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Wind und Regen auf dem Stephansplatz

Dem Teufel mißfiel das rüstige Schaffen der Werkleute bei St. Stephan, besonders das des geschickten Baumeisters Wenzla von Klosterneuburg. Deshalb setzte er sich mit dem Regen und dem Wind in ein Bündnis, denen er befahl, so lange den erhabenen Bau zu umspielen, bis er sie abrufe, in der Meinung, es werde dies die Bauleute von der ihm unliebsamen Arbeit vertreiben. Aber Meister und Gesellen gingen täglich mit frommen Gebeten an die Tat, und so konnte ihnen die Macht des Bösen nichts anhaben. Da fuhr der Teufel ingrimmig mit zorngesträubtem Haar von hinnen. Leider vergaß er jedoch zwei Dinge mitzunehmen: Den Wind und den Regen. Diese harrten noch lange Jahre auf sein Wiederkommen. Endlich brausten sie wütend und laut klagend um die Kirche herum, damit der Meister sie finde und schließlich erlöse; aber der hatte keine Ahnung davon und ließ sie festgebannt auf ihrem Platze. Als die Wiener dies erfuhren, erfanden sie folgenden Scherzvers:

"Wenn auch das schönste Wetter im Lande ein und aus,
ist Wind doch oder Regen am Stephansplatz zu Haus."

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 26, S. 43f
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Anja Christina Hautzinger, April 2005.