Wenige Tage nach der Ankunft von Mutter und Sohn gab es auf der Alm wieder eine Überraschung — keine willkommene. Angelockt durch Fußspuren und den aufsteigenden Rauch war Franz Raffl zur Hütte vorgedrungen, ein Mensch des schlechtesten Leumundes. Höchlich erschraken die Insassen, mit einem Geldgeschenk hoffte der Sandwirt vom Unheimlichen Stillschweigen zu erkaufen. Raffl sagte es zu, aber Böses brütend stieg er abwärts. Der auf Hofer gesetzte Preis wollte ihm nicht aus dem Kopf. Es war bereits am 5. Januar, als er den von den Franzosen zum Ortsaufseher in St. Martin bestellten Peter Ilmer aufsuchte, um ihn einzuweihen. Die schwarze Tat allein zu tragen, schien selbst einem Raffl zu schwer. Er vertraute also dem Ilmer an: er wisse den Hofer, der sich schon längere Zeit droben auf den Bergen aufhalte; auf ihn seien 1500 Gulden gesetzt, sie beide könnten das Geld gut brauchen. Der Angesprochene war sehr betroffen, er konnte nicht glauben, dass der Sandwirt, von dessen Flucht er immer reden hörte, noch im Tale zu finden sein sollte. Aber Raffl tat sehr zuversichtlich: er könne ihn gerade hernehmen; daher sollten sie beide zur Nachtzeit nach Meran gehen, beim General die Anzeige machen, mit dem verdienten Lohn dann heimlich ins Tal zurück, und kein Mensch hat etwas bemerkt. Ilmer erschauderte: »Einen Menschen verraten wie den Hofer, das ist viel zu 1) Joh. Hofer notiert: „Seine Beschäftigung war Beten und nicht sein sondern das Schicksal von ganz Tirol bedauern." |
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