| Kloster: | Ehemaliges Kloster der Barmherzigen Schwestern in Imst, im lokalen Sprachgebrauch vielfach "Klösterle" genannt. |
| Orden: | Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul; ursprünglich aus dem Zammer Gründungskreis hervorgegangen, im 19. Jahrhundert in die gemeinsame Tiroler Ordensstruktur eingebunden und später der Innsbrucker Kongregation zugeordnet. |
| Gründung: | Erste Tätigkeit der Barmherzigen Schwestern in Imst ab den frühen 1830er Jahren; institutionelle Einrichtung des Klosters 1834. Die Hauskapelle wurde 1832 geweiht. |
| Status: | Ehemaliges Kloster; die Niederlassung wurde Ende 2012 geschlossen. Das historische Gebäude wurde anschließend denkmalgerecht revitalisiert und dient heute sozialen und pflegerischen Aufgaben. |
| Anlage: | Historischer Ansitz mit mittelalterlichem Baukern, barocken Umbauten, Hauskapelle und späteren klösterlichen Erweiterungen; kein klassischer Kreuzgangbau, sondern ein umgenutzter Profanbau mit langer sozialer Nutzungsgeschichte. |
| Ort: | Imst. |
| Region: | Tiroler Oberland, Tirol. |
| Land: | Österreich. |
| • | Historischer Standort: ehemaliges Kloster der Barmherzigen Schwestern, Pfarrgasse, 6460 Imst, Tirol, Österreich. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte Klöster und Stifte in Tirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Besuch: Das ehemalige Kloster ist heute Teil eines modernen Pflege- und Betreuungsstandortes. Die historischen Räume sind nicht als frei zugängliches Klostermuseum eingerichtet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Gesucht werden insbesondere Gesamtansichten des Klösterles, historische Fassadendetails, die Portale von 1772, die Hauskapelle mit Rokokoaltar, Empore und Bildprogramm, das Köberl-Altarbild, erhaltene Spuren des Brandes von 1822, das bei der Revitalisierung entdeckte spätgotische Fresko, historische Kindergarten- und Anstaltschützenmotive sowie Vergleichsaufnahmen vor und nach der jüngsten Sanierung.
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Das ehemalige Kloster der Barmherzigen Schwestern in Imst gehört zu jenen Ordensniederlassungen Tirols, deren Bedeutung weniger in einer abgeschlossenen monastischen Lebensform als in jahrzehntelanger sozialer Arbeit liegt. Die Schwestern wirkten in Armen- und Krankenpflege, Kinderbetreuung, religiöser Erziehung und Gemeindefürsorge und prägten damit das soziale Leben der Stadt über Generationen. Auch das Gebäude selbst erzählt eine vielschichtige Geschichte: Es entstand nicht als Kloster, sondern besitzt einen mittelalterlichen Baukern und war später Sitz der bedeutenden Imster Unternehmerfamilie Strele. Neuere dendrochronologische Untersuchungen haben gezeigt, dass wesentliche Bauteile bis in das späte 14. Jahrhundert zurückreichen. Im 18. Jahrhundert wurde der ältere Bestand mehrfach erweitert und schließlich 1772 repräsentativ umgestaltet; zwei Portale tragen diese Jahreszahl, während Fassadengliederung und Putzrahmungen noch heute auf diese barocke beziehungsweise spätbarocke Erneuerung verweisen. Damit ist das sogenannte Klösterle nicht nur ein sozialgeschichtlicher Erinnerungsort, sondern zugleich ein bedeutendes historisches Profangebäude im alten Imst.
Vor der klösterlichen Nutzung war der Komplex eng mit der Imster Textil- und Handelsgeschichte verbunden. Die Strelesche Handelskompagnie betrieb eine Leinwand- und Baumwollproduktion, die weit über Imst hinausreichte und nach städtischer Überlieferung um 1800 mehrere tausend Menschen in einem weit verzweigten System aus Heimarbeit, Verarbeitung und Handel beschäftigte. Das spätere Kloster war somit Teil eines der bedeutendsten frühindustriellen Netzwerke des Tiroler Oberlandes. Der wirtschaftliche Niedergang der Familie führte 1821 zum Konkurs; nur ein Jahr später traf der verheerende Imster Stadtbrand vom 7. und 8. Mai 1822 auch die Streleschen Gebäude schwer. Bei den jüngsten Restaurierungen wurden verkohlte Deckenbalken sichtbar, die mit dieser Katastrophe in Verbindung gebracht werden und den Brand bis heute unmittelbar in der Bausubstanz ablesbar machen. In dieser Situation erwarb Stephan Krismer, der als "Stöffele" bekannte Tiroler Geistliche, den beschädigten Ansitz und ließ ihn für eine soziale Ordensnutzung wiederherstellen. Krismer hatte bereits im Umfeld der Ereignisse von 1809 eine bemerkenswerte Biographie durchlaufen und widmete sich später in besonderem Maße karitativen und klösterlichen Stiftungen; neben Imst unterstützte beziehungsweise gründete er auch Niederlassungen der Barmherzigen Schwestern in Ried und Kronburg. Sein Ziel war keine kontemplative Frauengemeinschaft, sondern ein Haus, das sich Armen, Kranken und später auch Kindern widmen sollte.
Die ersten Barmherzigen Schwestern in Imst gehörten zum jungen Zammer Gründungskreis, der aus der Initiative von Dekan Nikolaus Tolentin Schuler und Katharina Lins, der späteren Sr. Josefa Nikolina, hervorgegangen war. Einzelne Quellen nennen bereits die frühen 1830er Jahre als Beginn der Tätigkeit Barmherziger Schwestern in Imst, während die institutionelle Einrichtung des Klosters auf 1834 datiert wird; diese Angaben widersprechen sich nicht zwingend, sondern deuten darauf hin, dass die soziale Arbeit schon vor der formellen Errichtung der Niederlassung einsetzte. Die Hauskapelle war bereits 1832 geweiht worden, was zeigt, dass die Umwandlung des alten Strele-Ansitzes in einen religiös-sozialen Ort planmäßig vorbereitet wurde. 1834 wurde das Haus den Barmherzigen Schwestern zur Pflege und Betreuung von Armen und Kranken übergeben und damit der Grundstein für eine fast 180-jährige Ordensgeschichte gelegt. In der frühen Aufbauphase des Tiroler Netzwerkes wurden Zams, Ried und Imst teilweise mit eigenen Vorstehungen und Noviziatsfunktionen geführt; für Imst ist deshalb von einer größeren institutionellen Eigenständigkeit auszugehen als bei einer bloßen kleinen Filiale. 1845 ordnete das Brixner Ordinariat eine organisatorische Zusammenführung mehrerer Tiroler Gemeinschaften an, wodurch Zams, Innsbruck, Ried und Imst enger miteinander verbunden wurden; 1863 erfolgte eine neuerliche Neuordnung, bei der die Mutterhäuser Zams und Innsbruck wieder getrennt wurden. In der weiteren Entwicklung wurde Imst der Innsbrucker Kongregation zugeordnet. Die Ordenslinie lässt sich daher am klarsten als Zammer Ursprung, anschließende gemeinsame Tiroler Organisation und spätere Zugehörigkeit zur Innsbrucker Gemeinschaft beschreiben.
Mit Stephan Krismer ist die Gründung des Hauses nicht nur organisatorisch, sondern auch biographisch eng verbunden. Eine bemerkenswerte familiäre Spur führt zu seiner Schwester Juliana, die bereits in den Ereignissen von 1809 bekannt geworden war und später selbst als Barmherzige Schwester eintrat; unter dem Ordensnamen Pauline soll sie 1838 in Imst gestorben sein. Die genaue Zuordnung ihres letzten Wirkungsortes sollte zwar archivalisch noch abschließend gesichert werden, doch die Überlieferung verbindet die Gründerfamilie damit unmittelbar mit dem Ordensleben des Hauses. Der ursprüngliche Auftrag der Gemeinschaft ist dagegen eindeutig: Die Schwestern kamen nach Imst, um sich Armen und Kranken zuzuwenden. Das Klösterle war daher von Beginn an kein abgeschlossener Klausurort, sondern ein Haus, in dem geistliches Gemeinschaftsleben und praktische Nächstenliebe eine Einheit bildeten. Gerade die Barmherzigen Schwestern professionalisierten im 19. Jahrhundert jene Tätigkeiten, die gesellschaftlich lange als selbstverständliche weibliche Sorgearbeit erschienen waren: Pflege, Ernährung, Betreuung, Reinigung, Erziehung und religiöse Begleitung. Im Imster Haus wird sichtbar, wie aus familiärer oder privater Fürsorge eine institutionalisierte und dauerhaft organisierte Sozialarbeit entstand.
Die Hauskapelle bildete den geistlichen Mittelpunkt der Gemeinschaft und ist als rechteckiger Raum mit Flachdecke beschrieben. Ihre Ausstattung vereinigt mehrere historische Schichten. Der Rokokoaltar stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und ist damit älter als die klösterliche Nutzung; er dürfte noch in die Zeit des Strele-Ansitzes gehören und wurde von den Schwestern in die neue religiöse Nutzung integriert. Das zuletzt dokumentierte Altarbild der Kreuzigung schuf Wolfram Köberl 1962. Gleichzeitig war das Bildprogramm stark vinzentinisch geprägt: Darstellungen zeigten Maria mit dem hl. Vinzenz von Paul sowie Szenen aus dem Leben des Ordenspatrons, an der Empore befand sich eine Darstellung der "Ersten Mission des hl. Vinzenz". An der Emporenbrüstung erscheinen die Heiligen Wendelin, Martin und Isidor; diese Auswahl ist auch volkskundlich bemerkenswert, weil Wendelin und Isidor eng mit bäuerlicher Lebenswelt und Landwirtschaft verbunden sind, während Martin für Barmherzigkeit und Armenhilfe steht. Frühere Fresken der Kapelle werden Johann Georg Witwer zugeschrieben; sie gingen durch Brand beziehungsweise spätere Veränderungen verloren. Insgesamt spiegelt die Kapelle damit nicht nur Ordensfrömmigkeit, sondern auch den Übergang von einem profanen Unternehmeransitz zu einem sozialen Frauenkloster.
In den Jahren 1872/73 wurde dem Kloster eine Kinderbewahranstalt angeschlossen. Damit weitete sich der soziale Auftrag des Hauses deutlich aus. Kinderbewahranstalten waren frühe Formen institutioneller Kleinkinderbetreuung und ermöglichten insbesondere Familien mit geringem Einkommen, ihre Kinder tagsüber in Betreuung zu geben, während die Eltern ihrer Arbeit nachgingen. Aus dieser Einrichtung entwickelte sich im Lauf der Zeit ein Kindergarten, in dem Generationen Imster Kinder von den Barmherzigen Schwestern betreut wurden. Der Tätigkeitsschwerpunkt des Hauses verlagerte sich damit zunehmend von der ursprünglichen Armen- und Krankenfürsorge hin zur Kinderbetreuung und Elementarerziehung, ohne dass die karitative Grundidee verloren ging. Gerade dieser Wandel macht das Klösterle zu einem wichtigen Ort der Sozialgeschichte Imsts: Die Schwestern reagierten auf veränderte soziale Bedürfnisse der Stadt und wurden zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags vieler Familien.
Aus dem Umfeld der Kinderbewahranstalt entstand 1898 eine besonders charakteristische lokale Tradition: die Imster Anstaltschützen. Die Gruppe wurde von Imster Bürgerinnen begründet und rekrutierte sich aus den kleinen Buben, später auch Mädchen, der Bewahranstalt beziehungsweise des Kindergartens. Die vier- bis sechsjährigen Kinder traten in traditioneller Imster Tracht bei den großen religiösen Festen auf, besonders zu Fronleichnam und beim Imster Kirchtag zu Mariä Himmelfahrt. Vor dem Zweiten Weltkrieg bestand die Gruppe im Wesentlichen aus Buben, später kamen Mädchen als Marketenderinnen hinzu. Damit verbanden sich Kinderbetreuung, religiöse Erziehung, Tracht, Schützenwesen und städtische Festkultur unmittelbar miteinander. Die Ordensschwestern wirkten nicht nur als Betreuerinnen, sondern als Vermittlerinnen lokaler Traditionen. Gerade dieser Zusammenhang hebt das Imster Klösterle deutlich von vielen anderen Frauenklöstern ab und macht die Anstaltschützen zu einem besonders ergiebigen volkskundlichen Thema.
Im 20. Jahrhundert blieb besonders Sr. Miriam im lokalen Gedächtnis. Sie arbeitete rund vierzig Jahre in der Imster Kinderbetreuung und prägte damit mehrere Generationen von Familien. Besonders seit den 1950er Jahren engagierte sie sich intensiv für die Anstaltschützen und verband ihre pädagogische Tätigkeit mit der Pflege lokaler Fest- und Trachtenkultur. Ihre Person steht exemplarisch für jene Ordensfrauen, deren Wirken selten in großen politischen Ereignissen sichtbar wird, die aber den sozialen Alltag einer Stadt über Jahrzehnte entscheidend mitbestimmten. 1968 wurde die organisatorische Betreuung der Anstaltschützen von den Ordensschwestern an die Imster Schützenkompanie übergeben; die Tradition selbst blieb bestehen. Damit ging eine ursprünglich klösterlich mitgetragene Form der Kinder- und Festkultur in die Verantwortung der weltlichen Stadtgesellschaft über, ohne ihren historischen Ursprung zu verlieren.
