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DIE ERFINDUNG DER BUCHDRUCKERKUNST

Die wissenschaftliche Forschung läßt heute keinen Zweifel mehr darüber zu, daß Gutenberg der Erfinder des Druckes mit beweglichen Lettern - und zwar metallenen - gewesen ist. Zuerst war er nachweislich im Jahre 1436 in Straßburg damit beschäftigt, mit stabförmig gegossenen, beweglichen Metallbuchstaben zu drucken. Daraus ist eine Straßburger Sage entstanden, welche die Erfindung der Buchdruckerkunst für einen Bürger dieser Stadt in Anspruch nimmt.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte in Straßburg am Fronhof zum Tiergarten Johann Mentelin. Er war der eigentliche Erfinder der Buchdruckerkunst, und seine Schwäger Peter Scheff er und Martin Fleck waren seine Verleger. Dieser Mentelin hatte einen ungetreuen Diener namens Johann Gensfleisch, der achtete genau auf die Tätigkeit seines Herrn, und als er ihm die Kunst genügend abgesehen hatte, floh er nach seiner Heimatstadt Mainz. Dort hat er die Kunst durch die Beihilfe des reichen Guttenbergers verbessert und vervollkommnet. Die Untreue des Gensfleisch nahm sich Mentelin so zu Herzen, daß er vor Gram starb. Er wurde der neu erfundenen Kunst zu Ehren im Münster begraben, und auf seinem Grabstein wurde das Bild einer Druckerpresse eingemeißelt. Gott aber strafte den untreuen Diener Gensfleisch so, daß er bis an sein Lebensende blind geworden ist.

Die erste Druckerpresse hat ein Drechsler namens Konrad Saßbach gebaut, der im Krämergäßchen wohnte. Die Buchstaben, ganze Worte und Silben, waren aus Holz geschnitten; sie hatten Löcher, so daß man sie mit Hilfe einer Schnur in der gewünschten Weise anreihen konnte.

Deutlich ist in dieser Sage zu sehen welche Verwirrung unter den Namen entstanden ist, denn "Gensfleisch der junge, genannt zu Gutenberg" ist der volle Name des Erfinders, seine Geldgeber waren der Mainzer Bürger Johann Fust und Peter Schöffer, dessen Gehilfe und Schwiegersohn.


Quelle: Oskar Ebermann, Sagen der Technik, o. J., S. 109