| Kloster: | Historisches Kapuzinerkloster Kitzbühel; seit 2002 Kloster der Franziskaner der Immakulata. |
| Orden: | 1697 bis 2002 Kapuziner; seit 19. März 2002 Franziskaner der Immakulata. Der historische Kapuzinerkonvent ist beendet, der Standort selbst wird weiterhin als Kloster genutzt. |
| Gründung: | 1697 Ankunft der ersten Kapuziner und provisorischer Bezug eines Lambergischen Hauses; Baubeginn des Klosters 1698; Weihe der Kirche und Benediktion des Klosters am 8. Oktober 1702. |
| Status: | Aktiver franziskanischer Klosterstandort. Die Kapuziner verließen Kitzbühel 2001; ihre Domus religiosa wurde mit 19. März 2002 aufgehoben. Seitdem leben Franziskaner der Immakulata im historischen Kloster. |
| Anlage: | Barockes Bettelordenskloster mit bewusst schlicht gehaltener, dem hl. Johannes dem Täufer geweihter Klosterkirche, wertvollen Altarbildern, Klostertrakt und historischem Garten. |
| Ort: | Kitzbühel. |
| Region: | Tirol. |
| Land: | Österreich. |
| • | Adresse: Franziskanerkloster, Josef-Herold-Straße 11, 6370 Kitzbühel, Tirol, Österreich. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte Klöster und Stifte in Tirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Gottesdienste nach Angaben des Klosters: Sonn- und Feiertage 9 Uhr sowie 18 Uhr in der Winterzeit beziehungsweise 19 Uhr in der Sommerzeit; Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag 8 Uhr, Mittwoch und Freitag 19 Uhr. Darüber hinaus besteht Beichtgelegenheit; aktuelle Änderungen sind unmittelbar beim Kloster zu erfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Gesucht werden insbesondere Gesamtansichten von Kloster und Kirche, historische Aufnahmen des Kapuzinerkonvents, der Kirchenraum mit den Altarbildern Jakob Christoph Platzers, der Lamberg-Epitaph, Pforte, Refektorium und Klostergarten sowie Dokumentationen des heutigen Lebens der Franziskaner der Immakulata und der Restaurierungen des Klosterkomplexes.
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Das historische Kapuzinerkloster Kitzbühel nimmt innerhalb der Tiroler Klosterlandschaft eine besondere Stellung ein. Anders als viele mittelalterliche Stifte oder kontemplative Frauenklöster entstand es erst an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert und war von Anfang an auf Predigt, Beichte, Gottesdienst und unmittelbare Seelsorge für die Bevölkerung ausgerichtet. Gleichzeitig war seine Gründung eng mit der Familie Lamberg verbunden, die in der Herrschafts- und Kirchengeschichte Kitzbühels eine wichtige Rolle spielte. Aus dieser Verbindung von adeliger Patronage und franziskanischem Armutsideal entstand ein bewusst schlichtes Bettelordenskloster, dessen kulturelle Bedeutung nicht in monumentaler Architektur, sondern in seiner fast dreihundertjährigen seelsorglichen Kontinuität lag. Diese Kontinuität endete institutionell für die Kapuziner erst 2002; das Kloster selbst blieb jedoch religiöser Ort und wird seither von den Franziskanern der Immakulata bewohnt, sodass sich in Kitzbühel eine seltene franziskanische Standortkontinuität über einen Ordenswechsel hinweg erhalten hat.
