Planegg - Augustinerkloster und Wallfahrtskirche Maria Eich

Schnellüberblick
Wallfahrt:Lebendige Marienwallfahrt, entstanden im frühen 18. Jahrhundert um ein kleines Marienbild in einer Eiche. Die frühe Wallfahrtsüberlieferung verbindet den Ort mit Gebetserhörungen und Genesungsberichten; bis heute gehören Gnadenbild, erhaltene Eiche, Kerzenopfer, schriftliche Bittzettel, Wallfahrerwege und gemeinsame Gottesdienste zum Kultgeschehen.
Status:Aktiver katholischer Wallfahrtsort mit Gnadenkapelle, moderner Wallfahrtskirche, Freialtar und Augustinerkonvent. Die Wallfahrtsseelsorge wird seit 1953 von Augustinern betreut.
Kultzentrum:Das als "Frauerl von der Aichen" verehrte Gnadenbild in der barocken Gnadenkapelle und der hinter dem Hochaltar erhaltene Stamm jener Eiche, in deren Hohlraum die Marienfigur im frühen 18. Jahrhundert angebracht worden war.
Ort:Planegg bei München.
Bezirk/Region:Landkreis München, Regierungsbezirk Oberbayern.
Bundesland:Bayern.
Lage und Besuch
Wallfahrtsort Maria Eich, Zu Maria-Eich 1, 82152 Planegg, Deutschland. Die Anlage liegt auf einer Waldlichtung westlich des Ortskerns von Planegg im Bereich des Kreuzlinger Forstes.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Bayern
Ansicht in Street View (Luftbild)
Öffnungszeiten: Gnadenkapelle, Eichenvorraum und Wallfahrtskirche sind täglich zugänglich; die Schließzeiten wechseln saisonal. Aktuelle Zeiten siehe die Webseite des Wallfahrtsortes.
Wallfahrtsort Maria Eich und Augustinerkloster
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Maria Eich bei Planegg: Wallfahrtskirche, Gnadenkapelle und Augustinerkloster liegen auf einer von alten Eichen geprägten Waldlichtung. Der heutige Wallfahrtsort verbindet barocke Gnadenkapelle, moderne Kirche und Freialtar zu einem zusammenhängenden religiösen Raum.

Planegg, Wallfahrtsort Maria Eich mit Augustinerkloster

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Gnadenbild und Deckengemälde der Gnadenkapelle. Das kleine Marienbild, das der Überlieferung nach von den Brüdern Franz und Kaspar Thallmayr in einer Eiche angebracht wurde, bildet den Ausgangspunkt der Wallfahrt.

Gnadenbild in der Gnadenkapelle Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Detail des Gnadenbildes in der Gnadenkapelle. Die kleine Figur wird heute in einer barocken Inszenierung gezeigt und trägt den volkstümlichen Namen "Frauerl von der Aichen".

Detail des Gnadenbildes Maria Eich, Frauerl von der Aichen

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Der erhaltene Stamm der Eiche hinter Glas. Rund um ihn werden kleine schriftliche Bittzettel angebracht. Der Baum ist damit nicht bloß historisches Erinnerungsstück, sondern weiterhin in die gegenwärtige Andachtspraxis einbezogen.

Erhaltener Eichenstamm und Bittzettel in Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Kleine bunte Bittzettel, heute auch "Eichen-Blätter" genannt, mit persönlichen Anliegen der Besucher. Diese schriftlichen Gebetsbitten stellen eine zeitgenössische Form materieller Wallfahrtsfrömmigkeit dar.

Bittzettel und Eichen-Blätter am Eichenstamm von Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Das Gnadenbild am Hochaltar der Gnadenkapelle, in einen Barockmantel gehüllt. Die volkstümliche Bezeichnung "Frauerl von der Aichen" bewahrt in der Sprache die enge Verbindung von Marienbild und Eiche.

Frauerl von der Aichen am Hochaltar von Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Holzplastik der hl. Kümmernis aus dem 18. Jahrhundert in einer Seitenkapelle. Sie verweist auf eine weitere, heute deutlich weniger zentrale Schicht historischer Heiligenverehrung am Wallfahrtsort.

Heilige Kümmernis in einer Seitenkapelle von Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Die nahezu lebensgroße Madonna mit dem Jesuskind von Carola Heine in der modernen Wallfahrtskirche. Die naturbelassene Zirbelholzfigur wurde im Zuge der Neugestaltung 2007/08 geschaffen und bildet bewusst einen Gegenpol zur barocken Inszenierung des historischen Gnadenbildes.

