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DER GEIST BEIM PESTBILD
(Aus Dr. F. J. Vonbuns Sagen, nach Dr. Spiegels Aufzeichnung)

Auf dem Wege ins Oberdorf steht an der Kreuzstraße ein Pestbild.Wenn ein Betrunkener dort in nächtlicher Weile vorbeigeht, springt ihm ein zentnerschwerer Kerl auf den Rücken, den er notgedrungen zweihundert Schritte weit tragen muß, dann läßt ihn jener laufen, und der Rausch ist auch dahin. Nüchtern, still und einfältigen Gesichtes schleicht der Gezüchtigte seinem Lager zu. Wer nicht ein Schöpple über den Durst getrunken oder zu sehr dem Feuerwasser zugesetzt, wird am Pestbilde unbehelligt vorüberkommen; er sieht dann auf der Mauer nur eine schwarze Katze sitzen, deren Augen wie feurige Kohlen glühen.


Quelle: Walter Weinzierl, Sagen aus Dornbirn, Dornbirn 1968, S. 35