Während in der Gründungsphase Armen- und Krankenpflege im Vordergrund standen, prägte im späten 19. und 20. Jahrhundert zunehmend die Kinderbetreuung das öffentliche Bild des Hauses. Der Kindergarten, die Anstaltschützen und die langjährige Arbeit einzelner Schwestern machten das Klösterle zu einer vertrauten sozialen Institution in Imst. Gleichzeitig blieb das religiöse Gemeinschaftsleben Grundlage des Hauses. Eine detaillierte Aufarbeitung der NS-Zeit und der unmittelbaren Nachkriegsjahre steht noch aus; ohne lokale Quellen sollten allgemeine Entwicklungen anderer Ordenseinrichtungen nicht schematisch auf Imst übertragen werden. Auch die genaue Dauer der ordenseigenen Kindergartenleitung ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch, dass die Schwestern bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine sichtbare Rolle in Kinderfürsorge und Gemeindeleben spielten.
Das Imster Klösterle besitzt keinen typischen mittelalterlichen Klostergrundriss mit geschlossenem Kreuzgang. Die Barmherzigen Schwestern übernahmen einen bestehenden Profanbau und passten ihn ihren sozialen und religiösen Bedürfnissen an. Gerade deshalb ist das Gebäude ein gutes Beispiel dafür, wie apostolische Frauenorden im 19. Jahrhundert vorhandene städtische Häuser für soziale Aufgaben umnutzten. Die rund 55 Meter lange historische Putzfassade prägt den Straßenraum bis heute deutlich; die Bezeichnung "Klösterle" kann deshalb leicht in die Irre führen, denn die Anlage ist keineswegs klein, sondern ein umfangreicher historischer Baukomplex mit mittelalterlichen, barocken, klösterlichen und modernen Schichten.
Ende 2012 wurde die Niederlassung der Barmherzigen Schwestern in Imst geschlossen. Damit endete nach fast 180 Jahren das eigentliche Ordensleben im Klösterle. Der Rückgang der Schwesterzahlen und die Konzentration der Gemeinschaft auf weniger Standorte gehörten zu den wesentlichen Gründen dieser Entwicklung. Die genaue Zahl und personelle Zusammensetzung des letzten Imster Konvents ist in den bislang ausgewerteten Quellen nicht eindeutig belegt. Nach dem Ende des Konvents blieb das Gebäude weiterhin im Eigentumszusammenhang der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck. Bereits 2010 war in unmittelbarer Nachbarschaft das Pflegezentrum Gurgltal entstanden, wodurch sich eine neue soziale Nutzung des Areals abzeichnete. Besonders bemerkenswert ist die funktionale Kontinuität: Ein Haus, das im 19. Jahrhundert der Pflege von Armen und Kranken gewidmet worden war, blieb auch nach dem Ende des Klosters ein Standort für Betreuung und Fürsorge.
Nach der Klosterschließung stand das historische Gebäude längere Zeit weitgehend leer; zeitweise wurde auch eine soziale Zwischennutzung diskutiert. Erst die notwendige Erweiterung des benachbarten Pflegezentrums schuf die Grundlage für eine umfassende Revitalisierung. Nach einem Architekturwettbewerb begann Anfang der 2020er Jahre die Sanierung, bei der historisch wertvolle Bauteile erhalten, jüngere und weniger bedeutende Anbauten teilweise entfernt und der Bestand durch einen modernen Neubau ergänzt wurden. Die Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Bei der Restaurierung wurde an der Fassade ein spätgotisches Fresko entdeckt beziehungsweise wieder sichtbar gemacht; zugleich wurden unterschiedliche historische Bau- und Nutzungsspuren in einer sogenannten Museumswand im neuen Stiegenhaus bewusst erhalten. Dadurch wurde die Geschichte nicht in ein eigenes Museum ausgelagert, sondern unmittelbar in den heutigen Alltag des Hauses integriert.
