Andreas Hofer führte nun, von Hormayr unterstützt, die oberste Leitung der Militär- und Zivilverwaltung unter den sonderbarsten Anomalien, in denen aber sein schlichter Bauernverstand nicht selten den Nagel auf den Kopf traf. Seine erste Verordnung betraf die Herausgabe aller von den Feinden geraubten und wieder verkauften oder zurückgebliebenen Effekten. Dann erließ er einen Ausruf an die Seelsorger, dem höchsten Helfer in der Not Lob- und Dankopfer für den Sieg darzubringen und für die Aufnahme der Religion Sorge zu tragen. Mit großem Eifer bekümmerte er sich auch um den Ehefrieden; den Frauenzimmern verbot er, »ihre Brust und Armfleisch zu wenig oder nur mit durchsichtigen Hadern zu bedecken«. Im übrigen bestätigte Andreas Hofer durchaus die Verfügungen der frühern österreichischen Verwaltung. Vom Kaiser durch die große goldene Gnadenkette mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet, führte er die Verwaltung fort bis zum Frieden von Wien 14. Okt., nach dem Tirol und Vorarlberg, wenngleich mit Vorbehalt einer allgemeinen Amnestie, der Gewalt des Feindes überlassen werden mußten. Auf die Kunde hiervon waren Andreas Hofer und dessen Genossen im ersten Augenblick betäubt, ratlos, unentschlossen, und da die Feinde rasch den Isel und die Scharnitz besetzten und Speckbacher 16. Okt. im Salachtal nach blutigem Kampf besiegt worden war, unterwarf sich auch Andreas Hofer zu Steinach 2. Nov. und erließ am 7. ein die Friedensbotschaft bestätigendes Schreiben an das Volk. Allein durch falsche Nachrichten von österreichischen Siegen getäuscht, gedrängt von Männern, die, wie Haspinger (s. d.), immer von neuem Kampf verlangten, rief Andreas Hofer 12. Nov. vom Sand aus die Bewohner des Vintschgaues und des Oberinntals nochmals zu den Waffen. Unaufhaltsam drangen indes die Feinde vor, so daß Andreas Hofer mit Weib und Kind in die winterliche Einsamkeit der Berge flüchten mußte, weil er Tirol nicht verlassen wollte. Von November 1809 bis Januar 1810 hielt er sich in einer Alpenhütte beim Eingang ins Farteis verborgen. Hier verriet ihn ein übel berüchtigter Landsmann, namens Raffl, den Franzosen. Am 27. Jan. 1810 von italienischen Truppen gefangen genommen und nach Mantua gebracht, wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und auf Napoleons direkten Befehl zum Tode durch Erschießung binnen 24 Stunden verurteilt. Er trat am Morgen des 20. Febr. 1810 seinen letzten Gang an; auf dem Exekutionsplatz, einem breiten Bastion der Porta Ceresa, angelangt, weigerte er sich, die Augen sich verbinden zu lassen und niederzuknieen, und kommandierte dann selbst »Feuer!« Erst der 13. Schuß machte seinem Leben ein Ende. Seine Leiche ward im Gärtchen des Pfarrers der Zitadelle beerdigt; von dort brachte man sie 21. Febr. 1823 feierlich in das für Andreas Hofer bestimmte Grabmal in der Hofkirche zu Innsbruck. Dort, dem Denkmal des Kaisers Maximilian I. gegenüber, steht seit 1834 sein Standbild, aus Göflaner Marmor von Schaller gefertigt. Eine Erzstatue Hofers von Natter wurde 28. Sept. 1893 auf dem Berge Isel errichtet. In Meran werden seine Befreiungstaten in einem im Freien aufgeführten Festspiel alljährlich dargestellt. Hofers Familie wurde für den Verlust ihres Vermögens 1819 vom Kaiser entschädigt, auch des bereits 1809 geadelten Andreas Hofer Adelsdiplom 26. Jan. 1818 in Wien ausgefertigt. Vgl. Weidinger, Andreas Hofer und seine Kampfgenossen (3. Aufl., Leipz. 1861); Heigel, Andreas Hofer (Vortrag, Münch. 1874); Stampfer, Sandwirt Andreas Hofer (Freiburg 1874); Egger, Geschichte Tirols, Bd. 3 (Innsbr. 1880); Schmölzer, Andreas Hofer und seine Kampfgenossen (das. 1900). Immermann und B. Auerbach behandelten die Geschichte Hofers in Dramen. Vgl. auch Frankl, Andreas Hofer im Liede (Innsbr. 1884). |
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