Der eigentliche Anstoß zur Gründung ging von Johann Raymund von Lamberg aus, der 1683 in Meran in den Kapuzinerorden eingetreten war und dort den Ordensnamen Rupert angenommen hatte. Nach seiner Priesterweihe 1691 wirkte P. Rupert als Prediger und gewann seinen Vater, Reichsgraf Raymund von Lamberg, sowie den verwandten Johann Philipp von Lamberg, kaiserlichen Diplomaten und seit 1689 Fürstbischof von Passau, für die Idee eines Kapuzinerhospizes beziehungsweise kleinen Klosters in Kitzbühel. Die Gründung war keineswegs eine reine Formalität. Zwar lag die Zustimmung der weltlichen Obrigkeit in Wien vor, doch die kirchliche Genehmigung durch den zuständigen Bischof von Chiemsee verzögerte sich. Erst im Herbst 1697 kam der notwendige Konsens zustande. Bereits wenige Wochen später, am 15. November 1697, bezogen zwei Patres und ein Laienbruder vorläufig das Lambergische Haus neben der Katharinenkirche, in der sie bis zur Fertigstellung ihrer eigenen Klosterkirche die Gottesdienste feierten. Als Hauptstifter der späteren Kloster- und Kirchenanlage erscheinen die Eltern P. Ruperts, Reichsgraf Raymund und Mechtild Klara von Lamberg; Johann Philipp von Lamberg übernahm seinerseits einen erheblichen Anteil an den Kosten der Altarbilder. Die Stiftung war damit nicht das Werk eines Einzelnen, sondern ein Familienprojekt, das durch die Ordensberufung P. Ruperts ausgelöst und von adeliger Patronage getragen wurde.
1698 begann der eigentliche Bau des Klosters. Am 8. Oktober 1702 wurde die neue Kirche geweiht und zugleich das bereits bezogene Kloster benediziert. Die zwei Tage zuvor zusammengestellte Gemeinschaft war für ein neu gegründetes Haus beachtlich: Sie bestand aus einem Guardian, sieben Patres, zwei Klerikern und drei Laienbrüdern, insgesamt also dreizehn Ordensmännern. Nach Weihe und Segnung fand im Refektorium ein von Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg finanziertes Festmahl statt; am Nachmittag wurde in Kitzbühel die Firmung gespendet. Am 8. Dezember trat die klösterliche Klausur in Kraft, und das damals noch streng geregelte gemeinsame Chorgebet wurde aufgenommen. Die Kirche erhielt das Patrozinium des hl. Johannes des Täufers. Damit war Kitzbühel nicht lediglich ein kleines Hospiz für reisende Prediger, sondern von Beginn an ein voll ausgebildeter Kapuzinerkonvent mit festem Tagesrhythmus, eigener Leitung, Gemeinschaftsleben und dauerhaftem seelsorglichem Auftrag.
Die Kirche entspricht in ihrer Grundform dem älteren kapuzinischen Bauideal. Der Saalraum mit Tonnengewölbe verzichtet bewusst auf monumentale Raumwirkung und kostspielige architektonische Repräsentation. Diese Schlichtheit war keine Folge unzureichender Mittel, sondern Ausdruck des franziskanischen Armutsideals. Umso auffälliger ist die Qualität der Gemälde, die den hauptsächlichen künstlerischen Schmuck des Kirchenraumes bilden. Der Passauer Hofmaler Jakob Christoph Platzer schuf um 1707 die zentralen Bilder der Ausstattung, darunter die Taufe Christi am Hochaltar, Darstellungen der Heiligen Familie beziehungsweise von Maria und Josef, des hl. Antonius von Padua, der Kreuzigung und der Beweinung Christi. Finanziert wurde ein erheblicher Teil dieser Ausstattung aus dem Lambergischen Stifterkreis. An der linken Kirchenwand befindet sich zudem ein weißer Marmorepitaph mit Lambergischem Wappen und Inschrift aus dem Jahr 1708. Gerade die Verbindung zwischen asketisch gehaltener Architektur und anspruchsvoller Malerei ist für die Kunstgeschichte des Hauses charakteristisch: Der Kapuzinerorden mied demonstrative Prachtentfaltung im Bau, ohne wertvolle religiöse Bilder grundsätzlich abzulehnen, besonders wenn sie von Stiftern zur Verfügung gestellt wurden.
Der eigentliche Schwerpunkt des Klosters lag jedoch nicht in seiner Ausstattung, sondern in der Seelsorge. Bereits die ersten Kapuziner werden in den Quellen ausdrücklich als Prediger genannt. Über die folgenden Jahrhunderte entwickelte sich das Haus zu einem festen geistlichen Anlaufpunkt für Kitzbühel und sein Umland. Predigt, Beichte, Gottesdienst und persönliche religiöse Begleitung bestimmten das Verhältnis zwischen Orden und Stadt stärker als große Grundherrschaft oder gelehrte Repräsentation. Bemerkenswert ist, dass Rat und Bürgerschaft schon die Gründung befürworteten und sich später wiederholt für die Aufrechterhaltung und sogar Erweiterung des Klosters einsetzten. Die lokale Bindung blieb auch in Zeiten bestehen, in denen andere Klöster aus wirtschaftlichen, politischen oder personellen Gründen aufgegeben wurden. Anders als zahlreiche Tiroler Ordenshäuser wurde Kitzbühel im Zuge der josephinischen Klosterpolitik nicht dauerhaft aufgehoben. Damit entwickelte sich eine fast ununterbrochene kapuzinische Präsenz, die – abgesehen von der nationalsozialistischen Zwangsunterbrechung – bis in das frühe 21. Jahrhundert reichte.
