Von Peter Gaim.
„Als Knechte verkleidet und durch falsche Kröpfe unkenntlich gemacht, waren die beiden beim „Stadlerwirt", jetzt „Neue Post", zurückgeblieben und wurden ihres simulierten, trottelhaften Gebarens halber von niemand beachtet. Mit Einbruch der Dunkelheit brachten sie den verwegenen Plan zur Ausführung. Während Prugger unauffällig Wagen und Pferde bereit hielt, schlich sich Empl auf die Höhe des Schmidberges, wohin er beim Rückzug Winterstellers schon eine Trommel und mehrere geladene Gewehre versteckt hatte. Gegen 10 Uhr nachts begann er zu trommeln und zu schießen. Die dadurch alarmierten Bayern umzingelten darauf den ganzen Berg, allein Empl hatte in der Finsternis sich bereits mit größter Raschheit davongemacht. Während des Vorganges am Schmidberg hatte Prugger Kanonen und Kasse auf den Wagen gepackt, darüber Heu geladen, so dass es einem Heufuder glich, und fuhr ganz unbehelligt mit feiner kostbaren Ladung durch das unbesetzte Kohlental nach Gasteig, wo Wintersteller dann die Geschütze im Walde vergraben ließ. Dieselben wurden später „auf äußerst schlaue Art nach Österreich überführt". Von diesem Einbruch der Bayern am 17. Oktober 1809 wurde ein Schadensprotokoll aufgenommen, das im Gemeindearchiv aufbewahrt wird und folgende Überschrift trägt:
Dieses Schadensprotokoll enthält auf 42 betriebenen und zusammengehefteten Bogen Pergamentpapier (31x22 ½ Zentimeter) die Aufzeichnung der an die bayerische Mannschaft und Offiziere gelieferten Naturalien und anderen Gegenstände und der von denselben geraubten Sachen. So wird der Schaden, den der Seidlwirt in Kössen allein erlitt, auf 2902 fl. 52 kr. angegeben. Dazu bekam der Vierteiler von Kössen (Vorsteher) vom Pfleger in Kitzbühel den obrigkeitlichen Auftrag, bis 20. Oktober Wagen und Pferde, Schlachtvieh, Brot, Hafer, Wein, Bier und Schnaps zu liefern. Dieses interessante Schriftstück, ebenfalls im Gemeindearchiv, hat folgenden Wortlaut:
Im April und Anfang Mai 1809 standen an den Gemeindegrenzen von Kössen gegen Bayern bei 800 Landesverteidiger unter dem Kommando des tapferen Rupert Wintersteller, davon 439 Schützen der Kompagnien Kössen und Schwendt mit den wackeren Hauptleuten Stephan Kendlinger, Krämer in Kössen, und Michael Hölzlsauer, Bierbrauer in Kössen. Wintersteller befürchtete schon im Mai 1809 einen Einbruch der Bayern im Gebiet von Kössen und ließ daher den Strubpaß bei Loser zu schwach besetzt, was zur Eroberung des Passes am 11. Mai (Himmelfahrtstag) durch Wrede mit 10.000 Bayern und Franzosen führte. Nach Erhalt der Kunde vom Angriff der Bayern eilte Wintersteller sofort zu Hilfe, kam aber bereits zu spät. Am 15. Mai verlangte schon der Festungskommandant von Kufstein die völlige Unterwerfung und Ablieferung der Gewehre von Kössen und Schwendt. Diese Urkunde lautet:
Neben den angeführten geschichtlich denkwürdigen Schreiben liegen im Gemeindearchiv noch das Sturmaufgebot an Hauptmann Stephan Kendlinger, Rapporte von ihm und mehrere Schützenlisten aus den Jahren 1805 und 1809. |
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