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DER SCHWEIZER AUF DER STAUFENALPE

Der Staufenschweizer konnte mehr als andere Leute und noch heute erzählt man sich seltsame Geschichten von ihm.

Als die Franzosen ins Land kamen, wollten sie auch die Staufenalpe und den Berg besetzen. Wie sie nun hinaufkamen, war der Schweizer gerade dabei, einen Stadel aufzurichten. Mit Schrecken sahen sie, wie der starke Mann einen großen, schweren Balken über sein Knie legte und wie ein Rütchen entzweibrach. Angsterfüllt flohen die Franzosen und ließen sich auf der Staufenalpe nicht mehr sehen. —

Der Bauer im Rudach hatte eine schöne Tochter, um die warb der Staufenschweizer, aber der Bauer wollte nichts davon wissen. Da meinte der Staufenschweizer: „Ihr werdet mir eure Tochter noch gerne geben!" und damit ging er. Als der Bauer am ändern Morgen in den Stall kam, waren die Kühe zusammengebunden, fraßen nichts mehr und gaben nur noch rote Milch. Als man der Katze ein wenig von dieser Milch hinstellte, schoß eine Schlange aus dem Boden, dick wie ein Arm und lang wie ein Schaufelstiel. Sie plappte ein wenig Milch und zischelte: „Erlöst mich und schüttet mir Weihwasser in den Rachen!" Den Bauern dünkte es, die Schlange habe die gleiche Stimme, wie sein vor einigen Jahren verstorbener Großvater. Erschrocken sprang er ins Haus und erzählte, was geschehen. — Nach einigen Tagen kam der Staufenschweizer wieder und der Rudachbauer versprach ihm seine Tochter, wenn er ihn von den Geistern befreie. Der Staufenschweizer bannte die Geister und nahm die Tochter zur Frau. —

Es war zur Zeit des Heuens. Die Wiese war gemäht und das Heu trocken zum einbringen. Vom Säntis zog ein schwarzes Wetter her und es war nicht mehr viel Zeit zu verlieren. Aber der Staufenschweizer lächelte nur, nahm eine Peitsche, fitzte über das Heu hin und das Heu hob sich, und flog, wie vom Winde getragen, in den Stadel und schichtete sich zum schönsten Stock.


Quelle: Walter Weinzierl, Sagen aus Dornbirn, Dornbirn 1968, S. 71