|
SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Wien >> Doku: Der jüdische Friedhof in der Seegasse |
|
|
Der jüdische Friedhof in der Seegasse
- Der jüdische Friedhof in der Seegasse,
Wien
Der jüdische Friedhof in der Seegasse Der jüdische Friedhof befindet sich im Hof des Pensionistenheimes in der Seegasse 9-11 im 9. Wiener Gemeindebezirk, welches auf dem Areal des jüdischen Siechenhauses errichtet wurde. Der jüdische Friedhof in der Seegasse,
Wien Dieser ist der älteste erhaltene Friedhof Wiens und der einzige
mit ausschließlich hebräischen Inschriften. Begräbnisse
fanden von 1540 bis 1783 statt. Da es in Wien immer wieder zu Judenvertreibungen
kam und der Bestand dieses Friedhofs gefährdet war, kaufte ihn der
Kaufmann Koppel Fränkel um 4000 Gulden, um den "Fortbestand
auf ewige Zeiten" zu sichern (Die Gemeinde Wien hat in unserer Zeit
den Kaufvertrag festgestellt und als rechtmäßig anerkannt). Der jüdische Friedhof in
der Seegasse, Wien Um der Schändung des Friedhofes zu entgehen, brachten einige mutige Juden (in einer Zeit der schwersten Verfolgung trotz des Benzin- und Fahrzeugmangels) die meisten Grabsteine auf den Wiener Zentralfriedhof und vergruben sie dort. Zu Beginn der Achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die Steine wieder entdeckt und nach den Plänen Bernhard Wachsteins wieder aufgestellt. Wachstein hatte den Friedhof um die Jahrhundertwende (1912-1917) dokumentiert. Vierhundert Jahre nach seiner Gründung wurde der Friedhof am 2. September 1984 wieder eingeweiht. Der jüdische Friedhof in
der Seegasse, Wien Jedem Besucher fällt eine allein stehende Fischskulptur aus Kalkstein ins Auge. Um diesen Fisch rankt sich folgende Sage: Der jüdische Friedhof in
der Seegasse, Wien Der Jude Simeon fing eines Tages einen großen fetten Fisch und freute sich schon auf das Mahl. Doch am Küchentisch hob der Fisch den Kopf und rief: "Schema Israel!", jene Worte also, die man im Sterbemoment sagen soll. Aber es war schon zu spät, der Kopf war bereits abgeschlagen und der Fisch starb. Der um Rat gefragte Rabbi meinte, es sei wohl ein "Dibbuk", eine wandelnde Seele und der Fisch gehöre daher beerdigt. Das tat Simeon und setzte ihm einen Grabstein in der oben angeführten Gestalt. Heute nimmt man an, dass es sich um den Wasserspeier eines Brunnens für
rituelle Handwaschungen handelt. Steine auf den jüdischen
Grabsteinen Anmerkung: Dem mit dem Judentum nicht vertrauten Besucher werden sofort die Steine auffallen, die auf die Grabsteine gelegt wurden. Sie sind Zeichen des Erinnerns im Sinne der Bibelstelle "Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!" (Gen. 3, 19)
Teil 2 >> Der jüdische Friedhof in der Seegasse Quelle: © Harald
Hartmann, 6. Oktober 2005
|