SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Wien >> Stephanskirche

   
 

DIE DIENSTBOTENMUTTERGOTTES

Die schöne, aus dem Jahr 1320 stammende Muttergottesstatue stand einst in der Hauskapelle der reichen Wiener Gräfin Gertrude von Ramshorn. Die Adelige vermißte eines Tages eine wertvolle Perlenkette. Was lag da näher, als die Dienstmagd des Diebstahls zu beschuldigen. Weinend lief das Mädchen in die Hauskapelle und warf sich vor der Muttergottesstatue auf die Knie. "Liebe Muttergottes, hilf mir", flehte es. "Du weißt, daß ich die Kette nicht gestohlen habe, meine Gnädige glaubt mir nicht und will mich einsperren lassen."

Dienstbotenmuttergottes, © Wolfgang Morscher

Dienstbotenmuttergottes
© Wolfgang Morscher, 28.07.2001

Doch die unbarmherzige Gräfin ließ die Rumorwache' kommen. Der Rumorleutnant sah die Verzweiflung der Magd und ordnete die Durchsuchung aller Kästen und Truhen der Dienerschaft an. Das Schmuckstück fand sich bei einem Reitknecht, der den Diebstahl gestand und hinter Schloß und Riegel gebracht wurde.

Nach einer anderen Überlieferung soll sich der angeblich gestohlene Ring in einem allzu achtlos abgestreiften Handschuh der Herrin befunden haben.

Aus Reue, daß sie zu Unrecht gehandelt hatte, schenkte die Gräfin die Muttergottesstatue der Wiener Stephanskirche.


Quelle: Der Stephansdom im alten Wien - Geschichte und Geschichten, Elisabeth Jaindl, Wien 1997, S. 37