dokuments einzunehmen.
Von der "chlain Altenchapelle" seit ihren sagenumwobenen Anfängen im frühen 7. Jahrhundert und der bedeutungsschweren "Umwandlung" der heidnischen Stätte in eine nur noch vage mit dem gegenwärtigen Bau zu verbindende christliche Marienkirche hat sich eine Menge verändert:
Legenden zufolge soll die Stiftskirche auf eine Pfalzkapelle der seit dem 6. Jahrhundert in Regensburg residierenden Agilolfinger zurückgehen. Diese soll wiederum an der Stelle eines römischen Juno-Tempels errichtet worden sein, den angeblich Bischof Rupert von Salzburg in ein Marienheiligtum umgewandelt hat. Diese Keimzelle der Alten Kapelle, im Spätmittelalter von einem Chronisten als "chlain Altenchapelle" bezeichnet, soll der Überlieferung nach die heutige Marienvermähl-Kapelle in der Nordwestecke des heutigen Baus sein. Dort soll, so die Legende weiter, der Agilolfingerherzog Theodo II. von Rupert getauft worden sein.
Die im Kern frühmittelalterliche Kirche wurde von dem karolingischen König Ludwig dem Deutschen (um 806-876) gegründet. Es war ein Geschenk von Papst Benedikt VIII. an Kaiser Heinrich II. Seit über 1000 Jahren beherbergt sie das "Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle". Kunstgeschichtlich gesehen gilt sie jedenfalls als eine der bedeutendsten Rokokokirchen Bayerns. In der Alten Kapelle soll es einst einen Gekreuzigten (Kruzifix) gegeben haben, dem der Bart gewachsen sei.
Seinen Ursprung bildet der Legende nach die Taufe Herzog Theodos II. von Bayern (vor 665 bis um 717) durch Bischof Rupert von Worms in der damaligen bayerischen Hauptstadt Regensburg. Umrahmt von herrschaftlichen Pfalzbauten am Alten Kornmarkt diente der Bau als Pfalzkapelle von Herzögen, Königen und Kaisern. Das wichtigste Ereignis der Stiftsgeschichte ist jedoch die Erneuerung von Institution und Architektur durch Kaiser Heinrich II. (973 oder 978-1024) und seine Gemahlin Kunigunde von Luxemburg (um 980-1033) im Jahr 1002. Einer mittelalterlichen Überlieferung zu Folge schenkte Papst Benedikt VIII. (um 980-1024) Heinrich II. anlässlich der Kaiserkrönung in Rom 1014 ein Gnadenbild, das eigenhändig von dem Evangelisten Lukas gemalt worden sein soll. Der Kaiser habe es wiederum dem Regensburger Stift überlassen. Allerdings stammt die heute in der Gnadenkapelle verehrte Bildtafel aus dem 13. Jahrhundert.
Links und rechts vom Hochaltar befinden sich Skulpturen von Kunigunde (rechts mit Zepter) und Heinrich (links).
Sowohl das Deckenfresko und Fresken im Lang- und Querhaus zeigen das Leben des Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde und die Wunder, die sich ereignet haben sollen: das wunderbare Zusammenfügen eines zerbrochenen Kristallkelchs, der Pflugscharengang der Kaiserin uvm. Danach war Kunigunde der ehelichen Untreue beschuldigt worden und musste sich einem Gottesurteil unterziehen: Auf offenem Markt schritt sie barfuß über sieben glühende Pflugscharen, blieb jedoch unverletzt, womit ihre Unschuld erwiesen war. Dies wurde als Zeichen ihrer Keuschheit und Heiligkeit angesehen.
Kunigunde war Königin und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Sie heiratete nach 995 Herzog Heinrich IV. von Bayern (später Kaiser Heinrich II.) aus der bayerischen Linie der Liudolfinger. Doch sie war nicht einfach nur die Gattin des Kaisers, sondern sie selbst erhielt auch die Krönung und Salbung zur Kaiserin. Krönung und Salbung galten damals als unumgängliche Grundvoraussetzung für die Legitimation als KönigIn bzw KaiserIn.
Am 7. Juni 1002 wurde Heinrich in Mainz gekrönt, Kunigunde war nicht dabei und so erhielt sie ihre eigene Zeremonie: Am 10. August 1002 wurde Kunigunde in Paderborn zur Königin erhoben. Im Jahre 1014 folgte die Krönung beider zum Kaiserpaar. Kunigunde ist damit übrigens die erste in der deutschen Geschichte nachweisbar gekrönte Königin und Kaiserin. Salbung und Krönung sind bei früheren römisch-deutschen Königinnen nicht nachweisbar: die sakral-königliche Legitimation als Herrscherin galt somit auch für sie. 1200 wurde sie heilig gesprochen.
Die Kaiserin Kunigunde (975 - 1033) von Luxemburg ist eine der herausragendsten weiblichen ProtagonistInnen der mittelalterlichen Geschichte. Sie regierte als "consors regni" an der Seite ihres Mannes Heinrichs II. und bestimmte die Politik im Imperium Romanun aktiv mit, intervenierte in zahlreiche Urkunden ihres Mannes, organisierte im Kriegsfall die Landesverteidigung, vergab Lehen, förderte und stiftete Klöster und Kirchen. Bei rund einem Drittel der über 500 von ihrem Mann Heinrich II. unterzeichneten Urkunden hat sie als Verfasserin mitgearbeitet.
| | Lage: Alter Kornmarkt 8, 93047 Regensburg. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Bayern |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Alte-Kapelle.de |
| | Geöffnet: täglich von 6.30 Uhr bis zur Dämmerung |
| | Außenansicht Nordportal: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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| | Beschreibungstafel: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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| | Kirchenraum: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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| | Fresken über den südlichen Langhausarkaden: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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| | Deckengemälde: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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| | Rokoko-Hochaltar: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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| | Gnadenbild in der Gnadenkapelle: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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| | Statue der heilige Kunigunde rechts vom Hochaltar: |
Bildquelle: © Irmgard Neubauer |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |







