| Wallfahrt: | Eigenständige Wallfahrt zur Seligen Irmengard von Chiemsee (um 831/833-866), der ersten namentlich bekannten Vorsteherin der Frauengemeinschaft auf der Fraueninsel. Der Kult ist seit dem Hochmittelalter fassbar und lebt bis heute in der Verehrung ihrer Reliquien, in Votivtafeln, Kerzen, Fürbitten und dem jährlichen Irmengardfest fort. |
| Status: | Lebendiger katholischer Wallfahrts-, Gebets- und Erinnerungsort im Münster Mariä Opferung der Fraueninsel. Die Wallfahrt wird von der Abtei Frauenwörth, der Kuratie Frauenchiemsee und dem Pfarrverband Selige Irmengard getragen. |
| Kultzentrum: | Die Irmengardkapelle hinter dem Hochaltar mit dem Kristallglasschrein der der Seligen zugeschriebenen Gebeine; hinzu kommen das historische Hochgrab, die ursprüngliche Grabstätte unter dem südwestlichen Pfeiler des Münsters, zahlreiche Votivtafeln, Kerzen und ein Fürbittbuch. |
| Ort: | Frauenchiemsee (Fraueninsel), Gemeinde Chiemsee. |
| Bezirk/Region: | Landkreis Rosenheim, Regierungsbezirk Oberbayern. |
| Bundesland: | Bayern. |
| • | Abtei Frauenwörth im Chiemsee, Frauenchiemsee Nr. 50, 83256 Frauenchiemsee, Deutschland. Die Fraueninsel ist nur auf dem Wasserweg erreichbar; regelmäßige Schiffsverbindungen bestehen insbesondere von Prien/Stock und Gstadt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Bayern |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Öffnungszeiten: Das Münster und der Wallfahrtsbereich sind für Besucher zugänglich; Führungen durch Kirche und Klosterbereiche werden angeboten. Gottesdienst-, Führungs- und Zugangszeiten können sich ändern und sollten vor einem gezielten Besuch aktuell geprüft werden. |
| • | Abtei Frauenwörth im Chiemsee |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee. Die Insellage prägt auch den Besuch des Wallfahrtsortes: Wer zur Seligen Irmengard kommt, erreicht Kirche und Kloster auf dem Wasserweg.

Bildquelle: © Irmgard Neubauer
• Hochgrab der Seligen Irmengard. Der kleine Sarkophag aus rotem Marmor wurde nach der Erhebung ihrer Gebeine im Jahr 1631 geschaffen und später von einem bemalten Holzgehäuse umgeben.

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• Das Hochgrab der Seligen Irmengard als historischer Erinnerungs- und Verehrungsort im Münster. Die heutige Reliquienverehrung konzentriert sich zusätzlich auf den Schrein in der Irmengardkapelle.

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• Weitere Ansicht des Irmengard-Hochgrabes. Die verschiedenen Grab- und Reliquienorte im Münster zeigen, wie die Erinnerung an Irmengard über Jahrhunderte räumlich neu gefasst wurde.

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• Hochaltar des Münsters Mariä Opferung. Hinter dem Hochaltar liegt die Irmengardkapelle mit dem Reliquienschrein der Seligen.

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• Votivtafeln bei der Irmengardverehrung. Die Tafeln dokumentieren Dank für erhoffte oder erfahrene Hilfe und gehören zu den wichtigsten volkskundlichen Quellen des Wallfahrtsortes.

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• Weitere Votivtafeln im Bereich der Irmengardkapelle. Besonders häufig ist die Bitte um Kindersegen beziehungsweise der Dank für erfüllten Kinderwunsch bezeugt.

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• Votivbilder als materielles Gedächtnis der Wallfahrt. Formulierungen auf den Tafeln spiegeln die persönliche Sprache der Gläubigen und sind nicht mit der amtlichen kirchlichen Titulatur gleichzusetzen.

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• Ein weiterer Teil des Votivbestandes. Neue Tafeln, Kerzen und schriftliche Fürbitten zeigen, dass die Verehrung Irmengards nicht nur historisch überliefert, sondern gegenwärtig praktiziert wird.