Wie bei Kapuzinerklöstern allgemein beruhte das Gemeinschaftsleben auf einer Verbindung von Gebet, einfacher Lebensführung, seelsorglicher Arbeit und praktischer Eigenleistung. Die Gründungsüberlieferung nennt das strenge Chorgebet ausdrücklich; spätere Berichte zeigen, dass das Kloster auch in neuerer Zeit als Ort wahrgenommen wurde, an dem Gebet und tägliche Arbeit eng verbunden waren. Der historische Garten gehört seit der Klostergründung funktional zur Anlage und blieb einer der wenigen größeren Obstgärten im unmittelbaren Stadtbereich Kitzbühels. In der neueren Nutzung wurden Obst und Gemüse weiter gepflegt und zeitweise naturreiner Apfelsaft an der Klosterpforte abgegeben. Ob einzelne Bäume oder Wirtschaftsformen unmittelbar bis in die Kapuzinerzeit zurückreichen, lässt sich daraus nicht ableiten; die funktionale Kontinuität von Gartenarbeit, einfacher Versorgung und klösterlichem Alltag ist jedoch deutlich. Gerade dieser Bereich bietet für die volkskundliche Dokumentation einen wichtigen Gegenpol zur Kirchengeschichte, weil er das Kloster als Arbeits- und Lebensgemeinschaft sichtbar macht.
Zum geistigen Leben des Hauses gehörte eine eigene Klosterbibliothek. Als die Kapuziner Kitzbühel 2001 verließen, wurden der Großteil des Buchbestandes und die historischen Kataloge in die Provinzbibliothek der Kapuziner nach Innsbruck gebracht. Dort wird die Provenienz Kitzbühel weiterhin als eigener Bestand behandelt. Die vollständige wissenschaftliche Erschließung steht jedoch noch aus, sodass derzeit keine zuverlässige Gesamtzahl des historischen Bestandes und auch keine abschließende Aussage über einzelne frühe Drucke gemacht werden sollte. Gerade diese Situation macht die Bibliothek für künftige Forschung interessant: Die Bücher sind nicht einfach verschwunden, sondern in einem zentralen Ordensbestand erhalten und prinzipiell provenienzgeschichtlich rekonstruierbar. Langfristig ließe sich untersuchen, welche Predigtliteratur, Beichtliteratur, Ordensgeschichte, Theologie und geistliche Gebrauchsliteratur in Kitzbühel verwendet wurde und wie sich die Bibliothek an die wechselnden Aufgaben des Hauses anpasste.
Die einschneidendste politische Zäsur der neueren Klostergeschichte erfolgte am 1. Oktober 1940, als die nationalsozialistischen Behörden das Kapuzinerkloster aufhoben. Damit endete die bis dahin seit dem späten 17. Jahrhundert bestehende kontinuierliche Ordensnutzung gewaltsam. Nach Kriegsende wurde das Haus 1945 zunächst nur teilweise zurückgestellt; erst 1962 erfolgte die vollständige Restitution an den Orden. Zwischen dem Ende der NS-Herrschaft und der vollständigen Rückgabe lagen damit siebzehn Jahre. Die bisher zugänglichen Quellen erlauben keine ausreichend präzise Rekonstruktion der Nutzung sämtlicher Klosterräume während der Beschlagnahme, des Schicksals jedes einzelnen Kitzbüheler Kapuziners oder möglicher Verluste von Bibliothek und Hausinventar. Diese Fragen sollten deshalb nicht aus der allgemeinen Geschichte anderer aufgehobener Kapuzinerklöster ergänzt werden. Sicher ist jedoch, dass die nationalsozialistische Aufhebung die einzige längere erzwungene Unterbrechung der Kapuzinerpräsenz in Kitzbühel darstellte.
Nach der Rückkehr begann für den Konvent eine neue Phase. Die vollständige Restitution von 1962 schuf wieder eine gesicherte Grundlage für das Ordensleben, und von 1980 bis 1988 wurde Kitzbühel sogar zum Noviziatskloster der Nordtiroler Kapuzinerprovinz. Junge Männer verbrachten hier damit eine entscheidende Phase ihrer Einführung in das Ordensleben, sodass der Standort zeitweise nicht nur lokales Seelsorgehaus, sondern Ausbildungszentrum der Provinz war. Gerade diese Funktion zeigt, dass Kitzbühel noch im späten 20. Jahrhundert keineswegs nur ein auslaufender historischer Konvent war. Gleichzeitig verschärfte sich jedoch der allgemeine Nachwuchs- und Personalmangel innerhalb der Kapuziner. Seit den 1970er Jahren mussten innerhalb der Provinz zunehmend Häuser zusammengelegt oder aufgegeben werden. In Kitzbühel führte diese Entwicklung schließlich dazu, dass die verbliebene Gemeinschaft in anderen Stützpunkten konzentriert wurde.
2001 verließen die Kapuziner Kitzbühel; mit Wirksamkeit vom 19. März 2002 wurde ihre dortige Domus religiosa formal aufgehoben. Damit endete die Geschichte des Hauses als Kapuzinerkonvent nach rund drei Jahrhunderten. Entscheidend ist jedoch, dass der historische Klosterstandort nicht profaniert und aufgegeben wurde. Bereits am 19. März 2002 bezogen die Franziskaner der Immakulata das Gebäude. Eine zunächst zwischen Kapuzinerprovinz und Erzdiözese Salzburg geschlossene Nutzungsregelung wurde später weiterentwickelt; 2008 entstand eine umfassendere Kooperationsvereinbarung zwischen Kapuzinern, Erzdiözese Salzburg, Franziskanern der Immakulata und einem Verein zur Unterstützung des Klosters, deren Laufzeit in der damaligen Dokumentation bis 18. März 2038 vorgesehen wurde. Damit konnte der religiöse Charakter des Ortes bewahrt werden. Die historische Zäsur ist deshalb präzise zu formulieren: Das Kapuzinerkloster ist als Kapuzinerkonvent ehemalig, das Kloster selbst besteht als bewohnter franziskanischer Ort fort.
Dass der Klosterstandort 2002 nicht endete, hing wesentlich mit der starken Verbundenheit der Kitzbüheler Bevölkerung zusammen. Als der Weggang der Kapuziner absehbar wurde, setzte sich ein Teil der Stadtgesellschaft ausdrücklich für den Fortbestand einer klösterlichen Gemeinschaft ein; eine Unterschriftenaktion und weitere Initiativen machten deutlich, dass Kloster und Klosterkirche als Teil des lokalen Selbstverständnisses wahrgenommen wurden. In der Folge entstand ein eigener Verein zur Unterstützung der Erhaltung des Klosters, der sich an notwendigen Sanierungen, an der Sicherung des Glockentürmchens und des Läutwerks sowie an weiteren baulichen Aufgaben beteiligte. Stadt, private Förderer und kirchliche Partner unterstützten diese Bemühungen. Damit wiederholt sich auf bemerkenswerte Weise ein Motiv der Gründungsgeschichte: Bereits um 1700 hatten Rat und Bürgerschaft die Ansiedlung der Kapuziner befürwortet; rund dreihundert Jahre später half die lokale Gemeinschaft erneut mit, das Fortbestehen eines franziskanischen Klosterstandortes zu sichern.
