|
SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Wien >> 19. Bezirk Döbling |
|
|
Der Sieveringer Sagenkreis
um Karl und Agnes Da, wo jetzt Untersievring ist, befand sich vor Zeiten ein großer
Urwald und darin eine Jägerhütte. Der Jäger schickte einst
seinen Burschen auf den Anstand; dieser kam auf die Jägerwiese und
stellte sich hinter einen Baum. Da sah er spät in der Nacht eine
Prozession von lauter weißen Frauen; nur eine, die in der Mitte
ging, war schwarz gekleidet und trug in der linken Hand ein weißes
Sacktuch. Alle trugen brennende Fackeln, nur die mittlere eine abgebrochene
Kerze in der rechten Hand. Als der Zug an dem Baum vorüber kam, ging
die Schwarze auf den Jägerburschen zu und winkte ihm, zu folgen.
Sie nahm ihn mit über Wiesen, Berge und Täler und endlich kamen
sie vor ein schönes Kristallschloß, dessen goldene Tore versperrt
waren. Auf einiges Murmeln der Schwarzen, die jetzt aus der Reihe hervorgetreten
war, sprang die Tür auf und beide gingen hinein. Der Bursche blieb
vor Staunen und Schrecken ganz sprachlos. Als sie eine gläserne Treppe
hinaufgestiegen waren, zeigte ihm die Führerin eine Tür und
verschwand. Der Bursche trat ein, kam in eine Küche und wärmte
sich am Feuer. Da der ganze Palast schimmerte, so wußte er nicht,
ob es Tag oder Nacht war. Plötzlich öffnete sich die Tür
und es trat ein schwarz gekleidetes Männlein herein, das einen Hut
mit sehr breiten Krämpen, rundherum mit silbernen Borten besetzt,
trug. Am Hut hing eine silberne Quaste;
|