Seit der Revitalisierung dient das historische Klösterle unter anderem dem betreuten beziehungsweise betreubaren Wohnen und der Tagespflege. Im Ensemble entstanden rund zwanzig Wohneinheiten sowie Plätze für Tagesbetreuung. Die Sanierung und Erweiterung wurde mit dem Tiroler Landespreis "Neues Bauen in Tirol" ausgezeichnet und auch in der Architekturkritik positiv aufgenommen. Für die Geschichte des Hauses ist jedoch noch wichtiger, dass die heutige Nutzung keine beliebige Umdeutung darstellt, sondern an den sozialen Charakter des Ortes anknüpft. Aus einem frühindustriellen Unternehmeransitz wurde im 19. Jahrhundert ein Haus für Arme und Kranke, später ein Zentrum der Kinderbetreuung und im 21. Jahrhundert wieder ein Ort für Pflege, Tagesbetreuung und betreutes Wohnen. Die Institutionen wechselten, der Grundgedanke praktischer Fürsorge blieb erhalten.
Volkskundlich ist das Imster Klösterle außergewöhnlich ergiebig, weil hier frühe Industriegeschichte, Frauenordensgeschichte, Pflege, Kinderfürsorge, Tracht, Schützenwesen, Prozessionen und lokale Erinnerung aufeinandertreffen. Die Anstaltschützen zeigen besonders anschaulich, wie religiöse Erziehung, Kinderbetreuung und städtische Festkultur miteinander verbunden waren. Ebenso wichtig ist die Geschichte weiblicher Sozialarbeit: Pflege, Kochen, Erziehen, Trösten, Organisieren und Begleiten waren keine beiläufigen Tätigkeiten, sondern eine weithin unsichtbare soziale Infrastruktur, die von den Barmherzigen Schwestern über Jahrzehnte getragen wurde. Das ehemalige Kloster war kein Wallfahrtsort; ein eigenständiger Gnadenbildkult, Mirakelberichte oder eine historische Votivtradition sind nicht nachgewiesen. Seine religiöse Bedeutung lag vielmehr in der vinzentinischen Spiritualität und im sozialen Dienst. Gerade diese Verbindung macht das Klösterle zu einem der sozialgeschichtlich interessantesten Ordensorte des Tiroler Oberlandes.
Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, Zams: Darstellungen zur Gründungsgeschichte, zu Nikolaus Tolentin Schuler, Katharina Lins / Sr. Josefa Nikolina und zur Ausbreitung der Gemeinschaft im Tiroler Oberland.
Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, Innsbruck: Geschichte der Tiroler Provinz, organisatorische Entwicklung und spätere Einbindung der Imster Niederlassung.
Stadt Imst: Beiträge zur Geschichte der Familie Strele, der Textilproduktion, des Stadtbrandes von 1822 und zur jüngeren Entwicklung des Klösterles.
Gemeinde- und Lokalchroniken zu Stephan Krismer und zur Gründung der Barmherzigen-Schwestern-Niederlassungen in Ried, Imst und Kronburg.
Denkmalpflegerische und architekturhistorische Dokumentationen zur Baugeschichte, zum mittelalterlichen Kern, zur barocken Umbauphase von 1772, zu Brandspuren von 1822 und zur Revitalisierung des Gebäudes im 21. Jahrhundert.
Kunsthistorische Literatur zur Hauskapelle, zum Rokokoaltar, zum Altarbild von Wolfram Köberl, zur Vinzenz-Ikonographie und zu den verlorenen Fresken Johann Georg Witwers.
Imster Schützenkompanie und Tiroler Schützenwesen: Dokumentationen zur Geschichte der Anstaltschützen seit 1898 und zur Verbindung mit Kinderbewahranstalt, Kindergarten und Ordensschwestern.
Lokale Presse- und Erinnerungsliteratur zu Sr. Miriam und zur langjährigen Kinderbetreuung durch die Barmherzigen Schwestern.
Stadt Imst und Architekturpublikationen zur Revitalisierung des ehemaligen Klösterles, zum Pflegezentrum Gurgltal, zum betreuten Wohnen und zur Tagesbetreuung.
Weiterführender Forschungsbedarf besteht insbesondere bei der detaillierten Tätigkeit der Schwestern im 19. Jahrhundert, der NS-Zeit, der genauen Dauer der ordenseigenen Kindergartenleitung, der personellen Zusammensetzung des letzten Konvents sowie der kunsthistorischen Rekonstruktion der früheren Kapellenausstattung.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |