| Kloster: | Ursulinenkloster Innsbruck, seit 1691 bestehende Frauengemeinschaft mit besonderem Schwerpunkt auf Mädchen- und Frauenbildung. Der historische Konvent lag bis 1979 am Innrain/Marktgraben; seither befindet sich die Ordensgemeinschaft im von Josef Lackner geplanten Ursulinenareal in der Höttinger Au. |
| Orden: | Ursulinen; in der Tradition der 1535 von Angela Merici gegründeten Compagnia di Sant'Orsola. Der Innsbrucker Konvent gehört heute zur Föderation deutschsprachiger Ursulinen. |
| Gründung: | 1691 kamen drei Ursulinen aus Landshut nach Innsbruck und eröffneten noch im selben Jahr die erste Mädchenschule der Stadt. Die Stiftung wurde wesentlich durch Hieronymus Bernhard Ferrari Graf d'Occhieppo ermöglicht; 1700-1705 entstand das barocke Kloster mit Schule, Pensionat und Kirche Mariä Heimsuchung am Innrain. |
| Status: | Bestehender Ursulinenkonvent. Die unmittelbare Schulträgerschaft wurde 2012/13 altersbedingt an die Vereinigung von Ordensschulen Österreichs übergeben. Der historische Klosterstandort am Innrain ist profaniert und umgenutzt; die ehemalige Kirche dient als Ursulinensäle, Teile des Klostertraktes werden von der Musikschule der Stadt Innsbruck genutzt. |
| Anlage: | Zwei historisch zusammengehörige Standorte: der barocke ehemalige Kloster-, Schul- und Kirchenkomplex am Innrain/Marktgraben, erbaut nach Plänen Johann Martin Gumpps des Älteren, und das 1971-1979 von Josef Lackner errichtete moderne Ensemble aus Schule, Internat und Kloster am Fürstenweg/Reimmichlgasse. |
| Ort: | Innsbruck. |
| Region: | Inntal, Tirol. |
| Land: | Österreich. |
| • | Konvent der Ursulinen, Reimmichlgasse 2, 6020 Innsbruck, Tirol, Österreich. Wirtschaftskundliches Realgymnasium Ursulinen, Fürstenweg 86, 6020 Innsbruck. Die heutige Anlage aus Schule, ehemaligem Internat und Kloster liegt in der Höttinger Au. Der historische Klosterstandort befindet sich am Innrain/Marktgraben; die ehemaligen Kirchenräume werden als Ursulinensäle am Innrain 7 genutzt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte Klöster und Stifte in Tirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Öffnungszeiten: Konvent und Schule sind keine regulär öffentlich zugänglichen Besichtigungsstätten. Besuche des Schul- und Klosterareals sind nur im Rahmen von Veranstaltungen, Führungen oder nach vorheriger Vereinbarung möglich. Die profanierten Ursulinensäle am Innrain sind bei öffentlichen Veranstaltungen zugänglich. |
| • | Web: Gymnasium Ursulinen Innsbruck und Konvent |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Gesucht werden insbesondere Aufnahmen des heutigen Ursulinenkonvents und der Schule am Fürstenweg/Reimmichlgasse, der charakteristischen Lackner-Architektur mit ihren Stahltragwerken und Innenräumen, des ehemaligen Ursulinenklosters am Innrain und Marktgraben, der Fassade und Portale der ehemaligen Kirche Mariä Heimsuchung, der heutigen Ursulinensäle und der erhaltenen Klostertrakte sowie - soweit zugänglich - historischer Ausstattungsstücke und Zeugnisse der Kloster- und Schulgeschichte.
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Das Ursulinenkloster Innsbruck gehört zu jenen Ordensniederlassungen, deren Bedeutung sich nicht allein aus Kirche, Klausur und Konventsgeschichte erschließt. Seit 1691 verband das Haus religiöses Gemeinschaftsleben mit einer ausdrücklich nach außen gerichteten Aufgabe: der Bildung und Erziehung von Mädchen. Diese Verbindung prägte den Innsbrucker Konvent über mehr als drei Jahrhunderte und machte ihn zu einem zentralen Ort der Tiroler Frauen- und Bildungsgeschichte. Zugleich blieb das Haus ein eigener religiöser Kosmos mit Herz-Jesu-Frömmigkeit, Reliquienkultur, Klosterarbeiten, Pensionat und vielfältigen Formen weiblicher Gemeinschaftspraxis.
Die Geschichte des Konvents reicht architektonisch von der barocken Anlage am Innrain und Marktgraben über historistische Veränderungen des 19. Jahrhunderts bis zur bewusst modernen Schule, dem Internat und dem Kloster, die Josef Lackner in den 1970er Jahren am Fürstenweg plante. Damit lässt sich an einem einzigen Innsbrucker Frauenorden zugleich verfolgen, wie sich Vorstellungen von Mädchenbildung, klösterlicher Lebensform, religiöser Erziehung und pädagogischem Raum wandelten. Der heutige Konvent besteht weiterhin, während die Schule seit 2012/13 von der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs getragen wird.
Die Ursulinen führen ihre geistige Tradition auf Angela Merici zurück, die 1535 in Brescia die Compagnia di Sant'Orsola gründete. Aus dieser Gemeinschaft entwickelte sich im 17. Jahrhundert der Ursulinenorden in jener Form, in der er sich besonders der Erziehung und Unterweisung von Mädchen widmete. Das unterscheidet die Innsbrucker Ursulinen grundsätzlich von Frauenorden, deren Hauptaufgabe innerhalb der Klausur lag. Unterricht war für die Ursulinen kein nachträglich hinzugefügter sozialer Dienst, sondern Teil ihres religiösen Selbstverständnisses.
Diese Verbindung von Ordensleben und Bildung erklärt, weshalb die Geschichte der Innsbrucker Niederlassung immer zugleich Kloster- und Schulgeschichte ist. Die Schwestern lebten nach einer geregelten religiösen Ordnung, unterrichteten aber gleichzeitig Mädchen verschiedener sozialer Herkunft. Später kamen Pensionat, Bürgerschule, Lyzeum, Reformrealgymnasium und weitere Schulformen hinzu. Der Konvent wurde damit über Generationen zu einer Institution, in der Frauen selbst als Lehrerinnen, Erzieherinnen und organisatorisch verantwortliche Trägerinnen eines umfangreichen Bildungswesens auftraten.
