Von Dr. Karl Klaar
Nach den Seelsorgsmatriken von Matrei ist Maria Aigentler am 29. März 1733 in Mühlen bei Matrei geboren. Die Ahnentafel ihrer Mutter als Bild. Schwieriger gestalten sich die Nachforschungen nach den Vorfahren des Bürgers und Metzgermeisters Josef Aigentler. Agnes Kraler war seine zweite Frau. Die erste Frau desselben war Ursula Hörtnagl, die Tochter des Bartlmä Hörtnagl und dessen Ehefrau Gertraud Strobl von Mauren. Diese seine erste Frau starb 1727, nachdem sie ihm sechs Kinder geboren hatte (Freundliche Mitteilung des damaligen Kooperators Schmidhofer). Die Hochzeit mit seiner zweiten Frau, Agnes Kraler, hielt er am 17. Mai 1728. Die Hochzeit mit seiner ersten Frau war am 20. Mai 1709. Die bezügliche Trauungseintragung lautet:
Ob Josef Aigentler oder, wie er hier genannt wird, Aiginger, ein Ortskind oder ob, woher und wann er hierher eingewandert ist, verschweigt uns leider diese allzu kurze Trauungsnotiz, die uns sonst so häufig über die Eltern des Brautpaares Aufschluss gibt. Auch das Matreier Bürgerbuch, das von 1696 bis 1707 überhaupt keine Eintragungen enthält, erwähnt den Namen Josef Aigentler oder Aiginger nichts (Freundliche Mitteilung des Herrn Konrad Egg in Matrei vom 18. Februar 1933). Da es in nächster Nachbarschaft, nämlich in Ellbögen, eine Bauernfamilie Aigentler gab, auf deren Gut das Dorfmeisteramt lastete, so lag es nahe, eine Verbindung mit dieser Familie zu suchen. Allein ein Zusammenhang der in den Matreier Matriken vor 1700 eingetragenen Aigentler aus der Ellbögener Gegend (Pfons) ergab sich nicht. In den Matrikenbüchern von Patsch, zu dem Ellbögen damals größtenteils gehörte, finden sich „Aigeler" oder „Aignler" seit 1692. In diesem Jahre wurde am 17. März den Eheleuten Vitus Aigeler und Gertrud Pitlin ein Sohn Josef geboren (Tom. IV, S. 11.). Er kommt jedoch für uns nicht in Betracht, denn er ehelichte am 17. Februar 1727 Maria Peer, die Tochter des Bartholomäus Peer und der Gertraud Halder (Tom. V, S. 125.). Auch ein anderer Josef Aignler, geboren am 21. März 1693, der Sohn der Eheleute Simon Aignler und Maria Fröhlichin (Tom. IV, S. 20.), ist mit dem Gesuchten nicht identisch, denn er heiratete am 16. November 1723 Anna Hinterkircher von Matrei (Tom. V, S. 122.). Ein anderer Josef Aigeler oder Aignler ist in der für unsere Frage in Betracht kommenden Zeit in den Patscher Matriken nicht eingetragen. Aber auch in Amras, Rinn, Tulfes, am Wattenberg, in Schwaz, im Gnadenwald, in Arzl, Götzens usw. gab es um diese Zeit Aigentler. Höfe „in" oder „zu Aigen" finden wir im Wipptal unter dem Schloss Straßberg, in Vals (St. Jodok), dann in Rinn, Ober- und Unter-Aigen im Gnadenwald, auch in Stams, im Sarntal, im Gadertal, in Marling, in Villanders bestanden Güter „in Aigen". Aber trotz aller, durch viele Jahre fortgesetzter Bemühungen konnte ich die Herkunft dieses Josef Aigentler oder Aiginger nicht aufklären und alles Suchen blieb vergeblich. Da kam mir ein Zufall zu Hilfe. Gelegentlich von Nachforschungen in den Stadtgerichtsprotokollen von Hall stieß ich etwa 1918 in jenen der Jahre 1690 bis 1696 auf Fol. 120 f. auf die nachstehende Urkunde:
