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DIE ZWÖLF JOHANNES In Königsberg waren ihrer Zwölfe, die hießen allesamt Johannes und hatten die gemeine Rede vernommen, daß einem, der Johannes heiße, der Teufel nichts anhaben könne, der täuschte sie mächtiglich. Denn da sich nun diese zwölf Gesellen zusammengetan, den Teufel zu berufen, ihm ihre Armut zu klagen und sich von ihm reich machen zu lassen, so gingen sie alle zusammen hinaus auf den Glappenberg, der jetzt der Rollberg heißt, zogen einen Kreis, stellten sich hinein und begannen den Teufel zu beschwören. Sie wünschten sich vornehmlich jeder einen Schilling, der stets Geld heckte, und war ihr Glaube, der Teufel bringe dreizehn Schillinge solchen Beschwörern dargetragen; einer davon gehöre ihm, und wer nun durch Los oder Unglück den Teufelsschilling empfange, dessen Seele verfalle beim Tode dem Teufel, die andern Eilfe aber gingen frei aus. Da nun aber, so rechneten die Beschwörer, der Teufel ihrer keinem etwas anhaben könne, weil sie alle Johannes hießen, so sei keine Gefahr dabei, der Teufel müsse die Schillinge doch bringen und den Unglücksschilling für sich behalten, mit der Erlaubnis, sich selbst zu holen, wenn es ihm beliebe. - Es kam aber ganz anders. Der Teufel war nicht in freigebiger, brutpfennigspendender Laune. Er erschien, und zwar in mancherlei Weise, führte lange Gespräche mit seinen Beschwörern, und diese in allerhand Sprachen, und verwirrte ihre Sinne so ganz und gar, daß vier von ihnen niederstürzten und ihren Geist aufgaben, vier andere wurden ganz irrsinnig, und viere rannten von dannen und gelobten zur Buße ihrer Freveltat eine Wallfahrt nach Sankt Jakob in Compostell. Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853
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