Die Gründung in Innsbruck geht wesentlich auf Hieronymus Bernhard Ferrari Graf d'Occhieppo zurück, einen hochrangigen Hof- und Landesbeamten. Nach der neueren Forschung stellte Ferrari für die Ansiedlung der Ursulinen die erhebliche Summe von 30.000 Gulden bereit. Bei der Wahl des Ordens spielten jesuitische Berater eine Rolle; empfohlen wurde eine Gemeinschaft, die ihre religiöse Lebensform mit der Bildung von Mädchen verband. Ferrari starb im Dezember 1690 und erlebte die eigentliche Niederlassung nicht mehr.
Die Stiftung war deshalb von Anfang an mehr als die Finanzierung eines Frauenklosters. Sie schuf eine dauerhaft angelegte Bildungseinrichtung in einer Stadt, in der für Mädchen bis dahin keine vergleichbare institutionalisierte Schulstruktur bestand. Für die Innsbrucker Stadtgeschichte ist dieser Vorgang besonders bedeutsam, weil die materielle Stiftung eines einzelnen Hofbeamten zu einer Einrichtung führte, die über drei Jahrhunderte hinweg auf viele Generationen von Frauen und Mädchen wirkte.
Im Jahr 1691 kamen drei Ursulinen aus Landshut nach Innsbruck. Noch im selben Jahr nahmen sie den Unterricht auf; nach der neueren Ordens- und Museumsforschung besuchten die Schule anfangs ungefähr fünfzig Mädchen. Die Innsbrucker Ursulinenschule gilt damit als erste Mädchenschule der Stadt und blieb nach der eigenen Schulüberlieferung bis 1775 zugleich deren einzige. Die kleine Gründungsgruppe musste daher innerhalb kurzer Zeit gleichzeitig einen Konvent aufbauen, Unterricht organisieren und die wirtschaftliche Grundlage der Niederlassung sichern.
Bereits 1692 wurde die Stiftung rechtlich weiter abgesichert. Die Innsbrucker Stadtchronik nennt die Ausfertigung der Stiftungsurkunde am 5. Februar und deren Bestätigung durch den Brixner Bischof am 18. März. Im selben Jahr trat demnach die erste Tirolerin in den jungen Konvent ein. Am 12. August 1693 bezogen die Ursulinen zwei Häuser am Marktgraben. Aus einer zunächst von auswärtigen Schwestern getragenen Gründung entstand damit sehr rasch eine in Innsbruck selbst verankerte Frauengemeinschaft.
Die frühen Unterkünfte genügten den wachsenden Anforderungen bald nicht mehr. Zwischen 1700 und 1705 entstand an der Ecke Innrain und Marktgraben ein großer Komplex aus Kloster, Schule, Kirche und Pensionat. Für den Neubau wurden ältere Häuser und der adelige Ansitz Hechtenburg beziehungsweise Höchtenburg einbezogen oder ersetzt. Die Planung lag bei Johann Martin Gumpp dem Älteren, einem der wichtigsten Baumeister des barocken Innsbruck.
1705 konnten die Schwestern das neue Konventsgebäude mit Schule und Internat beziehungsweise Pensionat beziehen. Die Architektur war somit von Beginn an auf zwei eng miteinander verbundene Lebenswelten ausgerichtet: auf die Klausur und Gemeinschaft der Ordensfrauen sowie auf Unterricht, Erziehung und Unterbringung der Schülerinnen. Der Ursulinenkomplex entwickelte sich im Verlauf der folgenden Jahrhunderte zu einem ausgedehnten innerstädtischen Bildungsareal, dessen einzelne Trakte entlang des Innrains und Marktgrabens immer wieder erweitert und umgebaut wurden.
Die Klosterkirche erhielt das Patrozinium Mariä Heimsuchung. Der barocke Bau war als vierjochiger Saalraum mit flacher Tonne und eingezogenem quadratischem Chor gestaltet. Im Westen befand sich eine zweigeschossige Emporenanlage, unter der eine Vorhalle lag. Zwei freistehende Säulen aus rotem Marmor und schmiedeeiserne Gitter von 1711 trennten diese Zone vom Kirchenraum. Gerade die Emporen waren für eine Frauenordenskirche mit angeschlossener Schule und Pensionat funktional bedeutsam, weil unterschiedliche Gruppen am Gottesdienst teilnehmen konnten, ohne die klösterliche Ordnung aufzugeben.
Die Kirche war nicht nur Hauskirche des Konvents, sondern religiöser Mittelpunkt einer großen Erziehungsinstitution. Schülerinnen, Pensionärinnen, Angehörige und mit dem Kloster verbundene Bruderschaften trafen hier aufeinander. Der Kirchenraum wurde dadurch zu einer Schnittstelle zwischen Klausur und Stadtöffentlichkeit. Seine spätere Profanierung und Umgestaltung zu Veranstaltungssälen bedeutete deshalb nicht bloß eine bauliche Veränderung, sondern das Ende einer über zweieinhalb Jahrhunderte wirksamen religiösen Raumordnung.
Die ursprüngliche Ausstattung der Ursulinenkirche war kunsthistorisch anspruchsvoll. Bartolomeo Carlone arbeitete an der Stuckierung, während Altarbilder von Carlo Carlone und Andrea Pozzo stammten. Carlo Carlone hielt sich 1708 mehrere Wochen im Innsbrucker Ursulinenkonvent auf und schuf unter anderem Darstellungen der Mariä Heimsuchung und der hl. Ursula. Andrea Pozzo, einer der bedeutenden illusionistischen Barockmaler seiner Zeit, war mit einem Bild des hl. Josef vertreten.
Diese Ausstattung zeigt, dass die Schwestern beim Aufbau ihres neuen Kloster- und Schulzentrums keineswegs auf eine künstlerisch bescheidene Lösung beschränkt blieben. Die Kirche verband den Innsbrucker Konvent mit einem überregionalen oberitalienisch-mitteleuropäischen Kunstnetzwerk. Für die Interpretation des Hauses ist das wichtig: Bildung, klösterliche Repräsentation und anspruchsvolle Sakralkunst wurden nicht als Gegensätze verstanden, sondern als Bestandteile einer dauerhaften katholischen Bildungsinstitution.
Volkskundlich und frömmigkeitsgeschichtlich besonders wichtig ist die frühe Herz-Jesu-Verehrung im Innsbrucker Ursulinenkloster. Die Diözese Innsbruck nennt 1705 als Gründungsjahr der ersten Herz-Jesu-Bruderschaft Tirols bei den Ursulinen. Wissenschaftliche Untersuchungen setzen den institutionellen Vorgang etwas weiter in den Zeitraum 1704 bis 1706 und betonen zugleich die engen Beziehungen der Ursulinen zu den Jesuiten. Beide Befunde widersprechen einander nicht grundsätzlich, sondern weisen auf einen mehrstufigen Entstehungsprozess hin.
Damit ist organisierte Herz-Jesu-Frömmigkeit in Tirol beinahe ein Jahrhundert vor dem Landesgelöbnis von 1796 greifbar. Die spätere populäre Erinnerung verbindet das Herz Jesu vor allem mit Landesverteidigung, Gelöbnis und Herz-Jesu-Feuern. Das Innsbrucker Ursulinenkloster zeigt dagegen eine ältere, stärker bruderschaftlich und klösterlich geprägte Phase. Die Schwestern gehören deshalb zu den frühen Trägerinnen einer Frömmigkeitsform, die später für die religiöse Identität Tirols außerordentliche Bedeutung gewann.
Für die ersten Jahrzehnte besitzt die Forschung eine wertvolle archivalische Spur im Diözesanarchiv Brixen. Unter der Signatur K.A., VP, 31 sind Visitationen der Jahre 1704 bis 1707 überliefert, in denen ausdrücklich auch die Ursulinen in Innsbruck genannt werden. Solche kirchlichen Visitationen dienten der Kontrolle und Beratung von Klöstern und konnten Fragen der Disziplin, Klausur, Gottesdienstordnung, Wirtschaft und teilweise auch der schulischen Tätigkeit erfassen.
Der Bestand ist deshalb für eine weiterführende Forschung besonders wichtig, weil er unmittelbar in die Phase des Neubaus und der institutionellen Festigung fällt. Er erinnert zugleich daran, dass die frühe Geschichte des Hauses nicht allein aus späteren Jubiläumsschriften rekonstruiert werden muss. Neben der internen Ordensüberlieferung existieren kirchenamtliche Quellen, anhand derer sich Selbstbeschreibung und äußere Wahrnehmung des jungen Konvents miteinander vergleichen lassen.
Die Ursulinenschule war über lange Zeit nicht nur Unterrichtsort für Innsbrucker Mädchen. Mit dem Pensionat konnten auch Schülerinnen aus anderen Teilen Tirols und darüber hinaus im Klosterbereich wohnen. Unterricht, religiöse Erziehung, gemeinschaftlicher Tagesablauf und Beaufsichtigung verbanden sich damit zu einer umfassenderen Erziehungsform. Für viele Familien eröffnete das Pensionat überhaupt erst die Möglichkeit, Töchter längerfristig in Innsbruck ausbilden zu lassen.
Die soziale Reichweite dieser Einrichtung darf nicht mit heutigen Vorstellungen eines Internats gleichgesetzt werden. Das Pensionat gehörte in eine Gesellschaft, in der weibliche Bildung stark mit Konfession, Stand, familiären Erwartungen und geschlechtsspezifischen Rollenvorstellungen verbunden war. Gerade deshalb ist seine Geschichte aufschlussreich: An ihr lässt sich verfolgen, wie sich das Ziel weiblicher Erziehung von religiös und häuslich ausgerichteter Bildung schrittweise hin zu allgemeinbildenden, naturwissenschaftlichen und schließlich studienberechtigenden Schulformen erweiterte.
Historische Fotografien aus dem Ursulineninstitut zeigen um 1900 eine bemerkenswert differenzierte Schulwelt. Neben Klassenzimmern und Handarbeitsräumen sind Studierzimmer, Zeichensaal, Malatelier, Physikkabinett und Schlafräume des Pensionats dokumentiert. Nähen und Sticken spielten weiterhin eine wichtige Rolle und entsprachen dem zeitgenössischen Bildungsideal für Mädchen; gleichzeitig wurde das Fächerspektrum erheblich breiter.
Diese Bilder bewahren eine materielle Schulgeschichte, die in Lehrplänen allein kaum sichtbar wird. Tische, Geräte, Staffeleien, Nähmaschinen, physikalische Apparate und die räumliche Ordnung der Säle zeigen, welche Fähigkeiten als lehr- und lernbar verstanden wurden. Die Ursulinenschule war damit weder bloß eine traditionelle Handarbeitsschule noch bereits von Anfang an ein modernes Gymnasium. Ihr Profil veränderte sich schrittweise und reagierte auf gesellschaftliche Forderungen nach weiterführender Frauenbildung.
Im 19. Jahrhundert wuchs das Ursulineninstitut erheblich. 1830 beschädigte ein Blitzschlag den Turm und Teile der Fassade. Zugleich nahm der Raumbedarf der Schule stetig zu. 1873 wurde eine Mädchenbürgerschule eingerichtet, 1874 das Erziehungspensionat weiter ausgebaut. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zusätzliche Schul- und Wohnräume; die Anlage entwickelte sich zu einem ganzen Komplex miteinander verbundener Gebäude.
Die Innsbrucker Adressbücher machen diese räumliche Expansion besonders anschaulich. Noch 1935 erscheinen am Innrain mehrere unmittelbar nebeneinanderliegende Ursulinengebäude: Kloster, Pensionat und verschiedene Schulhäuser. Der Konvent war damit nicht nur eine einzelne Klosteradresse, sondern ein eigener innerstädtischer Bildungsbezirk. Diese Verdichtung erklärt später auch die schwierige Situation des 20. Jahrhunderts, als steigende Schülerzahlen und neue pädagogische Anforderungen in den historisch gewachsenen Gebäuden immer schwerer unterzubringen waren.
Zwischen 1883 und 1886 wurde der Innenraum der Ursulinenkirche unter Albrecht Steiner von Felsburg tiefgreifend verändert. Die ältere barocke Ausstattung wurde durch eine stark nazarenisch geprägte Gestaltung ergänzt beziehungsweise teilweise überformt. Steiner von Felsburg schuf Deckengemälde, weitere Ausstattungsteile stammten unter anderem von Josef Gasser. Damit erhielt der Kirchenraum eine zweite große kunstgeschichtliche Schicht.
Die historistische Umgestaltung ist selbst ein wichtiges Zeugnis katholischer Kunstauffassung des 19. Jahrhunderts. Sie darf nicht einfach als Verlust eines vermeintlich einheitlichen Barockraumes betrachtet werden. Vielmehr zeigt die Kirche, wie Ordensgemeinschaften ihre sakralen Räume immer wieder an neue ästhetische und religiöse Vorstellungen anpassten. Bis zur Profanierung im 20. Jahrhundert bestand daher eine komplexe Mischung aus barocker Architektur, älterer Ausstattung und historistischen Eingriffen.
Ein entscheidender Wendepunkt war die Eröffnung eines Mädchenlyzeums im Jahr 1904. Die Ursulinen bezeichnen diese Einrichtung als erste höhere Schule für Mädchen in Tirol. Begrifflich ist dabei zu beachten, dass es bereits zuvor weiterführende Formen weiblicher Bildung gegeben hatte. Neu war jedoch die systematisierte höhere Mittelschulbildung im Lyzeumsmodell, die auf anerkannte Abschlüsse und später auf die Hochschulberechtigung zielte.
Schon 1905 erhielt das Mädchenlyzeum Öffentlichkeitsrecht. Damit wurden seine Zeugnisse und Prüfungen staatlich anerkannt. Für die Geschichte der Frauenbildung in Tirol ist dieser Schritt kaum zu überschätzen: Ein Frauenorden, der 1691 mit elementarer Mädchenbildung begonnen hatte, wurde nun Träger einer Schule, die jungen Frauen den Weg zu höherer Ausbildung und in weiterer Folge zum Studium eröffnete. Das Ursulineninstitut war damit Teil jenes gesellschaftlichen Wandels, in dem Bildung zunehmend als Voraussetzung weiblicher beruflicher und wissenschaftlicher Teilhabe verstanden wurde.
Von 1905 bis 1937 erschien eine umfangreiche Reihe von Jahresberichten des Mädchenlyzeums beziehungsweise seiner späteren Nachfolgeformen. Die Österreichische Nationalbibliothek erschließt diese Drucke heute als geschlossene Quellenserie. Sie dokumentieren nicht nur organisatorische Veränderungen, sondern enthalten Lehrkörper, Klassen, Prüfungen, Unterrichtsfächer und vielfach auch pädagogische oder wissenschaftliche Beiträge.
Für die Geschichte des Ursulinenklosters sind diese Berichte deshalb besonders wertvoll, weil sie den Alltag der Schule jahrgangsweise greifbar machen können. Sie erlauben es, den Wandel von der klassischen katholischen Mädchenbildung zur modernen höheren Schule nicht nur anhand von Jubiläumsdaten zu erzählen. Gleichzeitig sind sie Quellen ihrer Zeit und müssen hinsichtlich Sprache, Geschlechterbildern und pädagogischen Wertungen historisch gelesen werden.
Die Gründung des Lyzeums löste auch eine öffentliche Diskussion über Frauenbildung aus. Johann-Adolph Heyl veröffentlichte 1907 die Schrift 'Frauenbildung und Frauenwohlfahrt. Eine soziale Studie, angeregt durch die Gründung des Mädchenlyzeums in Innsbruck'. Schon der Titel zeigt, dass höhere Mädchenbildung nicht als rein schulorganisatorische Frage wahrgenommen wurde, sondern mit Vorstellungen von Familie, Beruf, Gesellschaft und weiblicher Selbständigkeit verbunden war.
Für eine heutige Darstellung ist gerade diese zeitgenössische Debatte aufschlussreich. Sie macht sichtbar, welche Hoffnungen, Begrenzungen und Ängste mit der Ausweitung weiblicher Bildung verbunden waren. Die Ursulinen standen dabei in einer spannungsreichen Position: Als katholischer Frauenorden waren sie Teil einer traditionellen kirchlichen Gesellschaftsordnung und zugleich Trägerinnen einer Institution, die Frauen schrittweise Zugang zu Bildungsabschlüssen eröffnete, die zuvor fast ausschließlich Männern vorbehalten gewesen waren.
In den Jahren nach 1904 wurde die höhere Schule mehrfach weiterentwickelt. Aufbaukurse und reformrealgymnasiale Elemente erweiterten die Ausbildung; schließlich wurden Abschlüsse möglich, die den Zugang zu Hochschulen eröffneten. Aus dem Mädchenlyzeum entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten Mädchenmittelschule und Frauenoberschule. Diese Umbenennungen spiegeln nicht bloß Verwaltungsreformen, sondern einen grundlegenden Wandel im Verständnis weiblicher Bildung.
Das Innsbrucker Ursulineninstitut war damit über Generationen hinweg an einer gesellschaftlichen Verschiebung beteiligt: vom Ideal der gebildeten 'höheren Tochter' zur jungen Frau mit formaler Studien- und Berufsperspektive. Diese Entwicklung verlief weder geradlinig noch frei von konservativen Geschlechtervorstellungen. Gerade darin liegt ihre historische Aussagekraft. Das Kloster wurde zu einem Ort, an dem Tradition und neue Bildungsansprüche miteinander ausgehandelt wurden.
Mit dem nationalsozialistischen Machtantritt 1938 wurde die Entwicklung abrupt unterbrochen. Den Ursulinen wurde jede Unterrichtstätigkeit untersagt; Schul- und Pensionatsräume wurden der bisherigen Ordensschule entzogen beziehungsweise staatlicher Verwendung zugeführt. Für den Konvent bedeutete dies weit mehr als den Verlust eines Arbeitsplatzes. Seit seiner Gründung 1691 hatte die Bildungsarbeit den eigentlichen gesellschaftlichen Auftrag der Gemeinschaft gebildet. Das Verbot traf daher den Kern der ursulinischen Identität in Innsbruck.
Die Schülerinnen wurden in staatliche Schulstrukturen überführt. Gleichzeitig änderten sich Unterrichtsinhalte und Erziehungsziele grundlegend; die Schule wurde in das nationalsozialistische Bildungs- und Propagandasystem integriert. Der Einschnitt ist deshalb sowohl als Ordensverfolgung als auch als Teil der allgemeinen Umgestaltung des Schulwesens zu verstehen. Eine sachliche Darstellung muss beide Ebenen verbinden und darf die konkrete Erfahrung der betroffenen Schülerinnen und Lehrerinnen nicht hinter institutionellen Begriffen verschwinden lassen.
Der Systemwechsel lässt sich auch aus Schülerperspektive fassen. Unterrichtsmaterialien zur NS-Machtübernahme in Tirol greifen unter anderem auf Erinnerungen der früheren Ursulinenschülerin Inge Brüll zurück, die nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen diskriminiert wurde. Solche individuellen Zeugnisse zeigen, dass die Auflösung der Ordensschule keineswegs nur eine Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche war. Sie veränderte unmittelbar die Lebenswege von Kindern und Jugendlichen.
Gerade im Fall einer Mädchenschule ist diese Perspektive wichtig. Die Ursulinen hatten über Jahrhunderte einen konfessionell geprägten, aber relativ eigenständigen weiblichen Bildungsraum geschaffen. 1938 wurde dieser Raum beseitigt und durch eine staatlich kontrollierte Institution ersetzt. Die Geschichte des Klosters berührt damit Fragen von Religion, Geschlecht, Bildungspolitik, Verfolgung und ideologischer Erziehung zugleich.
Eine außergewöhnliche Folge der nationalsozialistischen Ausschaltung der Innsbrucker Bildungsarbeit war die Entsendung von vier Ursulinen nach Brasilien. 1939 gingen sie nach Jundiaí, um dort ein Waisenhaus zu übernehmen. Der Schritt war zunächst als neue Einsatzmöglichkeit für Schwestern gedacht, denen in Innsbruck ihre bisherige pädagogische Tätigkeit genommen worden war. Aus dieser Situation entstand jedoch schon 1940 eine eigenständige neue Gemeinschaft.
Die brasilianische Entwicklung wurde später als eigener Ordenszweig weitergeführt und steht heute in der Tradition der Missionárias de Cristo. Damit führte der politische Zwang in Österreich unbeabsichtigt zu einer transatlantischen Ausweitung ursulinisch geprägter Frauenarbeit. Für die Innsbrucker Klostergeschichte ist dieser Vorgang besonders bemerkenswert, weil er zeigt, wie eine lokale Ordensgemeinschaft auf radikale Einschränkung nicht nur mit Rückzug, sondern auch mit räumlicher und institutioneller Neuorientierung reagierte.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde auch die Ursulinenkirche durch Bombentreffer beschädigt. Der Wiederaufbau des Kirchenraumes setzte ab 1947 ein. Die Schule selbst konnte jedoch bereits im September 1945 wieder eröffnet werden. Trotz Wohnungsnot, Materialmangel und der schwierigen allgemeinen Lage nahmen die Schwestern Schule, Internat und Halbinternat wieder in Betrieb.
Dieser rasche Neubeginn unterstreicht, welche Bedeutung die Bildungsarbeit für den Konvent hatte. Schon im Herbst 1945 organisierte die Gemeinschaft auch eine Form der Nachmittagsbetreuung. Damit reagierte sie auf neue soziale Bedürfnisse der Nachkriegsgesellschaft. Die Wiedereröffnung war deshalb keine bloße Rückkehr zum Zustand von 1937, sondern der Beginn einer weiteren Anpassungsphase, in der sich die Schule zunehmend an moderne pädagogische und gesellschaftliche Anforderungen orientierte.
Im Zuge der Schulreformen wurde die bisherige Frauenoberschule 1963 in ein Wirtschaftskundliches Realgymnasium für Mädchen umgewandelt. In den folgenden Jahren stieg die Nachfrage nach höherer Schulbildung stark an. Die Zahl der Klassen wuchs, neue Fachräume wurden benötigt und die pädagogischen Vorstellungen von Schule veränderten sich. Der jahrhundertelang erweiterte Gebäudekomplex am Innrain konnte diese Anforderungen immer schlechter erfüllen.
Damit entstand eine Situation, die für historische Ordensschulen typisch war: Die zentrale innerstädtische Lage und die traditionsreichen Gebäude waren identitätsstiftend, wurden aber gleichzeitig zu einer funktionalen Begrenzung. Sanierung, Ausbau oder vollständiger Neubau mussten gegeneinander abgewogen werden. Die Ursulinen entschieden sich schließlich für den radikalsten Weg.
1971 beschloss der Konvent, Schule, Internat und Kloster neu zu errichten. Diese Entscheidung war weitreichender als ein gewöhnlicher Schulneubau. Eine Gemeinschaft, die seit 1705 in einem barocken Klosterkomplex im Zentrum Innsbrucks gelebt hatte, gab diesen historischen Standort als Lebens- und Bildungszentrum auf und entschied sich bewusst für eine moderne Anlage in der Höttinger Au.
Mit der Planung wurde Josef Lackner beauftragt. Die Wahl war programmatisch. Lackner stand nicht für eine historisierende Fortführung klösterlicher Architektur, sondern für eine eigenständige moderne Formensprache. Damit übertrugen die Ursulinen ihre alte Verbindung von Konvent, Schule und Schülerinnenwohnen in eine völlig neue räumliche Ordnung. Der Neubau ist deshalb nicht nur ein Kapitel der Architekturgeschichte, sondern eine Entscheidung der Ordensgemeinschaft über ihr eigenes Verständnis von Gegenwart und Zukunft.
Die zwischen 1971 und 1979 errichtete Anlage am Fürstenweg verbindet Schule, Internat und Kloster zu einem zusammenhängenden Ensemble. Charakteristisch sind große, flach gelagerte Baukörper, markante Stahlkonstruktionen und eine innere Raumlandschaft, in der Wege, Hallen und Plätze nicht bloß der Erschließung dienen, sondern Begegnung ermöglichen sollen. Die sichtbaren orangefarbenen Tragwerke mit ihren schrägen und dreieckigen Formen prägen das Gebäude bis heute.
Das Konzept reagierte auf pädagogische Ideen der Zeit, in denen Schule nicht mehr als Abfolge abgeschlossener Klassenzimmer an langen Korridoren verstanden wurde. Offenheit, Tageslicht, Kommunikation und differenzierte Aufenthaltsbereiche wurden selbst zu Bestandteilen der Lernumgebung. Die Ursulinen übernahmen damit eine Architektur, die den pädagogischen Wandel sichtbar machte. Das heute denkmalgeschützte Ensemble gilt als wichtiges Werk Josef Lackners und als bemerkenswerter österreichischer Schulbau des späten 20. Jahrhunderts.
Lackners Planung umfasste nicht nur das Gymnasium. Auch der neue Konvent und das Internat gehörten zum Gesamtkonzept. Damit wiederholte sich in moderner Form jene institutionelle Dreieinheit, die bereits 1705 am Innrain bestanden hatte: Ordensgemeinschaft, Schule und Wohnmöglichkeit für Schülerinnen. Die architektonische Sprache änderte sich radikal, die organisatorische Grundidee blieb jedoch erkennbar.
1979 übersiedelten die Schwestern und die Schule in die neue Anlage. Für die Geschichte des Ordens ist dieser Schritt besonders aufschlussreich, weil er zeigt, dass Traditionsbewusstsein nicht mit historisierender Formensprache gleichgesetzt wurde. Die Ursulinen bewahrten ihre pädagogische Aufgabe, ohne die alte Klosterarchitektur zu kopieren. Das Gebäude selbst wurde dadurch zu einer materiellen Aussage über das Selbstverständnis der Gemeinschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Mit der Übersiedlung verlor der barocke Klosterkomplex seine bisherige Funktion. Die Ursulinenkirche wurde 1978 profaniert; die Ausstattung wurde auf andere Kirchen verteilt. In den folgenden Jahren veränderte man den Innenraum grundlegend. Nach Plänen von Roman Schweighofer wurde auf Emporenhöhe eine Zwischendecke eingezogen, sodass zwei Veranstaltungssäle entstanden. Die heutige Nutzung als Ursulinensäle bewahrt zwar die äußere Hülle und Teile der historischen Raumstruktur, der ursprüngliche sakrale Gesamtraum ist jedoch nicht mehr vorhanden.
Bei den Jahreszahlen ist zu unterscheiden: 1978 bezeichnet die Profanierung und Aufgabe als Kirche, während tiefgreifende bauliche Veränderungen des Inneren in den folgenden Jahren erfolgten. Eine spätere Datierung der endgültigen Umgestaltung widerspricht daher dem Jahr 1978 nicht. Der Übergang vom Kirchenraum zum Veranstaltungsort war ein mehrstufiger Prozess.
Auch die übrige Klosteranlage wurde nach dem Auszug stark verändert. Gebäude westlich der Kirche wurden abgetragen und durch Neubauten ersetzt. Der historische Klostertrakt am Marktgraben blieb dagegen erhalten, wurde saniert und dient heute weitgehend der Musikschule der Stadt Innsbruck. Der frühere Klostergarten ging in der städtebaulichen Neuordnung auf und wurde teilweise durch die Ursulinenpassage ersetzt.
Damit blieb der alte Ursulinenort trotz des Endes der klösterlichen Nutzung ein Bildungs- und Kulturstandort. Wo einst Ordensfrauen Mädchen unterrichteten, befinden sich heute Musikschule, Konzert- und Veranstaltungsräume. Diese funktionale Nachgeschichte ist keine direkte institutionelle Fortsetzung des Klosters, schafft aber eine bemerkenswerte topographische Kontinuität: Der historische Komplex blieb zumindest teilweise ein Ort von Unterricht, Musik und öffentlicher Kultur.
Die Schulgeschichte hat lange Zeit fast alle anderen Bereiche des Innsbrucker Ursulinenklosters überstrahlt. Erst die jüngere volkskundliche Forschung zeigt, wie reich die materielle religiöse Kultur des Hauses war. Katharina Jug und Karl C. Berger untersuchten einen umfangreichen Bestand an Klosterarbeiten, den der Konvent dem Tiroler Volkskunstmuseum übergeben hat. Darin befinden sich fertige Devotionalien ebenso wie Rohmaterialien, Werkzeuge, Model und Halbfabrikate.
Diese Überlieferung ermöglicht einen seltenen Blick auf weibliche religiöse Arbeit innerhalb des Klosters. Die Schwestern erscheinen nicht nur als Lehrerinnen und Erzieherinnen, sondern auch als Produzentinnen und Gestalterinnen materieller Frömmigkeit. Reliquien wurden gefasst, Beschriftungen vorbereitet, Wachs- und Fischleimreliefs hergestellt und mit Metallfäden, Glasperlen, Textilien und Papier zu komplexen Andachtsobjekten verbunden.
Zum überlieferten Bestand gehören menschliche und Berührungsreliquien, kleine Textilien, Haare, Erde, Gestein, sogenannte Nepomukzungen, Skapuliere, Reisesegen und Reliquienanhänger. Solche Gegenstände wurden in der historischen Frömmigkeit nicht nach ihrem materiellen Wert beurteilt, sondern nach ihrer religiösen Beziehung zu Heiligen, Wallfahrtsorten oder gesegneten Dingen. Ihre kunstvolle Fassung steigerte Sichtbarkeit und Würde des jeweiligen Andachtsobjektes.
Für die Volkskunde ist gerade das Zusammenspiel von materieller Herstellung und zugeschriebener Wirkung wichtig. Ein Reisesegen war zugleich gestalteter Gegenstand und religiöse Versicherung für unterwegs; ein Skapulier verband Stoff, Zeichen und Bruderschaftsfrömmigkeit; Reliquienanhänger konnten körpernah getragen werden. Diese Objekte zeigen, wie religiöse Vorstellungen in handhabbare Dinge übersetzt wurden und im Alltag der Gläubigen präsent sein konnten.
Ein besonders ungewöhnliches Objekt ist ein sogenanntes Wehenfläschchen aus facettiertem Glas. Darin befindet sich ein kleiner Holzsplitter, der durch seine historische Beschriftung als Material vom Grab des hl. Aloisius von Gonzaga bezeichnet wird. Der Splitter ist mit Goldbouillon und Goldlahn kunstvoll gefasst. Der Name des Objektes verweist auf einen Zusammenhang mit Schutz- und Hilfsvorstellungen rund um Geburt und Geburtsnöte.
Wie genau das Fläschchen im Alltag verwendet wurde, lässt sich aus dem Gegenstand allein nicht vollständig rekonstruieren. Gerade deshalb ist wissenschaftliche Zurückhaltung notwendig. Sicher ist jedoch, dass im Konvent Dinge bewahrt und gestaltet wurden, deren Bedeutung über die offizielle Liturgie hinausreichte und in Bereiche körperlicher Gefahr, familiärer Sorge und privater Frömmigkeit führte. Das Objekt eröffnet damit einen seltenen Zugang zu weiblich geprägten religiösen Alltagserfahrungen.
Der Innsbrucker Bestand enthält außerdem Formen zur Herstellung von Agnus-Dei-Medaillons. Derartige Wachssakramentalien zeigten traditionell das Lamm Gottes, päpstliche Zeichen und den Namen des jeweiligen Papstes. In der katholischen Frömmigkeit wurden sie als gesegnete Schutzzeichen hoch geschätzt und in Reliquiaren, Andachtskästchen oder persönlichen Devotionalien verarbeitet.
Die erhaltenen Innsbrucker Model werfen allerdings quellenkritische Fragen auf. Einzelne Formplatten verbinden Motive verschiedener Pontifikate, die chronologisch nicht zu einem einzigen ursprünglichen Gussvorgang passen. Jug und Berger deuten dies vorsichtig als möglichen Hinweis auf spätere Repliken älterer Agnus-Dei-Typen. Auch die Materialreste verlangen weitere Untersuchungen. Für den Artikel ist deshalb nicht von 'echten' oder 'falschen' Agnus Dei zu sprechen, sondern von einer komplexen lokalen Nachbildung und Verarbeitung päpstlich geprägter Andachtsformen.
Die ungewöhnlichsten Stücke sind dünne Reliefbilder aus Hausenblase beziehungsweise Fischleim. Hausenblase, die getrocknete Schwimmblase des Belugastörs, lieferte nach dem Auskochen einen hochwertigen Leim. Dieser konnte in Model gegossen werden und bildete nach dem Trocknen dünne, elastische und teilweise transparente Reliefs. Durch Fassung und Bemalung ließ sich eine elfenbeinartige Wirkung erzielen.
Im Ursulinenbestand haben sich nicht nur fertige Reliefbilder, sondern auch Formen, Rohstoffe und Halbfabrikate erhalten. Dadurch kann die Herstellung wesentlich genauer rekonstruiert werden als bei vielen anderen Klosterarbeiten. Die Model bestehen teilweise aus einer Gipsmischung; einzelne Motive liegen mehrfach vor. Die Reliefs reichen von ungefähr zehn mal acht Zentimetern bis zu winzigen Formaten von rund eineinhalb Zentimetern. Dargestellt wurden Heilige und religiöse Szenen, die anschließend weiter gefasst, bemalt oder mit Draht- und Papierarbeiten kombiniert werden konnten.
Besonders aufschlussreich sind scheinbar unspektakuläre Materialien wie Bögen mit dicht gesetzten Heiligennamen. Daraus wurden kleine Cedulae ausgeschnitten, die später Reliquien oder Andachtsobjekte bezeichneten. Die platzsparende Anordnung und die Vorratshaltung solcher Beschriftungen zeigen, dass es sich nicht nur um spontane Einzelarbeiten handelte. Innerhalb des Konvents existierten wiederkehrende Arbeitsschritte und vorbereitete Materialien.
Damit lässt sich Klosterarbeit als organisierte Praxis verstehen. Religiöse Kleinkunst entstand aus der Verbindung von Handwerk, Wiederholung, Materialkenntnis und Andacht. Die Schwestern produzierten keine industrielle Massenware, doch der Bestand deutet darauf hin, dass bestimmte Motive in mehreren Exemplaren hergestellt wurden. Gerade diese Zwischenstellung zwischen individueller Andachtsarbeit und seriellem klösterlichem Handwerk macht den Innsbrucker Bestand kulturhistorisch besonders wertvoll.
Als sich um das 325-Jahr-Jubiläum 2016 aufgrund der Altersstruktur der Gemeinschaft abzeichnete, dass die traditionelle Konventsform langfristig nicht unverändert fortgeführt werden konnte, begann unter Oberin Sr. Hildegard Wolf eine systematische Sicherung historischer Bestände. An das Tiroler Landesarchiv gelangten 38 Laufmeter Akten und vier Laufmeter Bücher. Damit wurde ein ungewöhnlich großer Teil der schriftlichen Überlieferung des Frauenkonvents öffentlich gesichert.
Auch die Tiroler Landesmuseen übernahmen bedeutende Materialien. Die Historische Sammlung des Ferdinandeums erhielt 33 Kartons Fotoglasplatten und zehn Schachteln Kleinbilddias sowie weitere Bild- und Korrespondenzbestände. Das Volkskunstmuseum übernahm unter anderem Schülerarbeiten, Zeichenmappen und die Materialien zu den Klosterarbeiten. Für die zukünftige Forschung ist diese bewusste Verteilung auf öffentliche Archive und Museen außerordentlich wichtig, weil sie Schule, Alltagsleben, religiöse Praxis und visuelle Selbstüberlieferung des Konvents in ungewöhnlicher Dichte dokumentiert.
Die Altersstruktur der Gemeinschaft führte schließlich zu einer organisatorischen Trennung von Konvent und Schule. Mit dem Schuljahr 2012/13 übergaben die Ursulinen die Trägerschaft des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums an die Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. Das Schülerinnenheim ging an die Akademikerhilfe. Die Schule behielt ihren Namen und ihr ursulinisches Traditionsbewusstsein, wird aber seither nicht mehr unmittelbar vom Innsbrucker Konvent geführt.
2014/15 begann die Schule auch Buben aufzunehmen. Damit veränderte sich eine Institution, die 1691 ausdrücklich als Mädchenschule gegründet worden war, erneut grundlegend. Diese Öffnung beendet jedoch nicht die historische Bedeutung der Mädchenbildung, sondern macht sichtbar, wie sich ein ehemals geschlechtsspezifischer Bildungsauftrag in eine allgemeinere katholische Schultradition überführt hat.
Trotz der Übergabe der Schule ist der Innsbrucker Konvent nicht aufgehoben. Die Gemeinschaft gehört zur Föderation deutschsprachiger Ursulinen. Als Oberin wird Sr. Dr. Hildegard Wolf geführt; der Konvent hat seine Adresse in der Reimmichlgasse 2 in Innsbruck. Damit müssen drei Ebenen klar auseinandergehalten werden: der weiterhin bestehende Frauenkonvent, die inzwischen von der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs getragene Ursulinenschule und der profanierte historische Klosterkomplex am Innrain.
Diese Trennung ist für die gegenwärtige Wahrnehmung wichtig. Wer heute die ehemalige Ursulinenkirche am Innrain sieht, begegnet nicht dem aktuellen Wohnort der Ordensgemeinschaft. Umgekehrt ist die moderne Anlage am Fürstenweg keine gewöhnliche Schule ohne Klosterbezug, sondern aus dem Neubauprojekt der Ursulinen hervorgegangen und bis heute räumlich mit der Konventstradition verbunden. Innsbruck besitzt somit zwei deutlich voneinander getrennte, aber historisch zusammengehörige Ursulinenorte.
Die historische Bedeutung des Innsbrucker Ursulinenklosters liegt gerade in der Verbindung verschiedener Tätigkeitsfelder. Die gleichen Ordensfrauen, die Schülerinnen unterrichteten, Internate führten und höhere Schulformen entwickelten, lebten zugleich in einer religiösen Gemeinschaft, förderten Herz-Jesu-Frömmigkeit und bewahrten beziehungsweise produzierten Reliquien- und Andachtsobjekte. Bildung und Frömmigkeit waren deshalb nicht zwei voneinander unabhängige Bereiche des Hauses.
Für die Volkskunde eröffnet diese Verbindung einen besonders reichen Zugang. Schulbücher, Zeichensäle und Physikgeräte stehen neben Skapulieren, Agnus-Dei-Modeln und Fischleimreliefs; Klassenlisten neben Bruderschaftsüberlieferung; moderne Schularchitektur neben einem barocken Frauenkloster. Das Haus dokumentiert damit über drei Jahrhunderte, wie Frauen religiöse Gemeinschaft, pädagogische Arbeit, materielle Gestaltung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbanden.
Die Ursulinen haben Innsbruck weit über ihre heutige zahlenmäßige Präsenz hinaus geprägt. Generationen von Frauen erhielten im Konvent Unterricht; das Mädchenlyzeum war ein Meilenstein auf dem Weg zur höheren Frauenbildung; die frühe Herz-Jesu-Bruderschaft gehört zur Vorgeschichte einer später für ganz Tirol bedeutenden Frömmigkeitsform. Während der NS-Zeit wurde die Gemeinschaft aus ihrem zentralen Arbeitsfeld verdrängt, reagierte darauf aber unter anderem mit einer unerwarteten internationalen Ausweitung nach Brasilien.
Auch die beiden großen Baukomplexe erzählen diese Geschichte weiter. Der alte Standort am Innrain bewahrt trotz Profanierung und Umnutzung die sichtbaren Spuren des barocken Klosters, während Lackners Anlage am Fürstenweg für die bewusste Modernisierung der Ordensschule steht. Zusammen mit den umfangreichen Archiv- und Museumsbeständen bilden sie ein vielschichtiges Gedächtnis weiblicher Bildungs- und Religionsgeschichte in Innsbruck.
Franz-Heinz Hye: 300 Jahre Ursulinen in Innsbruck. Zur Geschichte von Kloster und Schule. In: Jahresbericht des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums der Ursulinen 1990/91, Innsbruck 1991, S. 11-20.
Sr. Margareta An der Lan: Aus dem Pensionatsleben. In: Jahresbericht des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums der Ursulinen 1990/91, Innsbruck 1991, S. 34-38.
Peter Paul Steinringer / Sr. Hildegard Wolf: Wenn Zeiten und Umstände es erfordern ... Der Beitrag der Innsbrucker Ursulinen zur Mädchenbildung in Tirol. In: notae 4, Innsbruck 2018, S. 139-158.
Peter Paul Steinringer / Sr. Hildegard Wolf: Innsbrucker Ursulinen gründen 1940 einen neuen Ordenszweig in Brasilien. In: notae 5, Diözesanarchiv Innsbruck.
Sr. Hildegard Wolf / Peter Paul Steinringer: Innsbrucker Ursulinen und die Herz-Jesu-Verehrung in Tirol. In: notae 6, Innsbruck 2023.
Katharina Jug / Karl C. Berger: Heiliges aus Fischleim - Materielle Blicke auf die Klosterarbeiten der Innsbrucker Ursulinen. Wissenschaftliches Jahrbuch der Tiroler Landesmuseen 14, S. 165-172.
Jahresberichte des Mädchen-Lyzeums, der Mädchenmittelschule und der Frauenoberschule der Frauen Ursulinen in Innsbruck, 1905-1937.
Johann-Adolph Heyl: Frauenbildung und Frauenwohlfahrt. Eine soziale Studie, angeregt durch die Gründung des Mädchenlyzeums in Innsbruck. Innsbruck 1907.
Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Tirol. Wien; Einträge zur ehemaligen Ursulinenkirche und zur Ursulinenschule Innsbruck.
Bundesdenkmalamt: Dokumentationen zur ehemaligen Ursulinenkirche sowie zum Ursulinenareal von Josef Lackner.
Diözesanarchiv Brixen: K.A., VP, 31, Visitationsakten 1704-1707, darunter Visitationen der Ursulinen in Innsbruck.
Tiroler Landesarchiv: Archivbestand des Ursulinenkonvents Innsbruck, übernommen aus dem Konventsarchiv; Akten- und Buchbestände zur Kloster- und Schulgeschichte.
Tiroler Landesmuseen / Ferdinandeum und Tiroler Volkskunstmuseum: Foto-, Schülerarbeits-, Andachts- und Klosterarbeitsbestände aus dem Ursulinenkonvent.
Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck: Bild- und Schriftquellen zum Ursulinenkloster am Innrain, zu Schule, Pensionat, Umbauten und späterer Umnutzung.
Gymnasium Ursulinen Innsbruck: Schulgeschichte, Konvent und aktuelle institutionelle Angaben.
Diözese Innsbruck: Dokumentation zur Herz-Jesu-Tradition in Tirol und zur ersten Herz-Jesu-Bruderschaft bei den Innsbrucker Ursulinen.
Vereinigung von Ordensschulen Österreichs: Unterlagen zur Trägerschaft und Entwicklung des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums Ursulinen.
Literatur und Dokumentation zu Josef Lackner und zur denkmalgeschützten Ursulinenschule Innsbruck, insbesondere Bundesdenkmalamt und architekturhistorische Bestandsaufnahmen.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |