| Kloster: | Ehemaliges Redemptoristenkolleg Innsbruck. 1827 gegründete Niederlassung der Kongregation des Heiligsten Erlösers mit Schwerpunkt Spitalsseelsorge, Volksmission, Beichte und Predigt; seit 1895/98 im neuromanischen Kloster- und Kirchenkomplex an der heutigen Maximilianstraße. |
| Orden: | Redemptoristen, Congregatio Sanctissimi Redemptoris (CSsR), 1732 durch Alfons Maria von Liguori gegründet; im deutschsprachigen Raum besonders durch Klemens Maria Hofbauer verbreitet. |
| Gründung: | 1827 in Innsbruck; 1828 offizielle Übernahme der Spitalsseelsorge. 1831 Übersiedlung zum Innrain. Neubau des Klosters ab 1895, Grundsteinlegung der Herz-Jesu-Kirche 1896, Weihe 1898. |
| Aufhebung: | 1848 vorübergehend staatlich aufgehoben, 1853 wieder zugelassen; 1941 nationalsozialistische Beschlagnahme und Vertreibung. Endgültige Aufgabe der Innsbrucker Niederlassung 2019. |
| Status: | Ehemaliges Redemptoristenkloster. Der Klosterbau wird heute als Studentenwohnheim genutzt; die ehemalige Herz-Jesu-Kirche wurde 2019 an die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde übergeben und weiterhin sakral genutzt. |
| Anlage: | Neuromanischer Klosterkomplex mit ehemaliger Herz-Jesu-Kirche, Innenhof und späteren Erweiterungen. Der historische Kirchenraum besitzt eine geschlossene späthistoristische Ausstattung; die frühere Hauskapelle stammt aus der Ausbauphase von 1985. |
| Ort: | Innsbruck. |
| Region: | Inntal, Tirol. |
| Land: | Österreich. |
| • | Ehemaliges Redemptoristenkloster und ehemalige Herz-Jesu-Kirche, Maximilianstraße 8, 6020 Innsbruck, Tirol, Österreich. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte Klöster und Stifte in Tirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Öffnungszeiten: Der ehemalige Klostertrakt ist heute Studentenwohnheim und nicht als Klostermuseum zugänglich. Die frühere Herz-Jesu-Kirche wird von der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde liturgisch genutzt; Besuche richten sich nach Gottesdiensten und Veranstaltungen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider noch keine vollständige Fotodokumentation dieser ehemaligen Klosteranlage.
Gesucht werden insbesondere Gesamtansichten des ehemaligen Klosters und der Herz-Jesu-Kirche, Fassaden, Innenhof, Kirchenraum, Hochaltar, Seitenaltäre, Kanzel, Orgel, Wandmalereien, Herz-Jesu-Darstellungen, Ikone der Mutter von der Immerwährenden Hilfe, Hinweise auf Klemens Maria Hofbauer und Alfons Maria von Liguori sowie - soweit zugänglich - Spuren der ehemaligen Hauskapelle, Bibliothek und des Studienhauses.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Das ehemalige Redemptoristenkloster in Innsbruck gehört zu jenen Ordensniederlassungen, deren Bedeutung weit über den eigentlichen Klosterstandort hinausreichte. Die Redemptoristen verstanden ihre Häuser nicht primär als kontemplative Klausurklöster, sondern als Stützpunkte missionarischer Seelsorge. Von Innsbruck aus wirkten die Patres in Spitälern, Pfarren und bei Volksmissionen im gesamten Tiroler Raum; später kamen Pfarrseelsorge, Klinikseelsorge, Ausbildung des Ordensnachwuchses und wissenschaftliche Arbeit hinzu. Die Geschichte des Hauses berührt daher Stadt- und Landesgeschichte, Frömmigkeitsgeschichte, Volkskunde, Sozialdisziplinierung, Herz-Jesu-Verehrung, Bildungswesen, NS-Verfolgung und die Frage nach der Nachnutzung aufgegebener Ordenshäuser.
Die Kongregation des Heiligsten Erlösers wurde 1732 durch Alfons Maria von Liguori gegründet. Ihr pastorales Programm richtete sich besonders an Menschen in ländlichen und sozial weniger gut betreuten Gebieten. Predigt, Beichte, Katechese, Volksmission und eine stark auf Christus, Maria und persönliche Umkehr ausgerichtete Frömmigkeit wurden charakteristisch. Im deutschsprachigen Raum war Klemens Maria Hofbauer für die Ausbreitung des Ordens von grundlegender Bedeutung. Von Wien aus entstanden im frühen 19. Jahrhundert neue Niederlassungen, zu denen Innsbruck sehr früh gehörte.
Die Gründung begann nicht mit einem fertigen Kloster, sondern mit einem komplizierten politischen und kirchlichen Aushandlungsprozess. 1825 bemühte sich der Innsbrucker Beamte Alois Joas um die Ansiedlung der Redemptoristen. Seine Vorstellung zielte zunächst darauf, die Patres in der Betreuung der studierenden Jugend einzusetzen. Parallel dazu versuchte Joseph Freiherr von Giovanelli, den Orden für eine Wiederbelebung des Theresianums zu gewinnen. Innsbruck sollte nach diesen Plänen also nicht nur ein seelsorglicher, sondern auch ein bildungspolitisch bedeutender Redemptoristenstandort werden.
Die Tiroler Behörden und Teile des Klerus standen dem Projekt jedoch skeptisch gegenüber. Kaiser Franz I. genehmigte zwar schließlich die Niederlassung, schränkte ihren Wirkungsbereich aber erheblich ein: Statt der geplanten Jugenderziehung wurde den Redemptoristen vor allem die Spitalsseelsorge zugedacht. Bereits an dieser Vorgeschichte zeigt sich ein Grundkonflikt, der die ersten Jahre prägte. Der neue Missionsorden brachte eine religiöse Dynamik mit, die nicht ohne weiteres in die noch stark josephinisch geprägte kirchliche und staatliche Ordnung Tirols passte.
Am 27. September 1827 trafen die ersten Redemptoristen in Innsbruck ein. Die junge Gemeinschaft bestand nur aus wenigen Patres und einem Laienbruder und verfügte zunächst über kein eigenes Kloster. Zwei Mietwohnungen dienten als erste Unterkunft. Die spätere monumentale Anlage in der Maximilianstraße darf daher nicht den Blick darauf verstellen, wie bescheiden und institutionell unsicher die Gründungsphase war.
Im April 1828 wurde den Redemptoristen die Seelsorge am städtischen Spital offiziell übertragen. Diese Aufgabe entsprach dem vom Kaiser bewilligten Wirkungsbereich und bildete zunächst den institutionellen Kern der Niederlassung. Die Patres betreuten Kranke und Sterbende, hörten Beichten, feierten Gottesdienste und begleiteten Menschen in einer Lebenssituation, in der medizinische Versorgung und religiöse Sorge eng miteinander verbunden waren.
Die ersten Redemptoristen wohnten zunächst im Palais Sarnthein im Bereich der Maria-Theresien-Straße. 1831 wechselten sie zum Innrain in das sogenannte Tschurtschenthaler- beziehungsweise Attlmayr-Haus. Mit diesem Standort verband sich eine engere Beziehung zur Johanneskirche, an der die Redemptoristen ab 1834 auch die Lokalkaplanei übernahmen.
Damit wurde die Innsbrucker Gemeinschaft stärker im städtischen Kirchenleben sichtbar. Neben der Spitalsseelsorge trat nun eine kontinuierliche öffentliche Predigt- und Beichttätigkeit. Die Niederlassung blieb allerdings weiterhin klein und finanziell verletzlich. Dass sie die Krisen der 1830er Jahre überstand, war keineswegs selbstverständlich.
Seit 1829 amtierte Bernhard Galura als Fürstbischof von Brixen. Die historische Forschung charakterisiert ihn als stark vom späten Josephinismus geprägt. Dem neuen Redemptoristenorden begegnete er mit erheblicher Zurückhaltung. Die Patres wurden bei ihm angezeigt, Gerüchte und Vorwürfe zirkulierten, und 1833 stand die Innsbrucker Niederlassung offenbar vor der Auflösung.
Diese Auseinandersetzung ist kirchengeschichtlich weit mehr als eine lokale Personalfrage. Die Redemptoristen standen für eine erneuerte katholische Frömmigkeit mit intensiver Beichte, emotionaler Predigt, Mission, Marienverehrung und stärkerer Bindung an Rom. Das josephinische Kirchenverständnis dagegen bevorzugte eine staatlich kontrollierte, rational geordnete und gegen außergewöhnliche religiöse Erscheinungen skeptische Seelsorge. Innsbruck wurde damit zu einem kleinen Schauplatz des Übergangs zwischen zwei katholischen Kulturen des 19. Jahrhunderts.
In dieser Krisenphase erscheint in der historischen Forschung eine Frau namens Maria Matzler, die als "Seherin" bezeichnet wird. Einige Innsbrucker Redemptoristen standen mit ihr in Verbindung. Die näheren Inhalte ihrer Visionen oder religiösen Aussagen sind in den bisher ausgewerteten Quellen nicht ausreichend dokumentiert, doch scheint die Verbindung zu den Patres zu jenen Umständen gehört zu haben, die Gerüchte und kirchliche Kritik verschärften.
Für die Religions- und Volkskunde ist dieser Hinweis bemerkenswert. Gerade im 19. Jahrhundert standen Visionen, Privatoffenbarungen und charismatische Frömmigkeitsformen häufig im Spannungsfeld zwischen populärer Verehrung und kirchlicher Kontrolle. Im Fall Maria Matzler ist quellenkritische Zurückhaltung geboten. Sicher ist bislang nur, dass sie in der frühen Geschichte des Innsbrucker Hauses eine Rolle spielte und dass Kontakte einzelner Patres zu ihr innerhalb der damaligen Konflikte wahrgenommen wurden.
Die Krise konnte überwunden werden. Der Redemptorist P. Kosmaček wurde nach Innsbruck entsandt und erreichte durch energisches und zugleich diplomatisches Vorgehen eine Stabilisierung des Hauses. Von besonderer Bedeutung war der Eintritt des wohlhabenden Innsbrucker Bürgersohnes Georg Tschurtschenthaler in die Kongregation. Durch die nun verfügbaren finanziellen Mittel konnte ein Haus bei der Johanneskirche erworben werden.
Die spätere Ordensgeschichtsschreibung bezeichnet diesen Schritt mit Recht als Rettung der Gründung. Erst dadurch erhielt die Gemeinschaft eine dauerhaftere materielle Grundlage. Zugleich zeigt der Vorgang, wie stark Ordensgründungen im 19. Jahrhundert von privaten Vermögen, Stiftungen und familiären Netzwerken abhängen konnten.
