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Aus dem Schwabenkrieg

1. Benedikt Fontana

Einstmals, im Ausgange des fünfzehnten Jahrhunderts, hatten sich die Schweizer mit ihren biedern Nachbarn über dem Rhein und Bodensee überworfen, besonders der guten Stadt Konstanz wegen, die sowohl der Schwäbische Bund als auch die Eidgenossen gerne besessen hätten. Die alte Bischofsstadt wäre erst nicht ungern schweizerisch geworden, aber als die ungestümen Eidgenossen sie einst überfielen und mit Gewalt zu eidgenössischer Minne zwingen wollten, kündigten ihnen die erbosten Konstanzer die Freundschaft und traten dem Schwäbischen Bunde bei. Dies und weitere Ursachen brachten den sogenannten Schwabenkrieg zum Ausbruch. Man stritt hin und her und tat sich beiderseits viel Abbruch und Schaden, wobei jedoch die Schwaben hübsch hinter dem Rhein und Bodensee blieben. Am ärgsten plagte es die Schweizer, wenn die Schwaben ihnen über den Rhein hinüber "Kuhmäuler" zuriefen und bei ihrem Anblick zu muhen und zu plärren anfingen.

Als nun auch der Kaiser Maximilian, den man den letzten Ritter nennt, dem Schwäbischen Bund zu Hilfe kam, sah es für die Eidgenossen bös aus. Der Kaiser aber wollte die Schweizer zwingen, die neue Reichsordnung anzunehmen, und dann gedachte er das Graubündnerland und danach auch die Eidgenossen wieder der österreichischen Herrschaft zu unterwerfen. Jetzt brachen die Schweizer eilends mit all ihren Pannern auf, dem Heere des Kaisers entgegenzurücken, denn wenn des Kaisers Heer siegte, mußten sie für ihr Land grausige Zeiten erwarten, da der österreichische Ritter Burkhardt von Randeck, ein grimmiger Schweizerfeind, gesagt hatte: "Ich will auf den Tag im Schweizerland räuchern und brennen, daß Gott im Regenbogen vor Rauch und Hitze blinzeln und die Füße an sich ziehen muß."

Aber der Himmel hörte diese lästerliche Rede, und die Strafe folgte ihr auf dem Fuße. Denn als nun des Kaisers Heer über die Berge stieg, um zuerst die Graubündner zu unterwerfen, empfingen ihn diese und ihre Eidgenossen also vortrefflich, daß er nach vielen grimmigen Gefechten und Kämpfen den Krieg verlor und die Schweiz und ihre Bundesgenossen von Graubünden für immer bei ihren Freiheiten belassen mußte.

Ganz besonders heiß ging's in diesem Kriege in der Schlacht auf der Malserheide zu. Da gewann sich ein Graubündner namens Benedikt Fontana großen Ruhm. Er führte den Gewalthaufen der Graubündner und ihrer Eidgenossen. Nun versperrte ihnen eine lange Schanze den Vormarsch. Ein Sturm nach dem andern wurde von den tapferen Tirolerschützen, die hinter der Schanze steckten, abgeschlagen. Als nun auch der österreichische Feind im Rücken in hellen Scharen angestürmt kam, mußten die Schweizer fürchten, erdrückt zu werden. Da riß sie ihr Anführer Fontana zu einem letzten wilden Sturmangriff auf die Schanze mit sich fort, und es gelang, die stark bewehrte Mauer zu nehmen. Fontana stand als erster jenseits der Schanze. Aber da traf ihn ein Schwertstich in den Unterleib. Wie gelähmt stutzten seine Kampfgenossen einen Augenblick, da sie ihren Anführer auf die Knie sinken sahen. Aber er erhob sich noch einmal, streckte das Schwert hochauf und rief, mit der einen Hand die gräßliche Wunde am Unterleib zudrückend: "Eidgenossen, frisch drauf! Kümmert euch nicht um meinen Fall. Ich bin ja nur ein einzelner Mann. Heute könnt ihr als Sieger das Vaterland und eure freien Bünde retten. Werdet ihr aber besiegt, so kommen eure Nachfahren in ewige Knechtschaft!" Dann sank er tot zusammen. Jetzt sprangen die Eidgenossen, jauchzend vor Wut und Kampfgier, über die Schanze und schlugen den Feind nach blutigem Ringen vollständig.

Jenem Lästerer aber, dem Ritter von Randeck, war es sonderbar ergangen. Nämlich etwa einen Monat vorher brach er mit zehntausend Mann von Konstanz auf und überfiel einen Haufen Eidgenossen im Schwaderloch. Sie hatten schlechte Wache gehalten und sich überraschen lassen. Nun mußten sie sich fechtend in den Wald zurückziehen. Jetzt wurde der Randecker so übermütig, daß er vorschlug, man wolle gleich nach Zürich ziehen, ins Herz der Eidgenossenschaft. Die Führer konnten sich aber nicht einigen. Also machten sie ein mächtiges Feuer an und fingen an zu kochen und zu braten und wurden guter Dinge. "Ei", sagte aber der wilde Randecker, als er sah, wie alles drüber und drunter ging, "seht euch vor, die Kühmelker kommen gewiß wieder!"

Und sie kamen. Sie hatten sich in den Wald zurückgezogen, wo nach und nach so viele Schweizer zu ihnen stießen, daß ihrer wohl vierzehnhundert zusammengekommen sein mögen. Nun versuchten sie's mit einer Kriegslist. Sie verteilten ihre Trommler im ganzen Wald und ließen sie dann von allen Seiten drauflostrommeln und Wirbel schlagen, daß es einen Mordslärm gab. Entsetzt fuhren die Schwaben in ihrem fröhlichen Lager auf, denn sie meinten, ein gewaltiges eidgenössisches Heer sei im Anzug. Und als nun die Schweizer jauchzend aus dem Walde hervorbrachen, schossen die Krieger vom Schwäbischen Bunde zu hoch. Die Eidgenossen aber fuhren auf sie los, warfen sie auf die Geschütze zurück und auf das entsetzlich rauchende Lagerfeuer, also daß ihrer viele von dem Rauch und der Hitze versengt wurden und erstickten. Und als nun die Eidgenossen nach einem kurzen Hau das Feld behielten und die Toten absuchten, fanden sie auch den wilden Ritter von Randeck mit versengten Haaren und geschwärzt vom Rauch neben den Geschützen am Feuer liegen. Mit Grausen erinnerten sie sich jetzt seiner lästerlichen Rede vor dem Kriege.

Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Bettina Stelzhammer, Jänner 2005.