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Ein Wirbelwind verrät den Mord

Nun, hier unten, jenseits der Grenze, ist ein Dorf Olmód. Dort war irgendwann ein Bauer. Jedes Jahr kam nun ein Jud nach Olmód. Dieser Bauer hat ihn immer nach Köszék kutschiert, mit einem Wagen, diesen Juden. No, dieser Bauer wußte, daß der Jud sehr viel Geld bei sich hat. Irgendwo im tiefen Wald ist er mit seiner Kutsche stehengeblieben. Er ist abgestiegen. Der Jud wußte nicht, was er will. Er nahm vom Wagen die Wagenleiste und ging damit auf den Juden los:

"Jetzt krepierst, ich schlag dich tot, wegen dem Geld."

No, der Jud flehte ihn an, er solle ihn nicht totschlagen, er gibt ihm sein Geld.

"Dann wirst du mich verraten", sagt er, "du mußt krepieren."

Er ist auf ihn losgegangen. Mit der Wagenleiste hat er den Juden totgeschlagen. Dann hat er ihn in den Straßengraben geworfen und hat ihn dortgelassen.

Aber während das geschah, entstand ein großer Wirbelwind. Der Jud hat zu ihm gesagt:

"Wenn ich dich nicht verraten kann, dann wird dich dieser Wirbelwind verraten."

Und so ist es wirklich geschehen. Es sind viele Jahre vergangen, und man ist nicht daraufgekommen, wer den Juden erschlagen hatte. Die Frau hat ihn verraten. Es war eine kinderlose Familie. Es ist in den Dörfern üblich, daß vor dem Haus auf der Straße Bänke oder Baumstämme sind, und im Sommer sitzt man draußen. Nun, sie haben dort auf der Straße eine Bank gehabt. Sie saßen eines Sonntagnachmittags dort draußen. Irgendwie hat er sich dann mit seiner Frau zerstritten. Auf einmal hat sich die Frau versprochen, sie sagt:

"Auch mit mir wirst du es so tun wie mit dem Juden."

Gerade war dort dann ein Wirbelwind, und sie hat das in ihn hineingeschrien. Die Nachbarn haben das gehört. Man hat ihn schon tags darauf weggeführt.


Quelle: Angaben zu den abergläubischen Erzählungen aus dem südlichen Burgenland (Burgenländische Forschungen, H. 33), Karoly Gaal, Eisenstadt 1965, Nr. 146, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 192.