Als Alfons Maria von Liguori 1839 heiliggesprochen wurde, feierten die Innsbrucker Redemptoristen ein achttägiges Fest mit Predigten, Andachten und Prozessionen. Ein solches Fest war weit mehr als eine interne Ordensfeier. Der neue Orden machte seinen Gründer öffentlich bekannt und setzte zugleich ein sichtbares Zeichen seiner inzwischen gefestigten Stellung in der Stadt.
Für die Volkskunde wäre eine genauere Rekonstruktion dieses Festes besonders reizvoll. Prozessionsweg, Festdekoration, Predigtprogramm, Musik und Beteiligung städtischer Gruppen könnten zeigen, wie sich eine neue Heiligenverehrung in Innsbruck etablierte. Bereits der achttägige Umfang lässt auf eine intensive öffentliche Wirkung schließen.
Obwohl Volksmission zu den zentralen Aufgaben der Redemptoristen gehörte, konnten die Innsbrucker Patres diese Tätigkeit zunächst kaum ausüben. Staatliche und kirchliche Rahmenbedingungen waren gegen ausgedehnte Missionskampagnen skeptisch. Die frühen Erwartungen der Ordensleitung, von Innsbruck aus rasch im Land missionieren zu können, erfüllten sich daher nicht.
Diese Verzögerung ist historisch wichtig. Sie erklärt, weshalb zwischen der Gründung 1827 und der ersten sicher belegten Tiroler Volksmission mehr als ein Jahrzehnt liegt. Erst in den 1840er Jahren konnten die Patres ihre eigentliche missionarische Identität in Tirol voll entfalten.
Die erste belegte Redemptoristenmission in Tirol fand 1840 in Landeck statt. Der Beginn war bemerkenswert vorsichtig. Der dortige Kurat beantragte beim Konsistorium offiziell lediglich, das Vierzigstündige Gebet von Redemptoristen halten und um einige Tage verlängern zu lassen. Tatsächlich entwickelte sich daraus eine Volksmission.
Der Erfolg war offenbar erheblich. Der Dekan von Zams berichtete positiv an das Brixner Ordinariat und wünschte sich solche Missionen auch für weitere Orte. Damit begann jener Prozess, durch den Innsbruck vom städtischen Spitalseelsorgehaus zum Ausgangspunkt eines Missionsnetzes im Tiroler Raum wurde.
Die ersten Redemptoristen orientierten sich an der Missionsmethode des Ordensgründers Alfons Maria von Liguori. Dieses Modell war jedoch für süditalienische Verhältnisse entwickelt worden. Sprache, Dorfstruktur, kirchliche Organisation und religiöse Gewohnheiten in Tirol unterschieden sich grundlegend. Zwischen 1840 und 1848 mussten die Missionare daher ihre Methode an den mitteleuropäischen Kulturraum anpassen.
Gerade dieser Anpassungsprozess ist für die Volkskunde bedeutsam. Mission war nicht bloß ein von außen eingeführtes Programm, sondern ein Aushandlungsprozess zwischen Ordensmodell und lokaler Gesellschaft. Predigtdauer, Themen, Tagesablauf und Zielgruppen wurden verändert. Aus einer ursprünglich neapolitanischen Missionsform entwickelte sich eine in Tirol funktionierende Variante.
Eine Volksmission bestand nicht aus einer einzelnen Predigt. Über mehrere Tage oder Wochen hinweg wurde eine Pfarre mit einem dichten religiösen Programm erfasst. Früh- und Abendpredigten, Katechesen, Beichten, Kommunion, Andachten und besondere Veranstaltungen für unterschiedliche Gruppen sollten eine umfassende religiöse Erneuerung bewirken.
Das Ziel war nicht nur persönliche Frömmigkeit. Die Missionare griffen bewusst in Alltagsverhalten und soziale Beziehungen ein. Ehekonflikte, Sonntagsheiligung, Alkoholkonsum, Tanz, Sexualmoral, Wirtshausbesuch, Gebetspraxis und familiäre Ordnung konnten Gegenstand der Predigt werden. Mission war daher gleichermaßen religiöse Mobilisierung und moralische Sozialdisziplinierung.
Ein weiterer früher Missionsort ist Ehrwald. Dort hielten Innsbrucker Redemptoristen 1848 eine Volksmission. Die Erinnerung daran blieb so positiv, dass anschließend eine Stiftung eingerichtet wurde, aus deren Mitteln die Mission regelmäßig, nach der Pfarrüberlieferung im Abstand von zehn Jahren, wiederholt werden sollte.
Landeck und Ehrwald sind nur zwei sicher nachweisbare Beispiele. Die Ordensliteratur zeigt, dass die Innsbrucker Patres im Lauf des 19. Jahrhunderts in zahlreichen Tiroler Pfarren tätig waren. Eine vollständige Kartierung dieser Missionsorte wäre ein eigenes Forschungsprojekt und könnte sichtbar machen, welche Täler und sozialen Räume von der Innsbrucker Niederlassung besonders intensiv erreicht wurden.
Volksmissionen hinterließen häufig materielle Erinnerungszeichen. In vielen Orten wurden Missionskreuze errichtet oder bestehende Kreuze mit Jahreszahlen versehen. Solche Objekte markierten die zeitlich begrenzte Mission dauerhaft im Ortsbild und erinnerten die Bevölkerung an Versprechen, Beichten oder religiöse Neuorientierungen.
