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§. 16. A. Die Franken und Sigfrid.
Die Fränkische Geschichte ist reich an Scenen [Szenen] des
Verrathes [Verrates] und der Grausamkeit. Die scheußlichen
Zwistigkeiten der Fredegunde und Brunhilde sind weltbekannt. Ein
Meuchelmörder Fredegunde's erstach den Austrasischen König
Sigbert I. (575) im Lager von Vitry, als er mit seinem Bruder Chilperich
in Krieg verwickelt war. Er ward in der Kirche des heiligen Medardus
zu Soissons begraben und hat einen Lindwurm zu seinen Füßen
- Aber eine völlige Identität ist in solchen Geschichten
umsonst zu suchen. Die Congruenz ist nur im Allgemeinen, nicht im
Einzelnen und daher immer nur oberflächlich. Sigfrid ist in
der Deutschen Sage, was Sigurd in der Nordischen und Balldur unter
den Asen. Wie Achilleus wird er in der Blüthe seiner Jahre
dahingerafft. Er macht den Kern unseres Nibelungenliedes in seiner
ersten Hälfte bis zur zwanzigsten Auentüre aus und schreitet
durch den zweiten Theil als der finstere Geist der Rache eben so
hindurch, wie Cäsar, in der Shakespearschen Tragödie dieses
Namens. Seine Jugendgeschichte ist in den Nibelungen nur beiläufig
von Hagene, V. 357 - 412 erzählt. - Dagegen macht sie den Inhalt
eines alten, volksmäßig gehaltenen Meistergesanges in
der Nibelungenstrophe aus. Sigfrid ist darin, wie in der Niflungasage,
zuerst bei einem Schmid [Schmied] in der Lehre, erschlägt den
Lindwurm und wird hörnen. Hieran ist dann offenbar nach einem
andern Liede die Sage geknüpft, wie er den Riesen Kuperan überwindet,
den Drachen auf dem Drachenstein in den Vogesen erschlägt,
damit die schöne Chriemhild von demselben befreiet und mit
ihr nach Worms zu ihren Brüdern zieht. Aus dem Drachenstein
aber nimmt er den großen Schatz des Zwergkönigs Alberich,
auch Eugel genannt, mit sich fort. - Außerdem kommt Sigfrid
dann in den Kämpfen der Burgunden im Rosengarten und Viterolf
als der stete Gegensatz Dieterichs von Bern vor.
Alter Druck des Meistergesanges, wiederholt in
v. d. Hagens und Primissers Heldenbuch Th. 2. - Späteres Zeugniß
über die Sage von ihm in Freheri Origines palatinae. P. II.
(ed. 1612) p. 62 sq.
Praesertim vero Sigefridi, cujusdam gigantis, quem ab immani robore
et duritie telis impervia, non ut Pelops ille humero fuit eburneo,
sed totum corneum dixere, fama ad miraculum increbuit, qui ludis
olympicis a Chrimhilde illa regia puella indictis a Theodorico Veronensi
cum veteranis suis provocato, consertis manibus, multoque utrinque
sanguine fuso, cadmea prope victoria inter alios depugnarit; ibidemque
tandem sepultus, ceu alter quidam Hector, famosum momumento suo
locum fecerit. Cujus etiam hasta, ingens pinus, ibidem ostentatur.
Tam plebejis et puerilibus fabulis vera priscorum Fancorum historia
involuta intercidit - unde etiam domum quandam in Vangionum urbe
(Wormatia) non dubiae vetustatis, vasta altidudine - gigantum domicilium
etiamnum vulgo vocant etc.
Wegen der Identität der Burgunden und Franken
in den alten Gedichten ist die enge Verbindung der altburgundischen
Geschichte mit der Fränkischen als historischer Anlaß
zu beachten. Schon Chlodwig hatte schwere Kämpfe mit Gundobald,
dessen Sohn Sigismund (mit Ostgoth, Theodorichs Tochter vermählt)
von den Franken gefangen und auf Befehl der Söhne Chlodwigs
mit seiner ganzen Familie lebendig in einen Brunnen zu Coulmiers
versenkt wurde (523.) Sigismunds Bruder, Godomar, stellte sich nun
an die Spitze der Burgunder, erlag aber 532 den Angriffen Childeberts
und Chlotars, worauf die Könige der Franken auch Könige
der Burgunder wurden, und diese, wiewohl ihre eigenen Gesetze behaltend,
sich zur Heeresfolge und zu einem jährlichen Tribut verpflichteten.
Quelle: Das
Heldenbuch und die Nibelungen, Karl Rosenkranz, Halle 1829,
S. 24f
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