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VRENELIS GÄRTLI

Der Glärnisch hat eine würfelförmige, mit Schnee bedeckte östliche Kuppe, genannt Vrenelis Gärtli. Von ihm geht folgende Sage: Ein fahrender Schüler wollte einst den Türlersee, der am westlichen Fuß des Albis liegt, abgraben. Als er mit der Arbeit schon weit vorgerückt war, wurde er als ein gefährlicher Neuerer von einem nach Maria-Einsiedeln wandernden Pilger im Namen Gottes und Christi angerufen und auf die eisbedeckte Höhe des Glärnisch gebannt, mit der Weisung, er möchte sich dort einen Garten anlegen.

Allgemeiner jedoch hört man so erzählen:

Vormals war diese Kuppe ein Garten, der mit mehreren weidereichen Alpen einem Hirten gehörte, der eine Tochter namens Vreneli hatte. Diese heiratete einen unbemittelten Jüngling, dessen Mutter das junge Paar zuweilen besuchte. Aber jedesmal, wenn die Schwiegermutter kam, wurde sie von der hochmütigen Tochter schnöde behandelt. Um ihre Reichtümer den Leuten zu zeigen, baute Vreneli eine Treppe von lauter Käse. Und als einst die Schwiegermutter wieder schlecht behandelt und gering bewirtet ins Tal hinabgestiegen war, wünschte sie, daß diese Käse zu Stein und die stolze Sohnesfrau gedemütigt werde. Das geschah und kurz darauf wurde das ganze Besitztum mit ewigem Schnee bedeckt.

(Mündlich)

Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858