Geißmilch

In der Vorzeit, wo noch alles riesig war, weidete am Hohen Bogen droben eine mächtige Geiß. Die Wälder zu ihren Füßen waren wie niederes Gras, ihre Hörner stießen schier bis an den Mond. Einmal schlief sie an einem Hohlweg ein. Da fuhr ein Wagen vorüber, und ein Rad rollte ihr über eine Zitze und riß sie auf. Jetzt rann der Geiß das Euter aus und die Milch schoß wie ein wilder Bergbach getal und überschwemmte das Land und die armen Leute ertranken in lauter Geißmilch.

Quelle: Hans Watzlik, Böhmerwald-Sagen, Budweis 1921 (Böhmerwalder Dorfbücher, 5. Heft)