Für die Innsbrucker Redemptoristen wäre eine systematische Erfassung dieser Missionskreuze besonders wertvoll. Sie könnte die schriftlichen Missionsberichte durch materielle Quellen ergänzen. Gerade weil Missionskreuze oft bis heute vorhanden sind, bilden sie eine Verbindung zwischen der Ordensgeschichte und der religiösen Landschaft Tirols.
Die Wirkung einer Volksmission sollte nach dem Abzug der Patres weitergehen. Dazu dienten kleine Gebets- und Andachtsbücher. Bereits 1826 war ein "Katholisches Missionsbüchlein oder Anleitung zu einem christlichen Lebenswandel" erschienen. Es enthielt Gebete, Lebensregeln, Beichtvorbereitung und geistliche Anweisungen.
Die Ordensforschung bezeichnet solche Bücher treffend als "gedruckte Mission". Sie machten aus einer zeitlich begrenzten religiösen Intensivphase ein dauerhaft verfügbares Medium. In Haushalten konnten solche Hefte über Jahre weitergelesen, weitergegeben und teilweise über Generationen aufbewahrt werden. Sie sind deshalb wichtige Quellen für die religiöse Gebrauchskultur des 19. Jahrhunderts.
Die Revolution von 1848 unterbrach die gerade wachsende Missionstätigkeit. In Österreich wurden die Redemptoristen aufgehoben, die Gemeinschaften mussten sich auflösen oder das Land verlassen. Für Innsbruck bedeutete dies das vorläufige Ende einer mehr als zwanzigjährigen Aufbauphase.
Die Unterbrechung dauerte jedoch nicht dauerhaft an. 1853 wurde die Kongregation wieder zugelassen. Damit begann eine zweite Phase, in der die Volksmission nun wesentlich freier und auf breiterer Grundlage betrieben werden konnte.
Nach der Wiederzulassung nahm die Missionstätigkeit erneut zu. Gleichzeitig entwickelte sich innerhalb des Ordens eine intensive Diskussion über die richtige Form moderner Volksmission. Einzelne Redemptoristen forderten längere Missionen, eigene Kinderprogramme und eine stärkere Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen.
Unter Provinzial Andreas Hamerle gewann die Mission ab 1880 neuen Schwung. Auch von Innsbruck aus wurden wieder Missionen organisiert. Spätestens jetzt war die Niederlassung eindeutig ein regionales Missionszentrum und nicht mehr bloß ein Haus für Spitals- und Stadtseelsorge.
Trotz des wachsenden Wirkungsradius besaß der Orden jahrzehntelang keinen großen eigenen Klosterkomplex. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand der Plan für einen Neubau in der Nähe des damals neuen Innsbrucker Krankenhauses. Die Wahl des Standortes knüpfte indirekt an die alte Verbindung zur Spitalsseelsorge an und bot zugleich Raum für eine große Kirche und ein modernes Ordenshaus.
1895 wurde ein Bauverein gegründet. Bereits am 2. November desselben Jahres konnte beim Klosterbau Firstfeier gehalten werden. Der Neubau war damit ein ausgesprochen rasch vorangetriebenes Projekt und zeigt, welche Unterstützung die Redemptoristen inzwischen in Stadt und Land fanden.
Der Kirchenbau fiel bewusst in die Zeit des hundertjährigen Gedenkens an das Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis von 1796. Zur Finanzierung wurde ein eigener Herz-Jesu-Verein gegründet. Die neue Kirche sollte daher nicht nur Klosterkirche sein, sondern zugleich ein monumentales Zeichen der Herz-Jesu-Frömmigkeit.
Diese Verbindung ist für die Tiroler Kulturgeschichte von großer Bedeutung. Herz-Jesu-Frömmigkeit war im 19. Jahrhundert eng mit dem historischen Selbstverständnis des Landes verbunden. Gelöbniserneuerungen, Prozessionen, Fahnen, Andachtsbilder, Vereine und später auch die Herz-Jesu-Feuer bildeten ein Geflecht religiöser und patriotischer Erinnerung. Der Neubau der Redemptoristen wurde in genau dieses Milieu hineingestellt.
Die Pläne für den neuen Komplex stammen von Peter Huter; die Bauleitung lag bei Alfons und Franz Mayr. Das Kloster wurde als neuromanischer zweiflügeliger Eckbau ausgeführt, der gemeinsam mit der Kirche einen Innenhof umschließt. Rundbogenfenster, Gesimse und Blendbögen verleihen dem Bau eine bewusst historisierende Formensprache.
Die Wahl des neuromanischen Stils entsprach der kirchlichen Architektur des späten 19. Jahrhunderts. Romanische Formen galten als monumental, traditionsbewusst und zugleich klar von der barocken Stadtarchitektur unterscheidbar. Das Redemptoristenkloster setzte damit im westlichen Erweiterungsgebiet Innsbrucks einen deutlich sichtbaren konfessionellen Akzent.
Am 17. Mai 1896 wurde der Grundstein der neuen Herz-Jesu-Kirche gelegt. Der Zeitpunkt lag bewusst im Jubiläumsjahr des Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnisses. Am 25. Mai 1898 konsekrierte der Brixner Fürstbischof Simon Aichner die Kirche.
Der Bau war als große neuromanische Emporenbasilika konzipiert und bot etwa tausend Personen Platz. Damit war von Anfang an klar, dass es sich nicht um eine kleine Hauskirche der Ordensgemeinschaft handelte. Die Herz-Jesu-Kirche war auf öffentliche Predigt, Gottesdienste, Beichte, Vereinsfeiern und große Andachten ausgerichtet.
Die Straßenfassade wird vom mächtigen Mittelturm beherrscht. In der ikonographischen Gestaltung erscheinen das Herz Jesu und die beiden zentralen Redemptoristenheiligen Alfons Maria von Liguori und Klemens Maria Hofbauer. Bereits die Außenarchitektur verbindet damit das allgemeine Herz-Jesu-Patrozinium mit der spezifischen Ordensidentität.
Der Bau wurde zu einem markanten Bestandteil der Maximilianstraße und blieb dies auch nach dem Ende des Ordens. Trotz der heutigen orthodoxen Nutzung ist die ursprüngliche redemptoristische Prägung an Bauform und Ausstattung weiterhin deutlich ablesbar.
Die Kirche erhielt eine weitgehend geschlossene Ausstattung des späten Historismus. Marmoraltäre, Skulpturen und großflächige Wandmalereien schufen einen Gesamtraum, dessen religiöse Bildsprache eng mit Herz-Jesu-Frömmigkeit, Marienverehrung und Ordensgeschichte verbunden war. Die Ausmalung orientierte sich am Nazarenerstil und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollendet.
Die Ausstattung macht die Herz-Jesu-Kirche zu einem wichtigen Zeugnis jener katholischen Bildwelt, die um 1900 in vielen neuen Kirchen entstand. Anders als barocke Kirchen strebte man keine illusionistische Raumauflösung an, sondern eine klare, erzählende und lehrhafte Bildsprache.
Eine zentrale Marienverehrung der Redemptoristen gilt der "Mutter von der Immerwährenden Hilfe". Papst Pius IX. hatte dem Orden 1866 die Sorge um die berühmte Ikone in Rom übertragen. Von dort aus verbreiteten die Redemptoristen Kopien des Bildes weltweit.
Auch in Innsbruck prägte diese Verehrung das religiöse Leben. Jeden Mittwoch wurde eine Marienstunde gehalten; der 27. Juni als Festtag der Mutter von der Immerwährenden Hilfe erhielt besondere Bedeutung. Die Ikone verband den Innsbrucker Konvent mit der internationalen Frömmigkeitskultur des Ordens.
Ein besonders bemerkenswertes volkskundliches Objekt ist das Heilige Grab, das der Redemptorist P. J. Weilharter 1904 für die Herz-Jesu-Kirche schuf. Heilige Gräber gehören zu den charakteristischen Formen der Tiroler Karwochenfrömmigkeit. Sie verbanden biblische Darstellung, liturgische Andacht, Lichtinszenierung und teilweise eine geradezu theaterhafte Raumgestaltung.
Das Innsbrucker Redemptoristen-Heiliggrab blieb erhalten und wurde später als Leihgabe in der Landhauskapelle verwendet. Dadurch besitzt es eine Objektbiographie, die über das Kloster hinausreicht. Selbst nach dem Ende des Redemptoristenhauses blieb ein konkretes Zeugnis seiner Frömmigkeitskultur im öffentlichen religiösen Leben Tirols präsent.
Die Redemptoristen hielten erstaunlich lange an ihrer ursprünglichen Aufgabe fest. Erst 1910 gaben sie die Spitalsseelsorge vollständig auf. Als Grund wird ausdrücklich auch die zunehmende Zahl der Volksmissionen genannt, die immer mehr personelle Kräfte beanspruchten.
Damit zeigt sich eine Verschiebung der Ordensidentität. Was 1827 als staatlich begrenzte Spitalsseelsorge begonnen hatte, war inzwischen zu einem weit ausgreifenden Missionszentrum geworden. Der Rückzug aus dem Spital bedeutete daher weniger einen Verlust als eine Konzentration auf das inzwischen wichtigste Apostolat.
Im Ersten Weltkrieg wurde ein Teil des Klosters als Spital beziehungsweise Rekonvaleszentenheim für Soldaten genutzt. Der Ordensbau erhielt damit erneut eine Funktion, die an die frühe Geschichte der Gemeinschaft in der Krankenseelsorge erinnerte, nun allerdings unter den Bedingungen eines industrialisierten Krieges.
Die Kirche wurde ebenfalls unmittelbar vom Krieg betroffen. Glocken mussten für Rüstungszwecke abgegeben werden. 1918 kam es zudem zum Diebstahl von Altargegenständen. Solche Verluste waren für viele Kirchen dieser Zeit charakteristisch und zeigen, wie tief der Krieg in die materielle Religionskultur eingriff.
Zu Allerseelen 1919 fand in der Herz-Jesu-Kirche ein bemerkenswerter Gedenkgottesdienst statt. Angehörige der in Innsbruck stationierten italienischen 8. Division gedachten ihrer Gefallenen; auch österreichische Offiziere nahmen teil. Nur wenige Monate nach Ende des Krieges wurde die ehemalige Redemptoristenkirche damit zu einem Ort grenzüberschreitenden militärischen Totengedenkens.
Die Episode zeigt, wie rasch ein stark mit Tiroler Landesfrömmigkeit verbundenes Gotteshaus in eine neue politische Situation eingebunden wurde. Der Kirchenraum blieb religiös, seine symbolische Bedeutung konnte sich jedoch je nach historischem Kontext verändern.