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Frauenchiemsee, meist einfach Fraueninsel genannt, ist eine kleine bewohnte Insel im Chiemsee. Abtei und Münster nehmen einen erheblichen Teil der Insel ein und bilden zusammen mit dem Dorf, den Uferwegen und den Anlegestellen eine ungewöhnlich geschlossene religiöse Kulturlandschaft. Anders als bei den meisten Wallfahrtsorten beginnt der Besuch nicht an einer Straße oder auf einem Parkplatz, sondern mit einer Überfahrt. Die regelmäßigen Schiffsverbindungen von Prien und Gstadt machen die Insel gut erreichbar, doch bleibt der Übergang über das Wasser ein charakteristischer Bestandteil des Besuchs. Auch wer heute als Tourist kommt, betritt dieselbe räumlich begrenzte Inselwelt wie frühere Pilger, die das Grab der Seligen Irmengard aufsuchten.
Das Kloster trägt heute den offiziellen Namen Abtei Frauenwörth im Chiemsee. Die Wallfahrt richtet sich nicht allgemein an das Kloster, sondern konkret an die Selige Irmengard von Chiemsee und ihre im Münster bewahrte Grab- und Reliquienüberlieferung. Frauenwörth ist deshalb zugleich Benediktinerinnenabtei, historisches Damenstift, bedeutender frühmittelalterlicher Bau- und Erinnerungsort und lebendiger Wallfahrtsplatz. Diese Funktionen haben sich im Lauf von mehr als einem Jahrtausend mehrfach verschoben, ohne dass die religiöse Bedeutung des Ortes erloschen wäre.
Die Klostertradition führt Frauenwörth auf den Bayernherzog Tassilo III. zurück und verbindet die Gründung mit der Weihe einer Kirche durch den Salzburger Bischof Virgil am 1. September 782. Eine eigentliche Gründungsurkunde ist nicht erhalten, und die frühen schriftlichen Nachrichten über ein "Chiemseekloster" lassen nicht immer eindeutig erkennen, ob Frauen- oder Herrenchiemsee gemeint ist. Archäologische Befunde sichern auf der Fraueninsel jedenfalls spätestens für die Mitte beziehungsweise die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts eine bedeutende geistliche Anlage; zugleich weisen karolingische Bauteile und Skulpturen auf eine sehr frühe hochrangige Ausstattung.
Gerade deshalb ist bei den Anfängen Vorsicht notwendig. Der ältere Artikel nahm bereits für das 7. Jahrhundert eine lose Gemeinschaft von Frauen an, die ohne kirchliche Regel, Klausur, Gelübde und "männliche Vormundschaft" gelebt habe. Eine solche konkrete Rekonstruktion lässt sich aus den belastbaren Quellen nicht ableiten. Wissenschaftlich besser fassbar ist Frauenwörth als frühmittelalterliches Stift für Frauen aus hochrangigen Familien, dessen institutionelle Form sich im Lauf der Jahrhunderte wandelte. Zwischen adeligem Damenstift und benediktinischer Klostergemeinschaft bestand keine schlichte, einmalige Grenzlinie, sondern eine längere Entwicklung, in der Observanz, Lebensform und kirchenrechtliche Einordnung mehrfach verändert wurden.
Nach dem Ende der agilolfingischen Herrschaft kam Frauenwörth in den Einflussbereich der Karolinger und wurde zum Reichsstift beziehungsweise Reichskloster. Diese Stellung brachte eine enge Bindung an das Königtum und umfangreichen Besitz mit sich. Sie darf jedoch nicht mit späteren Verfassungsformen des Heiligen Römischen Reiches gleichgesetzt werden. Insbesondere lässt sich aus der frühen Reichsunmittelbarkeit nicht ohne weiteres ableiten, dass die jeweilige Äbtissin im modernen Sinn "im Reichstag vertreten" gewesen sei. Solche rückprojizierten Vorstellungen werden in der neuen Fassung vermieden.
Irmengard, eine Tochter König Ludwigs des Deutschen und Urenkelin Karls des Großen, wurde um 831/833 geboren und stand Frauenwörth um die Mitte des 9. Jahrhunderts vor. Sie ist die erste namentlich sicher bekannte Äbtissin beziehungsweise Vorsteherin der Gemeinschaft. Ihr Todestag, der 16. Juli 866, ist bereits in frühmittelalterlicher Überlieferung verzeichnet. Über ihr tatsächliches Wirken besitzen wir dagegen nur wenige zeitgenössische Nachrichten.
Spätere Klostertradition schildert Irmengard als zweite Stifterin, Erneuerin des Konvents, fürsorgliche Herrin und Wohltäterin des Chiemgaus. Ältere Darstellungen schreiben ihr auch die Einführung der Benediktinerregel zu. Die neuere Forschung urteilt hier vorsichtiger: Eine innere Neuordnung der Gemeinschaft unter Irmengard ist gut vorstellbar und wird von der Tradition ausdrücklich mit ihr verbunden, doch die genaue Rechts- und Lebensform des Frauenstifts im 9. Jahrhundert lässt sich nicht so eindeutig festlegen, wie es ältere Erzählungen suggerieren.
Besonders weit geht die im alten Artikel wiedergegebene Vorstellung, Irmengard habe durch ihre Bautätigkeit und Arbeitsaufträge dafür gesorgt, dass im ganzen Chiemgau "kein Hunger, keine Not, keine Armut und kein Elend" mehr bestanden hätten und Almosen deshalb überflüssig geworden seien. Dafür gibt es keinen belastbaren historischen Nachweis. Solche Aussagen gehören in den Bereich hagiographischer beziehungsweise klösterlicher Erinnerung an eine ideale, fürsorgliche Äbtissin. Sie sind als Ausdruck späterer Verehrung interessant, dürfen aber nicht als sozialgeschichtliche Tatsachenbeschreibung des 9. Jahrhunderts verwendet werden.
Irmengard wurde nach ihrem Tod im Münster bestattet. Ihre ursprüngliche Grabstätte lag unter dem südwestlichen Pfeiler des Kirchenschiffs. Die besondere Lage des Grabes und die spätere Überlieferung sprechen dafür, dass ihre Erinnerung früh eine herausgehobene Stellung erhielt. Ein besonders wichtiges Zeugnis ist ein Bleitäfelchen, das bei einer Graböffnung um 1000 beziehungsweise um 1004/1010 beigegeben wurde. Seine Inschrift bittet Irmengard ausdrücklich um Fürsprache. Damit ist die religiöse Anrufung Irmengards spätestens zu dieser Zeit klar bezeugt.
Mit dieser frühen Graböffnung ist Abt Gerhard von Seeon verbunden. In der späteren Überlieferung befand sich die Kopfreliquie Irmengards danach im nahegelegenen Kloster Seeon. Der alte SAGEN.at-Text deutete den Vorgang als gezielte Maßnahme, um in Seeon eine lukrative öffentliche Verehrung und damit Einnahmen durch Pilger zu erzeugen. Für eine solche ökonomische Absicht lässt sich jedoch kein belastbarer Nachweis anführen. Sicher ist lediglich, dass die Kopfreliquie zeitweise in Seeon verwahrt wurde und dort keine dauerhafte öffentliche Irmengardverehrung von vergleichbarer Bedeutung entstand.
Die Wallfahrt auf Frauenwörth entwickelte sich dagegen um das Grab weiter. Für das 11. Jahrhundert wird angenommen, dass die Förderung der Irmengardverehrung auch mit dem Wiederaufbau von Kirche und Kloster verbunden war. Wie an vielen mittelalterlichen Heiligtümern konnten liturgische Verehrung, religiöse Erinnerung, Pilgerbesuch und wirtschaftliche Interessen einander berühren. Eine monokausale Erklärung nach dem Muster "Wallfahrt wurde wegen des Geldes erfunden" wird der Quellenlage und der mittelalterlichen Frömmigkeit jedoch nicht gerecht.
Eine entscheidende neue Phase begann unter Äbtissin Maria Magdalena Haidenbucher. Am 17. Oktober 1631 wurden die Irmengard zugeschriebenen Gebeine aus der ursprünglichen Grabstätte erhoben und in die damalige Apostelkapelle, die spätere Irmengardkapelle, übertragen. Haidenbucher wollte damit das Andenken und die Verehrung Irmengards ausdrücklich fördern. Bei der Erhebung fehlte der Schädel, was mit der älteren Übertragung der Kopfreliquie nach Seeon in Verbindung gebracht wurde.
Für die erhobenen Gebeine ließ die Äbtissin einen kleinen Sarkophag aus rotem Marmor anfertigen, der von einem bemalten Holzgehäuse umgeben wurde. Dieses Hochgrab ist bis heute erhalten. Es ist wichtig, zwischen dem historischen Hochgrab und dem heutigen Reliquienschrein zu unterscheiden: Das Hochgrab erinnert an die Translation des 17. Jahrhunderts, während die Gebeine heute in einem Kristallglasschrein im Irmengardaltar der Kapelle hinter dem Hochaltar verehrt werden. Zusätzlich ist auch die ursprüngliche Grabstelle im Münster als Erinnerungsort kenntlich.
Im frühen 20. Jahrhundert wurde die seit Jahrhunderten bestehende Irmengardverehrung kirchenrechtlich untersucht. 1922 begann unter Kardinal Michael von Faulhaber das Verfahren zur Anerkennung des überlieferten Kultes. Papst Pius XI. bestätigte am 19. Dezember 1928 die Verehrung Irmengards; im folgenden Jahr wurde die Seligsprechung beziehungsweise die kirchliche Anerkennung in Bayern feierlich begangen. Je nach kirchlicher Quelle wird deshalb 1928 oder 1929 als Datum der Seligsprechung genannt. Historisch entscheidend ist, dass es sich nicht um die Schaffung eines neuen Kultes handelte, sondern um die offizielle Anerkennung einer bereits sehr lange bestehenden lokalen und regionalen Verehrung.
Im Zusammenhang mit dem Verfahren wurden die Reliquien erneut untersucht und die in Seeon verwahrte Kopfreliquie nach Frauenwörth zurückgebracht. Eine weitere naturwissenschaftliche Untersuchung führte 2003 zur erneuten Zusammenführung von Schädel und übrigen Gebeinen im heutigen Schrein. Der ältere Artikel formulierte dazu, eine DNA-Analyse habe "wissenschaftlich bewiesen", dass Schädel und Skelett tatsächlich Irmengard gehörten. So weit reicht ein solcher Befund nicht: Naturwissenschaftlich lässt sich prüfen, ob verschiedene Knochen derselben Person zugeordnet werden können; ohne unabhängiges genetisches Vergleichsmaterial kann daraus jedoch nicht die historische Identität dieser Person mit Irmengard bewiesen werden. Für die kirchliche Verehrung ist die traditionelle Identifizierung der Reliquien maßgebend, wissenschaftlich ist zwischen Zusammengehörigkeit der Knochen und historischer Personenidentifikation zu unterscheiden.
Die Wallfahrt zur Seligen Irmengard ist bis heute lebendig. Das Zentrum liegt in der Irmengardkapelle hinter dem Hochaltar. Dort befinden sich der Reliquienschrein, brennende Kerzen und zahlreiche Votivtafeln. Hinzu kommt ein Fürbittbuch, in das Besucher ihre Anliegen eintragen können. Damit verbinden sich mehrere klassische Formen katholischer Wallfahrtsfrömmigkeit: das Aufsuchen eines Grab- und Reliquienortes, das persönliche Gebet, die schriftlich fixierte Bitte, die Kerzenspende und das Votivbild als öffentlich sichtbarer Dank.
Besonders auffällig ist die seit langem überlieferte Bitte um Kindersegen. Paare mit unerfülltem Kinderwunsch suchen Irmengards Fürsprache; zahlreiche Danktafeln beziehen sich auf die Geburt eines Kindes. Der Kult ist jedoch nicht darauf beschränkt. Votive und Fürbitten nennen auch Krankheit, Genesung, familiäre Sorgen und vielfältige persönliche Anliegen. Gerade dadurch wird der Unterschied zwischen einem bloßen historischen Grab und einem lebendigen Wallfahrtsort sichtbar: Das Grab wird weiterhin in aktuelle Lebenssituationen einbezogen.
Volkskundlich bemerkenswert ist auch die Sprache der Votivtafeln. Manche Gläubige bezeichnen Irmengard in persönlicher Dankesformel als "heilige Irmengard", obwohl ihr amtlicher kirchlicher Titel "Selige" lautet. Solche Abweichungen sind als originale Votivsprache aufschlussreich und werden daher wortgetreu dokumentiert. Sie zeigen vielmehr, wie offizielle kirchliche Kategorien und volkstümliche Heiligenverehrung nebeneinander bestehen können.
Der liturgische Gedenktag Irmengards ist der 16. Juli, ihr überlieferter Todestag. Auf der Fraueninsel wird das Irmengardfest jährlich an einem Sonntag in zeitlicher Nähe zu diesem Datum begangen. Gottesdienst, gemeinsames Gebet und der Besuch der Irmengardkapelle verbinden die klösterliche Erinnerung mit der regionalen Verehrung. Irmengard gilt als Patronin des Chiemgaus und ist Namenspatronin des heutigen Pfarrverbandes Selige Irmengard.
Die Insellage gibt dem Fest und jeder Gruppenwallfahrt eine besondere Logistik. Wallfahrer müssen ihre Anreise auf die Schiffsverbindungen abstimmen, treffen am Anleger ein und bewegen sich anschließend zu Fuß durch den kleinen Inselraum zum Münster. Dieser Weg ist kurz, erzeugt aber eine deutliche räumliche Zäsur: Das Wasser trennt den Wallfahrtsort vom Festland und macht die Ankunft sichtbar und gemeinschaftlich erfahrbar. Diese Besonderheit unterscheidet Frauenwörth von den meisten bayerischen Wallfahrtsorten.
Die politische und rechtliche Stellung Frauenwörths wechselte im Mittelalter mehrfach. 1062 wurde die Abtei dem Erzbischof von Salzburg übertragen, 1077 wieder in königlichen Zusammenhang gebracht und 1141 in ihren Rechten bestätigt. 1201 gelangte Frauenwörth erneut unter Salzburger Herrschaft. 1254 erhielten die bayerischen Herzöge entscheidende Rechte über das Stift. Als Erinnerung an die frühere Reichsstellung blieb bis zur Säkularisation die Bezeichnung "Königliches Stift" erhalten; zugleich war Frauenwörth über lange Zeit eng mit dem Adel verbunden.
Mehrere Brände und Zerstörungen erforderten wiederholt Neubauten. Für das frühe 10. Jahrhundert werden schwere Schäden im Zusammenhang mit den Ungarneinfällen angenommen. Weitere Brandereignisse sind um 1300 sowie 1491 und 1572 überliefert. Die heutige Klosterkirche besitzt wesentliche romanische Bauteile des 11. Jahrhunderts, wurde jedoch in späteren Jahrhunderten mehrfach verändert. Besonders bedeutend ist die frühmittelalterliche Torhalle, die zu den herausragenden erhaltenen Zeugnissen der frühen Klostergeschichte gehört.
Für das 17. Jahrhundert besitzen wir mit Maria Magdalena Haidenbuchers "Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650" eine außergewöhnlich dichte Quelle. Während des Dreißigjährigen Krieges nahm Frauenwörth zeitweise Frauen aus anderen bedrohten Konventen auf. Als 1648 schwedische Truppen bis in den Raum Wasserburg vordrangen, wurde die Lage auch für das Kloster akut. Schwestern und Wertgegenstände wurden teilweise in sicherere Gebiete gebracht, während Haidenbucher selbst mit einem kleinen Kreis im Kloster blieb. Das Frauenkloster wurde letztlich nicht von den Truppen erreicht.
Der ältere Artikel schilderte diese Ereignisse stark dramatisierend und verband sie mit pauschalen Aussagen über mordende und vergewaltigende Soldaten sowie mit sehr genauen prozentualen Bevölkerungsverlusten des gesamten Reiches. Für einen Artikel über Frauenwörth sind solche generalisierenden Zahlen weder notwendig noch quellenkritisch sinnvoll. Haidenbuchers eigenes Tagebuch und die regionalhistorische Forschung erlauben eine viel präzisere Darstellung der konkreten Bedrohungslage, ohne den Krieg zu verharmlosen oder durch ungesicherte Verallgemeinerungen zu dramatisieren.
1803 wurde Frauenwörth im Zuge der bayerischen Säkularisation aufgehoben. Die verbliebenen Klosterfrauen durften weiter auf der Insel leben, neue Mitglieder konnten zunächst nicht aufgenommen werden. Besitz, Wirtschaftsgebäude, Kunst- und Bibliotheksbestände wurden teilweise veräußert oder in staatliche Sammlungen überführt. Für die Insel war dies auch ein wirtschaftlicher Einschnitt, weil das Kloster über Jahrhunderte Arbeitgeber, Auftraggeber und Grundherr gewesen war.
Unter König Ludwig I. wurde die Gemeinschaft in den 1830er Jahren wiedererrichtet; mit der Wiederbegründung war ein Bildungsauftrag verbunden. Die Benediktinerinnen betrieben in der Folge Schulen und Internate und prägten damit erneut das soziale Leben der Insel und der Region. 1901 erhielt Frauenwörth wieder den Rang einer Abtei. Heute ist die Gemeinschaft weiterhin benediktinisch geprägt und verbindet klösterliches Leben mit Gästeaufnahme, Bildungsangeboten und Kirchenführungen.
Für die Wallfahrt ist diese lange institutionelle Geschichte wichtig, aber sie bleibt gegenüber dem Irmengardkult eine eigene Ebene. Nicht jede Besucherin des Klosters ist Wallfahrerin, und nicht jede klostergeschichtliche Episode gehört unmittelbar zur Wallfahrtsgeschichte. Der eigentliche Wallfahrtskern besteht in der über Jahrhunderte fortgesetzten Verehrung Irmengards: Grab, Reliquien, Fürbitte, Votive, Kerzen, Kinderwunsch und Festtag. Gerade weil diese Formen trotz wechselnder politischer, klösterlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen weiterbestanden, gehört Frauenwörth zu den bemerkenswerten historischen Wallfahrtsorten Oberbayerns.
- Brugger, Walter / Weitlauff, Manfred (Hg.): Kloster Frauenchiemsee 782-2003. Geschichte, Kunst, Wirtschaft und Kultur einer altbayerischen Benediktinerinnenabtei. Weißenhorn 2003.
- Dopsch, Heinz: "Gründung und Frühgeschichte des Klosters Frauenchiemsee bis zum Tod der seligen Irmengard". In: Walter Brugger / Manfred Weitlauff (Hg.): Kloster Frauenchiemsee 782-2003. Weißenhorn 2003, S. 29-55.
- Dannheimer, Hermann: Frauenwörth. Archäologische Bausteine zur Geschichte des Klosters auf der Fraueninsel im Chiemsee. Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, Neue Folge 126. München 2005.
- Haidenbucher, Maria Magdalena: Geschicht Buech de Anno 1609 biß 1650. Das Tagebuch der Äbtissin von Frauenwörth. Nach dem Autograph herausgegeben, kommentiert und mit Registern versehen von Gerhard Stalla. Geistliche Literatur der Barockzeit 11. Amsterdam / Maarssen 1988.
- Wildgruber, Martin: "Wasserburg im Tagebuch der Äbtissin Haidenbucher von Frauenchiemsee 1609-1648". In: Heimat am Inn. Neue Folge 10. Wasserburg am Inn 1990.
- Abtei Frauenwörth im Chiemsee: historische Dokumentationen zur Klostergeschichte, zur Seligen Irmengard, zum Münster, zum Irmengard-Hochgrab und zur gegenwärtigen Wallfahrt.
- Pfarrverband Selige Irmengard / Kuratie Frauenchiemsee: kirchliche Dokumentationen zur Irmengardverehrung, zum Gedenktag, zu Votivtafeln und zur Bitte um Kindersegen.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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