Die seit 2002 in Kitzbühel lebenden Franziskaner der Immakulata gehören nicht zum Kapuzinerorden, stehen aber innerhalb der franziskanischen Ordensfamilie. Die Gemeinschaft entstand im 20. Jahrhundert und verbindet die franziskanische Regel mit einer ausgeprägten marianischen Spiritualität, Gebet, einfacher Lebensführung und apostolischer Tätigkeit. Damit besteht trotz des Ordenswechsels eine grundlegende franziskanische Kontinuität am Standort. Die Gemeinschaft ist gegenwärtig weiterhin in Kitzbühel ansässig; die Österreichischen Ordensgemeinschaften führen P. Peter Maria Insam als Guardian und nennen die Adresse Josef-Herold-Straße 11. Die eigene Klosterseite verzeichnet regelmäßige Messzeiten an Sonn-, Feier- und Werktagen sowie Beichtgelegenheit. Das Haus ist somit kein musealer Rest eines historischen Klosters, sondern weiterhin bewohnter Ordensort mit einem festen liturgischen Rhythmus.
Ein jüngerer Bericht aus dem kirchlichen Umfeld beschreibt das heutige Klosterleben sehr anschaulich. Die Brüder verbringen einen erheblichen Teil des Tages mit gemeinsamem und persönlichem Gebet, feiern die Eucharistie, halten Rosenkranz und eucharistische Anbetung und werden von Menschen aus Kitzbühel und der weiteren Region als Beichtväter aufgesucht. Urlaubsgäste und Zweitwohnungsbesitzer kommen in die Kirche, um Kerzen zu entzünden; bei Begegnungen mit landwirtschaftlichen Betrieben werden auf Wunsch Segnungen vorgenommen. Die Gemeinschaft lebt bewusst einfach und wird von Menschen aus der Umgebung mit Lebensmitteln und praktischer Hilfe unterstützt, während die Brüder Kochen, Reinigung und einen großen Teil der alltäglichen Hausarbeit selbst erledigen. Gerade in einer Stadt, deren internationales Bild stark von Tourismus, Wohlstand und dem Hahnenkammrennen geprägt wird, bildet das Bettelordenskloster damit einen bewussten Gegenpol: einen Ort von Gebet, Einfachheit und persönlicher Begegnung im unmittelbaren städtischen Umfeld.
Auch der Klostergarten besitzt in der Gegenwart eine besondere Bedeutung. Er gehört seit der historischen Gründung zum Areal und zählt zu den letzten größeren Obstgärten im engeren Stadtgebiet. Unter den Franziskanern der Immakulata wurde die Pflege des Gartens weitergeführt; Berichte nennen Obst- und Gemüseanbau sowie die Verarbeitung von Früchten zu Saft und anderen Produkten. Dabei geht es nicht um eine vollständige wirtschaftliche Selbstversorgung, sondern um eine Lebensform, in der Handarbeit, einfache Haushaltsführung und der Kontakt zur Bevölkerung zusammengehören. Die Abgabe von Apfelsaft an der Pforte wurde zeitweise selbst zu einer Form der Begegnung mit der Stadt. Volkskundlich ist dieser Bereich deshalb ebenso wichtig wie die Kirche: Der Garten, die Pforte und die alltägliche Versorgung machen sichtbar, dass ein Kloster nicht nur aus liturgischen Räumen besteht, sondern aus einer konkreten Lebens- und Arbeitsgemeinschaft.
Nach dem Ordenswechsel wurde deutlich, dass die langfristige Zukunft des Klosters nicht allein durch eine neue Gemeinschaft gesichert war, sondern auch umfangreiche bauliche Erhaltungsmaßnahmen erforderte. Bereits in den ersten Jahren der neuen Nutzung wurden Dachreiter, Glockenstuhl und Läutwerk gesichert; anschließend entstand ein umfassenderes Restaurierungskonzept für Kirche und Kloster. Dabei arbeiteten Ordensgemeinschaft, Förderverein, Erzdiözese, Stadtgemeinde und weitere öffentliche beziehungsweise private Förderer zusammen. Diese Form der gemeinsamen Verantwortung ist für Kitzbühel charakteristisch. Das Kloster wird nicht allein als internes Gebäude einer Ordensgemeinschaft verstanden, sondern als historischer Bestandteil des Stadtbildes und der lokalen religiösen Kultur. Gerade durch diese breite Trägerschaft konnten notwendige Erhaltungsarbeiten angegangen werden, ohne den lebendigen Klosterbetrieb in ein Museum umzuwandeln.
Ein historischer Wallfahrtsstatus ist für das Kitzbüheler Kapuzinerkloster nicht nachgewiesen. Weder ein eigenständiges Gnadenbild mit Mirakelüberlieferung noch eine ausgeprägte Votivpraxis oder regelmäßige organisierte Pilgerzüge konnten bislang belegt werden. Die religiöse Bedeutung des Hauses liegt in einer anderen Tradition: St. Johannes der Täufer war über Jahrhunderte Predigt- und Beichtkirche, Ort franziskanischer Seelsorge und geistlicher Begleitung. Diese Funktion besteht in veränderter Ordenszugehörigkeit bis heute fort. Gerade deshalb sollte das Kloster nicht künstlich als Wallfahrtsort interpretiert werden; seine kulturgeschichtliche Besonderheit liegt in der erstaunlichen Dauer eines volksnahen franziskanischen Seelsorgestandortes im Zentrum einer sich wirtschaftlich und gesellschaftlich stark wandelnden Stadt.
Volkskundlich ist das Kitzbüheler Kloster vor allem als Ort langfristiger Beziehungen zwischen Ordensgemeinschaft und Stadtbevölkerung interessant. Adeliger Stifterwille, Bettelordensarmut, Predigt und Beichte, Klostergarten, Pforte, persönliche Unterstützung durch die Bevölkerung, die nationalsozialistische Unterbrechung, das Noviziat des 20. Jahrhunderts und schließlich der erfolgreiche Übergang zu einer neuen franziskanischen Gemeinschaft bilden eine selten geschlossene Entwicklungslinie. Dabei hat sich die Umgebung grundlegend verändert: Aus dem frühneuzeitlichen Kitzbühel wurde ein international bekannter Tourismusort, während das Kloster weiterhin auf Einfachheit, Gebet und persönliche Begegnung setzt. Gerade dieser Kontrast macht den Standort in der Gegenwart besonders aussagekräftig. Das historische Kapuzinerkloster ist heute weder verlassener Denkmalbau noch bloße Erinnerung an einen verschwundenen Orden, sondern ein lebendiger religiöser Ort, dessen heutige Gemeinschaft die franziskanische Grundidee in neuer institutioneller Form weiterführt.
Stadtgemeinde Kitzbühel: Historische Darstellung der Kapuzinerkirche und der Gründung des Klosters; Beiträge zur Klosterkirche, zum Förderverein, zur Erhaltung des Klosterkomplexes und zur Kooperationsvereinbarung nach 2002.
Provinzbibliothek der Österreichischen Kapuzinerprovinz: Das Kapuzinerkloster Kitzbühel und seine Bibliothek; Angaben zu Gründung, NS-Aufhebung, Restitution, Noviziat, Aufhebung der Domus religiosa und Überführung des Bibliotheksbestandes.
Agapit Hohenegger / Peter Baptist Zierler: Geschichte der Tirolischen Kapuziner-Ordensprovinz (1593-1893), 2 Bände, Innsbruck 1913-1915.
Kirchen- und kunsthistorische Literatur zur Kapuzinerkirche Kitzbühel, zu den Gemälden Jakob Christoph Platzers und zum Lamberg-Epitaph.
Franziskaner der Immakulata, Kitzbühel: Angaben zur heutigen Gemeinschaft, Spiritualität, Adresse, Gottesdienstordnung und zum aktuellen Klosterleben.
Ordensgemeinschaften Österreich, Ordens-Wiki: Franziskaner der Immakulata in Kitzbühel; aktuelle Angaben zu Guardian und Klosteradresse.
Rupertusblatt, Erzdiözese Salzburg: Berichte zum gegenwärtigen Leben der Franziskaner der Immakulata in Kitzbühel, zu Gebet, Beichte, Seelsorge, Alltagsarbeit und Beziehung zur Bevölkerung.
Stadtzeitung Kitzbühel: Beiträge zum Restaurierungskonzept, zum historischen Klostergarten, zur Zusammenarbeit zwischen Klostergemeinschaft, Förderverein, Stadt und Erzdiözese.
Weiterführender Forschungsbedarf besteht insbesondere bei der genauen Nutzung des Klosters während der nationalsozialistischen Aufhebung 1940-1945, den persönlichen Lebenswegen der damals vertriebenen Kapuziner, möglichen Verlusten der historischen Ausstattung und der vollständigen Provenienzerschließung der ehemaligen Kitzbüheler Klosterbibliothek.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |