Aigen am Inn - Landkreis Passau, Niederbayern - Wallfahrtskirche St. Leonhard, Leonhardsverehrung

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt zu St. Leonhard ist eine Kirche in Aigen am Inn, einem Ortsteil der Gemeinde Bad Füssing im Landkreis Passau.

Die Leonhardskirche von Aigen am Inn zählt zu den ältesten Gnadenstätten Bayerns. Ihre Entstehung ist von einer Legende umrahmt:

Fischer bemerkten ein im Inn schwimmendes, schwärzliches hölzernes Bild. Dreimal stießen sie die dem Ufer zutreibende Figur in den Strom zurück, aber vergeblich; jedes Mal schwamm sie wieder heran, als ob sie landen wollte. Menschen strömten herbei und der Burgherr vom Katzenberg erkannte in der Statue das Bildnis des hl. Leonhard, durch dessen Fürbitte seine Tochter aus harter Gefangenschaft befreit worden war. Ihm zu Ehren erbaute er dann in Aigen die erste Kirche, auf deren Hochaltar das Wunderbild zu stehen kam.

Tatsächlich stammt die Anlage der Kirche aus dem 12. Jahrhundert und eine darin vorhandene Holzfigur des Heiligen aus dem 13. Jahrhundert. Das heutige Gotteshaus besitzt im wesentlichen gotischen Charakter. Der Ort ist an den drei Goldenen Samstagen, besonders aber am Fest des hl. Leonhard, am 6. November, der Schauplatz volkstümlicher Feste. In der sogenannten Schatzkammer, einem Nebenraum der Sakristei, befinden sich in großen Körben hunderte von eisernen Votivfiguren. Früher gab es auch menschliche unter ihnen, heute nur mehr Pferde, Rinder, Gänse, Bienenkörbe und Gebärmutter-Kröten.

Der Brauch des Eisenopfers beschränkt sich auf die von Bayern und Alemannen bewohnten Gebiete und lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Zur Zeit seiner ältesten Belegbarkeit ist er bereits mit der Verehrung des hl. Leonhard eng verknüpft, aber vermutlich viel älteren Ursprungs. Die ältesten Exemplare dieser Opfergaben sind aus einem einzigen Stück Eisen sehr primitiv verfertigt. Im 17. und 198. Jahrhundert erhalten sie eine gewisse volkskünstlerische Formgebung lokaler Eigenart. Die Tiergestalten werden in einer für Aigen typischen Art ausgeformt, die Tierleiber um den Dorn des Ambosses gebogen, die Gliedmaßen sorgfältig ausgezogen oder am Körper eingesetzt.

Am Vormittag des Festtages, am zahlreichsten zwischen den Gottesdiensten, erscheinen die Bauern in der Schatzkammer und leihen gegen ein Geldopfer die Tierbilder aus. Sie legen sie dann in den Hut, wandern in langen Reihen einer nach dem anderen um den Hochaltar und werfen sie hinterher in bereit gestellte Körbe, welche der Mesner, sobald sie gefüllt sind, in die Schatzkammer zurückbringt, von wo die eisernen Tiere aufs Neue ihren Rundgang machen. Dabei werden gewöhnlich so viel Tiere geopfert als der Bauer zuhause im Stall hat.

In neuerer Zeit wird eine kleinere Auswahl getroffen, mindestens aber wird von jeder Tiergattung ein Stück genommen. In alter Zeit wurden auch viele Naturalopfer, Gold und Silber, Eisen, Wachs, Kleider, Öl, Unschlitt, Flachs, Hanf, Tuch, Wolle, Käse, Schmalz, Butter, Getreide, Garn, Gänse, Hühner und Eier dargebracht. (nach Kriss/Rettenbeck, 1950)


Lage: St. Leonhard 1, 94072 Aigen am Inn
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Web: Pfarrverband Bad Füssing
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Literatur zur Wallfahrt:
   
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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