Dieselbe Urkunde ist wortwörtlich, aber von anderer Hand, noch einmal im selben Bande auf Fol. 444 und 444' eingetragen. Aus dieser Urkunde ergibt sich ohne Zweifel, dass Josef Aiginger oder Aigentler, der nachmalige Bürger und Metzgermeister in Matrei, der Sohn der Eheleute Christof Aiginger und der Ursula Wirtemberger von Absam ist. Der Vater, der damals, 1695, bereits verstorben war, betrieb dort das Fasserhandwerk. Dieses Ehepaar: Christof Aiginger, Fasser in Absam, und Ursula Wirtemberger, ist aber identisch mit dem in der nachstehenden Eintragung im Taufbuche von Hall genannten Ehepaar:
Da aber, wie jeder Matrikenbenützer und Familienforscher aus eigener Erfahrung wissen wird, der Taufname Christof häufig mit dem Taufnamen Christian verwechselt wird, weil der betreffende Seelsorger oft nicht wusste, ob der gemeldete Vorname „Christl" Christian oder Christof bedeuten sollte, so ist das vorgenannte Ehepaar wiederum identisch mit dem in der nachfolgenden Eintragung genannten Ehepaar:
Die auf die Taufe des gesuchten Josef Aigentler bezügliche Eintragung lautet: 1671 mense Februarii 26 Absom. Chrystiano Aigentler vietori et Vrsulae Wiertenpergerin coniugum filium p. p. Josephum bapt. Coop. Patrinus Oswaldus Kössler, faber ferrarius ibidem“ (Ebenda, S. 681). Zwei andere Kinder, Margaretha und Christof, wurden ihnen am 21. Juni 1657 und am 22. Jänner 1686 getauft (Familienbuch Hall, S. 54). In einem Steuerbuch des Gerichtes Thaur vom Jahre 1675 wird auch der „Pindter Christan Aigentler von Absam" genannt. Er zahlte an Personal- und Gewerbesteuer 15 Kreuzer (Staatsarchiv, Kod. 1403, Fol. 22). Seine Hochzeit mit Ursula Wiertenberger feierte er am 29. April 1657, wie die folgende Trauungseintragung darlegt:
Ursula Wiertenbergerin brachte in die Ehe den Besitz einer halben Behausung in Absam mit, die dem augsburgischen Obrist Mairhof in Absam grundrechtlich unterworfen war. Über diese halbe Behausung vermerkt das Urbar Nr. 12 im Krippschen Archive zu Absam auf Seite 99 die nachfolgende Eintragung:
Nach dem Urbar Nr. 13 im Krippschen Archiv Fol. 63, hat Josef Aigentler diese halbe Behausung am 3. März 1700 an Paul Pitschmann verkauft. Zufolge der Grenzangaben dieser halben Behausung gelegentlich ihres Überganges an den Schuhmachermeister Michael Köle am 5. Mai 1729 auf demselben Blatte dieses Urbars ist diese halbe Behausung identisch mit dem heutigen Hause Nr. 51 in Absam, das zwei Haustüren besitzt. Woher Christian oder Christof Aigentler stammte, darüber gibt uns die nun folgende Eintragung Aufschluss:
In den Matrikenbüchern von Ampass kommt nur ein einziger Aigentler vor, dessen Alter zu dem vorgenannten Christian oder Christof Aigentler stimmt, und das ist der am 4. April 1626 dort geborene Christof Aigentler. Die bezügliche Matrikeneintragung lautet im Original:
Nach der Taufnotiz vom 23. Februar 1655 war der Vater der Ursula Wiertenberger der Salzbergknappe Georg Wiertenberger. Ihre Taufe fand am 14. Juni 1631 statt, wie sich aus der nachstehenden Eintragung ergibt:
Sabina Holzhamer war die Stiefschwester der Margaretha Holzhamer, der Frau des Geigenmachers Jakob Stainer. Anna Mauracher, die Frau des Martin Aigentler, war in erster Ehe mit Joachim Schretter vermählt, der nach dem 18. Mai 1619 gestorben ist (Er erscheint an diesem Tage noch als Taufpate). Die Hochzeit des Martin Aigentler mit Anna Mauracher ist im Trauungsbuch von Ampass und ebenso in Hall-Absam nicht vermerkt. Sie dürfte aber 1621 erfolgt sein, weil bereits am 2. Mai 1622 die Taufe der Ursula Aigentler als Tochter der Eheleute Martin Aigentler und Anna Schretterin, geb. Mauracherin, im Ampasser Taufbuch eingetragen erscheint (Mitteilungen der vorgenannten beiden hochwürdigen Herren in Ampass). Das Bauerngut der Anna Mauracher war in Häusern gelegen und bestand in einem halben Lehen oder Kammerland mit Behausung, Stadel, Stallung, Kasten, Backofen, Badstube, Frühgarten, vierthalb Jauch Äcker nebst einem Mannmahd „gruematmad", das sie gemeinsam mit ihrem ersten Mann durch Kauf von ihren Eltern Georg Mauracher ~ Ursula Triebswetter am 15. Juli 1614 erworben hatte (Vfb. Sonnenburg 1614, Fol. 93). Zufolge dieser Urkunde grenzte es „morgenhalben an Cristoffen Weinradl, mittentag an gmain landstrassen, abent an gemaine gassen, so zum Ihn werts get, und Mitternacht an die verkbauffere". Nach diesen Grenzen kann der fragliche Hof nur der Hof Nr. 64 in Häusern sein. Nur bei ihm trifft es zu, dass an seiner Westseite ein Weg zum Inn hinunter geht. Dieser Hof ist heute Eigentum des Hofrates Ludwig von Neuner in Innsbruck. Ebenso wie Joachim Schretter wird auch Martin Aigentler ein sogenannter „einfahrender Geselle", ein un- oder wenig bemittelter Bauernbursche gewesen sein. Nach dem Steuerkataster des Gerichtes Sonnenburg, der im Jahre 1627 zusammengestellt worden ist, besaß Anna Mauracher noch das fragliche halbe Lehen. Als neuer Besitzer ist jedoch, aber mit anderer Schrift, ein gewisser Jakob Hofher vermerkt (Kat. des Gerichtes Sonnenburg, Fol, 83 und 83'). Tatsächlich muss das Ehepaar Martin Aigentler das Besitztum in Häusern bald darauf verlassen haben, denn im Familienbuch der Pfarre Hall ist auf S, 57 eingetragen, dass dem Aigl Martin von Häusern und dessen Frau Mauracher Anna am 14. April 1629 ein Sohn Georg geboren wurde. Ob Martin Aigentler mit jenem Martin Aigentler identisch ist, der im Totenbuch von Ampass am 15. August 1641 als verstorben erwähnt wird (Freundliche Mitteilung des Pfarrers Stefan Weißsteiner und des Chorherrn Franz Danner), ist jedenfalls fraglich. Noch fraglicher aber erscheint mir die Identifizierung unseres Martin Aigentler mit jenem Martin Aigentler in Tulfes, der uns 1613 und 1615 als Sohn des Kaspar Aigentler von Rinn bezeugt ist. Die Tatsache, dass Martin Aigentler nach Aufgabe des Gutes in Häusern sich mit seiner Frau in das Gebiet der Pfarre Absam-Hall begab, lässt vermuten, dass dort seine Verwandten oder der Bekanntenkreis sich befand, mit dem er vor seiner Heirat verkehrte und durch deren Mithilfe er sein weiteres Fortkommen zu erreichen hoffen konnte. Somit ergibt sich als Ergebnis der bisherigen Bemühungen die beifolgende Ahnentafel Josef Aigentlers. Interessant ist jedenfalls die Tatsache, dass ein Teil der Vorfahren Andreas Hofers derselben alten Pfarre Absam-Hall angehört, der auch viele Vorfahren seines tapferen Mitkämpfers Josef Speckbacher angehört haben, und nicht minder bemerkenswert ist die andere Tatsache, dass die genealogischen Wurzeln Andreas Hofers, wenn er auch ein gebürtiger Südtiroler ist, ebenso nach Nordtirol wie nach Südtirol sich verzweigen und dass beide Landesteile genealogisch in gleicher Weise an ihm Anteil haben. |
|