Madonna mit Jesuskind von Carola Heine in der Wallfahrtskirche Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Muttergottesstatue mit dem Jesuskind über dem Freialtar. Der Freialtar gehört seit dem 18. Jahrhundert zur Infrastruktur für größere Wallfahrergruppen und wurde mehrfach verändert und neu gestaltet.

Muttergottesstatue über dem Freialtar von Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Sitzbänke unter alten und jüngeren Bäumen auf dem Wallfahrtsplatz. Aufenthalt, Stille und individuelles Gebet gehören ebenso zum Gebrauch des Ortes wie organisierte Wallfahrten und Gottesdienste.

Bänke und Bäume am Wallfahrtsort Maria Eich

Bildquelle: © Irmgard Neubauer

Ausführliche Beschreibung

Ein Wallfahrtsort aus Baum, Bild und Weg

Maria Eich liegt westlich von Planegg auf einer Waldlichtung und gehört zu jenen Wallfahrtsorten, deren Entstehung sich nicht aus einer mittelalterlichen Großkirche oder einem bedeutenden Kloster ableiten lässt, sondern aus einer zunächst äußerst kleinen Andachtsstätte. Im Mittelpunkt steht bis heute die Verbindung eines Marienbildes mit einer Eiche. Der erhaltene Stamm, die barocke Gnadenkapelle, das als "Frauerl von der Aichen" verehrte Gnadenbild, die moderne Wallfahrtskirche, der Freialtar und das Augustinerkloster bilden heute gemeinsam den Wallfahrtsplatz. Die besondere Eigenart des Ortes liegt darin, dass das ursprüngliche Natur- und Bildmotiv nicht durch die spätere bauliche Entwicklung verdrängt wurde. Die Eiche blieb als materieller Bezugspunkt erhalten und ist weiterhin in die religiöse Praxis einbezogen.

Eine ältere volkskundliche Deutung könnte versucht sein, aus der Eiche unmittelbar auf einen vorchristlichen Baumkult zu schließen. Dafür gibt es bei Maria Eich jedoch keinen belastbaren Nachweis. Die überlieferte Wallfahrt ist eine neuzeitliche Marienwallfahrt des frühen 18. Jahrhunderts. Dass ein Baum zum Träger des Gnadenbildes und später zum Namensträger des Ortes wurde, ist für die Volksfrömmigkeit höchst bedeutsam, erlaubt aber für sich allein keine Rückprojektion in vorchristliche Kultschichten. Wissenschaftlich sauber ist daher zwischen der nachweisbaren katholischen Wallfahrtsgeschichte und allgemeinen religionsgeschichtlichen Vorstellungen über heilige Bäume zu unterscheiden.

Die Anfänge um 1710 bis 1734

Nach der örtlichen Wallfahrtsüberlieferung brachten die beiden Planegger Schmiedssöhne Franz und Kaspar Thallmayr zwischen etwa 1710 und 1712 eine kleine Muttergottesfigur mit dem Jesuskind in beziehungsweise an einer hohlen Eiche an. Das Haus der Bayerischen Geschichte bezeichnet die Figur als kleines Tonbild. Zunächst blieb diese private Stiftung offenbar weitgehend unbeachtet. Erst die später erzählte Genesung einer Dienstmagd des Planegger Hofbauern, Katharina Merger, machte die Stelle zum Ausgangspunkt einer eigentlichen Wallfahrt.

Die Überlieferung berichtet, Katharina Merger habe während einer schweren Krankheit gelobt, nach ihrer Genesung zur Muttergottes in der Eiche zu wallfahren. Nach der alsbald eingetretenen Besserung habe sie ihr Gelübde erfüllt und sei auf den Knien zur Eiche gekommen. In der Wallfahrtsgeschichte gilt sie damit als erste eigentliche Wallfahrerin. Ein weiterer Genesungsbericht betrifft die fünfjährige Tochter des Planegger Schwaigers Georg Wastian. Auch dieser Bericht wird mit dem Wunsch nach einer schützenden Kapelle um das Marienbild verbunden. Solche Erzählungen sind typische Gründungs- und Mirakelüberlieferungen eines Gnadenortes: Historisch fassbar ist vor allem, dass die Berichte über erhörte Bitten und Genesungen einen zunehmenden Zulauf auslösten; die Heilungen selbst sind als religiöse Überlieferung zu kennzeichnen und nicht als medizinisch überprüfbare Tatsachenbehauptungen.

In den Jahren 1732 bis 1734 entstand zunächst eine hölzerne Kapelle, die mehreren Betern Schutz und Raum bot. Damit wandelte sich die private Bildverehrung an einem Baum in einen baulich gefassten Andachtsort. Die Rinde der Eiche hatte das kleine Bild inzwischen teilweise überwachsen; das Gnadenbild wurde aus dem Baum gelöst und vor diesem aufgestellt. Die Eiche blieb jedoch weiterhin Mittelpunkt des entstehenden Heiligtums.

Von der Holzkapelle zum gemauerten Gnadenort

Ein Raub im Jahr 1742, bei dem Ausstattung und Opferstock der unverschlossenen Holzkapelle betroffen waren, gab nach der überlieferten Geschichte den unmittelbaren Anlass für einen massiveren Neubau. Mit Unterstützung der örtlichen Herrschaft, der Freiherren von Ruffini, wurde bis etwa 1745 eine gemauerte Kapelle errichtet. Der Planegger Maurermeister Kempter und der Zimmermeister Bach aus Steinkirchen werden als ausführende Handwerker genannt. Die Finanzierung erfolgte aus Pilgergaben, Stiftungen, Beiträgen der örtlichen Herrschaft und Mitteln der Pfarrei. Schon darin zeigt sich, dass der Wallfahrtsort inzwischen nicht mehr nur privates Andachtsziel, sondern eine institutionell und wirtschaftlich greifbare religiöse Einrichtung geworden war.

Die feierliche Weihe erfolgte erst am 18. Mai 1768 durch den Freisinger Bischof Johann Theodor. Zwei Glocken kamen 1775 hinzu. Einen ersten Höhepunkt erlebte die Wallfahrt gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Besucher kamen nicht nur aus den Dörfern der Umgebung, sondern auch aus München und aus höheren gesellschaftlichen Kreisen. Für größere Pilgergruppen reichte der kleine Innenraum bald nicht mehr aus. 1780 wurden deshalb an der Westseite ein Freialtar und eine Kanzel errichtet; zugleich erhielt die Kapelle zwei Seitenkapellen und damit einen kreuzförmigen Grundriss. Der Freialtar ist kulturgeschichtlich besonders aufschlussreich: Er zeigt, dass die Architektur unmittelbar auf den periodisch starken Zustrom von Wallfahrern reagierte. Die Wallfahrt benötigte einen liturgischen Raum, der weit über die Kapazität der eigentlichen Kapelle hinausging.

Klause, Schule und Wallfahrtsseelsorge

Mit dem Aufschwung der Wallfahrt wurden auch Formen dauerhafter Betreuung notwendig. 1745 gestattete das bischöfliche Ordinariat die Errichtung einer Klause für Bruder Onoffrius, den Baron Ruffini nach Maria Eich geholt hatte; im folgenden Jahr entstand das entsprechende Gebäude. Der Klausner betreute nicht nur den Wallfahrtsort. Die Klause übernahm zugleich schulische Funktionen für Kinder aus mehreren umliegenden Orten. 1790 wurden Klause und Schulraum erweitert. Damit verband Maria Eich religiöse Betreuung, Mesnerdienst und ländliche Bildungsfunktion auf engem Raum.

Die Säkularisation beendete 1804 die Eremiteninstitution. Der letzte Klausner durfte noch als Lehrer bleiben, bis in Planegg ein eigenes Schulhaus zur Verfügung stand. Die Wallfahrt selbst erlosch dadurch nicht. Im 19. Jahrhundert nahm der Zustrom zum "Frauerl von der Aichen" erneut zu. Wallfahrer kamen insbesondere aus München, aus dem Würmtal sowie aus den angrenzenden Gebieten um Starnberg und Fürstenfeldbruck. 1866 erhielt die Pilgerstrecke von Sendling nach Maria Eich Kreuzwegstationen; 1930 wurde ein neuer Kreuzweg auf dem Wallfahrerweg von Lochham angelegt. Solche Wege gehören zum Wallfahrtsort ebenso wie Kapelle und Gnadenbild: Sie machen die Anreise selbst zur religiösen Handlung und gliedern den Weg durch Gebet, Stationen und körperliche Bewegung.

Die Eiche als materielles Gedächtnis

Im August 1805 traf ein Blitz die Eiche, deren Krone bis dahin durch das Dach der Kapelle ragte. Die zerstörte Baumkrone wurde entfernt, das Dach über dem verbliebenen Stamm geschlossen und der Stamm später geschützt. Damit verlor der Baum seine lebende Krone, nicht aber seine kultische Bedeutung. Hinter dem Hochaltar der Gnadenkapelle ist der historische Stamm bis heute erhalten und durch Glas geschützt. Gerade dieser Zustand macht Maria Eich zu einem ungewöhnlichen Beispiel materieller Kontinuität: Der Baum ist weder bloß Naturdenkmal noch bloß Reliquie im kirchenrechtlichen Sinn. Er ist ein erhaltenes Sachzeugnis der Gründungserzählung und zugleich ein Ort gegenwärtiger Andacht.

Die besondere Aufmerksamkeit, die Wallfahrer dem Stamm widmen, ist deshalb volkskundlich wichtiger als jede spekulative Theorie eines uralten Baumkultes. Die religiöse Bedeutung entsteht hier aus der konkreten Geschichte des Marienbildes, der Erinnerung an die Gründung, den seit Generationen vollzogenen Besuchen und den immer neuen persönlichen Anliegen. Der Baum trägt die Geschichte des Gnadenortes sichtbar in die Gegenwart.

Das "Frauerl von der Aichen"

Das historische Gnadenbild ist eine kleine Muttergottesfigur mit dem Jesuskind. In der barocken Gnadenkapelle wird sie heute in einen Prunkmantel gehüllt und mit Kronen gezeigt. Die volkstümliche Bezeichnung "Frauerl von der Aichen" verbindet in einem einzigen Ausdruck Bild, Ort und vertrauliche Marienfrömmigkeit. Das Diminutiv "Frauerl" schafft sprachliche Nähe; "von der Aichen" bindet die Gottesmutter untrennbar an den konkreten Baum und damit an die Entstehung des Wallfahrtsortes.

Die barocke Inszenierung darf nicht mit dem ursprünglichen Erscheinungsbild der kleinen Figur verwechselt werden. Gerade diese Schichtung ist kunst- und volkskundlich interessant: Ein zunächst schlichtes Bild in einer Baumhöhlung wurde im Verlauf der Wallfahrtsgeschichte in eine repräsentative sakrale Umgebung eingefügt und textil beziehungsweise ikonographisch aufgewertet. Dennoch blieb der vertraute lokale Name erhalten. Die offizielle Ausstattung veränderte sich, die volkstümliche Benennung bewahrte die Erinnerung an den Ursprung.

Bittzettel, "Eichen-Blätter" und schriftliche Frömmigkeit

Zu den bemerkenswertesten heutigen Kultpraktiken gehören die kleinen schriftlichen Bittzettel, die im Bereich des erhaltenen Eichenstammes angebracht werden. Der Wallfahrtsort bezeichnet sie heute auch als "Eichen-Blätter". Besucher schreiben darauf persönliche Sorgen, Bitten, Dank oder andere Anliegen und heften die Zettel an die Wände rund um die Eiche. Die ältere SAGEN.at-Dokumentation hat diese Praxis bereits fotografisch festgehalten.

Volkskundlich handelt es sich dabei um eine moderne Form materieller Bittfrömmigkeit, die funktional mit älteren Votivpraktiken verwandt ist, ohne mit ihnen identisch zu sein. Eine Votivtafel wird häufig nach erfahrener Hilfe als Dank gestiftet und besitzt einen dauerhaften Charakter; der Bittzettel materialisiert dagegen zunächst das Anliegen selbst. Er macht eine private Sorge sichtbar, ohne dass ihr Inhalt öffentlich erzählt werden muss. Zugleich verbleibt das Schriftstück am Gnadenort. Das individuelle Gebet erhält dadurch eine körperliche, räumliche Form: Es wird geschrieben, getragen, befestigt und dem Ort überlassen.

Die Praxis zeigt zugleich, wie anpassungsfähig Wallfahrtskultur ist. Das Bedürfnis, eine Bitte am Heiligtum zurückzulassen, ist alt; die konkrete Form des kleinen Papierzettels ist einfach, billig und jederzeit verfügbar. Gerade deshalb kann sie von sehr vielen Besuchern genutzt werden. In Maria Eich verbindet sich dieser Brauch zusätzlich mit der Eiche selbst, denn die Bezeichnung "Eichen-Blätter" übersetzt das Papier spielerisch in die Bildwelt des Baumes. Aus den verlorenen natürlichen Blättern der 1805 beschädigten Eiche werden gewissermaßen immer neue beschriebene Blätter der Wallfahrer.

Kerzen, Wege und Aufenthalt

Neben den Bittzetteln gehören Kerzen weiterhin zu den sichtbaren Zeichen individueller Andacht. Der heutige Wallfahrtsplatz besitzt einen eigenen Kerzenbereich. Auch das stille Sitzen auf den zahlreichen Bänken unter alten und jüngeren Bäumen ist Teil des Gebrauches von Maria Eich. Nicht jeder Besucher kommt als Teilnehmer einer organisierten Wallfahrt. Einzelgebet, Aufenthalt, Beichte, Spaziergang und stille Andacht bilden zusammen mit den gemeinschaftlichen Gottesdiensten ein breites Spektrum religiöser Nutzung.

Der Ort wird dadurch nicht nur an einzelnen großen Festtagen sakral aktiviert. Nach der eigenen Beschreibung des Wallfahrtsortes kommen auch an gewöhnlichen Wochentagen Menschen zum Gnadenbild. Diese alltägliche Frequenz ist für die Beurteilung eines lebendigen Wallfahrtsortes besonders wichtig. Wallfahrt besteht hier nicht ausschließlich aus angekündigten Gruppenprozessionen, sondern auch aus vielen kleinen individuellen Wegen.

Augustiner, moderne Wallfahrtskirche und Freialtar

1953 übernahm der Augustinerorden auf Initiative des Münchner Erzbischofs Kardinal Michael von Faulhaber die Wallfahrtsseelsorge in Maria Eich. Ein Jahr später wurde die ehemalige Eremitenklause zu einem kleinen Kloster ausgebaut. Der Konvent besteht damit nicht seit der Gründungszeit der Wallfahrt, sondern ist eine moderne institutionelle Schicht, die an die ältere Betreuungstradition des Ortes anknüpft. Das Patrozinium des Konvents ist Maria vom guten Rat.

Da die barocke Gnadenkapelle nur kleine Gruppen aufnehmen konnte und größere Wallfahrtsgottesdienste im Sommer im Freien gefeiert wurden, entstand neben dem Kloster eine neue Wallfahrtskirche. Weihbischof Johannes Neuhäusler weihte sie am 8. Dezember 1958. Bereits in den 1960er Jahren wurde sie wegen des starken Besuches erweitert. Die heutige Raumgestalt geht wesentlich auf die grundlegende Erneuerung 2007/08 zurück. Dabei blieb die ältere Gnadenkapelle als historisches Kultzentrum unangetastet, während die moderne Kirche die größeren liturgischen Funktionen übernahm. Maria Eich besitzt damit eine ähnliche funktionale Zweiteilung wie andere große Wallfahrtsorte: Der kleine historische Gnadenraum bleibt emotionaler Mittelpunkt, während ein größerer Kirchenraum die heutige Liturgie ermöglicht.

Zur modernen Ausstattung gehört die nahezu lebensgroße Madonna mit dem Jesuskind von Carola Heine. Die naturbelassene Zirbelholzfigur sitzt auf einem Steinblock und unterscheidet sich bewusst von der prunkvoll gekleideten historischen Gnadenfigur. Hinter ihr befindet sich das große Buntglasfenster von Johannes Schreiter, das in mehreren Bildfeldern christologische und pneumatologische Themen entfaltet. Diese moderne Kunst ersetzt das alte Gnadenbild nicht, sondern bildet ein zweites marianisches Zentrum innerhalb der neuen Kirche.

Die hl. Kümmernis als Nebenverehrung

In einer Seitenkapelle befindet sich eine Holzplastik der hl. Kümmernis aus dem 18. Jahrhundert. Die Gestalt der Kümmernis beziehungsweise Wilgefortis gehört zu einer historisch weit verbreiteten, heute jedoch quellenkritisch zu behandelnden Heiligenüberlieferung. Ihre Legende erzählt von einer jungen Frau, die durch göttliche Hilfe einen Bart erhalten habe, um einer unerwünschten Heirat zu entgehen, und daraufhin gekreuzigt worden sei. Für eine historische Person dieses Namens gibt es keinen belastbaren Nachweis; die Verehrung entstand aus spätmittelalterlichen Bild- und Legendenbildungen. Für Maria Eich ist daher nicht eine angeblich historische Biographie der Kümmernis entscheidend, sondern die Tatsache, dass ihre Figur eine zusätzliche Schicht populärer Heiligenverehrung des 18. Jahrhunderts dokumentiert.

Feste, Kräuterbuschen und gegenwärtige Wallfahrt

Die Wallfahrt ist bis in die Gegenwart lebendig. Regelmäßige Gottesdienste finden in der Gnadenkapelle und der Wallfahrtskirche statt; größere Feiern können am Freialtar abgehalten werden. Besonders anschaulich zeigt sich die Verbindung von liturgischem Fest und volkskundlicher Praxis an Mariä Himmelfahrt. Zum Fest gehören Lichterprozessionen über den Wallfahrtsplatz und durch die Gnadenkapelle sowie das Binden und Segnen von Kräuterbuschen. In einer dokumentierten Feier wurden mehrere hundert solcher Buschen vorbereitet und an die Besucher weitergegeben. Der Brauch verbindet die kirchliche Marienfeier mit dem Sammeln, Binden, Segnen und Mitnehmen von Pflanzen und damit mit einer materiellen Handlung, die weit über den Gottesdienst selbst hinausreicht.

Der Wallfahrtsladen gehört ebenfalls zur heutigen Infrastruktur. Dort werden Kerzen, Rosenkränze, Kreuze, Medaillen, Karten und Erinnerungsstücke angeboten. Solche Dinge sind nicht bloß touristische Souvenirs. Je nach Gebrauch können sie als Andachtsgegenstand, Geschenk, Erinnerung oder als materielles Bindeglied zwischen Wallfahrtsort und Alltag dienen. Die Wallfahrt setzt sich damit in Gegenständen fort, die nach dem Besuch mit nach Hause genommen werden.

Maria Eich als gewachsene Wallfahrtslandschaft

Maria Eich lässt sich am besten nicht als einzelnes Kirchengebäude, sondern als kleine Wallfahrtslandschaft verstehen. Gnadenkapelle, Eichenstamm, historische Marienfigur, moderne Wallfahrtskirche, Kloster, Freialtar, Kreuzwege, Kerzenplatz, Wallfahrtsladen, Bänke und Waldlichtung besitzen unterschiedliche Funktionen und Zeitschichten. Der Ort ist über drei Jahrhunderte immer wieder an neue Bedürfnisse angepasst worden, ohne den ursprünglichen Bezug von Bild und Eiche aufzugeben.

Gerade die materiellen Praktiken machen seine volkskundliche Bedeutung aus. Menschen kommen zu Fuß oder in Gruppen, halten vor dem Gnadenbild inne, schreiben Bitten auf kleine Zettel, zünden Kerzen an, nehmen an Prozessionen und Freiluftgottesdiensten teil, lassen Kräuterbuschen segnen oder nehmen einen Andachtsgegenstand mit nach Hause. Die Wallfahrt wird dadurch nicht nur erzählt, sondern immer wieder körperlich und dinglich vollzogen. Das ist der eigentliche Grund, weshalb Maria Eich trotz seiner vergleichsweise jungen Entstehungszeit zu den bemerkenswerten lebendigen Marienwallfahrten im Raum München zählt.

Literatur und Quellen

- Wallfahrtskuratie Maria Eich / Augustinerkloster Maria Eich: Die Geschichte der Wallfahrt in Maria Eich. Planegg, laufend fortgeschriebene Dokumentation.

- Wallfahrtskuratie Maria Eich / Augustinerkloster Maria Eich: Rundgang durch Maria Eich. Planegg, Dokumentation zu Gnadenkapelle, Eiche, Wallfahrtskirche und heutiger Andachtspraxis.

- Haus der Bayerischen Geschichte: Planegg, Augustinerkloster Maria Eich - Wallfahrtsseelsorge am Rand der Landeshauptstadt. In: Klöster in Bayern.

- SAGEN.at: ältere Dokumentation zu Maria Eich mit Bilddokumentation von Gnadenbild, Eiche, Bittzetteln, Kümmernisfigur, Wallfahrtskirche und Freialtar.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at