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DIE ERFINDUNG DER STREICHINSTRUMENTE

Auf der wegen ihrer tropischen Schönheit berühmten Insel Ceylon, die der Südspitze von Vorderindien vorgelagert ist, herrschte in alter Zeit ein edler König namens Ravana. Wegen seiner Weisheit und Güte wurde er von allen seinen Untertanen geliebt und geehrt. In seinen Mußestunden aber beschäftigte er sich am liebsten mit der Musik. Er besaß ein einfaches Instrument, dessen Seiten durch Zupfen mit den Fingern zum Tönen gebracht wurden. Nun geschah es eines Tages, daß der König die Saiten durch einen Zufall mit der Sehne seines Jagdbogens berührte, wodurch ein leiser singender Ton entstand. Das geschulte Ohr des Königs faßte die Eigenart dieses Tones sogleich auf, und was der Zufall ihn gelehrt hatte, das suchte er nun durch Beobachtung und Übung weiter zu vervollkommnen. Auch das einfache Instrument gelang es ihm so weit zu verbessern, daß es einen schöneren, volleren Klang ergab. Noch heutigen Tages findet sich dieses einfache Streichinstrument bei der niederen Bevölkerung Indiens im Gebrauch. Es wird nach seinem angeblichen Erfinder Ravanastron genannt.


Quelle: Oskar Ebermann, Sagen der Technik, o. J., S. 108