Dem Gebete oblag der Oberkommandant noch eifriger als sonst. Dabei schlummerte aber sein Interesse an dem, was draußen in der Welt vorging, keineswegs. Noch immer wurde ein Botendienst unterhalten, doch mit einer gewissen Vorsicht. Seine Sendlinge durften nur wissen, dass er sich irgendwo in der Gegend aufhalte. Was sie ihm zu melden hatten und was er ihnen an Weisungen zukommen ließ, das hatten sie in einem vertrauten Hause zu St. Leonhard niederzulegen oder abzuholen. 1) Von dort stahlen sich nur besonders verlässliche Freunde, wie der Steinhauser, Oettl, Wild, Andreas Ilmer und noch wenige andere zu ihm und brachten die Rapporte, wohl auch die notwendigen Nahrungsmittel. 2) Auch ein Schweizer, Rupert Markenstein, dem Hofer einst eine Hauptmannsstelle in Pinzgau übertragen hatte, drang bis auf die Alm vor. Hofer redete ihm zu, er möge sich eilends nach Österreich in Sicherheit bringen; auch er selbst, so ließ er merken, trage sich mit dem gleichen Plane. 3) Unter Tränen nahmen sie Abschied. Hofer stand da noch vor dem Schweizer, geschmückt mit der kaiserlichen Gnadenkette, deren Medaille er zu küssen pflegte. Hat der Sandwirt zu dem sich verabschiedenden aufrichtig gesprochen, so war es nur eine rasch verfliegende Regung. In Wirklichkeit gewann der Fluchtgedanke, zu dieser Jahreszeit auch schwer ausführbar, niemals die Herrschaft über ihn. Wie festgewurzelt lag er in seiner Hütte. Gleich dem scheuen Wilde, das, aufgehetzt, in das Dunkel der Höhle sich birgt, um dann widerstandslos sich vom nachsetzenden Jäger fangen zu lassen, so blieb Hofer in dem unwirtlichen Versteck, taub gegen alle Vorstellungen der Getreuen, die ihn zur Flucht zu bereden suchten. 4) 1) Vgl. dagegen Thurnwalders Angaben über die Wächter bei Prem a. a. O., p. 45. |
|