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DER JUNKERNGEIST UND DER BÜNDTLITTENBOCK

Die Nacht war schwarz und stürmisch, als ein Bauer sein Haus verließ. Er ging über die frischgemähten Wiesen, suchte mit den Schuhen die Marksteine und versetzte sie zur Rechten und Linken seines Bodens. Dann ebnete er die Erde und setzte einen Grasbüschel darauf, als wäre nichts geschehen.

Als er den letzten Markstein in des Nachbars Grund tragen wollte, hörte er hinter sich ein unheimliches Sausen. Er wandte sich um und sah mit Schrecken einen feurigen Bock, groß wie ein Pferd, den nahen Wald herab auf sich zuspringen. Bevor er fliehen konnte, hatte ihn der Bock zu Boden gerannt. Und so wie dieser gekommen, war er auch wieder verschwunden. Die versetzten Marksteine flogen aus der Erde und kehrten an ihren alten Platz zurück. Nur der Stein, den der Bauer noch in Händen trug, wurde so schwer, daß er ihm den Rücken bog.

Seit der Zeit geistert der Bauer, den Markstein in Händen und ruft: „Wo soll ich ihn stecken?"


Quelle: Walter Weinzierl, Sagen aus Dornbirn, Dornbirn 1968, S. 41