In den frühen 1920er Jahren war die Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten zeitweise geschlossen. Um dennoch Zugang und Sicherheit miteinander zu verbinden, sammelte man 1923 für ein neues Kirchengitter. Es wurde von der Innsbrucker Kunstschlosserei Platzer hergestellt und zu einem erheblichen Teil durch Spenden finanziert.
Gleichzeitig wurden neue Glocken und elektrische Beleuchtung angeschafft, und ein Kirchenchorverein entstand. Solche scheinbar kleinen Nachrichten sind sozialgeschichtlich wichtig. Sie zeigen, dass die Herz-Jesu-Kirche nicht allein vom Orden getragen wurde, sondern von einem breiten städtischen Milieu aus Spendern, Vereinen, Gottesdienstbesuchern und freiwilligen Helfern.
1941 wurden die Redemptoristen aus ihrem Kloster vertrieben. Der Gebäudekomplex wurde beschlagnahmt und unter anderem als Heim für Krankenschwestern genutzt. Die nationalsozialistische Aufhebung unterbrach Ordensleben, Seelsorge und Ausbildung und reihte das Haus in die zahlreichen Innsbrucker Klöster ein, deren Gemeinschaften während des Regimes vertrieben oder enteignet wurden.
Nach 1945 erhielten die Redemptoristen das Haus zurück. Der Komplex war inzwischen schwer beschädigt und musste schrittweise wiederhergestellt werden. Die Nachkriegszeit war daher gleichzeitig Rückkehr und materieller Neubeginn.
1950 erhielt die Herz-Jesu-Kirche eine neue Funktion als Pfarrkirche beziehungsweise zunächst Pfarrvikariat für das umliegende Stadtgebiet. Damit wandelte sich das Redemptoristenhaus teilweise von einem Missionsstützpunkt zu einem regulären städtischen Pfarrzentrum.
Diese Entwicklung entsprach dem starken Wachstum Innsbrucks nach dem Zweiten Weltkrieg. Neue Wohngebiete benötigten feste seelsorgliche Strukturen. Die große Herz-Jesu-Kirche eignete sich dafür besonders. Die Redemptoristen leiteten die Pfarre bis 1993.
1968 übernahmen die Redemptoristen erneut eine Aufgabe in der Krankenhausseelsorge, diesmal im Bereich der Innsbrucker Kliniken. Gleichzeitig wurde das Kloster zum Studentatshaus der österreichischen Provinz. Nachdem die ordenseigene theologische Hochschule in Mautern geschlossen worden war, lebten die jungen Redemptoristen in Innsbruck und studierten an der Universität.
Damit erhielt das Haus eine neue Bildungsfunktion. Gemeinschaftsleben, Studium, Seelsorge und universitäre Ausbildung wurden miteinander verbunden. Diese Phase knüpft in gewisser Weise an die ursprüngliche Idee von 1825 an, in Innsbruck ein Haus für die Arbeit mit Studierenden und für theologische Bildung zu schaffen.
Mit dem Studentat und der theologischen Ausbildung war eine umfangreiche Bibliothek verbunden. Ihre genaue historische Bandzahl ist bislang nicht abschließend dokumentiert, doch die spätere Auflösung des Hauses zeigt ihren wissenschaftlichen Wert. Als das Kolleg aufgegeben wurde, übernahm die Theologische Fakultät der Universität Innsbruck ausdrücklich die historisch interessanten und wissenschaftlich wertvollen Bücher.
Damit ist gesichert, dass die Bibliothek über eine bloße Haus- und Andachtssammlung hinausging. Sie diente Studium, Predigtvorbereitung, Missionsarbeit und wissenschaftlicher Theologie. Der Bestand gehört heute nicht mehr geschlossen zum ehemaligen Kloster, doch seine Übernahme durch die Universität bewahrt einen wesentlichen Teil der intellektuellen Geschichte des Hauses.
Bei der Auflösung der Niederlassung wurde auch das Archiv geordnet. Die Klosterakten gingen in das Provinzarchiv der Redemptoristen nach Wien. Kunstwerke und liturgische Gegenstände wurden teilweise auf andere Ordenshäuser verteilt.
Diese Zerstreuung ist für die Forschung problematisch und zugleich typisch. Das ehemalige Kloster ist heute nicht mehr der alleinige Aufbewahrungsort seiner Geschichte. Wer seine Vergangenheit untersuchen will, muss Quellen in Innsbruck, Wien und gegebenenfalls in weiteren Redemptoristenhäusern zusammenführen.
1985 wurde der Klosterbau aufgestockt. Im neuen oberen Bereich entstand eine Hauskapelle. Die Erweiterung zeigt, dass das Haus trotz sinkender Ordenszahlen noch einmal an moderne Bedürfnisse angepasst wurde.
Der heutige Bauzustand entspricht daher nicht vollständig dem Komplex der Jahre 1895 bis 1898. Für die bauhistorische Dokumentation ist zwischen dem historistischen Kern und den späteren Umbauten des 20. Jahrhunderts zu unterscheiden.
In den 1980er Jahren wurde die Herz-Jesu-Kirche umfassend restauriert. Am 10. Oktober 1987 konnte Bischof Reinhold Stecher sie wiedereröffnen. Die Restaurierung war denkmalpflegerisch bedeutsam, weil sie die historistische Ausstattung zu einer Zeit bewahrte, in der Bauten des späten 19. Jahrhunderts noch nicht überall dieselbe Wertschätzung genossen wie mittelalterliche oder barocke Kirchen.
