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Vorwort
Der eigene Wunsch meiner verehrten Herrn Zuhörer ist es, welcher
zu diesem Büchlein mir die Veranlassung giebt. Ihnen ist es
zunächst gewidmet. Sie werden die Hauptmomente meines Vortrags
darin wiederfinden.
Aus dieser Rücksicht bitte ich andere Leser dieser kleinen
Schrift, sie beurtheilen zu wollen, indem ohne jene Beziehung auf
mündliche Erörterung allerdings manche Punkte weitere
Ausführung, reichere Literatur, genauere Entwicklung des hier
dargelegten Zusammenhanges mit Recht gefordert hätten. Manches
ist auch aus Mangel an literarischer Unterstützung vorbeigelassen,
indem ich zum Theil an meine eigenen beschränkten Hülfsmittel
gewiesen war.
Weil die formelle Seite der Deutschen Literatur in den Compendien
- und außer ihnen giebt es ja kaum eine Geschichte derselben,
obwohl das Kobersteinsche jetzt eine rühmliche Ausnahme macht
- aus Unbekanntschaft mit der Sache fast immer bedacht, diese aber
in Schatten gestellt zu werden pflegt, zog ich es vor, die Materie,
den besonderen Inhalt, mehr herauszuheben und in Bezug auf Büchertitel
u. s. f. auf eben jene Compendien zu verweisen.
Uebrigens ist es mein Bestreben gewesen, so viel die hier durch
den Zweck gebotene Kürze erlaubte, mich an meine Schrift über
den Titurel anzuschließen, in deren Vorerinnerung S. 1 - 4
ich meine Ansicht von der Methode der altdeutschen Literaturgeschichte
und S. 44 - 52 den allgemeinen Zusammenhang der poetischen Richtungen
des Deutschen Mittelalters anzugeben versucht habe. Sie liegen auch
hier zu Grunde.
Halle, am 17. December 1828
Karl Rosenkranz
Quelle: Das
Heldenbuch und die Nibelungen, Karl Rosenkranz, Halle 1829
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