806 - Die Bauern um Brixen


Mannschaft auf. Gediente Hauptleute wie Georg Hatzi und Josef Rangger ließen sich nach einigem Besinnen zum Losschlagen bewegen. 1) In manchen Orten machten die Aufwiegler schlechte Geschäfte. Wenige nur waren in Neustift und Albeins zu bereden; Kranabit, Elvas und Ras sollen keinen Mann gestellt haben. 2) Immerhin waren es Hunderte, die der Befehle ihrer Kommandanten, Kolbs und des Mahrwirtes, harrten. Aber schon das erste Debüt, auf Brixen berechnet, schlug fehl. Kolb hatte für den 25. die Gefangennahme Moreaus ansagen lassen. Von beiden Talseiten, von Pfeffersberg und St. Andrae, sollten die Stürmermassen die Stadt anfallen. Die Ostseite jedoch verhielt sich unter dem Einfluss abmahnender Seelsorger ruhig, und die 600 Pfeffersberger standen kleinlaut vom kopflosen Wagnis ab. Kolb selbst sah beim Schloss Razetz, wo er sein Quartier genommen, kaum 100 Mann um sich. Das hielt den Phantasten, da ihm aus Klausen bessere Nachrichten zukamen, nicht ab, Frena, der seinen Adjutanten spielte, und einen Bauer von St. Leonhard, Josef Gitzel, zum General zu senden, um stolz die Übergabe der Stadt zu fordern. Erstaunt fragte Moreau, wo denn der Feind sei, vor dem er zu kapitulieren hätte. Begreiflich hatten die zwei Parlamentäre ergebnislos zu ihrem Herrn zurückzukehren. 3)

Erfolgreicher schien der Aufstand in Klausen einzusetzen. Die ausgegebene Parole zwar, sich der 250 Mann zählenden Besatzung in der Nacht auf den 25. habhaft zu machen, wurde von den Stürmern der umliegenden Berggemeinden nicht befolgt, da sie erst am hellen Tag das Städtchen anfielen. Ja, vor einem aus Brixen eintreffenden Reitertrupp räumten die Bauern nach stundenlangem Gefecht sogar die Gassen. Allein bei Nacht zog die kleine Besatzung, die erhebliche Einbusse gelitten, ab, und am folgenden Morgen war der Landsturm der Herr von Klausen.

Die Straßenverbindungen waren unterbrochen. Der von Drouet zu Baraguay mit Briefschaften entsandte Offizier v. Hohenhausen wurde vor

1) Aussage des Georg Hatzl, Stampferbauer in Grasstein 1810 (J. St.): Rainer von Jaufental sagte eine Konferenz in Gasteig an. Dort traf ich mit ihm, Rangger, mit dem Wirt von Stilfes und anderen zusammen. Rainer zeigte einen Befehl vom Sandwirt und sagte aus, im Inntal und Pustertal sei alles auf, wir seien die letzten. Noch zweifelten wir. Da trat der Salztrager Jörg, ein Adjutant Hofers, ein und redete uns zu, wir sollten uns wehren, weil sonst nichts nütze. Der Hausknecht vom Hecherwirt in Sterzing brachte wieder einen Zettel Hofers, wo es hiess, die Österreicher wären schon unterwegs. Nun beschloss man sich zu waffnen. Ich sammelte einige hundert Sterzinger und Sarntaler bei Aicha. Kolb befahl uns die Besetzung der Brixener Klause. Ich kannte zwar den Befehl des Vizekönigs, der von der Kanzel verkündet worden war; aber Hofer und Kolb gaben vor, das seien nur „Lugenzetteleien".
2) Bericht des Gerichtes Brixen, 14. Dez. J. St.
3) Tagebuch d. Freih. v. Winkelhofen in Brixen. A. D.



Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 806

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.