Dadurch blieb ein weitgehend geschlossener Raum der katholischen Frömmigkeits- und Kunstgeschichte um 1900 erhalten. Diese Kontinuität wurde später zur Voraussetzung dafür, dass auch die orthodoxe Nachnutzung nicht in einem völlig entleerten oder profanierten Bau stattfand.
Seit dem späten 20. Jahrhundert ging die Zahl der Redemptoristen in Österreich deutlich zurück. Die Ausbildungsstrukturen mussten mehrfach angepasst werden. Ende der 1990er Jahre wurden die wenigen Theologiestudenten stärker mit anderen Ausbildungsgemeinschaften verbunden.
Das Innsbrucker Haus blieb dennoch zeitweise Noviziats- und Ausbildungsort. Die Entwicklung zeigt die Schwierigkeit vieler großer Ordenshäuser: Ein für zahlreiche Patres, Studenten und seelsorgliche Aufgaben errichteter Komplex konnte bei kleiner werdender Gemeinschaft nur noch mit großem Aufwand erhalten werden.
2018 fiel die Entscheidung, das Innsbrucker Redemptoristenhaus aufzugeben. Die tatsächliche Niederlassung bestand jedoch noch bis zum 28. Juli 2019. An diesem Tag verabschiedeten sich die Redemptoristen nach mehr als 190 Jahren aus Innsbruck und Tirol.
Diese Datierung ist wichtig, weil zwischen dem Beschluss zur Aufgabe und dem tatsächlichen Ende der Gemeinschaft unterschieden werden muss. Die lange Geschichte endete nicht abrupt, sondern in einem geordneten Übergangsprozess, bei dem Kirche, Bibliothek, Archiv und Klostergebäude unterschiedlichen neuen Nutzungen zugeführt wurden.
Am 9. März 2019 wurde die Herz-Jesu-Kirche feierlich an die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde übergeben. Die Redemptoristen feierten darin noch bis zu ihrem Weggang Ende Juli ihre Gottesdienste. Am 21. September 2019 folgte eine erste feierliche orthodoxe Liturgie.
Diese Nachnutzung ist außergewöhnlich. Die Kirche wurde weder profaniert noch kommerziell umgenutzt, sondern blieb Sakralraum. Damit setzt sich die religiöse Nutzung ohne Unterbrechung fort, auch wenn Liturgie, Ausstattungsschwerpunkte und konfessioneller Kontext sich grundlegend veränderten.
Die ehemalige Herz-Jesu-Kirche ist heute ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie ein historischer Kirchenraum in eine andere christliche Tradition überführt werden kann. Die neuromanische Architektur, die katholisch-redemptoristische Bildwelt und die orthodoxe Liturgie treten in einen neuen Zusammenhang.
Für die Religionsgeschichte Innsbrucks besitzt dieser Vorgang große Bedeutung. Er zeigt nicht nur den Rückgang einer katholischen Ordensgemeinschaft, sondern zugleich das Wachstum orthodoxer Gemeinden in einer durch Migration veränderten Stadtgesellschaft. Der ehemalige Redemptoristenraum bleibt damit lebendige Religionsgeschichte.
Der ehemalige Klostertrakt wurde einer neuen weltlichen Nutzung zugeführt. Er wird heute als Studentenwohnheim betrieben. Nach einer umfassenden Sanierung stehen dort zahlreiche Einzelzimmer zur Verfügung.
Die Umnutzung ist bemerkenswert, weil das Haus damit erneut mit Bildung und studentischem Leben verbunden ist. Zwar besteht kein inhaltlicher Zusammenhang mehr mit dem früheren Studentat der Redemptoristen, doch die Funktion als Wohnort junger Studierender bildet eine unerwartete Kontinuität.
Mit dem Weggang des Ordens verschwand die redemptoristische Tradition nicht vollständig aus Innsbruck. Der Klemens-Hofbauer-Freundeskreis setzte seine Arbeit fort. Die Gemeinschaft erhielt eine Ikone der Mutter von der Immerwährenden Hilfe und bewahrte damit eines der zentralen Frömmigkeitssymbole des Ordens.
Solche Vereine sind für die Volkskunde besonders interessant. Eine Ordensgemeinschaft kann institutionell verschwinden, während Gebetsformen, Bilder, Erinnerungen und soziale Netzwerke weiterbestehen. Das religiöse Erbe wird dadurch von einer klösterlichen zu einer laiengetragenen Form transformiert.
Das Innsbrucker Redemptoristenkloster besitzt eine außergewöhnlich breite volkskundliche Bedeutung. Die frühe Verbindung mit einer als Seherin bezeichneten Frau verweist auf das Spannungsfeld zwischen außerordentlicher Frömmigkeit und kirchlicher Kontrolle. Die Volksmissionen zeigen religiöse Kommunikation, moralische Normierung und lokale Aneignung. Das Missionsbüchlein steht für religiöse Gebrauchsliteratur, Missionskreuze für materielle Erinnerungszeichen.
Die Herz-Jesu-Kirche wiederum verbindet Religion und Tiroler Landesgedächtnis. Herz-Jesu-Verein, Gelöbniserinnerung, Prozessionen und Bilder gehören zu jener religiösen Kultur, in der sich katholische Frömmigkeit und regionale Identität gegenseitig verstärkten. Das Heilige Grab von 1904 führt in die Tiroler Karwochen- und Passionsfrömmigkeit, die Ikone der Immerwährenden Hilfe in eine internationale redemptoristische Bildkultur.
Die Volksmission bildet den eigentlichen Schlüssel zum Verständnis des Innsbrucker Redemptoristenklosters. Fast alle anderen Funktionen lassen sich darauf beziehen. Spitalsseelsorge und Beichte schulten jene pastoralen Fähigkeiten, die Missionare benötigten; das große Kloster bot Raum für Vorbereitung und Erholung; die Bibliothek versorgte Prediger und Studenten mit theologischer Literatur; die Herz-Jesu-Kirche war selbst ein Ort intensiver Predigt- und Andachtskultur.
Von Innsbruck aus wurde religiöse Praxis in zahlreiche Tiroler Gemeinden getragen. Zugleich kehrten Erfahrungen aus den Pfarren in das Kloster zurück und veränderten die Missionsmethode. Das Haus war damit nicht nur Zentrum, sondern Knotenpunkt eines ständigen Austauschs zwischen Ordensmodell und regionaler Gesellschaft.
Mehrere Bereiche verdienen weitere Vertiefung. Besonders wünschenswert wäre eine vollständige Liste der von Innsbruck aus betreuten Volksmissionen. Pfarrchroniken, Missionsberichte und Missionskreuze könnten dafür miteinander verglichen werden. Auch Maria Matzler sollte anhand der von Otto Weiss genannten Quellen genauer untersucht werden, bevor ihre Rolle im Detail dargestellt wird.
Ebenso fehlen noch genaue Angaben zur historischen Bibliothek, zu ihren Altbeständen und Provenienzen. Für die NS-Zeit wären Beschlagnahmeakten und Hauschroniken auszuwerten. Die Baugeschichte der Maximilianstraße könnte durch Originalpläne und Fotografien ergänzt werden. Schließlich wäre eine Dokumentation der heutigen orthodoxen Nutzung kulturhistorisch wertvoll, weil sie die jüngste Schicht eines weiterhin lebendigen Sakralraumes festhält.
Das ehemalige Redemptoristenkloster Innsbruck ist heute kein Ordenshaus mehr, doch seine Geschichte bleibt im Stadtbild und in der religiösen Landschaft Tirols deutlich präsent. Die Niederlassung begann 1827 unter schwierigen politischen Bedingungen, wurde zum Zentrum der Tiroler Volksmission, erhielt um 1900 einen monumentalen Neubau und prägte über Generationen Beicht-, Missions-, Pfarr- und Klinikseelsorge.
Mit der Auflösung 2019 endete diese Geschichte institutionell, nicht aber materiell. Bibliothek, Archiv, Heiliges Grab, Ikone, Kirche und Gebäude fanden neue Orte und Funktionen. Die ehemalige Herz-Jesu-Kirche blieb sogar Sakralraum. Gerade diese Weiterverwendung macht das Haus zu einem besonders anschaulichen Beispiel dafür, wie religiöse Institutionen verschwinden können, während ihre Räume, Objekte und Erinnerungen in neuen Zusammenhängen weiterleben.
Eduard Hosp: 100 Jahre Redemptoristen in Tirol. Innsbruck 1928.
Eduard Hosp: Erbe des hl. Klemens Maria Hofbauer. Erlösermissionäre in Österreich. Wien 1953.
Otto Weiss: Studien zur Geschichte der Redemptoristen im deutschen Sprachraum, insbesondere zur Gründung des Innsbrucker Hauses und zu den Konflikten der frühen Jahre.
Alfred Schedl: Untersuchungen zur Geschichte und Entwicklung der österreichischen Redemptoristenmission im 19. Jahrhundert; insbesondere zur Anpassung der alfonsianischen Missionsmethode an Tirol und Österreich.
Franz Caramelle / Richard Frischauf: Die Stifte und Klöster Tirols. Innsbruck 1985.
Im Dienst der Erlösung. Redemptoristen in Tirol - 100 Jahre Herz-Jesu-Kirche in Innsbruck. Festschrift, Innsbruck 1998.
175 Jahre Redemptoristen in Tirol. Festschrift, Innsbruck 2003.
Klemensblätter der Redemptoristen, Jahrgang 2019: Rückblick auf die Innsbrucker Niederlassung, Weggang der Gemeinschaft und Weitergabe von Bibliothek, Archiv und Kultgegenständen.
Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck: Stadtchronik und Beiträge zur Herz-Jesu-Kirche, zum Bau 1895-1898, zum Ersten Weltkrieg, zu den 1920er Jahren und zur späteren Nutzung.
Diözese Innsbruck und Pfarrchroniken: Hinweise auf Volksmissionen der Innsbrucker Redemptoristen, darunter Landeck 1840 und Ehrwald 1848.
Land Tirol: Dokumentation des Heiligen Grabes von 1904 aus der ehemaligen Herz-Jesu-Kirche.
Ordensgemeinschaften Österreich: Dokumentation zur Auflösung des Innsbrucker Redemptoristenkollegs und zur Übernahme wissenschaftlich wertvoller Bibliotheksbestände durch die Theologische Fakultät der Universität Innsbruck.
Dokumentation der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde und religionskundliche Dokumentationen zur Übergabe und heutigen Nutzung der ehemaligen Herz-Jesu-Kirche.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |