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DER URSPRUNG DER HANSE

Nachdem der lübische Bürgermeister Alexander von Soltwedel die drei Königreiche Dänemark, Schweden und Norwegen bezwungen hatte, stiftete er im Jahre 1241 den alten, berühmten Hansabund, um die Straßen zu Wasser und zu Lande von den verwegenen Dieben und Räubern zu reinigen und die Feinde des Reiches mit gewappneter Hand zu dämpfen. Der Hamburger Rat willigte dazu ein, ebenso die Wendischen. Daraufhin kamen in Lübeck Verordnete von hundertfünfundzwanzig angesehenen Städten zusammen und beschlossen folgendes:

Lübeck ist das oberste Haupt und die Stadt Danzig der Orator oder Kanzler, dazu werden die osterschen Städte gelegt; Braunschweig ist der Kurator oder Marschall samt den sächsischen Städten; Köln ist der Kämmerer oder Rentmeister mit den Westerschen; die wendischen Städte aber und der Hansatambour und Pfeiffer sollen bei Lübeck sein.

Sie haben ferner vier Handelsstädte zu Kontoren ernannt mit Kaufmannschaft zu Wasser und zu Lande, um dahin zu handeln. Das erste Kontor haben sie nach Brügge in Flandern gelegt, da sollte Gold und Silber, Edelgestein, Samt und Seide verhandelt und gewechselt werden; das andere legten sie nach London in England wegen des Lakens oder Tuches; das dritte kam nach Naugarden (Nowgorod) in Rußland, woher sie die Pelzerei wie Zobel, Marder, Biber, Grauwerk und desgleichen Flachs, Wachs, Ochsen- und Kuhhäute und reußisches Leder holten; das vierte Kontor befand sich endlich in Notau in Norwegen, das später wegen der Seeräuber nach Bergen gelegt ist. Dahin sollte man Bier und Brot, Malz und Mehl, geringes Tuch, Schuhe und Leinwand bringen, dafür aber Hering und Rotscheer, Wachs, Tran und Stockfisch wieder holen.

Und als das Regiment allenthalben wohlbestellt war, lobten und priesen sie Gott einmütig und zogen von dannen.

Aber weiterhin hat der moskowitische Bär die livländischen Kälber greulich gefressen. So hat auch auf der anderen Seite der polnische Wolf die preußischen Lämmer getreulich bewacht und fleißig im Busch auf sie gelauert. Der hispanische Fuchs aber hat die westerschen Gänse ziemlich gerupft; ja, der Leu hat oft versucht, wie er Lübeck und Hamburg packen möchte.

Etliche Jahre hat man folgenden alten Spruch gehört:

«Lübeck ein Kaufhaus,
Köln ein Weinhaus,
Braunschweig ein Zeughaus,
Danzig ein Kornhaus,
Hamburg ein Brauhaus,
Magdeburg ein Backhaus,
Rostock ein Malzhaus,
Lüneburg ein Salzhaus,
Stettin ein Fischhaus,
Halberstadt ein Frauenhaus,
Riga ein Hanf-und Butterhaus,
Reval ein Wachs-und Flachshaus,
Krakau ein Kupferhaus,
Wisby ein Pech- und Teerhaus.»


Quelle: Karl Werhan, Die deutschen Sagen des Mittelalters, 2 Bde., München 1920, Nr. 281 (nach Deecke 1852).
aus: Historische Sagen, Leander Petzoldt, Schorndorf 2001, Nr. 68, S. 45